Die Liste ist grob chronologisch nach Geburtsjahren geordnet. Das heißt, ihre Aktivität könnte auch ins nächste Jahrhundert reichen und später gelistete Werke könnten frühere beeinflusst haben.
"{geschweifte Klammern + kursiv}" sind eigene Einschübe.
fl. = florierte, also wann jemand aktiv war. Es ist übliche Praxis dabei vom Alter von ca. 40 Jahren auszugehen.
roter Text (#cc4125) = Heraklits Worte

Heraklit von Ephesos | Ἡράκλειτος ὁ Ἐφέσιος

* 544-520 BCE - † 484-460 BCE, fl. 500 BCE | Vorsokratiker & Ionier

Ocellus Lucanus | Ὄκελλος

* 6. Jh. BCE - † 5. Jh. BCE | Vorsokratiker & Schüler Pythagoras' († 510-490 BCE)

Vom Wesen des Alls, I §12

Original:

Ἔτι δὲ καὶ ὅλη δἰ ὅλης(2) ἡ φύσις θεωρουμένη, τὸ συνεχὲς ἀπω τῶν πρώτων καὶ τιμιωτάτων(3) ἀφαιρεῖ κατὰ λόγον(4) {S. 377} ἀπομαραινομένη τὸ συνεχὲς καὶ προσάγουσα ἐπὶ πᾶν τὸ θνητὸν καὶ διέξοδον ἐπιδεχομένη τῆς ἰδίας συστάσεοως· τὰ μὲν γὰρ πρῶτα κινουμένα κατὰ τὰ αὐτὰ καὶ ὡςαυτῶς {[sic.]} κύκλον αμείβει· διέξοδον, οὐκ ἐφεξῆς καὶ συνεχῶς, οὐ μὴν τὴν κατὰ τὸπον, ἀλλὰ τὴν κατὰ μεταβολήν


Übersetzung Marquis Jean-Baptiste de Boyer d'Argens:

Wenn wir nun jetzo die ganze Natur überhaupt betrachten: so werden wir finden, daß sie die Stetigkeit der ersten 10) und vortreflichsten Bestandtheile verändert und aufhebet; sie vermindert diese Stetigkeit nach einem gewissen Verhältniß, sie verändert sie bis zu dem völligen Untergange der Sache, und richtet sich in Absicht der Stuffen, die sie hierbey betrachtet, nach der besondern Beschaffenheit derselben. Denn wenn die erstern Bestandtheile bewegt werden: so verändern sie ihre natur nach ihren verschiedenen Eigenschaften, und eben so verändern sie auch den Kreis in welchem sie sich befinden. Dieser Kreis ist aber nicht eine beständig auf einander folgende Reihe; man muß sich auch nicht hierunter einen Zirkul vorstellen, der etwa an einem Ort beschrieben wäre, und in welchem diese Bewegung geschähe: sondern dieser Kreis ist eine Reihe auf einander folgender Verwandlungen der Elemente in einander.


Übersetzung Ferdinand Lassalle(?):

οὐ μὴν τὴν κατὰ τὸπον, ἀλλὰ τὴν κατὰ μεταβολήν

nicht gemäß der Ortsbewegung, sondern gemäß der qualitativen Umwandlung

Kommentar

Marquis d'Argens, Jean-Baptiste de Boyer: Betrachtungen des Ocellus von Lukanien über die Welt. 1763. S. 39ff.:

{bzgl. Fußnote Übersetzung:}

10) Ἔτι δὲ καὶ ὅλη δἰ ὅλης ἡ φύσις θεωρουμένη, τὸ συνεχὲς ἀπω τῶν πρώτων καὶ τιμιωτάτων ἀφαιρεῖ. Wenn wir überhaupt die ganze Natur betrachten: so werden wir finden, daß sie die Stetigkeit der ersten und vortreflichsten Theile aufhebet. Unter den ersten und vortreflichsten Theilen τῶν πρώτων καὶ τιμιωτάτων, verstehet Ocellus die urspünglichen Verstandtheile, die durch ihre Vermischung verändert werden, als wodurch die Stetigkeit und Dichtigkeit derselben zernichtet und vermindert wird. ἀπομαραινομένη τὸ συνεχὲς. Ocellus will hierdurch die Veränderung, Auflösung und Erneuerung der Bestandtheile erklären, davon er nunmehro weitläuftiger handeln will.


Lassalle, Ferdinand: Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos Band 2. 1858.:

S. 366f.:

Denn zunächst ist die heraklitische Bewegung gar nicht die Bewegung der auf- und absteigende geraden Linie, wie doch in der Auffassung der ὁδὸς ἄπω κάτω als einer {S. 367} örtlich-abgestuften enthalten zu sein scheint, sondern seine Bewegung ist die des Kreises. Wir haben dies überall so ausdrücklich hervortreten sehen, daß es überflüssig wäre, darauf nochmals zurückzukommen(1).

In einem Kreis und in einer Kreisbewegung gibt es aber schon gar kein wirklich festgehaltenes und abgestuftes Oben und Unten mehr, so daß dieser Ausdruck schon hiernach nicht mehr Sache, sondern nur noch Bild sein könnte.

{Fußnote:}

1) Man vgl. zu den oben p. 183 sqq. und in den Noten daselbst, sowie p. 325 bezogenen Orten noch die bald (p.376/377) näher anzuführende Stelle des Ocellus, wo es von der μεταβολή der Elemente ineinander heißt καὶ ὡςαύτως {[sic.]} κύκλον ἀμείβει; vgl. die Noten zu p. 180 sqq. und p. 214 (ac semper redeunt in circulum) und Bd. I, p. 168 sqq., sowie den ganzen §26.


S. 376ff.:

Werfen wir aber in die bereits schwerzüngelnde Wagschale jetzt noch eine Stelle, welche ihr nach uns den Ausschlag zu geben scheint. Ocellus Lucanus sagt und § 12{gemeint ist Marquis d'Argens}(1): {s. griechisches Zitat}. {S. 377} Die gesamte sich durch alles hindurchziehende Natur, sagt Ocellus, hat eine Entwicklung und Aufeinanderfolge "nicht gemäß der Ortsbewegung, sondern gemäß der qualitativen Umwandlung, der μεταβολή"! - Wir sehen ganz ab von der besonderen Meinung, die wir uns über das Verhältnis des Verfassers dieser Schrift zu Heraklit gebildet haben und die wir hier nicht ausführen wollen. Setze man ihn, in welche Zeit man will (vor Philo muß er jedenfalls gelebt haben), und halte man von ihm, was man wolle, - soviel ist unbestreitbar, daß diesem Verfasser die heraklitische μεταβολή der Elemente bekannt war und sein mußte.

Wie hätte er nun die Entwicklung gemäß der Ortsbewegung und diejenige gemäß der μεταβολή in einen solchen, sich direkt ausschließenden Gegensatz bringen können, wenn die μεταβολή bei Heraklit zugleich eine örtlich-abgestufte Bewegung, eine διέξοδος κατὰ τόπον gewesen wäre? Niemals konnte er dies in solchem Falle! Und wie hätte er dies noch dazu in eben dem Augenblicke tun können, in welchem er selbst (vgl. die Anmerkung) den qualitativen Elementarprozeß in der Hauptsache ganz wie der Ephesier uns lehrt und vorführt? Jene Worte, es geschehe die Entwicklung nicht nach Ortsbewegun, sondern nach der μεταβολή, gibt er uns gerade als das spezifische Gesetz der qualitativen Umwandlung von Feuer in Luft, Luft in Wasser, Wasser in Erde etc., die er unmittelbar darauf folgen läßt. Der Verfasser kann daher gar keine Ahnung {S. 378} davon gehabt haben, daß die von ihm adoptierte heraklitische Entwicklung nach dem Gesetz der μεταβοή auch zugleich von einer Abstufung κατὰ τόπον begleitet sein könne oder solle. Es muß dies selbst in seiner Zeit fast noch von niemand für Heraklit wirklich behauptet worden sein, sonst könne er unmöglich in dieser Weise die Ableitung κατὰ τόπον und κατὰ μεταβολήν als bekanntermaßen sich ausschließenden Ableitungen hinstellen!

Wir nehmen nach alle diesem keinen Anstand, zu erklären, daß, wie wir glauben, unsere anfänglich geäußerten Zweifel sich mehr und mehr in Gewißheit verwandelt haben und an eine örtlich-abgestufte Bewegung bei Heraklit in keiner Weise gedacht werden darf.


{Fußnoten:}

1) Und zwar will er durch die oben zitierten Worte gerade den Elementarumwandlungsprozeß, den er im wesentlichen ganz von Heraklit oder mindestens doch wie Heraklit beibehält, erklären. Denn unmittelbarauf die angeführten Worte fährt er fort § 13{gemeint ist Marquis d'Argens}: {s. § 13 griechisches Zitat}

2 {bzgl. Fußnote Original}) Wie Heraklit sagt πᾶσα διὰ πάσης.

3 {bzgl. Fußnote Original}) Vgl. über das κρείττων der unsichtbaren Harmonie.

4 {bzgl. Fußnote Original}) Dies Wort wird hier ganz speziell in dem heraklitischen Sinne und in der heraklitischen Funktion gebraucht.

Vom Wesen des Alls, I §13

Original:

πῦρ μὴν γὰρ εἰς συνερχόμενον ἀέρα ἀπογεννᾷ, ἀὴρ δὲ ὕδωρ, ὕδωρ δὲ γῆν· ἀπὸ γῆς δὲ ἡ αὐτὴ περίοδος τῆς μεταβολῆς (μέχρι πυρὸς) ὅθεν ἤρξαχτο μεταβάλλειν.


Übersetzung Marquis Jean-Baptiste de Boyer d'Argens:

Zum Beyspiel, wenn das Feuer bis zu einem gewissen Punkt der Verdickung gebracht wird: so entstehet daraus die Luft. Aus der Luft entstehet auf eine ähnliche Art das Wasser und aus dem Wasser die Erde. Und dieser nemliche Rückgang hat auch statt von der Erde bis zu dem Feuer, wo vorher die Veränderung anfieng.

Kommentar

Lassalle, Ferdinand: Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos Band 2. 1858.:

S. 366f.:

Denn zunächst ist die heraklitische Bewegung gar nicht die Bewegung der auf- und absteigende geraden Linie, wie doch in der Auffassung der ὁδὸς ἄπω κάτω als einer {S. 367} örtlich-abgestuften enthalten zu sein scheint, sondern seine Bewegung ist die des Kreises. Wir haben dies überall so ausdrücklich hervortreten sehen, daß es überflüssig wäre, darauf nochmals zurückzukommen(1).

In einem Kreis und in einer Kreisbewegung gibt es aber schon gar kein wirklich festgehaltenes und abgestuftes Oben und Unten mehr, so daß dieser Ausdruck schon hiernach nicht mehr Sache, sondern nur noch Bild sein könnte.

{Fußnote:}

1) Man vgl. zu den oben p. 183 sqq. und in den Noten daselbst, sowie p. 325 bezogenen Orten noch die bald (p.376/377) näher anzuführende Stelle des Ocellus, wo es von der μεταβολή der Elemente ineinander heißt καὶ ὡςαύτως {[sic.]} κύκλον ἀμείβει; vgl. die Noten zu p. 180 sqq. und p. 214 (ac semper redeunt in circulum) und Bd. I, p. 168 sqq., sowie den ganzen §26.


S. 376ff.:

Werfen wir aber in die bereits schwerzüngelnde Wagschale jetzt noch eine Stelle, welche ihr nach uns den Ausschlag zu geben scheint. Ocellus Lucanus sagt und § 12{gemeint ist Marquis d'Argens}(1): {s. griechisches Zitat § 12}. {S. 377} Die gesamte sich durch alles hindurchziehende Natur, sagt Ocellus, hat eine Entwicklung und Aufeinanderfolge "nicht gemäß der Ortsbewegung, sondern gemäß der qualitativen Umwandlung, der μεταβολή"! - Wir sehen ganz ab von der besonderen Meinung, die wir uns über das Verhältnis des Verfassers dieser Schrift zu Heraklit gebildet haben und die wir hier nicht ausführen wollen. Setze man ihn, in welche Zeit man will (vor Philo muß er jedenfalls gelebt haben), und halte man von ihm, was man wolle, - soviel ist unbestreitbar, daß diesem Verfasser die heraklitische μεταωολή der Elemente bekannt war und sein mußte.

Wie hätte er nun die Entwicklung gemäß der Ortsbewegung und diejenige gemäß der μεταβολή in einen solchen, sich direkt ausschließenden Gegensatz bringen können, wenn die μεταβολή bei Heraklit zugleich eine örtlich-abgestufte Bewegung, eine διέξοδος κατὰ τόπον gewesen wäre? Niemals konnte er dies in solchem Falle! Und wie hätte er dies noch dazu in eben dem Augenblicke tun können, in welchem er selbst (vgl. die Anmerkung) den qualitativen Elementarprozeß in der Hauptsache ganz wie der Ephesier uns lehrt und vorführt? Jene Worte, es geschehe die Entwicklung nicht nach Ortsbewegun, sondern nach der μεταβολή, gibt er uns gerade als das spezifische Gesetz der qualitativen Umwandlung von Feuer in Luft, Luft in Wasser, Wasser in Erde etc., die er unmittelbar darauf folgen läßt. Der Verfasser kann daher gar keine Ahnung {S. 378} davon gehabt haben, daß die von ihm adoptierte heraklitische Entwicklung nach dem Gesetz der μεταβοή auch zugleich von einer Abstufung κατὰ τόπον begleitet sein könne oder solle. Es muß dies selbst in seiner Zeit fast noch von niemand für Heraklit wirklic behauptet worden sein, sonst könne er unmöglich in dieser Weise die Ableitung κατὰ τόπον und κατὰ μεταβολήν als bekanntermaßen sich ausschließenden Ableitungen hinstellen!

Wir nehmen nach alle diesem keinen Anstand, zu erklären, daß, wie wir glauben, unsere anfänglich geäußerten Zweifel sich mehr und mehr in Gewißheit verwandelt haben und an eine örtlich-abgestufte Bewegung bei Heraklit in keiner Weise gedacht werden darf.


{Fußnoten:}

1) Und zwar will er durch die oben zitierten Worte gerade den Elementarumwandlungsprozeß, den er im wesentlichen ganz von Heraklit oder mindestens doch wie Heraklit beibehält, erklären. Denn unmittelbarauf die angeführten Worte fährt er fort § 13{gemeint ist Marquis d'Argens}: {s. griechisches Zitat}

2 {bzgl. Fußnote Original}) Wie Heraklit sagt πᾶσα διὰ πάσης.

3 {bzgl. Fußnote Original}) Vgl. über das κρείττων der unsichtbaren Harmonie.

4 {bzgl. Fußnote Original}) Dies Wort wird hier ganz speziell in dem heraklitischen Sinne und in der heraklitischen Funktion gebraucht.

Vom Wesen des Alls, II §23

Original:

τὸ δὲ ἑξ ἀμφοτέρων αὐτῶν, τοῦ μὲν ἀεὶ θέοντος θείου, τοῦ δὲ ἀεὶ μεταβάλλοντος γεννητοῦ κόσμος ἄρα ἐστιν


Übersetzung Marquis Jean-Baptiste de Boyer d'Argens:

Die Welt aber ist nichts anders, als das aus diesen beyderley Wesen bestehenden All, und sie begreifet also theils die Gottheiten, die in einer beständigen Thätigkeit und Wirksamkeit sich befinden, theils die hervorgebrachten und immer von neuem entstehenden Substanzen, die der Veränderung und Verwesung unterworfen sind, in sich.


Übersetzung Ferdinand Lassalle(?):

aus beidem, dem immer laufenden Göttlichen und dem immer sich umwandelnden Sterblichen, ist die Welt.

Kommentar

Lassalle, Ferdinand: Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos Band 2. 1858. S. 144ff.:

Jetzt wird sich auch eine Stelle von selbst erklären, von der wir nicht glauben, daß ihr bisher irgend ein genügender Sinn abgewonnen werden konnte. Es sind dies die Worte des s. g. Ocellus Lucanus(1) de rer. nat. c. II, § 23{gemeint ist Marquis d'Argens}: {s. griechisches Zitat und Übersetzung}. Wovon wir nämlich meinen, daß es bisher stets dunkel geblieben sein muß, das ist die Frage: was das überhaupt für ein Gegensatz ist, der zwischen ἀεὶ ϑέειν und ἀεὶ μεταβάλλειν gemacht wird, welches seine Bedeutung, und warum das eine dem Göttlichen, das andere dem Sterblichen zugeschrieben wird. Aber diese Fragen beantworten sich von selbst, wenn man auf die Ausführungen des ontologischen Teiles (s. die p. 137 bezogenen Orte), sowie des § 18 rückblickt. Daselbst hat sich uns gezeigt, wie die reine intelligible Idee des Werdens oder der ideelle Prozeß, kurz das, was Heraklit die unsichtbare Harmonie im Unterschied von der sichtbaren oder das nie untergehende Feuer zum Unterschiede von dem sich verlöschenden und entzündenden kosmischen, oder was er den Logos oder den Namen des Zeus etc. nennt, zwar auch noch stets in ihr Gegenteil umschlagende Bewegung ist, aber zum Unterschiede vom realen Prozeß eine solche, in welcher die entgegengesetzten intelligiblen Momente gerade wegen des unaufgehaltenen Wandels ihrer reinen Gedankenbewegung stets in absoluter Identität mit ihrem Gegenteil verbleiben, und in dieses sich umwendend nicht aus sich selbst herausgegangen sind. Zum Unterschied von diesem reinen unaufgehaltenen Wandel, der seine Momente nie in reellen Unterschied gegeneinandertreten läßt, bestimmte sich dort die Sphäre des Wirklichen oder der reale Prozeß als diejenige Bewegung, welche die Identität von Sein und Nichtsein immer nur in der unangemessenen Form des Seins oder der einseitgen Bestimmtheit setzt, jede solche darum stets wieder aufhebt und in diesem stets in wirklichem Unterschied und realem Umschalgen dieser Bestimmtheiten ineinander (μεταβάλλειν) rastlos sich vollbringenden Kreislauf die reale Welt erzeugt. Man kann diesen Gedanken und den Unterschied dieser Bewegung nicht prägnanter zusammenfassen als es hier in den bei Ocellus erhaltenen Worten der Fall ist, indem zum Unterschied von der stets in reale Bestimmtheit und reales Anderssein übergehenden Umwandlung (ἀεὶ μεταβάλλειν) des Sinnlichen und Endlichen, dem Göttlichen ein ebenso stetiges und dennoch nie in reale Umwandlung, in realen Unterschied von sich selber umschalgendes ἀεὶ θέειν zugeschrieben wird. - Zugleich ist aber das ἀεὶ θέον, wie wir vor kurzem sahen (p. 127 sqq), nur eine aufgelöste ety{S. 146}mologische Form für den αἰθήρ - und so tritt auch hier wieder eine deutliche Spur hervor, wie der Äther selbst in die reale Umwandlung des Elementarprozess nicht eintrat(1).

{S. 147} Hielt man also diesen traditionellen, für Heraklit so wesentlichen Umstand fest, daß der Äther den Elementarumwandlungsprozeß zwar aus sich setzt - als der durchwaltende Logos desselben -, aber nicht selbst in {S. 148} ihn eintritt und in ihm erzeugt wird, so mußte man zu der Reihe gelangen - der richtigten von allen, mit Ausnahme dessen, daß auch sie die Luft einschiebt - die uns oben (p. 41 sqq.) Martianus gab : ex informi materie (nach uns als ex aethere) primus ignis (primus, erster Körper, denn dieser Äther ist als reiner Logos noch gar kein reales Sein, wie doch schon das Feuer oder die Zeit ist, weshalb ihn Martianus, auch selbst wenn ihn nicht die Beziehung leitete, auf das ἀνόρατον εἶδός τι καὶ ἄμορφον des platonischen Timäus(*) (p. 51, A.), mit Recht eine informis et incomprehensa materies nennen könnte : man sieht hier auch beiläufig, wie recht die haben, die bei Sext. Emp. adv. Math. X, 232 behaupten, das Allererste bei Heraklit sei gar kein Körperliches) ex igni aër, ex aëre aqua, ex aqua terra, und die Rückreihe ex terra aqua, ex aqua aër, ex aëre ignis, ex igni in materiem incomprehensam jam non poterit perveniri!


{Fußnoten:}

1) Wir dürfen nicht unerwähnt lassen, daß die obige Stelle des sog. Ocellus wörtlich zu lesen ist in einem von Stobaeus Ecl. I, 27 mitgeteilten Auszug aus Philolaos (bei Boekh p. 167), aus welchem Folgendes hier stehe: "καὶ τὸ μὲν "ἀμετάβλαστον"  αὐτον (sc. κόσμου), τὸ δὲ "μεταβάλλον" ἐστι· - - - ἐπεὶ δὲ γε "καὶ τὸ κινέον ἐξ αἴῶνος ἐς αἰῶνα περιπολεῖ, τὸ δὲ κινεόμενον ὡς τὸ κινέον ἄγει", οὕτω διατίθεσθαι· "ἀνάγκα τὸ μὲν ἀεικίνατον, τὸ δὲ ἀειπαθὲς εἶμεν, καὶ τὸ μὲν νόω καὶ ψυχᾶς ἀνακῶμα πᾶν, τὸ δὲ γενέσιος καὶ μεταβολᾶς - - τὸ δ᾽ ἐξ ἀμφοτέρων τούτων, τῷ μὲν ἀεὶ θέοντος θείῳ, τῷ δὲ ἀεὶ μεταβάλλοντος γεννατῷ, κόσμος". - Kühner als bei der Schrift des Ocellus, bei der man sich auf die Annahme ihres späten untergeschobenen Ursprunges stützen kann, muß es scheinen in einem Fragmente des Philolaos eine heraklitische Spur wahrnehmen zu wollen. Aber zuvörderst glauben wir, daß es schwerlich erlaubt sein dürfte, die Aufhellung, welche dieses dunkle Bruchstück, dessen große Schwierigkeit Boeckh selbst hervorhebt, durch den oben erörterten Gedankenzusammenhang empfängt, von der Hand zu weisen. Boeckh sagt (p. 171): "Die Begründung selbst (nämlich davon, daß der Unveränderliche im Kosmos ewig bewegt, das Veränderliche aber ewig leidend sei) ist schwer zu verstehen" - - denn wie "daraus, daß dieses Bewegende das Bewegte stets so beschaffen macht, wie das Bewegende es führt, folgen kann, daß der eine Teil des Kosmos stets bewegt, der andere stets leidend sei, ist nicht begreiflich; vielmehr folgt daraus weiter nichts, als es sei etwas stets Bewegendes und etwas von jenem Abhängiges und stets Bewegtes." Allein diese Schwierigkeit des ἀεικίνατος und ἀειπαθές ist jetzt schon durch das oben (p. 143) von dem Fragmentisten vom Äther im Gegensatz zu dem Elementarprozeß gebrauchte "nihil patitur", sowie durch die hiervon und zu der Stelle des Ocellus gegebene Erklärung gelöst. Es ist klar, daß jenes "Unveränderliche" bei Philolaos zugleich {S. 147} das Ewigbewegte ist. Seine Bewegung ist eben die des unaufgehaltenen in steter Identität mit sich selbst verbleibenden und darum nie in wirklichen Unterschied von sich selbst eintretenden und reale Veränderung erleidenden reinen Wandels. Es ist reine Aktivität. Das Veränderliche im Kosmos dagegen, weil es wie das Fragment richtig sagt, der Führung dieses Stetsbewegten nachkommen und seine Bewegung mitmachen muß, das Mitmachen derselben aber in der Sphäre der Veränderlichkeit eben nur steten realen Formwechsel und stetes wirkliches Verändertwerden erzeugen kann, ist deshalb notwendig ein Stetsleidendes. So fällt dann auch die Notwendigkeit fort, mit Boeckh anzunehmen, daß der Auszug den Sinn des Philolaos unvollständig mitteile. - Ferner, wenn man unserer Auffassung gemäß in dem ἀεὶ θέον nicht nur mit Boeckh eine etymologische Anspielung auf θεῖον, sondern auch eine ebensolche Auflösung auf αἰθήρ sieht (vgl. Plat. Cratyl. p. 397, D. mit p. 410, B. und die Stellen bei Villoison, de theol. Stoic. p. 227, Os.), so beseitigt sich auch die andere von Boeckh (p. 173) hervorgehobene Schwierigkeit, warum jenes Stetbewegte nicht νόος καὶ ψυχά, sondern νόω καὶ ψυχᾶς ἀνακῶμα (Gebiet, Bereich, siehe Boeckh p. 174) von Philolaos genannt wird. - In Bezug auf jene Kühnheit aber eine heraklitische Spur bei Philolaos finden zu wollen, bemerken wir: Philolaos, ein Zeitgenosse des Sokrates (Boeckh p. 5 sqq.), mußte natürlich das Werk des Herakleitos kennen. Und daß es nicht ohne alle Einwirkung auf ihn geblieben ist, beweist uns sowohl das auch von Boeckh als höchst merkwürdig bezeichnete Spiel mit Etymologien bei Philolaos überhaupt, als auch besonders gerade die etymoligsche Deutung des θεῖον als ἀεὶ θέον. Denn daß diese bei Plato im Kratylos p. 397, D. sich findende Etymologie Heraklit zu ihrem Urheber hat, ist klar erstens durch das, was wir in §§ 35-38 über das Etymologisieren bei Heraklit, sowie über das Verhältnis des {S. 148} platonischen Kratylos zum Ephesier nachweisen werden; es ist aber auch schon dadurch evident, daß zweitens einerseits in dem platonischen Kratylos anerkanntermaßen Beziehungen auf pythagoräische Philosophie nicht zu suchen sind ("nulla dum vestigia Pythagoricorum placitorum accuratius cognitorum reperiuntur," Stallbaum p. 27), während andererseits der Inhalt dieser, das Göttliche als das Immerlaufende definierenden Etymologie doch offenbar auf Heraklit hinweist. Dies bestätigt sich auch drittens durch die Beibehaltung derselben bei den Stoikern und viertens dadurch, daß sich bei Philolaos auch jene andere Etymologie: σῶμα und σᾶμα findet, Boekch p. 181, 188. Denn daß diese Heraklit angehört, ist durch die Stellen des Philo, Sextus, Clemens, Gregorius und Basilius (Bd. I, p. 264 sqq., vgl. p. 287 sqq.) und durch die Seelentheorie des Ephesiers völlig unbestreitbar. - (Auch die Definition des Philolaos von der Harmonie: ἁρμονία δὲ πάντων ἐξ ἐναντίων γίνεται· ἔστι γὰρ ἁρμονία πολυμιγέων ἕνωσις καὶ δικᾶ φρονεόντων σύμφασις, siehe Boeckh p. 61, klingt nicht undeutlich an Heraklit an und vielleicht kann es scheinen, daß Hippasus der Metapontiner - und von ihm wenigstens wird man dies doch annehmen müssen, siehe Arist. Metaph. p. 11 Br., Stob. Ecl. p. 304, Euseb. Pr. Ev. XIV, 14, Sext. Emp. Hypot. III, 30, Clem. Al. Cohort. p. 42, Diog. L. VIII, 84 - nicht der einzige gewesen ist, der pythagoräische und heraklitische Anschauungen mehr oder weniger mit einander zu verbinden suchte). 

*) Wie wenig übrigens schon an und für sich die bei Martianus nicht zu leugnende Anspielung auf die Materie bei Timaeus der von uns in seinen Worten nachgewiesenen Beziehung auf Heraklit (s. oben p. 39- 57) im Wege steht, dafür mag auch auf die treffliche Äußerung hingewiesen werden, die Bernays Rhein. Mus. IX, 267 hinwirft: "Platons Auseinandersetzung über das Werden und die Bewegung im Eins, wie sie der Parmenides gibt, ist verklärter Heraklitismus und seine Materie im Timaeus ist, wenn man es sagen darf, Heraklitismus aus Verzweiflung." - Und die Konstruktion der Materie ist nicht das einzige heraklitische Element im Timaeus, wie sich noch zeigen wird.

Aischylos | Αἰσχύλος

* 525/4 BCE - † 456/5 BCE | Dramatiker

Der gefesselte Prometheus 442-506

Übersetzung Oskar Werner:

Prometheus:
Das hört nun: wie ich jene, kindischblöd zuvor,
Verständig machte und zu ihrer Sinne Herrn.
Mein Wort soll keine Schmähung für die Menschen sein,
Daß meine Gaben gut gemeint sind, kund nur tun;
Vordem ja, wenn sie sahen, sahn sie ganz umsonst;
Vernahmen, wenn sie hörten, nichts, nein: nächtgen Traums
Wahnbildern gleich, vermengten all ihr Leben lang
Sie blindlings alles, wußten nichts vom Backsteinhaus
Mit sonngebrannten Ziegeln noch von Holzbaus Kunst
Und hausten eingegraben gleich leicht wimmelnden
Ameisen in Erdhöhlen ohne Sonnenstrahl.
Es gab kein Merkmal für sie, das des Winters Nahn
Noch blütenduftgen Frühling noch, an Früchten reich,
Den Herbst klar angab, nein, ohne Verstand war all
Ihr Handeln, ehe nunmehr ihnen Aufgang ich
Der Sterne zeigte und schwer deutbarn Untergang.
Sodann die Zahl, den höchsten Kunstgriff geistger Kraft,
Erfand ich für sie, der Schriftzeichen Fügung auch,
Erinnrung wahrende Mutter allen Musenwerks.
Auch spannt als erster ich ins Joch mächtig Getier,
Kummet und Lasten tragend Fron zu tun, auf daß
Den Menschen größter Arbeitsmühn Abnehmer nun
Sie würden; vor den Wagen führt ich zügelzahm
Das Roßgespann, ein Prunkstück überreicher Pracht.
Das Meer zu kreuzen, sann kein andrer aus als ich
Linnenbeflügelt Fahrzeug für das Schiffervolk.
Fand ich gleich solche Hilfen - ich Unseliger ! -
Für Menschen, weiß ich selbst doch keinen Kunstgriff, wie
Ich von der Not, die jetzt mich quält, freiwerden soll.

Chor:
Du littst schmachvolle Pein; fort von der Klugheit Weg
Irrst du, bist, schlechtem Arzt gleich, der der Krankheit selbst
Verfiel, nun mutlos und weißt für dich selber nicht
Zu finden, welche Arzenei dir Heilung bringt.

Prometheus:
Das Weitre hör von mir noch, und du staunst noch mehr,
Was für Hilfsmittel, was für Künste ich ersann.
Dies als das größte; wenn in Krankheit man verfiel,
Keinerlei Abwehr gab's da, einzunehmen nichts,
Zu salben nicht noch trinken; nein, Heilmittel ganz
Entbehrend, siechten hin sie, bis ich ihnen dann
Mischungen zeigte sänftigender Arzenein,
Durch die man aller Krankheit sich erwehren kann.
Der vielen Art von Seherkunst gab Ordnung ich,
Entschied als erster, was von Träumen müßt als wahr
Gesicht sich zeigen; Laute dann, schwer deutbar, ich
Erschloß sie ihnen ; was sich unterwegs anzeigt,
Krummkralligen Wildgeflügels Flug auch gab genau
Ich Deutung, welche rechts glückweisend ihre Art
Und links läßt fliegen, welche Lebensweise sie
Ein jedes haben, und was gegenseitig sie
An Feindschaft kennen, Freundschaft und Geselligkeit;
Der Eingeweide Glätte, welche Farbe auch
Wohl haben müsse, Göttern angenehm zu sein,
Die Galle, und der Leber bunte Wohlgestalt;
Gliedmaßen, fettumhüllte, Hüften, lang und groß,
Verbrennend, bahnt ich zu der Deutung schwerer Kunst
Den Weg der Menschheit; was der Flamme Blick anzeigt,
Dem Aug enthüllt ich's, dem zuvor es dunkel war.
Soweit nun hiervon ; endlich, was der Erdenschoß
Verbarg dem Menschenvolk an Schätzen hohen Werts,
Als Erz und Eisen, Silber sowie Gold, wer mag
Behaupten, daß er früher es entdeckt als ich ?
Niemand, das weiß ich, der nicht eitlem Prahlen frönt.
Doch kurzen Worts alles umfassend wißt; es kommt
Jedwede Kunst dem Erdvolk von Prometheus her.

Kommentar

Gladigow, Burkhard: Aischylos und Heraklit. Ein Vergleich religiöser Denkformen. 1962 

S.226:

Man hat schon früh versucht, Aischylos mit der vorsokratischen Philosophie in engere Verbindung zu bringen, doch waren solche Versuche auf entschiedene Ablehnung gestoßen. M. I. Husung(6)

versuchte sogar zu zeigen, daß Aischylos bei den Versen 442—506 im Prometheus desmotes Heraklit gleichsam mit dem Finger im Buch als Quelle benutzt habe. Gegen diese These haben sich gewandt J, z. Felde(7), Wh. Schmid(8) und A. Kleingünther(9). Wilhelm Schmid urteilt über die Arbeit von M. I. Husung und eine entsprechende von M. Bock(10) zum Verhältnis Aischylos-Pythagoreer negativ: Versuche bei ihm (d. i. Aischylos), Einflüsse philosophischer Lehren nachzuweisen, von Seiten des Herakleitos oder der Pythagoreer, haben zu keinen haltbaren Ergebnissen geführt(11)".

Doch bleibt W. Schmid mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Annahme philosophischer Einflüsse auf Aischylos ziemlich allein. Ihm stehen eine ganze Reihe von Gelehrten gegenüber, die auf einen Einfluß der frühen Philosophen, besonders von Xenophanes und Heraklit hinweisen.


{Fußnoten}

6 M. I. HUSUNG, Quaestiones Aeschyleae, Diss. Greifswald 1911.

7 J. ZUMFELDE, De Aesch. Prom. quaestiones, Diss. Göttingen 1914, S. 37ff.

8 W. SCHMID. Gesch. d. griech. Lit. I 2, S. 185, 1.

9 A. KLEINGÜNTHER, , in Philol. Suppl. 26 (1934) 86ff.

10 M. BOCK, De Aeschylo poeta Orphico et Orpheopythagoreo, Diss. Jena, Weida 1914.

11 W.SCHMID,Gesch.d.griech.Lit.I2,S.185;ähnl.Il,S.753,7.

Heliaden 105

Original in Clemens von Alexandria Stromateis V 14,114 §4:

Ζεύς ἐστιν αἰθήρ, Ζεὺς δὲ γῆ, Ζεὺς δ᾽ οὐρανός,
Ζεύς τοι τὰ πάντα χὥτι τῶνδε [τοι] ὑπέρτερον.


Übersetzung Otto Stählin:

Zeus ist der Äther, Zeus das Land, der Himmel Zeus,
Zeus ist das Weltall, und was drüber, ist er auch.

Kommentar

Gladigow, Burkhard: Aischylos und Heraklit. Ein Vergleich religiöser Denkformen. 1962 

S.228:

Schon in der Antike hat man bei Aischylos ein gewisses philosophisches Interesse festgestellt; so sagt Athenaios von ihm: φιλόσοφος δὲ ῆν τῶν πάνυ ὁ Αἰσχύλος(17). Auch ist in der Spätantike bereits ein Zitat aus Aischylos mit einem Spruch Heraklits in Verbindung gebracht worden: Clemens Alexandrinus fühlt sich bei dem fr. 70 N2 (== 105M) aus den Heliaden an Heraklit fr. 32(18) erinnert. Dort heißt es(19): ὅτε Εὐφορίωνος Αἰσχύλος ἐπὶ τοῦ θεοῦ σεμνῶς σφόδρα φησίν.

Ζεύς ἐστιν αἰθήρ, Ζεὺς δὲ γῆ, Ζεὺς δ᾽ οὐρανός,
Ζεύς τοι τὰ πάντα χὥτι τῶνδε [τοι] ὑπέρτερον.

οἶδα καὶ ἐγὼ Πλάτωνα προσμαρτυροῦντα Ἡρακλείτῳ γράφοντι· ἐν τὸ σοφὸν μοῦνον λέγεσθαι οὐκ ἐθέλει καὶ ἐθέλει Ζηνὸς ὅνομα. Die Verknüpfung beider Fragmente ist allerdings sehr lose; der einzige Berührungspunkt ergibt sich aus dem Ungenügen des Namens 'Zeus'. Die Folgerungen, die daraus gezogen werden, sind hier und dort grundverschieden. Vielleicht könnte man dem Heliadenfragment eher das fr. 67 des Heraklit gegen berstellen: ὁ ϑεὸς ἡμέϱη εὐϕϱόνη, χειμὼν ϑέϱος, πόλεμος εἰϱήνη, κόϱος λιμός . . .; das läßt sich allerdings nur vertreten, wenn man αἰθήρ, γῆ, οὐρανός bei Aischylos als verschiedene Prinzipien der Welt versteht, die in Zeus zusammenfallen. Deutet man dieses Fragment dagegen ausschließlich als pantheistischen Ausdruck, so scheint sich darin orphischer Einfluß zu zeigen, wie er etwa von Pherekydes von Syros ausgeht(20).


{Fußnoten}

18 Heraklit wird nach DIELS-KRANZ» (1960) zitiert.

19 CLEMENSALEXANDRINXTS,Στρώματ.V14,114§4f.

20 Hierzu wichtig W. KIEFNER, Der religiöse Allbegriff des Aischylos, Diss. T b. 1959 mschr., S. 136f.

Parmenides | Παρμενίδης

* 520 BCE - † 460 BCE ±20, fl. 475 BCE | Vorsokratiker & Eleate

Über die Natur, DK 28B6 (Verse 4-9)

Versangaben nach Diels/Mullach

Original in Simplikios Physik 117, 1:

4/46: αὐτὰϱ ἔπειτ' ἀπὸ τῆς, ἣν δὴ βϱότοι εἰδότες οὐδὲν
5/47: πλάζονται δίκϱανοι· ἀμηχανίη γὰρ ἐν αὐτῶν
6/48: στήϑεσιν ἰϑύνει πλαγκτὸν νόον· οἱ δὲ ϕοϱοῦνται
7/49: κωϕοὶ ὅμως τυϕλοί τε τεϑηπότες, ἄκϱιτα ϕῦλα,
8/50: οἷς τὸ πέλειν τε καὶ οὐκ εἶναι ταὐτὸν νενόμισται
9/51: κοὐ ταὐτόν, πάντων δὲ παλίντϱοπός ἔστι κέλευϑος.

Übersetzung Hermann Diels:

4/46: Aber dann auch von jenem, auf dem da nichts wissende Sterbliche einherschwanken,
5/47: Doppelköpfe. Denn Ratlosigkeit steuert in ihrer
6/48: Brust den hin und her schwankenden Sinn. Sie aber treiben dahin
7/49: stumm zugleich und blind, die Verblödeten, unentschiedene Haufen,
8/50: denen das Sein und Nichtsein für dasselbe gilt
9/51: und nicht für dasselbe und für die es bei allem eine gegenstrebige Bahn gibt.

Translation John Burnet:

4/46: and from this other also, upon which mortals knowing naught
5/47: wander two-faced; for helplessness guides the wandering thought in their
6/48: breasts, so that they are borne along
7/49: stupefied like men deaf and blind. Undiscerning crowds,
8/50: who hold that it is and is not the same and not the same,
9/51: and all things travel in opposite directions.

Übersetzung Uvo Hölscher:

4/46: sodann aber von dem, worauf ja die Sterblichen, die nichts wissenden,
5/47: umherwanken, die doppelköpfigen: denn Ohnmacht lenkt in ihrer
6/48: Brust ihren schwankenden Verstand, und sie treiben dahin
7/49: so taub als blind, blöde, verdutzte Gaffer, unterscheidungslose Haufen,
8/50: bei denen Sein und Nichtsein dasselbe gilt
9/51: und nicht dasselbe, und es in allen Dingen einen umgekehrten Weg gibt.

Translation Pamela Huby & Christopher Charles Whiston Taylor:

4/46: But then from that along which mortals, knowing nothing,
5/47: wander two-headed; for impossibility in their
6/48: hearts controls their drifting mind. But others are carried along being
7/49: both deaf and blind, however dazed, confused tribes;
8/50: by them Being and not-being are thought to be the same and not
9/51: the same, and the path of all things turns back on itself.

Übersetzung Maria Laura Gemelli Marciano:

4/46: dann aber von dem, den sich die Menschen, die nichts wissen,
5/47: bilden, die Doppelköpfigen: Denn Hilflosigkeit
6/48: lenkt in ihrer Brust ihren umherirrenden Sinn; und sie treiben benommen dahin,
7/49: taub gleichermaßen und blind, entscheidungsunfähige Haufen,
8/50: denen das Sein und Nichtsein als dasselbe und wieder
9/51: nicht als dasselbe gilt; ihnen allen aber ist ein Weg eigen, der sich umkehrt.

Kommentar

Bernays, Jacob: Heraklitische Studien 1. 1850. S. 114f.:

Plutarch läßt auch dieses Bild vom Strome rasch wieder fallen, und im folgenden Satze schimmert abermals heraklitische Farbe durch, viel verwischter freilich als im vorhergehenden, aber doch nicht bis zur völligen Unkenntlichkeit. "Die erste Ursache - Z. 18 {Plutarch, Gegen den Apollonius} - also, welche uns der Sonnen Licht gezeigt, dieselbe führt auch den dunklen Hades heran".

In jeder andern Verbindung würde einem Satz, so gefaßt wie dieser es ist, zu große Ehre wiederfahren, wenn man darauf bestehen wollte ihm einen andern Ursprung als reinplutarchischen zuzuschreiben. Nach Allem frühern jedoch und noch mehr nach dem, was unmittelbar darauf eng mit ihm verknüpft wird, dürfte wenigstens ein Versuch erlaubt sein, auch hier einen ältern Gehalt seiner spätern Hülle zu entkleiden. Da sei dann die sehr junge "erste Ursache" dem zurückgegeben, welcher sie hier eingeschwärzt hat, im Αἵδης werde der heraklitische ὁδὸς κάτω erkannt, dessen eigentlicher Gegensatz Ζεύς hier dem gewöhnlichern "Sonnenlicht" hat Platz machen müssen, und endlich sei die Vermuthung gewagt, daß dieser ganze Satz von der Ursache, welche zugleich Lebenslicht bringt und Todesdunkel, Nichts geringeres enthalte als eine allerdings sehr getrübte Umschreibung etwa solcher heraklitischer Worte: Ζεὺς, Ἀΐδης ωὐτὸς, welche trotz aller anscheinenden Kühnheit doch nur eine Uebersetzung in mythologische Termini geben von dem nachweislich heraklitischen Satz: ὁδὸς ἄνω κάτω μίη, so wie dieser wiederum nur in nothwendiger Folgerung auf die physikalische Seite des Systems den allgemeineren, mehr logischen Satz anwendet: πάλιν πάντα ταὐτὰ καὶ οὐ ταὐτὰ {Fußnote}2).


{Anfang der Fußnote}2) S. Heracl. part. pr. p. 2, 10 1. 14. - Eine noch näher liegende Folgerung dieses Satzes, welche sehr wahrscheinlich Heraklit selbst ausgesprochen, nämlich: εἶναι καὶ μὴ εἶναι ταὐτόν καὶ οὐ ταὐτόν, greift schon Parmenides an in oftcitirten Versen, die jedoch in ihren durchaus nicht versteckten Seitenblicken auf heraklitische Lehre bis jetzt unverstanden {S. 115} geblieben sind. Auch Mullach (Eleaticorum philos. fragm. Berlin 1846, p. 132) hat hievon Nichts geahnt. Die Verse lauten (p. 114 ed. Mullach.):

{s. Zitat des griechischen Textes}

"Zweiköpfig" (δίκρανοι V.47) werden die Herakliteer genannt wegen ihrer antinomischen Sätze wie, um nur auf das nächstliegende zu deuten, außer dem Satz, den Parmenides selbst V.50 berührt, noch: εἰμέν τε καὶ οὐκ εἰμέν fr. 72 S. 529 Schleierm. Eine solche das eben Gesetzte gleich wieder aufhebende Ausdrucksweise geht nach Parmenides aus Rathlosigkeit (ἀμηχανίη V.47) hervor, und die Anhänger der angegriffenen Lehre werden "Nichts wissende" (εἰδότες οὐδὲν V.46) genannt, ähnlich wie Plato am Schluß des Kratylus ausführt, daß nach der heraklitischen Ansicht vom ewigen Flusse keine Stetigkeit der Erkenntniß und als kein Wissen möglich sei. In φοροῦνται (V.48) wird wohl auf die Person der Herakliteer ihr Satz πάντα φέρεσθαι übertragen, welche Anspielung ebenfalls Plato in seiner Schilderung der Herakliteer nicht verschmäht hat: Theaetet. p. 179 c: ἀτεχνῶς, κατα τὰ συγγράμματα, φέρονται. Den Anspruch: "Sein und Nichtsein ist dasselbe und nicht dasselbe" hebt Parmenides (V.50) besonders hervor, weil er an jener Stelle die verschiedenen Lehren vorzugsweise in Beziehung auf die Frage vom Sein durchmustert. Daß der Satz in Inhalt und Form heraklitisch sei wird nach dem oben Gesagten eines weiteren Beweises nicht bedürfen. Die Fassung desselben, wie sie Parmenides wohl ganz treu erhalten hat, giebt überdieß Aufschluß, warum Aristoteles so vorsichtig spricht Metaphys. Γ 3 1005 b. 23: ἀδύνατον γὰρ ὁντινοῦν ταὐτὸν ὑπολαμβάνειν εἶναι καὶ μὴ εἶναι, καθάπερ τινὲς οἴονται λέγειν Ἡράκλειτον. οὐκ ἔστι γὰρ ἀναγκαῖον ἅ τις λέγει ταῦτα καὶ ὑπολαμβάνειν. Diese τινές übersahen nämlich oder wollten übersehen den zweiten Theil der Antinomie, das καὶ οὐ ταὐτόν. - Die allerdeutlichste Anspielung aber oder, besser gesagt, einen ausdrücklich heraklitischen Terminus enthalten die letzten Worte des Parmenides: πάντων δὲ παλίντροπός ἐστι κέλευθος, in denen man die Conjektur πάντως für πάντων welche, so lange die Anspielung nicht verstanden war, allerdings nöthig scheinen konnte, ferner nicht wird festhalten wollen. Die Worte sind mit οἷς  in V.50 zu verbinden und dann zu übersetzen: "und denen der Pfad aller Dinge ein unwendender ist" d. h. die mit Heraklit (fr. 34 S. 413 Schleierm. cf. Heracl. part. pr. p. 23) sagen: παλίντροπος ἁρμονία κόσμου. {Ende der Fußnote}


Diels, Hermann: Fragmente der Vorsokratiker. 1960. S. 233:

2ff. {hier V. 4/46ff.} Gemeint sind die Herakliteer, denn ταὐτόν νενόμισται κού ταύτον = πάντα ταὐτὰ κοὐ ταὐτά 22 C 1 I 183, 1 u. dort ähnl. öfter, πέλειν τε καὶ οὐκ εἶναι nach εἶμεν τε καὶ οὐκ εἶμεν B 49a o. ä. (vgl. ταὐτὸν ... εἶναι καὶ μὴ εἶναι, καθάπερ τινὲσ οἴονται λέγειν Ἡράκλειτον A 7), παλίντροπος κέλευθος ναch B 51 (vgl. B 60); dieses umgebildet Soph. Phil. 1222. Vgl. Herm. 69 (1934) 117f. 3 {V. 5/47}  πλάττονται verderbt für λπάσσονται = πλάζονται vgl. Diels Parmenides S. 72 4 {V. 6/48} πλακτὸν] Nebenform zu πλαγκτὸν wie B 8, 28 ἐπλάχθησαν, vgl. Hes. πλακτός: παράφρων, πεπλανημένος. Doch s. auch H. Fränkel a. O. {gemeint Parmenidesstudien. 1930.} S. 171 5 {V. 7/49} ἄκριτα] gedeutet nach Fränkel a. O. S. 171 (vgl. 28 B 8, 15f.); das homerische Wort (vgl. z. B. Γ 412 = ω 91) wäre dann (wie andere, vgl. z.B. B 14) umgedeutet

Euripides | Εὐριπίδης

* 485-480 BCE - † 406 BCE | Dramatiker

Hekabe, 131 (Scholium)

Kommentar

Orestes 1001-1012

Original

ὅθεν Ἔρις τό τε πτερωτὸν
ἁλίου μετέβαλεν ἅρμα,
τὰν πρὸς ἑσπέραν κέλευθον
οὐρανοῦ προσαρμόσα-
σα μονόπωλον ἐς Ἀῶ,
ἑπταπόρου τε δράμημα Πελειάδος
εἰς ὁδὸν ἄλλαν Ζεὺς μεταβάλλει,
τῶνδέ τ᾽ ἀμείβει θανάτους τανά-
των τά τ᾽ ἐπώνυμα δεῖπνα Θυέστου
λέκτρα τε Κρήσσας Ἀερόπας δολί-
ας δολίοισι γάμοις· τὰ πανύστατα δ᾽
εἰς ἐμὲ καὶ γενέταν ἐμὸν ἤλυθε
δόμων πολυπόνοις ἀνάγκαις.


Übersetzung Dietrich Ebener:

Da lenkte Eris den Flügelwagen
des Helios um: Sie hatte den westwärts
gerichteten Himmelsweg hingewandt
zur Eos, die auf einem Rosse geritten -
und dem Laufe der sieben Plejaden
wies Zeus einen anderen Weg,
und über die Enkel des Pelops
brachte er Mord auf Mord, das Mahl,
das durch den Namen Thyestes berüchtigt,
und den Bund mit dem kretischen Weib,
Aërope, die listig die Ehe gebrochen.
Zuletzt traf das Unheil mich
und traf meinen Vater
mit unseres Hauses leidvoller Not.

Kommentar

Lassalle, Ferdinand: Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos Band 2. 1858.:

S. 353:

Wenn dabei aber von "großen Verheerungen" (πολλαὶ φθοραί) gesprochen wird, die bei diesem Wendepunkt unter Menschen und Tieren durch Feuer und Wasser angerichtet werden (viele Menschen überleben sie aber auch nach der platonischen Stelle selbst), so ist dies eben bei Plato wie Heraklit nur mit der sinnlichen sich an den ägyptischen-mythischen Stoff anschmiegendenund ihn spekulativ auslegenden Darstellung gegeben. Ob aber auch bei Heraklit selbst, wie bei Plato geschieht, der Atreus-Mythus mit dieser periodischen Palingenesie irgendwie verknüpft war, ist eine andere und unentschieden bleibende Frage, die ich selbst entschieden verneinen würde, wenn nicht des Euripides - der bekanntlich so ein großer Heraklitiker war, daß man von ihm sagte, er habe des Ephesiers Werk auswendig gelernt (s. § 33) - merkwürdige Ausdrucksweise bei Erwähnung dieses Mythos mich etwas schwankend machte, Orest. v. 1006 1).

ἑπταπόρου τε δράμημα Πελειάδος
εἰς ὁδὸν ἄλλαν Ζεὺς μεταβάλλει,


{Fußnoten}

1) Wenn aber auch die Kenntnis der bei Herodot II, c. 14 erwähnten ägyptischen Tradition, so glaube ich, daß doch keinesfalls das astronomische Verständnis derselben, das Lepsius, Chronologie p. 190 sqq., Plato vindiziert, für Heraklit in Anspruch wird genommen werden können. Heraklit hat sich jedenfalls mit der physisch-spekulativen Auslegung begnügt.

Phoenissae 499-510

Original

ΕΤΕΟΚΛΗΣ
εἰ πᾶσι ταὐτὸν καλὸν ἔφυ σοφόν θʼ ἅμα,
οὐκ ἦν ἂν ἀμφίλεκτος ἀνθρώποις ἔρις·
νῦν δʼ οὔθʼ ὅμοιον οὐδὲν οὔτʼ ἴσον βροτοῖς,
πλὴν ὀνόμασαι· τὸ δʼ ἔργον οὐκ ἔστιν τόδε.
ἐγὼ γὰρ οὐδέν, μῆτερ, ἀποκρύψας ἐρῶ·
ἄστρων ἂν ἔλθοιμʼ ἡλίου πρὸς ἀντολὰς
καὶ γῆς ἔνερθεν, δυνατὸς ὢν δρᾶσαι τάδε,
τὴν θεῶν μεγίστην ὥστʼ ἔχειν Τυραννίδα.
τοῦτʼ οὖν τὸ χρηστόν, μῆτερ, οὐχὶ βούλομαι
ἄλλῳ παρεῖναι μᾶλλον ἢ σῴζειν ἐμοί·
ἀνανδρία γάρ, τὸ πλέον ὅστις ἀπολέσας
οὔλασσον ἔλαβε. 


Translation:

ETEOCLES:
If all were unanimous in their ideas of honor and wisdom,
there would be no strife to make men disagree;
but, as it is, fairness and equality have no existence in this world
beyond the name; there is really no such thing.
I will tell you this, mother, without any concealment:
I would go to the rising of the stars and the sun,
or beneath the earth, if I were able so to do,
to win Tyranny, the greatest of the gods.
Therefore, mother, I will not yield this blessing
to another rather than keep it for myself;
for it is cowardly to lose the greater
and to win the less.

Kommentar

Philolaos | Φιλόλαος

* 470 BCE - † 399-380 BCE | Vorsokratiker & Pythagoreer

Boeckh Philolaos S. 167f.

Original

καὶ τὸ μὲν "ἀμετάβλαστον"  αὐτον (sc. κόσμου), τὸ δὲ "μεταβάλλον" ἐστι· - - - ἐπεὶ δὲ γε "καὶ τὸ κινέον ἐξ αἴῶνος ἐς αἰῶνα περιπολεῖ, τὸ δὲ κινεόμενον ὡς τὸ κινέον ἄγει", οὕτω διατίθεσθαι· "ἀνάγκα τὸ μὲν ἀεικίνατον, τὸ δὲ ἀειπαθὲς εἶμεν, καὶ τὸ μὲν νόω καὶ ψυχᾶς ἀνακῶμα πᾶν, τὸ δὲ γενέσιος καὶ μεταβολᾶς - - τὸ δ᾽ ἐξ ἀμφοτέρων τούτων, τῷ μὲν ἀεὶ θέοντος θείῳ, τῷ δὲ ἀεὶ μεταβάλλοντος γεννατῷ, κόσμος

Kommentar

Hippokrates von Kos | Ἱπποκράτης ὁ Κῷος

* 460 BCE - † 377/370 BCE | Arzt & Lehrer

De Diaita, 45

Kommentar

Derveni Papyrus

Originaltext ca. 2. Hälfte des 5. Jh. BCE, Papyrus ca. 340 BCE  | Schriftrolle mit Exegese orphischer Texte

Kol. 44 §12

Original Richard Janko:

κατὰ [ταὐτ]ὰ Ἡράκλε̣ιτος, μα[ρτυρήςας] τὰ κοινά, κατ[αςτρέ]φ̣ει τὰ [κο] `ἴδ̣ ́[ι]α· ὅςπερ ἴκελ̣[α ἱερῶι] λόγωι λέγων [δηλοῖ]·

“ἥλι̣⌊ος⌋, [κός]μου κατὰ φύςιν, ἀνθρώ⌊π⌋[ου] ε̣ὖρος ποδός [ἐςτι], τὸ μ̣[έγεθο]ς οὐχ ὑπε̣ρβάλλων· εἰ γὰ̣[ρ εὔ]ρους ἑ[ωυτοῦ ἐκ]β̣[ήςετα]ι,̣ Ἐρινύε⌊ς⌋ νιν ἐξευρήςου̣⌊ςι, Δίκης ἐπίκουροι⌋, [ὅκως μὴ δρόμον ὑπερ]βατὸνπο⟨ι⟩ῆι κ[..... ..... ..·”


Übersetzung Mirjam E. Kotwick:

Auf [dieselbe Weise beseitigt] Heraklit, nachdem er das Allgemeingültige [bezeugt hat], die (falschen) Privatansichten; und er [macht deutlich], indem er einer [heiligen] Rede gleich sagt:

Die Sonne hat, gemäß der Natur der Weltordnung, die Breite des Fußes eines Menschen, und sie überschreitet ihre Größe nicht. Denn falls sie über [ihre] Breite [hinausgehen sollte], werden die Erinyen sie ausfindig machen, die Helfer der Dike, [damit sie ihre Bahn nicht] überschreitet ... .“

Kommentar

Platon | Πλάτων

* 428/427 BCE - † 348/347 BCE | Begründer der Akademie

Hippias Maior 288e-293e

Übersetzung Schleiermacher:

HIPPIAS: Allein, o Sokrates, es verhält sich glaube ich so. Auch ein solches Gefäß ist freilich schön, wenn es schön gearbeitet ist, aber die ganze Sache verdient nicht mit dazu gezählt zu werden als etwas Schönes im Vergleich mit Pferden, Mädchen und allem sonstigem Schönen.

SOKRATES: Wohl! Nun verstehe ich, Hippias, dass wir dem, welcher dergleichen fragt, so entgegnen müssen: Weißt du denn nicht Mensch, dass Herakleitos recht hat, dass der schönste Affe hässlich ist, mit dem menschlichen Geschlecht verglichen? Und so ist auch die schönste Kanne hässlich, mit Mädchen verglichen, wie der weise Hippias sagt. Nicht so, Hippias?

HIPPIAS: Ganz vortrefflich, o Sokrates, hast du da geantwortet.

SOKRATES: Höre nur. Hierauf nämlich, weiß ich gewiss, wird er sagen: Wie aber, Sokrates, wenn jemand nun die Mädchen im Allgemeinen mit den Göttinnen vergliche, wird es ihnen nicht eben so ergehen, wie den Kannen im Vergleich mit den Mädchen? Wird nicht das schönste Mädchen hässlich erscheinen? Oder sagt nicht Herakleitos, den du selbst angeführt hast, ganz dasselbige, dass der weiseste Mensch gegen Gott nur als ein Affe erscheinen wird, sowohl an Weisheit als Schönheit und allem übrigen? Sollen wir das zugeben, Hippias, dass das schönste Mädchen mit Göttinnen verglichen hässlich ist?

HIPPIAS: Wer könnte dem wohl widersprechen, Sokrates?

SOKRATES: Wenn wir ihm nun das zugeben, wird er lachen und sagen: Besinnst du dich wohl, Sokrates, was du bist gefragt worden? — Freilich werde ich sagen, was nämlich das Schöne selbst eigentlich ist. — Und also, wird er sagen, nach dem Schönen gefragt antwortest du etwas, was, wie du selbst sagst, um nichts mehr schön ist als hässlich? — Das scheint freilich so, werde ich sagen. Oder was rätst du mir, Lieber, dass ich sagen soll?

HIPPIAS: Dasselbe, rate ich. Denn dass das menschliche Geschlecht im Vergleich mit den Göttern nicht schön ist, darin hat er ganz recht. geantwortet? Und dünkt dich noch immer das Schöne selbst, wodurch alles andere verschönt wird und als schön erscheint, wenn jener Begriff ihm zukommt, dünkt dich das noch immer ein Mädchen zu sein oder ein Pferd oder eine Leier?

HIPPIAS: Aber Sokrates, wenn er darnach fragt, das ist ja am allerleichtesten zu beantworten, was das Schöne ist, wodurch alles verschönt wird, und wenn jenes ihm zukommt, als schön erscheint. Der Mensch ist gewiss ganz einfältig und versteht nichts von schönen Sachen. Denn wenn du ihm antwortest: Dieses Schöne, wonach du fragst, ist nichts anders als das Gold, so wird er in die Enge gebracht sein und nicht weiter versuchen dich zu widerlegen. Denn das wissen wir ja alle, dass wo dieses nur hinkommt, alles wenn es auch vorher noch so hässlich war, schön erscheint, wenn es durch Gold verschönt ist.

SOKRATES: Du kennst den Mann nicht, Hippias, wie unartig er ist und nicht etwas annimmt.

HIPPIAS: Wie so das, Sokrates? Denn was richtig gesagt ist muss er doch annehmen, und wenn er es nicht annimmt macht er sich lächerlich.

SOKRATES: Doch aber wird er gewiss diese Antwort, o Bester, nicht nur nicht annehmen, sondern mich gar durchziehen und sagen: Du ganz Vernagelter, hältst du etwa den Pheidias für einen schlechten Meister? Da werde ich, denke ich, sagen, das täte ich keineswegs.

HIPPIAS: Und daran wirst du ganz recht sagen, o Sokrates.

SOKRATES: Ganz recht freilich. Aber wenn ich dann zugegeben habe, dass Pheidias ein trefflicher Künstler ist, wird jener sagen: Und du glaubst also, dass Pheidias das Schöne, was du mir nennst, nicht gekannt habe? — Da werde ich fragen: Wie so? — Weil er, so wird er antworten, seiner Athene die Augen nicht golden gemacht hat, auch sonst weder das Angesicht noch Hände und Füße, wenn es doch golden am schönsten würde erschienen sein, sondern elfenbeinern. Offenbar hat er das aus Einfalt verfehlt, weil er nicht wusste, dass Gold das ist, was alles schön macht, wo es hinkommt. Wenn er nun das sagt, was sollen wir ihm antworten, Hippias?

HIPPIAS: Das ist nicht schwer. Wir wollen sagen, er hätte recht getan. Denn Elfenbeinernes, denke ich, ist auch schön.

SOKRATES: Weshalb aber, wird er dann sagen, hat er nicht die Pupillen auch elfenbeinern gemacht, sondern steinern, und einen, soviel nur möglich dem Elfenbein ähnlichen, Stein dazu aufgefunden. Ist etwa auch ein schöner Stein schön? Sollen wir es bejahen, Hippias?

HIPPIAS: Wir wollen es bejahen, wenn er nämlich schicklich ist.

SOKRATES: Wenn aber nicht schicklich, dann hässlich? Soll ich das zugeben, oder nicht? HIPPIAS: Gib es zu. Wenn er nicht schicklich ist.

SOKRATES: Wie aber das Elfenbein und das Gold, wird er sagen, du Weiser, werden nicht auch diese, nur wenn sie sich schicken, machen dass etwas schön erscheint, wenn aber nicht, hässlich? Wollen wir das leugnen, oder wollen wir gestehen, daran habe er recht?

HIPPIAS: Das können wir ja zugeben, das was sich für jedes schickt, das macht jedes schön.

SOKRATES: Wenn nun aber jemand, wird er sagen, in der schönen Kanne, von der wir vorher sprachen, schönen Hirsebrei kocht, schickt sich dann ein goldener Rührlöffel dazu oder einer von Feigenholz?

HIPPIAS: Herakles, was für ein Mensch ist das, Sokrates! Willst du mir nicht sagen wer er ist? SOKRATES: Du kennst ihn ja doch nicht, wenn ich dir auch den Namen sage.

HIPPIAS: Dafür kenne ich ihn doch nun schon, dass es ein dummer Mensch ist.

SOKRATES: Schwer ist ihm beizukommen, o Hippias. Aber doch, welcher Rührlöffel, wollen wir sagen, schicke sich für den Hirsebrei und die Kanne? Offenbar doch der von Feigenholz? Denn er gibt nicht nur dem Hirsebrei einen besseren Geruch, Freund, sondern zugleich sind wir auch sicher, dass er uns nicht die Kanne zerschlägt und den Hirsebrei verschüttet und das Feuer auslöscht, und die, welche bewirtet werden sollen um ein gar schönes Gemüse bringt. Der goldene aber könnte das alles tun, so dass mich dünkt, wir müssen sagen, der Rührlöffel von Feigenholz schicke sich besser als der goldene, wenn du nicht etwas anderes meinst.

HIPPIAS: Freilich schickt sich der besser, Sokrates, aber ich möchte doch mit einem Menschen kein Gespräch führen, der nach solchen Dingen fragt.

SOKRATES: Da hast du auch recht, Lieber. Denn für dich schickt es sich wohl nicht, dich mit solchen Wörtern zu befassen, der du so schön bekleidet bist, und so schön beschuht, und berühmt in jeder Art von Weisheit unter allen Hellenen, mir aber macht es nichts aus mich mit dem Menschen abzugeben. Lehre du mich also nur ein, und antworte mir zu Liebe. Wenn also der von Feigenholz sich besser schickt als der goldene, wird der Mensch sagen, so muss er ja wohl auch schöner sein, da du ja einmal zugegeben hast, o Sokrates, dass das schickliche schöner ist als das nicht schickliche? Also wollen wir zugeben, Hippias, der von Feigenholz sei schöner als der goldene?

HIPPIAS: Soll ich dir sagen, Sokrates, was du sagen musst, dass das Schöne sei, um ihn von allen diesen Weitläufigkeiten abzubringen?

SOKRATES: Allerdings, nur ja nicht bevor du mir erst gesagt hast, welcher von den beiden Rührlöffeln, von denen ich vorhin sagte, ich antworten soll, dass der schickliche und schönere sei?

HIPPIAS: Wenn du willst, so antworte ihm denn, der aus Feigenholz gearbeitete.

SOKRATES: Nun sage mir also, was du eben sagen wolltest. Denn aus dieser Antwort, die ich geben soll, dass das Schöne Gold sei, kommt mir, wie es scheint, heraus, dass Gold um nichts schöner ist als ein Stück Feigenholz. Jetzt aber, was willst du wiederum erklären, dass das Schöne sei?

HIPPIAS: Das will ich dir sagen. Denn du dünkst mich darauf auszugehen, ein solches Schönes zu antworten, was niemals irgendwo irgendjemanden hässlich erscheinen kann.

SOKRATES: Eben das, Hippias, und damit hast du es recht getroffen.

HIPPIAS: So höre denn. Und merke dir, dass wenn hingegen jemand noch etwas einzuwenden hat, ich dann sagen will, dass ich gar nichts verstehe.

SOKRATES: Sage es nur geschwind, bei den Göttern.

HIPPIAS: Ich sage also, dass es immer für jeden und überall das Schönste ist, wenn ein Mann reich, gesund, geehrt unter den Hellenen, in einem hohen Alter, und, nachdem er seine verstorbenen Eltern ansehnlich bestattet, selbst wiederum von seinen Kindern schön und prachtvoll begraben wird.

SOKRATES: Hui, o Hippias, wahrlich wunderbar und herrlich und deiner würdig hast du da gesprochen! Und, bei der Hera, ich freue mich über dich. Denn du scheinst mit dem besten Willen soviel du nur vermagst mir zu Hilfe zu kommen. Allein den Mann treffen wir doch nicht, sondern nun wird er uns erst am ärgsten auslachen, das wisse nur.

HIPPIAS: Das wäre doch ein schlechtes Lachen, Sokrates. Denn wenn er hingegen zwar nichts zu sagen weiß, aber doch lacht, so lacht er sich selbst aus, und wird von allen, die zugegen sind, belacht werden.

SOKRATES: Vielleicht steht es so. Vielleicht aber wird er mich, mir ahnt so etwas, über diese Antwort am Ende nicht nur auslachen.

HIPPIAS: Sondern was denn?

SOKRATES: Ja, wenn er gerade einen Stock hat, und ich mich nicht hüte und ihm aus dem Wege gehe, so wird er suchen, mir tüchtig beizukommen.

HIPPIAS: Was sagst du? Ist der Mensch dein Herr, dass er so etwas tun kann, ohne dass es ihm übel bekomme und er Strafe leiden müsse? Oder gibt es kein Recht in eurer Stadt, sondern man duldet, dass die Bürger einander unrechtmäßigerweise schlagen?

SOKRATES: Gar nicht duldet man das.

HIPPIAS: So muss er ja gestraft werden, wenn er dich ohne Ursache schlägt.

SOKRATES: Das dünkt mich nur gar nicht, Hippias, wenn ich so antworte, sondern sehr recht.

HIPPIAS: Nun so glaube ich es denn auch, Sokrates, da du es ja selbst meinst.

SOKRATES: Soll ich dir nun sagen, weshalb ich glaube, dass ich mit recht geschlagen würde, wenn ich so antwortete? Oder willst du mich auch ungehört schlagen, oder willst du Rede annehmen?

HIPPIAS: Das wäre ja arg, Sokrates, wenn ich das nicht täte. Wie meinst du es also?

SOKRATES: Ich will es dir sagen auf dieselbe Art wie nur eben, indem ich jenen nachahme, damit ich nicht zu dir so rede, wie er mich gewiss anfahren wird mit harten und bösen Worten. Denn wisse nur, so wird er sprechen: Sage mir doch, Sokrates, glaubst du ungerechterweise Schläge zu bekommen, der du mir einen so langen Dithyramben vorsingst, und dabei gar unmusikalisch von der Frage weit abspringst? — Wieso? werde ich fragen. — Wie? Wird er sagen, kannst du dich denn nicht erinnern, dass ich nach dem Schönen selbst fragte, wodurch allem, bei dem es sich befindet dieses zukommt, dass es schön ist, jedes, sei nun Stein oder Holz, Mensch oder Gott und so auch jede Handlung und jede Fertigkeit? Denn nach der Schönheit selbst frage ich dich ja, Mensch, und ich könnte ja nicht mehr schreien, wenn du auch ein Stein wärest, der bei mir säße, und zwar ein Mühlstein ohne Ohren und ohne Hirn. — Würdest du wohl nicht böse werden, Hippias, wenn ich, in Furcht gejagt, hierauf dieses sagte: „Aber Hippias sagt doch, ungeachtet ich ihn ebenso gefragt habe wie du mich, dass dieses das Schöne sei, was immer und für alle schön ist." Was sagst du nun, wirst du böse werden, wenn ich dieses sage?

HIPPIAS: Das weiß ich doch gewiss, Sokrates, dass das, was ich sagte, an allen schön ist und so erscheinen wird.

SOKRATES: Ob es aber auch schön sein wird? Wird jener sagen. Denn das Schöne ist doch immer schön?

HIPPIAS: Freilich.

SOKRATES: Also auch schön war? Wird er sagen. 

HIPPIAS: Auch war.

SOKRATES: Auch für den Achilles also, wird er fragen, sagte der Fremde aus Elis, dass es schön sei, nach seinen Ahnen begraben zu werden, und für seinen Großvater Aiakos und für die Andern, die von den Göttern abstammen, und für die Götter selbst?

HIPPIAS: Was ist das wieder? Zum Henker mit ihm! Die Fragen des Menschen sind ja ganz frevelhaft!

SOKRATES: Aber wie? Wenn einer fragt, zu sagen, dass es sich so verhält, ist das nicht ebenso frevelhaft?

HIPPIAS: Vielleicht wohl.

SOKRATES: Vielleicht also bist du der, wird er sagen, der du ja behauptest, es sei immer und für alle insgesamt schön von seinen Kindern begraben zu werden und seine Eltern zu begraben. Oder war nicht auch Herakles einer von diesen allen insgesamt, und alle die wir jetzt erwähnten?

HIPPIAS: Aber die Götter habe ich nicht gemeint. 

SOKRATES: Auch die Heroen nicht, wie es scheint? 

HIPPIAS: Nicht die, welche Kinder der Götter waren. 

SOKRATES: Aber die, die es nicht waren?

HIPPIAS: Freilich.

SOKRATES: Also nach deiner Rede wiederum ist dies, wie es scheint, unter den Heroen für den Tantalos und Dardanos und Zethos böse, unheilig und schlecht, für den Pelops aber, und die eine ähnliche Abstammung haben, schön?

HIPPIAS: So dünkt mich.

SOKRATES: Also meinst du nun, wird er sagen, was du eben vorhin nicht meintest, dass die Voreltern begraben zu haben und von den Kindern begraben zu werden, manchmal und für manche schlecht ist, ja was noch mehr ist, wie mir scheint, dass dies unmöglich für alle könne schön sein und gewesen sein. So dass es diesem ja ergangen ist gerade wie vorher dem Mädchen und der Kanne, und, noch lächerlicher, ist dies für einige schön, für andere nicht schön. Und, wird er sagen, du wirst wohl auch heute noch nicht im Stande sein, Sokrates, die Frage wegen des Schönen, was es ist, zu beantworten. Diese Vorwürfe und dergleichen mehr wird er mir mit Recht machen, wenn ich ihm so antworte. Meistens freilich, Hippias, spricht er auf diese Weise mit mir, bisweilen aber erbarmt er sich gleichsam meiner Ungeschicktheit und Unwissenheit, so dass er mir selbst etwas vorlegt und fragt, ob mich etwa dies dünkte, das Schöne zu sein, oder wonach eben sonst geforscht wird und wovon die Rede ist.

HIPPIAS: Wie meinst du das, Sokrates?

SOKRATES: Das will ich dir erzählen. „Du wunderlicher Sokrates", spricht er dann, „dergleichen und auf diese Weise zu antworten höre nur auf, denn das ist gar zu einfältig und gar zu leicht zu widerlegen. Sondern so etwas überlege dir, ob du etwa meinst, schön sei das, worauf wir auch gestoßen sind bei unseren Antworten, als wir nämlich sagten, das Gold sei da schön wo es sich hin schicke, wohin aber nicht, da nicht, und so auch alles andere, dem dieses zukomme. Eben dieses also betrachte dir, das Schickliche, und das Wesen des Schicklichen, ob etwa dieses das Schöne ist." Ich nun pflege ihm dergleichen immer beizustimmen, denn ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Du aber, meinst du das Schickliche sei schön?

HIPPIAS: Auf alle Weise, Sokrates.

SOKRATES: So lass uns zusehen, dass wir nicht auch wieder damit betrogen werden. 

HIPPIAS: Das müssen wir freilich zusehen.

Kommentar

Kratylos 401d-e

Übersetzung Schleiermacher:

SOKRATES: Es mögen wohl, mein guter Hermogenes, die ersten, welche Namen festgesetzt haben, keine einfältigen Leute gewesen sein, sondern von den Naturkundigen und Dialektikern welche.

HERMOGENES: Wie so?

SOKRATES: Mir wird es ganz klar, dass die Bestimmung der Namen von solchen Leuten herrührt, und wenn man die fremden Wortformen mit in Betrachtung zieht, findet man erst recht was Jeder sagen will. So auch hierbei, das Sein, welches wir Usia nennen, nennen Einige Esia und Andere wieder Osia. Zuerst nun nach der einen von diesen Spracharten hat es ja ganz guten Grund, dass das wahre Sein und Wesen der Dinge Hestia genannt wird, so auch wenn wir wiederum das was an diesem Sein Anteil hat Hestia nennen, so wäre auch das in dieser Beziehung richtig, denn auch wir mögen statt Usia ehedem Esia gesagt haben. Ja auch wenn man bedenkt, wie es bei den Opfern gehalten wird, muss man glauben, bei Festsetzung dieses Namens sei hieran gedacht worden. Denn ganz angemessen opfern wohl diejenigen vor allen andern Göttern zuerst der Hestia, welche das Wesen aller Dinge Hestia nannten. Die aber Osia gesagt haben, mögen wohl, sollte man denken, mit dem Herakleitos geglaubt haben, alles Seiende gehe, und es bleibe nichts fest, die Ursache also und das Regierende für Alles sei das stoßende, othun, woher es denn mit Recht Osia genannt wurde. Auch das aber wollen wir nur als Nichtwissende gesagt haben. Nach der Hestia nun wenden wir uns billig zur Rhea und dem Kronos. Doch des Kronos Namen haben wir ja schon durchgenommen. Aber vielleicht ist es Nichts, was ich sagen will.

Kommentar

Kratylos 401e-403b

Übersetzung Schleiermacher:

HERMOGENES: Was doch, Sokrates?

SOKRATES: O Guter, ich erblicke einen ganzen Schwarm von Erkenntnissen.

HERMOGENES: Was doch für einen?

SOKRATES: Lächerlich ist es freilich zu sagen, aber ich glaube doch, es hat seine Wahrscheinlichkeit.

HERMOGENES: In welcher Art denn?

SOKRATES: Ich glaube zu sehen, dass Herakleitos gar alte Weisheit vorbringt, offenbar dasselbe von Kronos und Rhea was auch Homer schon gesagt hat.

HERMOGENES: Wie meinst du das?

SOKRATES: Herakleitos sagt doch, dass alles, Chorein, davon geht und nichts bleibt, und indem er alles Seiende einem strömenden Fluss vergleicht, sagt er, man könne nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

HERMOGENES: Ganz richtig.

SOKRATES: Wie nun? Dünkt dich der viel anders gedacht zu haben als Herakleitos, der aller andern Götter Urahnen Kronos und Rhea genannt hat? Oder meinst du, es sei ohne Absicht, dass er beiden ihre Namen von Flüssen gegeben hat? Wie auch Homer den Okeanos den Vater der Götter nennt, und Tethys die Mutter, und ich glaube auch Hesiod. Ja auch Orpheus sagt

wo erst Okeanos selbst der geräuschige schreitet zur Ehe, Der sich mit Tethvs von Mutterseit' ihm Schwester begattet.

Betrachte nur, wie dies Alles unter sich zusammenstimmt, und wie es auch alles auf des Herakleitos Lehre sich bezieht.

HERMOGENES: Daran scheint wohl etwas zu sein, Sokrates, nur sehe ich noch nicht, was der Namen der Tethys will.

SOKRATES: Das erklärt sich ja von selbst, dass es nur etwas versteckt der Namen einer Quelle ist. Denn das sickernde und tanzende, diattomenon und athumenon, ist das Bild einer Quelle, und aus diesen beiden Worten ist der Namen Tethys zusammengesetzt.

HERMOGENES: Das war gar herrlich, Sokrates.

SOKRATES: Was wollte es nicht! Aber wie weiter? Den Zeus haben wir schon gehabt?

HERMOGENES: Ja.

SOKRATES: Wollen wir also seine Brüder erklären, den Poseidon, und Pluton, nebst dem andern Namen, den man diesem beilegt?

HERMOGENES: Das wollen wir.

SOKRATES: Poseidon nun mag wohl deswegen so benannt worden sein von dem, der ihn zuerst so nannte, weil ihn im Gehen die Gewalt des Meeres aufhielt und ihn nicht weiter schreiten ließ, sondern ihm gleichsam eine Fessel wurde für seine Füße. Daher nannte er den diese Gewalt beherrschenden Gott Poseidon, weil er ein Posidesmos war, und das ist vielleicht nur der Schicklichkeit wegen zum ei verlängert. Vielleicht aber wollte er auch das nicht sagen, sondern es waren anstatt des s zwei l, weil nämlich der Gott ein Polla eidos ist, vieles weiß. Vielleicht heißt er aber auch der Erschütternde, ho seion, und das p und d sind nur hineingesetzt.

Pluton aber ist offenbar in Beziehung auf die Gabe des Reichtums, Plutos, so genannt worden, weil nämlich der Reichtum von unten aus der Erde kommt. Über den Namen Hades aber dünkt mich, die meisten Menschen meinen, dass er eigentlich ein Unsichtbares und ein Dunkel, Aeides, bezeichnet, darum scheuen sie auch diesen Namen und nennen ihn lieber Pluton.

HERMOGENES: Was meinst aber du davon, Sokrates?

SOKRATES: Mir scheinen auf gar vielerlei Art die Menschen das eigentliche Wesen dieses Gottes zu verkennen, und ihn zu fürchten ohne seine Schuld. Denn dass, wer von uns einmal gestorben ist, immer dort bleibt, davor fürchten sie sich, und auch dass die Seele vom Leibe entblößt dorthin zu ihm geht, auch das schreckt sie, mir aber scheint, dies Alles auf eins und dasselbe hinzuzielen, sowohl die Macht des Gottes als sein Namen.

Kommentar

Kratylos 440a-e

Übersetzung Schleiermacher:

SOKRATES: Ja es ist nicht einmal möglich zu sagen, dass es eine Erkenntnis gebe, wenn alle Dinge sich verwandeln und nichts bleibt. Denn nur wenn dieses selbst, die Erkenntnis von dem Erkenntnis sein nicht weicht, so bliebe sie dann immer Erkenntnis und es gäbe eine Erkenntnis. Soll aber auch diese die Erkenntnis an und für sich selbst sich verwandeln, so verwandelt sie sich in etwas von anderer Art als die Erkenntnis, und es gibt dann keine Erkenntnis. Verwandelte sie sich aber immer, so gibt es immer keine Erkenntnis, und davon ausgehend gibt es weder ein Erkennendes noch eines, das zu erkennen ist. Ist aber immer das Erkennende und das Erkannte, ist das Schöne, ist das Gute, ist jegliches Seiende, so scheint mir dies, wie wir es jetzt sagen, gar nicht mehr einem Fluss ähnlich oder einer Bewegung. Ob nun dieses sich so verhält, oder vielmehr so wie Herakleitos mit den seinigen und noch viele andere behaupten, das mag wohl gar nicht leicht zu untersuchen sein. Gewiss aber mag das einem vernünftigen Menschen gar nicht wohl anstehen sich selbst und seine Seele lediglich den Wörtern in Pflege hinzugeben und im Vertrauen auf sie, und die welche sie eingeführt haben, dann seiner Sache so sicher zu sein, als wisse er etwas, indem er über sich sowohl als alles andere was ist so aburteilt, ergibt nichts richtiges daran, sondern alles sei zerbrechlich wie Töpferzeug, und indem er glaubt, dass, so wie Menschen an Ausflüssen leiden, so auch die Dinge sich ebenso befinden und von Reißen und Ausflüssen geplagt werden. Vielleicht nun verhält es sich so, lieber Kratylos, vielleicht auch nicht. Nachdenken aber musst du tüchtig darüber und nichts leichtsinnig annehmen, denn du bist jung und hast noch Zeit, und wenn du es durch dein Nachdenken gefunden hast, dann teile es auch mir mit.

KRATYLOS: Das will ich wohl tun. Aber glaube mir nur, Sokrates, dass ich auch jetzt schon nicht ganz neu in der Sache bin, und wie ich mehr darüber nachdenken und mich darauf verlegen werde, mir keine Durcharbeitung eine noch größere als die besprochene, gegenüber dem was Herakleitos sagt, Richtigkeit zu haben scheint.

SOKRATES: So unterrichte mich davon ein andermal, Freund, wenn du zurückgekehrt sein wirst, jetzt aber, wie du dich schon dazu bereitet hattest, gehe nur aufs Land, Hermogenes wird dich begleiten.

KRATYLOS: Das soll geschehen, Sokrates. Tue du nur auch das deinige, um dies noch näher zu untersuchen.

Kommentar

Symposion 187a-e

Übersetzung Schleiermacher:

Von der Musik aber ist es sogar jedem klar, der auch nur im geringsten darauf merkt, dass es sich ebenso mit ihr verhält, wie vielleicht auch Herakleitos sagen will, denn den Worten nach drückt er es nicht richtig aus. Das Eine, das Grundwesen, nämlich, sagt er, gehe, eben indem es auseinandergehe, mit sich selber zusammen, wie die Fügung eines Bogens und einer Leier. Es ist aber sehr unsinnig zu sagen, dass die harmonische Fügung selbst auseinandergehe und schon im Widerstreite vorhanden sei oder aus noch Auseinandergehendem und noch Widerstreitendem bestehe. Vielleicht jedoch wollte er dies sagen, dass sie durch die Tonkunst aus dem Hohen und Tiefen, welches zu vor widerstreitend auseinanderging, nunmehr aber in Übereinstimmung gebracht wurde, entstehe. Denn nimmer kann doch wohl aus dem Hohen und Tiefen, solange es sich noch widerstreitet, eine Harmonie hervorgehen. Denn Harmonie ist Einklang, Einklang aber eine Art der Eintracht, Eintracht aber kann unter Widerstreitendem, solange es sich noch widerstreitet, unmöglich stattfinden; wiederum aber, was sich widerstreitet und nicht in Eintracht ist, kann sich demnach auch nicht harmonisch fügen. Ebenso wie auch der Rhythmus aus dem vorher sich widerstreitenden, nachher aber in Übereinstimmung gebrachten Schnellen und Langsamen entsteht. Jene Übereinstimmung aber ruft, wie dort die Arzneikunde, so hier die Tonkunst hervor, indem sie gegenseitige Liebe und Eintracht einflößt, und es ist so die Tonkunst wiederum die Kenntnis der Liebesregungen in Bezug auf Takt und Harmonie. Und zwar ist es in der Anordnung der Harmonie und des Zeitmaßes an sich nicht schwer, die Liebesregungen zu erkennen, und hierin waltet der zwiefache Eros nicht. Aber wenn es gilt, durch Harmonie und Zeitmaß auf die Menschen einzuwirken, sei es dass man selber schafft, was man das Tonsetzen nennt, oder dass man die bereits geschaffenen Tonstücke richtig vorträgt, was man Spielen heißt, dann ist es schwer und bedarf eines tüchtigen Künstlers. Denn dann kommt wieder derselbe Satz in Anwendung, dass man den wohlgesitteten Menschen, und zwar so, dass die, welche noch nicht wohlgesittet sind, es eben hierdurch werden, willfahren und ihre Liebesneigungen wohl in acht nehmen muß, und dies ist die edle, himmlische Liebe, welche von der Muse Urania stammt, die andere aber, die der Polyhymnia, ist die irdische, und diese muß man da, wo man sie anwendet, mit Vorsicht anwenden, damit der Hörer die Lust von ihr genieße, ohne dass sie Zügellosigkeit in ihm hervorbringt, ebenso wie es in unserer Kunst schwierig ist, den Begierden, welche sich auf die Kochkunst beziehen, die rechte Lenkung zu geben, so dass man die Lust ohne Krankheit einernte. Und so muß man in der Musik und in der Heilkunst und in allen andern Künsten, die sich auf menschliche und auf göttliche Dinge beziehen, soweit es angeht, den zwiefachen Eros ins Auge fassen, denn sie sind beide in ihnen vorhanden.

Kommentar

Politeia 497d-498b

Übersetzung Schleiermacher:

Auf welche Weise ein Staat mit dem Studium der Philosophie sich befasst, ohne dadurch unterzugehen. Denn alles Große hat ja seine Schwierigkeit, und, wie das Sprichwort sagt, das Schöne ist in der Tat schwer.

Aber dessen ungeachtet, sagte er, muss die Beweisführung ihr Ende bekommen und dieser übrige Teil ins klare gebracht werden!

Nicht der böse Wille, antwortete ich, sondern es wird, wenn irgendetwas, das Unvermögen daran hinderlich sein, denn was meine Bereitwilligkeit anlangt, so wirst du diese schon als Augenzeuge kennen. Sieh aber auch jetzt eine Probe, wie bereit und waghalsig ich in dieser Beziehung bin. Ich wage den Satz auszusprechen, dass ganz auf die entgegengesetzte Weise, als es heutzutage geschieht, jenes Studium der Staat angreifen müsse.

Wie denn?

Heutzutage, sagte ich, sind die, welche es ergreifen, noch junge Burschen, kaum aus den Knabenschuhen, und wenn sie so mittendurch zwischen den Geschäften der Haushaltung und ihres Gewerbes bis zum schwierigsten Teile vorgedrungen sind, so lassen sie es liegen, und diese gelten noch für die größten Freunde der Wissenschaft. Unter dem schwierigsten Teile verstehe ich aber die Beschäftigung mit den Begriffen, wenn sie dann in der späteren Zeit auf die Veranlassung, weil auch andere dies tun, zum Besuche von Vorträgen sich bequemen, so glauben sie wunder was sie täten, indem sie im Wahn leben, dass man jenes Studium nur als Nebenwerk zu treiben brauche, gegen das hohe Alter aber hin erlischt ihr Eifer mit wenigen Ausnahmen noch viel mehr als die Sonne des Herakleitos, indem er so bald bei ihnen sich nicht wieder entzündet.

Kommentar

Theaitetos 152d-e

Übersetzung Schleiermacher:

SOKRATES: Ich will es dir sagen, es ist gar keine schlechte Rede, dass nämlich gar nichts ein an und für sich Bestimmtes ist, und dass du keinem Dinge mit Recht welche Eigenschaft auch immer beilegen kannst, vielmehr, wenn du etwas groß nennst, wird es sich auch klein zeigen, und wenn du etwas schwer nennst, wird es sich auch leicht zeigen, und so gleicherweise in allem, dass eben nichts weder ein Gewesenes ist, noch auch irgendwie beschaffen, sondern durch Bewegung und Veränderung und Vermischung wird alles untereinander nur, wovon wir sagen, dass es ist, indem wir es damit nicht richtig bezeichnen, denn niemals ist eigentlich irgendetwas, sondern immer nur wird es. Und hierüber mögen denn der Reihe nach alle Weisen, den Parmenides ausgenommen, einig sein, Protagoras sowohl als Herakleitos und Empedokles, und so auch von den Dichtem die Meister von beiden Dichtungsarten, Epicharmos der komischen und Homer der tragischen, denn wenn dieser sagt:

Dass ich den Vater Okeanos schau' und Tethys die Mutter,

will er andeuten, dass alles entsprungen ist aus dem Fluss und der Bewegung. Oder scheint er dir nicht dieses zu meinen?

Kommentar

Theaitetos 160d-e

Übersetzung Schleiermacher:

SOKRATES: Wahr also ist mir meine Wahrnehmung, denn sie ist die meines jedesmaligen Seins. Ich also bin der Richter, nach dem Protagoras, dessen sowohl, was mir ist, wie es ist, als dessen, was mir nicht ist, wie es nicht ist.

THEAITETOS: So scheint es.

SOKRATES: Wie also sollte ich, da ich untrüglich bin und nie fehle, in meiner Vorstellung von dem, was ist oder wird, dasjenige nicht auch erkennen, was ich wahrnehme?

THEAITETOS: Es lässt sich auf keine Weise anders denken.

SOKRATES: Vortrefflich also hast du gesprochen, dass die Erkenntnis nichts anderes ist als Wahrnehmung, und es fällt in eines zusammen, dass nach dem Homer, Herakleitos und ihrem ganzen Stamm alles sich wie Ströme bewegt, dass nach dem Protagoras, dem sehr weisen, der Mensch das Maß aller Dinge ist, und dass nach dem Theaitetos, wenn dieses sich so verhält, die Wahrnehmung Erkenntnis wird. Nicht wahr, o Theaitetos, wir sagen doch, dass dies Kindlein dein Neugeborenes ist, und von mir geholt? Oder wie meinst du?

Kommentar

Theaitetos 179c-181b

Übersetzung Schleiermacher:

SOKRATES: Noch an vielen andern Orten, o Theodoros, kann ein solcher Satz gefangen werden, dass jede Vorstellung eines jeden wahr sein soll. Was aber den gegenwärtigen Zustand eines jeden betrifft, woraus die Wahrnehmungen und die sich auf sie beziehenden Vorstellungen entstehen, so ist es schwerer zu zeigen, dass diese nicht wahr sein sollen. Oder vielmehr ist das nichts gesagt, und diese sind vielleicht ganz unwiderleglich, so dass diejenigen, welche behaupten, diese wären untrüglich und Erkenntnisse, vielleicht wohl das Richtige sagen mögen und also auch unser Theaitetos nicht weit vom Ziele getroffen hat, als er festsetzte, dass Wahrnehmung und Erkenntnis dasselbe wären. Wir müssen also näher darauf zugehen, wie die für den Protagoras geführte Verteidigung uns gebot, und diesen unsicheren und schwankenden Satz noch einmal betrachtend darauf abklopfen, ob er ganz klingt oder zerbrochen. Der Streit darüber ist ja aber schon immer nicht gering gewesen, und nicht unter wenigen.

THEODOROS: Wahrlich, keineswegs gering, vorzüglich in Ionien verbreitet er sich gar sehr. Denn die Freunde des Herakleitos sind sehr tapfere Anführer bei der Verteidigung dieses Satzes.

SOKRATES: Um desto mehr, lieber Theodoros, müssen wir von vorn an betrachten, so wie sie ihn eigentlich vorzeichnen.

THEODOROS: Allerdings, Sokrates. Nur dass, was diese Herakleitischen oder, wie du sagst, Homerischen und noch Älteren betrifft, mit denen zu Ephesos, so viel deren der Sache kundig zu sein vorgeben, sich in ein ernsthaftes Gespräch einzulassen nicht besser angeht, als wollte man es mit solchen versuchen, die, von bösartigen Insekten zerstochen, nicht einen Augenblick stillstehen können, denn ordentlich, wie es in ihren Schriften heißt, fließen sie auch, festen Fuß aber zu fassen bei einem Satz und einer Frage, und gelassen jeder nach seiner Ordnung zu fragen und zu antworten, davon ist ihnen so viel verliehen wie nichts. Ja nicht einmal nichts ist schon zu viel gesagt, so wenig Ruhe ist in diesen Leuten. Sondern wenn du einen etwas fragst, so ziehen sie wie aus ihrem Köcher rätselhafte kleine Sprüchlein hervor und schießen diese ab, und willst du dann darüber wieder eine Erklärung, wie es gemeint gewesen, so wirst du von einem andern ähnlichen getroffen von ganz neuer Wortwahl. Zu Ende bringen wirst du aber niemals etwas mit einem von ihnen, noch auch sie selbst untereinander. Sondern sehr genau beobachten sie dieses, dass ja nichts fest bleibe weder in der Rede noch auch in ihren eigenen Seelen, indem sie, wie mich dünkt, besorgen, dies möchte etwas Beharrliches sein, wogegen sie ebenso gewaltig streiten und es überall, wo sie nur können, vertreiben.

SOKRATES: Vielleicht, Theodoros, hast du die Männer nur gesehen, wenn sie Krieg führen, bist aber nicht mit ihnen gewesen, wenn sie Frieden halten, denn sie sind dir eben nicht freund. Dergleichen aber, glaube ich, werden sie in ruhigen Stunden ihren Schülern mitteilen, welche sie sich ähnlich zu machen suchen.

THEODOROS: Was doch für Schülern, du Wunderlicher? Bei diesen wird gar nicht einer des andern Schüler, sondern sie wachsen von selbst auf, jeder, woher es ihm eben kommt, begeistert, und einer hält immer den andern für nichts. Von diesen also wirst du, wie ich schon sagen wollte, niemals eine Antwort erhalten, weder gutwillig noch gezwungen, sondern wir müssen sie selbst, als ob wir sie wie eine Aufgabe vorgelegt bekommen hätten, in Betrachtung ziehen.

SOKRATES: Dies erinnerst du sehr richtig. Haben wir nun nicht die Aufgabe zuerst von den Alten, welche sich mit Hilfe der Dichtkunst den meisten verbargen, so empfangen, dass der Ursprung von allem Okeanos und Tethys, Flüsse, wären, und dass nichts fest stehe, von den Neueren dann, welche weiter sind und alles ganz offenbar vorzeigen, damit auch die Schuhmacher ihre Weisheit hören und lernen, und aufhören, törichterweise zu glauben, dass einiges beharrlich sei unter dem, was ist, und anderes sich bewege, sondern von ihnen lernen und sie dafür ehren mögen, dass alles sich bewegt.

Beinahe aber hätte ich vergessen, o Theodoros, dass andere wiederum das gerade Gegenteil, von diesem behauptet haben, nämlich das Unbewegliche sei der richtige Name des Ganzen, und was sonst die Melissos und die Parmenides allen diesen zuwider behaupten, dass alles eins ist und selbst in sich besteht, indem es keinen Raum hat, worin es sich bewegen könnte. Was nun. Lieber, sollen wir mit allen diesen beginnen? Denn allmählich vorrückend sind wir unvermerkt in die Mitte zwischen beide geraten, und wenn wir uns nicht auf irgend eine Art zu helfen wissen, dass wir ihnen entfliehen, werden wir Strafe leiden müssen wie die, welche auf dem Übungsplatz auf der Linie spielen, wenn sie, von beiden ergriffen, nach entgegengesetzten Seiten gezogen werden. Ich denke also, wir wollen zuerst jene, auf welche wir anfänglich stießen, in Betrachtung ziehen, die Fließenden, und wenn sich zeigt, dass sie etwas Begründetes sagen, so wollen wir ihnen selbst helfen, uns ziehen, und wollen versuchen, den andern zu entkommen. Wenn aber die, welche das Ganze festhalten, etwas Richtigeres zu behaupten scheinen, so wollen wir im Gegenteil zu ihnen fliehen von jenen, die auch das Unbewegliche bewegen. Sollte sich aber zeigen, dass beide nichts Tüchtiges vorbringen, so würden wir ja lächerlich sein, wenn wir, die wir ganz gewöhnliche Menschen sind, uns selbst zutrauten, etwas Rechtes zu sagen, und darüber jenen uralten und höchst weisen Männern abfällig würden. Sieh also zu, Theodoros, ob es geraten ist, uns in eine so große Gefahr hineinzubegeben?

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Xenokrates | Ξενοκράτης

* 396/395 BCE - † 314/313 BCE | Platoniker & Leiter der platonischen Akademie

Herakleides Pontikos | Ἡρακλείδης ὁ Ποντικός

* 390-385 BCE - † 322-310 BCE | Platoniker

Aristoteles | Ἀριστοτέλης

* 384 BCE - † 322 BCE | Schüler Platons & Begründer der Peripatos

Eudemische Ethik, II 7, 1223b

Übersetzung Franz Dirlmeier:

Dasselbe Argument gilt auch für die Aufwallung. Denn Unbeherrschtheit und Beherrschtheit scheint es auch bei der Aufwallung im selben Sinne zu geben wie bei der Begierde, und was der Aufwallung zuwiderläuft bringt Unlust und deren Niederhalten ist etwas Erzwungenes. Wenn daher das Erzwungene nichtwillentlich ist, so müßte das was man der Aufwallung folgend tut, durchweg willentlich sein. Auch Heraklit scheint im Hinblick auf die Stärke der (Zorn)wallung zu behaupten, ihre Unterdrückung sei voll Unlust; "es ist nämlich schwer", sagt er, "mit dem Zorn zu kämpfen, denn er erkauft (was er will) mit der Seele". Wenn es aber unmöglich ist, daß derselbe dasselbe gleichzeitig willentlich und nicht-willentlich tut in Bezug auf denselben Aspekt der Sache, so ist eher willentlich das was in Übereinstimmung mit dem Wünschen geschieht als was mit Begierde und Aufwallung zusammenstimmt. Und ein Beweismittel hierfür ist, daß wir vieles willentlich tun ohne Zorn und Begierde.

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Eudemische Ethik, VII 1, 1235a

Übersetzung Franz Dirlmeier:

Die Naturphilosophen aber lassen gar in der Gesamtnatur Ordnung entstehen, indem sie als Prinzip nehmen, daß Gleiches zum Gleichen gehe. So hat Empedokles behauptet, der Hund liege auf dem Ziegelstein, weil er die größte Ähnlichkeit damit habe. So also bestimmen die einen das Freundschaftsverhältnis. Die anderen aber behaupten, das Gegensätzliche sei mit dem Gegensätzlichen befreundet; denn das Geliebte und Begehrte sei jedem "freund"; es begehrt aber das Trockene nicht nach dem Trockenen, sondern nach dem Feuchten, und deshalb heißt es:

"Die Erde liebt den Regen" und

"In allem ist der Wechsel süß";

Wechsel aber geschieht zum Entgegengesetzten hin. Das Gleiche aber ist dem Gleichen feind, denn es heißt ja auch:

"Und zürnet der Töpfer dem Töpfer",

und Tiere, die sich vom selben Futter nähren, bekriegen sich gegenseitig. So weit also stehen diese Ansichten voneinander ab: den einen zufolge ist das Gleiche befreundet, das Gegensätzliche aber feindselig:

"Dem Mehr entsteht als kampfbereiter Feind doch stets

Das Weniger: haßschweren Tag führt es heran",

und ferner sind Gegensätze räumlich geschieden, die Freundschaft aber führt bekanntlich zusammen. Für andere wiederum ist das Gegensätzliche befreundet und Heraklit schilt das Wort des Dichters:

Daß doch der Streit, der verwünschte, aus Göttern und Menschen verschwände!"

Denn es gebe keine Harmonie, wenn es nicht "hoch" und "tief" gibt, und keine Tiere ohne "weiblich" und "männlich" - dies aber seien Gegensätze.

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Magna Moralia, II 6, 1201b

Übersetzung Franz Dirlmeier:

Zuerst nun die bezüglich des Wissens; denn es schien ja absurd, daß jemand, der das Wissen hat, es verlieren oder darin eine Veränderung erfahren sollte. Dasselbe aber gilt auch von der Meinung; denn es macht keinen Unterschied, ob es sich um Meinung oder um Wissen handelt. Ist nämlich die Meinung infolge ihrer Sicherheit und Unbeeinflußbarkeit sehr entschieden, so wird sie sich in den Augen derer, die Meinungen haben, nicht vom Wissen unterscheiden, da diese davon überzeugt sind, es verhalte sich (wirklich) so, wie sie meinen; Heraklit von Ephesos z. B. hat eine solche Meinungbezüglich seiner Meinung.

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Metaphysik, I 3, 984a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Anaximenes und Diogenes dagegen setzen die Luft als früher gegenüber dem Wasser an und als vorzüglichstes Prinzip unter den einfachen Körpern, Hippasos der Metapontiner und Herakleitos der Ephesier das Feuer, Empedokles die vier Elemente, indem er zu den genannten die Erde als viertes hinzufügte.

Kommentar

Metaphysik, I 6, 987a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Nach den genannten Philosophen folgte die Lehre Platons, welche sich in den meisten Punkten an diese anschloß, jedoch auch einige Eigentümlichkeiten hatte im Gegensatz zu den Italischen Philosophen. Da er nämlich von Jugend auf mit dem Kratylos und den Ansichten des Herakleitos bekannte geworden war, daß alles Sinnliche in beständigem Flusse sei, und daß es keine Wissenschaft davon gebe, so blieb er auch später bei dieser Annahme. Und da sich nun Sokrates mit den ethischen Gegenständen beschäftigte und gar nicht mit der gesammten Natur, in jenen aber das Allgemeine suchte und sein Nachdenken zuerst auf Definitionen richtet, brachte dies den Platon, der seine Ansichten aufnahm, zu der Annahme, daß die Definition auf etwas von dem Sinnlichen Verschiedenes gehe; denn unmöglich könne es eine allgemeine Definition von irgendeinem sinnlichen Gegenstande geben, da diese sich in beständiger Veränderung befänden. Was nun von dem Seienden solcher Art war, nannte er Ideen; das Sinnliche aber sei neben diesm und werde nach ihm benannt; denn durch Teilhabe an den Ideen existiere die Vielheit des den ideen Gleichnamigen.

Kommentar

Metaphysik, IV 3, 1005b

Übersetzung Hermann Bonitz:

Es ist nämlich unmöglich, daß jemand annehme, dasselbe sei und sei nicht. Zwar meinen einige, Herakleitos sage so, doch ist es ja nicht notwendig, daß jemand das, was er sagt, auch wirklich so annehme.

Kommentar

Metaphysik, IV 5, 1010a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Die Ursache dieser Ansicht nun lag für sie darin, daß sie bei der Forschung nach der Wahrheit des Seienden nur das Sinnliche für Seiendes hielten; in diesem aber ist die Natur des Unbestimmten und dessen, was auf die bezeichnete Weise ist, vorherrschend. Daher sprechen sie zwar begreiflicherweise so, aber Wahres sprechen sie nicht. Es ist nämlich wohl passender, (gegen sie) sich in dieser Weise zu äußern als in der des Epicharm gegen Xenophanes. - Ferner, da sie sehen, daß sich diese Natur in ihrem ganzen Umfang in Bewegung bewfinde, und es von dem sich Verändernden keine wahre Aussage gebe, so meinten sie, daß man über dieses auf alle Weise durchaus sich Verändernde nichts mit Wahrheit aussagen könne. Aus dieser Annahme ging die überspannteste unter den erwähnten Ansichten hervor, derer nämlich, die sich Anhänger des Herakleitos nennen, und des Kratylos, der zuletzt gar nichts mehr glaubte sagen zu dürfen, sondern nur den Finger zum Zeigen bewegte und dem Herakleitos Vorwürfe darüber machte, daß er erklärte, man könne nicht zweimal in denselben Fluß einsteigen; denn er selbst meinte, man könne es auch nicht einmal. Wir werden nun auch auf diese Erörterung erwidern, daß bei dem sich Verändernden, während es eben sich verändert, allerdings ein richtiger Grund vorhanden ist, es für nicht seiend zu halten. und doch ist auch dies noch zweifelhaft; denn das Werdende, indem es eine Eigenschaft eben verliert, hat noch etwas von dem, was es verliert, und muß schon etwas von dem sein, was es wird. Und überhaupt: soll etwas untergehn, so muß es als ein Seiendes vorhanden sein, und wenn dagegen etwas entsteht, so muß etwas sein, woraus und wodurch es erzeugt wird, und dies kann nicht ins Unendliche gehen.

Kommentar

Metaphysik, IV 7, 1012a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Ferner, wenn jemand auf die Frage, ob etwas weiß ist, mit Nein antwortet, so hat er nichts weiter abgesprochen als das Sein; denn das Nicht-sein ist Verneinung. Einige nun sind in diese Ansicht, so gut wie in andere paradoxe Ansichten, dadurch geraten, daß sie, unvermögende die Streitgründe zu widerlegen, denselben nachgaben und das Erschlossene als richtig anerkannten. Aus diesem Grunde also sind einige auf diese Ansicht gekommen, andere dadurch, daß sie für alles begründenden Beweis suchten. Gegen alle diese ergibt sich der Anfang (der Widerlegung) aus der Definition. Diese entsteht daraus, daß sie ja notwendig etwas bezeichnen müssen; denn der Begriff, dessen Wort Zeichen (Angabe der Bedeutung) ist, wird zur Definition. Es scheint nun die Lehre des Herakleitos, welche alles sein und auch nicht sein läßt, alles für wahr zu erklären, die des Anaxagoras dagegen etwas Mittleres zwischen den Gliedern des Widerspruchs zu setzen, so daß alles falsch wird; denn wenn Gutes und Nicht-Gutes gemischt wird, so ist die Mischung weder Gutes noch Nicht-Gutes, so daß man nichts von ihr in Wahrheit aussagen kann.

Kommentar

Metaphysik, IV 8, 1012a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Nach diesen Bestimmungen ergibt sich, daß die Erklärungen über Wahr und Falsch, welche sich auf einerlei Weise über alles erstrecken sollen, nicht statthaben können, wie einerseits die Lehre dere, welche behaupten, nichts sei wahr - denn es können sich mit allen Sätzen so verhalten wie mit dem welcher die Quadrat-Diagonale für kommensurabel erklärt -, und andererseits derer, welche sagen, alles sei wahr. Im ganzen fallen diese Lehren mit der des Herakleitos zusammen; denn wer behauptet, alles sei wahr und alles sei falsch, der spricht auch jeden von diesen beiden Sätzen abgesondert für sich aus; sind nun jene unmöglich, so kann auch dies unmöglich statthaben.

Kommentar

Metaphysik, XI 5, 1062a-b

Übersetzung Hermann Bonitz:

Ferner, wenn die Verneinung ebenso wahr ist wie die Bejahung, so wird man mit ebenso großer Wahrheit etwas einen Nicht-Menschen wie einen Menschen nenne. nun scheint es aber so, daß man, wenn man den Menschen ein Nicht-Pferd nennt, noch mehr oder doch nicht weniger die Wahrheit sagt, als wenn man ihn einen Nicht-Menschen nennt; folglich wird auch der die Wahrheit sagen, der ihn Pferd nennt, da die entgegengesetzten Aussagen gleich wahr sein sollen. Daraus ergibt sich also, daß derselbe Mensch ist und Pferd und irgendein beliebiges anderes Lebewesen. Einen Beweis schlechthin gibt es also von diesen Sätzen nicht, wohl aber eine Widerlegung dessen, der das Gegenteil aufstellt. Selbst den Herakleitos würde man wohl bald, wenn man ihn auf diese Weise fragte, zwingen einzugestehen, daß niemals die entgegengesetzten Aussagen zugleich über denselben Gegenstand wahr sein können; so aber hat er dies Ansicht gefaßt, ohne sich selbst recht bewußt zu sein, was er damit meint. Überhaupt aber angenommen, seine Behauptung sei wahr, die nämlich, daß dasselbe zu einer und derselben Zeit sein und auch nicht sein könne, wo würde daraus folgen, daß auch eben diese Behauptung nicht wahr ist. Denn wie bei der Trennung der beiden Glieder des Gegensatzes die Verneinung ebenso wahr ist wie die Bejahung, so muß auch auf dieselbe Weise, wenn man die beiden Glieder des Gegensatzes gleichsam wie zu einer Bejahung verbindet und vereinigt, die Verneinung diese Ganzen ebenso wahr sein wie die Bejahung des Ganzen.

Kommentar

Metaphysik, XI 6, 1063b

Übersetzung Hermann Bonitz:

Ebensowenig kann aber auch Mittleres von einem und demselben Gegenstand ausgesagt werden. Denn wenn der Gegenstand unserer Aussage weiß ist, so würden wir im Irrtum sein, wenn wir sagten, er sei weder weiß noch schwarz; denn daraus ergäbe sich, daß er weiß sei und auch nicht weiß; nun kann aber nur das eine Gleid der miteinander verbundenen Gegensätze wahr sein, das andere aber ist die Negation von weiß. Man kann also weder, wenn man Herakleitos' Ansicht billigt, die Wahrheit treffen, noch wenn man der des Anaxagoras folgt; denn sonst ergäbe sich ja, daß man das Entgegengesetzte von demselben aussagte.

Kommentar

Metaphysik, XI 10,1067a

Übersetzung Hermann Bonitz:

Ebensowenig kann aber der unendliche Körper ein einziger und einfacher sein, weder nach den Lehren einiger als etwas neben den Elementen, woraus sie diese entstehen lassen (denn ein solcher Körper neben den Elementen existiert nicht; woraus nämlich jedes entsteht, dahin löst es sich auch wieder auf, aber es zeigt sich ja dies nicht neben den einfachen Körpern), noch als Feuer oder irgendein anderes der Elemente. Denn abgesehen davon, daß eines unter ihnen unendlich wäre, ist es unmöglich, auch die Begrenztheit vorausgesetzt, daß das gesamte All eines derselben sei oder werde, wie Herakleitos sagt, daß alles einst Feuer werde. Ebenso verhält es sich mit dem Einen, welches einige Physiker zu einem Element machen; denn alles verwandelt sich aus dem Entgegengesetzten, z.B. aus Warmen in Kaltes.

Kommentar

Metaphysik, XIII 4, 1078b

Übersetzung Hermann Bonitz:

So viel also über die Gegenstände der Mathematik, daß sie etwas Seiendes sind und inwiefern sie es sind und inwiefern sie früher sind, inwiefern nicht früher. Was nun aber die Ideen betrifft, so müssen wir zunächst die Ideenlehre an sich betrachten, ohne damit die Natur der Zahlen in Verbindung zu setzen, sondern wir müssen die Ansichten so fassen wie diejenigen, welche zuerst die Existenz der Ideen behaupten. Es gelangten aber die Anhänger der Ideenlehre zu dieser Ansicht durch die Überzeugung von der Wahrheit der Heraklitischen Lehre, daß alles Sinnliche in beständigem Fluß sei; sollte es daher eine Wissenschaft und eine Erkenntnis von etwas geben, so müßten außer den sinnlichen Wesen davon verschiedene bleibende existieren; denn von dem Fließenden gebe es keine Wissenschaft.

Kommentar

Meteorologie, II 2, 355a

Übersetzung Hans Strohm:

Lächerlich sind daher alle früheren Anschauungen, daß die Sonne sich vom Feuchten nähre. Man behauptet sogar, daß dies auch die Ursache der Sonnenwenden sei: es könnten ihr ja nicht immer dieselben Gegenden zur Nahrung dienen, auf Nahrung aber sei sie angewiesen, oder sie gehe zugrunde; es lebe ja auch das bei uns sichtbare Feuer nur solange, als es Nahrung habe — Feuchtigkeit aber sei die einzige Nahrung für Feuer. Hier wird vorausgesetzt, daß das aufsteigende Feuchte bis zur Sonne gelangt, oder daß sein Aufsteigen dem Vorgang beim Entstehen einer Flamme entspricht (von hier haben sie wohl jene Theorie betreffs der Sonne abgenommen). Hier liegt aber nichts Vergleichbares vor. Denn die Flamme ist ein Prozeß, der sich aus dem beständigen Wechsel von Feucht und Trocken ergibt, ist nicht etwas, was ernährt wird(sie bleibt ja sozusagen keinen Augenblick dasselbe Etwas). Für die Sonne aber kann dies unmöglich zutreffen; denn nährte sie sich auf eben diese Weise (jene Leute behaupten es ja: wie bei einer Flamme), dann wäre wirklich die Sonne nicht nur, nach Heraklits Wort, "jeden Tag neu", sondern fortwährend in kontinuierlichem Neuentstehen.

Kommentar

Nikomachische Ethik, II 2, p. 1105a

Übersetzung Eugen Rolfes:

Endlich ist es, wie Heraklit sagt, zwar schwer, den Zorn zu bezwingen, aber noch schwerer bezwingt man die Lust. Um das Schwerere aber bemüht sich allezeit wie die Kunst so die Tugend, und durch dieses wird das Gute noch besser. Und so dreht sich auch aus diesem Grund das ganze Geschäft der Tugend und der Staatskunst um Lust und Unlust. Wer sich hier gut verhält, ist gut, und wer sich schlecht verhält, ist schlecht.

Kommentar

Nikomachische Ethik, VII 5, 1146b

Übersetzung Eugen Rolfes:

Was nun die Ansicht betrifft, es sei wahre Meinung, nicht Wissen, was bei der Unenthaltsamkeit verleugnet wird, so ist dieses für unsere Untersuchung ganz gleichgültig. Mancher meint nur und hat doch keinen Zweifel, sondern glaubt seiner Sache ganz sicher zu sein. Soll also der Meinende darum, weil seine Überzeugung nur schwach ist, eher und leichter gegen seine Ansicht handeln, so kann zwischen Wissen und Meinen kein Unterschied sein. Denn mancher glaubt so fest an das, was er meint, wie andere an das, was sie wissen; das sieht man an Heraklit.

Kommentar

Nikomachische Ethik, VIII 2, 1155b

Übersetzung Eugen Rolfes:

Die einen erklären sie für eine Gleichheit und für Freunde solche, die sich gleich sind; daher das Wort: "Gleich und Gleich", und "Dohle zur Dohle", und was dergleichen mehr ist. Andere sagen umgekehrt, alle solche seien gegeneinander wie ein Töpfer gegenüber dem anderen. Manche gehen in der Untersuchung über eben diese Frage weiter zurück und suchen sie mehr aus der Naturwissenschaft zu beantworten. So sagt Euripides, dürres Land liebe den Regen, und den hehren Himmel treibe die Liebe, wenn er regenschwanger sei, zur Erde sich zu senken, und Heraklit sagt, Widerstrebendes tauge zusammen, aus dem Verschiedenen entspringe die schönste Harmonie, und alles entsteht auf dem Weg des Streites, Umgekehrt wie sie äußert sich unter anderen Empedokles, wenn er behauptet, daß Gleiches nach Gleichen verlangt.

Kommentar

Nikomachische Ethik, X 5, 1176a

Übersetzung Eugen Rolfes:

Man kann auch sagen, daß jedes Sinnenwesen, wie eine eigene Verrichtung, so eine eigene Lust hat, nämlich die seiner Tätigkeit entsprechende. Man sieht das auch, wenn man die einzelnen Arten der Lebewesen betrachtet. Eine andere ist die Lust des Pferdes, eine andere die des Hundes und eine andere die des Menschen, wie ja auch Heraklit sagt, daß ein Esel die Spreu dem Gold vorziehen würde. Nämlich für Esel ist Futter angenehmer als Gold. Wie also die Wesen selbst, so sind auch ihre Lüste oder Ergötzungen der Art nach verschieden, dagegen ist anzunehmen, daß die von Wesen einer Art nicht verschieden sind.

Kommentar

Physik, I 2, 185a

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Denn "Anfang" ist immer Anfang "von etwas", einem oder mehrerem. Die Untersuchung also, ob in diesem Sinne eines ist, gleicht dem Versuch, ggegen eine x-beliebige These zu argumentieren von der Sorte, was nur um der bloßen Behauptung willen gesagt wird - z.B. die Heraklitische These, oder wenn jemand behaupten wollte, das Seiende sei ein Mensch -, oder dem Versuch, eine eristische Argumentation aufzuklären; - was denn auch beide diese Erklärungen an sich haben, sowohl die des Melissos wie die des Parmenides: Sie machen erstens falsche Annahmen und sind zweitens nicht schlüssig.

Kommentar

Physik, I 2, 185b

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Andrerseits, wäre alles Seiende dem Begriffe nach eines, wie z.B. "Kleid" und "Gewand", so geschieht es ihnen, den Satz des Heraklit sagen: dann wird "gutsein" und "schlechtsein" das Gleiche, und "gutsein" mit "nicht-gutsein", - so daß dann dasselbe würden "gut" und "nicht-gut", "Mensch" und "Pferd", und die Untersuchung dann nicht mehr um das Eins-sein des Seienden ginge, sondern um das Nichtssein -, und ebenso würden "so-beschaffen-sein" und "so-viel-sein" dasselbe. Die Nachfahren dieser Alten waren voller Sorge, daß es ihnen nicht geschehe, daß ein und derselbe Gegenstand zugleich eines und vieles würde. Deshalb schlossen die einen den Gebrauch des Wortes "ist" aus, wie z.B. Lykophron, die anderen formten die Ausdrucksweise um und sagten dann nicht mehr "der Mensch ist weiß", sondern "er weißt", und nicht mehr "er ist unterwegs", sondern "er wegt", - und das alles, damit es ihnen nicht geschehen sollte, indem sie ein "ist" setzten, aus Einem Vieles zu machen, - in der Annahme, daß die Begriffe "eins" und "seiend" nur eine Bedeutung hätten.

Kommentar

Physik, III 5, 205a

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Auch Feuer oder irgendein anderer der Grundbaustoffe kann auf keinen Fall unbegrenzt sein; überhaupt und abgesehen davon, daß dann (wieder) eines von ihnen unbegrenzt wäre, ist es unmöglich, daß das All, auch wenn es begrenzt sein sollte, ein einziges von ihnen wäre oder würde, so wie Heraklit sagt, alles werde einmal zu Feuer, - dieselbe Überlegung gilt auch für diesen einenn (Urstoff), den die Natur-Denker neben den Stoffen ansetzen. Alles wandelt sich ja aus einem Gegenteil in ein Gegenteil um, z.B. aus "warm" in "kalt".

Kommentar

Politik, V 11, 1315a

Übersetzung Eckart Schütrumpf:

Unter denen, die dem Tyrannen nach dem Leben trachten, sind die Männer am gefährlichsten, die bereit sind, ihr Leben zu opfern, wenn sie nur zuerst das des Tyrannen genommen haben; gegen sie muß er am meisten Vorkehrungen treffen. Deswegen muß er sich besonders vor denen in acht nehmen, die glauben, entweder sie selber oder andere, deren Wohl ihnen am Herzen liegt, seien die Opfer seines entehrenden Unrechts. Denn wer aus Zorn angreift, schont nicht sein Leben wie auch Heraklit aussprach, wenn er sagte, daß es "schwierig" sei, "gegen Zorn zu kämpfen, denn er kaufe sich (was er begehrt) um den Preis der Seele."

Kommentar

Rhetorik III 5. 1407b

Original:

ὄλως δὲ δεῖ εὐανάγνωστον εἶναι τὸ γεγραμμένον καὶ εὔφραστον· ἔστιν δὲ τὸ αὐτό· ὅπερ οἱ πολλοὶ σύνδεσμοι οὐκ ἔχουσιν οὐδ᾽ ἅ μὴ ῥάιδιον διαστίξαι ὥσπερ τὰ Ἡρακλείτου. τὰ γὰρ Ἡρακλείτου διαστίξαι ἔργον διὰ τὸ ἄδηλον εἶναι ποτέρωι πρόσκειται, τῶι ὕστερον ἤ τῶι πρότερον, οἷον ἐν τῆι ἀρχῆι αὐτοῦ τοῦ συγγράμματος· φησὶ γὰρ ῾τοῦ λόγου τοῦδ᾽ ἐόντος ἀεὶ ἀξύνετοι ἄνθρωποι γίγνονται᾽[B 1]. ἄδηλον γὰρ τὸ ἀεὶ πρὸς ποτέρωι <δεῖ> διαστίξαι.


Translation John Henry Freese:

Generally speaking, that which is written should be easy to read or easy to utter, which is the same thing. Now, this is not the case when there is a number of connecting particles, or when the punctuation is hard, as in the writings of Heraclitus. For it is hard, since it is uncertain to which word another belongs, whether to that which follows or that which precedes; for instance, at the beginning of his composition he says: “Of this reason which exists always men are ignorant,” where it is uncertain whether “always” should go with “which exists” or with “are ignorant.”

Kommentar

Topik, I 11, 104b

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Aufgaben und Fragen seien also, wie es vorgetragen ist, bestimmt. Behauptung ist dagegen eine widersinnige Annahme eines der namhaften Männer im Bereiche der Philosophie, z.B.: "Es geht nicht zu widersprechen", wie Antisthenes behauptete oder "Alles ist in Bewegung", nach Heraklit, …

Kommentar

Topik, VIII 5, 159b

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Wenn der Antwortgeber sich für die Meinung eines anderen wachsam einsetzen soll, dann ist klar: Er muß auf dessen Denken hinsehen und dann ein jedes setzen oder leugnen. So machen es ja auch die, welche anderer Leute Meinungen anbringen, z.B., "gut" und "schlecht" seien dasselbe, so wie Heraklit behauptet: die geben nicht zu daß Gegenteiliges nicht gleichzeitig an einem und demselben vorliegen könne, nicht als ob sie selbst die Meinung hätten, das müsse so sein, sondern weil man gemäß Heraklit so sagen muß. Das machen auch die, welche ihre Behauptungen von einander übernehmen: sie halten sich an das, was der wohl sagen würde, der sie aufgestellt hat.

Kommentar

Über den Himmel, I 10, 297b

Übersetzung Alberto Jori:

Es behaupten nun alle, dass (die Welt) entstanden sei; allerdings betrachten die einen diese entstandene (Welt) als immerwährend, die anderen hingegen als ebenso vergänglich wie alles andere, was durch Zusammensetzung entstanden ist, und wieder andere meinen, dass sie sich abwechselnd bald in diesem, bald in jenem Zustand befinde [wenn sie vergeht] und dieser (Wechsel) sich auf ewig fortsetze, wie Empedokles von Akragas und Heraklit von Ephesos.

Kommentar

Über den Himmel, III 1, 298b

Übersetzung Alberto Jori:

Denn die einen von ihnen haben das Entstehen und Vergehen gänzlich aufgehoben; sie behaupten nämlich, dass kein Wesen entstehe und vergehe, sondern es uns lediglich so erscheine. (Dies ist die Meinung) z.B. der Anhänger des Melissos und des Parmenides. Wenn diese sich auch zu den übrigen Themen richtig äußern, so muss man doch nicht glauben, dass sie als Naturwissenschaftler sprechen, da die Existenz von bestimmten nicht entstandenen und gänzlich unbeweglichen Wesen eher einer anderen, grundlegenderen Disziplin als der Naturwissenschaft angehört. Da jene Leute annahmen, dass es außer der Substanz der wahrnehmbaren Dinge nichts weiteres gibt, zugleich aber als erste erkannten, dass bestimmte Naturen existieren müssen, die mit den genannten Eigenschaften ausgestattet sind wenn es denn die Erkenntnis und das Denken geben soll -, übertragen sie die Überlegungen, die eigentlich jenem anderen Bereich angehören, auf (den Bereich der Naturwissenschaft).

Einige andere haben, gleichsam in bewusster Opposition, die entgegengesetzte Meinung vertreten. Denn es gibt Leute, die behaupten, dass keines der Dinge ohne Entstehung sei, sondern dass alles entstehe und dass die einen Dinge nach ihrer Entstehung unvergänglich weiterbestünden, die anderen hingegen vergingen. Diese Auffassung wurde ins besondere von den Anhängern des Hesiod vertreten und in der Folge unter anderem von den ersten Naturphilosophen.

Wieder andere behaupten, dass alles entstehe und fließe und dass nichts dauerhaft Bestand habe, sondern dass nur ein Einziges fortdauere, aus dem alles andere auf natürliche Weise durch Umgestaltung hervorgehe. Dies scheinen viele andere ausdrücken zu wollen und insbesondere Heraklit von Ephesos.

Kommentar

Über die Seele, I 2,  405a

Übersetzung Hans Günter Zekl:

Auch Heraklit behauptet, das Prinzip sei Seele, wenn es denn der aufsteigende Dunst ist, aus dem die anderen Dinge zusammengesetzt sind; auch sei sie am unkörperlichsten und ständig im Fluss, und das Bewegte werde durch Bewegtes erkannt. Dass die Dinge aber in Bewegung seien, glaubte sowohl er als auch die Masse (der Menschen).

Kommentar

Über die Teile der Lebewesen, I 5, 645a

Übersetzung Wolfgang Kullmann:

Da wir diese schon behandelt haben und gesagt haben, was uns richtig scheint, bleibt übrig, noch über die (körperliche) Natur der Lebewesen zu sprechen, wobei wir nach Möglichkeit weder, was weniger beachtet wird, noch, was stärker beachtet wird, auslassen wollen. Denn auch bei dem, was daran unansehnlich ist, gewährt die Natur, die es geschaffen hat, bei der Untersuchung in gleicher Weise denen, die imstande sind, die Ursachen zu erkennen und die von Natur aus Philosophen sind, unermeßliche Freuden. Denn es wäre widersinnig und seltsam, wenn wir an der Betrachtung von Abbildungen dieser Dinge Freude haben, weil wir dann die Kunst, die sie geschaffen hat, in unsere Betrachtung mit einbeziehen, zum Beispiel die Malerei oder die Plastik, aber die Betrachtung der natürlichen Dinge selbst nicht noch mehr schätzen würden, zumal wenn wir imstande sind, die Ursachen zu durchschauen. Deshalb darf man nicht in kindischer Weise einen Widerwillen gegen die Untersuchung der niedriger stehenden Lebewesen haben. Denn in allem Natürlichen ist etwas Wunderbares enthalten, und wie Heraklit zu den Gästen gesprochen haben soll, die ihn besuchen wollten, die aber stehenblieben, als sie beim Eintritt sahen, daß er sich am Ofen wärmte – er sagte nämlich, sie sollten getrost eintreten; denn auch hier seien Götter –, so muß man auch an die Untersuchung eines jeden Tiers herangehen, ohne sich zu ekeln, da in allem irgendetwas Natürliches und Schönes ist. Denn das, was "nicht zufällig" ist, sondern "zu einem Zweck" existiert, ist in den Werken der Natur sogar in besonderem Maße vorhanden.

Kommentar

Über Wahrnehmung und Wahrnehmbares, 5, 444a

Translation William Alexander Hammond:

Some writers regard smell as a smoke-like exhalation which is common to earth and air [and all the naturalists fall back on this explanation of smell]. And so Heraclitus made the remark that if all things were smoke, we should discern everything by our nostrils. Now, the naturalists all explain smell on this theory, some of them describing it as vapour, others as an exhalation, and others as a combination of both of these.

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Skythinos von Teos | Σκυθῖνος ὀ Τέως

* 426-340 BCE - † ≥230 BCE, fl. 4. Jh. BCE | Dichter, fasste Heraklits Werk in ein Gedicht

In Plutarch On the Pythian Oracles

Original

ὕστεϱον μέντοι (Megarenses) πλῆκτϱον ἀνέϑηκαν τῷ ϑεῷ χϱυσοῦν, ἐπιστήσαντες ὡς ἔοικε Σκυϑίνῳ λέγοντι πεϱὶ τῆς λύϱας, ἣν ἁϱμόζεται

Ζηνὸς εὐειδὴς Ἀπόλλων πᾶσαν, ἀϱχὴν καὶ τέλος

συλλαβών, ἔχει δὲ λαμπϱὸν πλῆκτϱον ἡλίου ϕάος.


Übersetzung(en)

However, the Megarians later dedicated a golden plectrum to the god, paying attention, as it seems, to Scythinus, who so speaks about the lyre: ...which well-shaped

Apollo, Zeus’ son, fits together as a whole, taking together beginning and end;

and he holds the sun’s light as a gleaming plectrum.

Kommentar

In Stobaios Ecl. 1.8.43

Original

ἐκ τοῦ Σκυϑίνου Πεϱὶ ϕύσεως. χϱόνος ἐστὶν ὕστατον καὶ πϱῶτον

πάντων καὶ ἔχει ἐν ἑαυτῷ πάντα καὶ ἔστιν εἷς ἀεὶ καὶ οὐκ ἔστιν,

ὁ παϱοιχόμενος ἐκ τοῦ ἐόντος αὐτῷ ἐναντίην ὁδὸν παϱεωνιατῶν.

τὸ γὰρ αὔϱιον ἡ μὲν τῷ ἔϱγῳ χϑὲς ἔστιν, τὸ δὲ χϑὲς αὔϱιον.


Übersetzung(en)

From Scythinus’ On Nature. Time is the last and first of all things

and it contains everything and it is always one and it is not one,

since he proceeds from what is now, being present for itself in the opposite direction.

For us, in fact, tomorrow is yesterday and yesterday tomorrow.

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Theophrastus | Θεόφραστος

* 371 BCE - † 287 BCE | Peripatetiker und Naturforscher

Metaphysik, 15 (p. 7 Usener; p. 16 Ross et Fobes, Oxonii, 1929)

Kommentar

Von Schwindel und Verfinsterungen, 9

Kommentar

(In Diogenes Laertios) IX, 9-10

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Demetrios von Phaleron | Δημήτριος ὁ Φαληρεύς

* 360-345 BCE - † 283-280 BCE | Peripatetiker, Politiker & Rhetoriker

Über den Ausdruck 192

Original:

τὸ δὲ ἀσύνδετον καὶ διαλελυμένον ὅλον ἀσαφὲς πᾶν· ἄδηλος γὰρ ἡ ἑκαστου κώλου ἀρχὴ διὰ τὴν λύσιν ὥσπερ τὰ Ἡρακλείτου· καὶ γὰρ ταῦτα σκοτεινὰ ποιεῖ τὸ πλεῖστον ἡ λύσις.

Translation:

Writing which is wholly disjointed and unconnected is entirely lacking in clearness. For it is impossible to discern the beginning of each member owing to the looseness of the structure. This is illustrated by the writings of Heraclitus,(a) the obscurity of which is due mainly to their loose structure

Kommentar

Diels, Hermann: Herakleitos von Ephesos. 1909. S. 9:

Vgl. Diog. §§ 5-7. 12. 15. 16 (A1)

Hamilton Fyfe, William: Aristotle The Poetics. "Longinus" On the Sublime. Demetrius On Style. 1927 p. 285:

{bzgl Fußnote a.}: Menander, Fragm. 230; Meineke, iv. pp. 284, 285

He {Demetrios} praises lucidity, and tells us why the language of Heracleitus is obscure.(e) Bombast and bathos are among the faults he ridicules, together with preciosity and affectations of all sorts.

{Fußnoten:}

e) §§ 191, 192.

Berossos | 𒁹𒀭𒂗𒉺𒇻𒋙𒉡 | Bēl-rē’ûšunu

* ca. 350 BCE - † ca. 270 BCE | Babylonischer Priester

Kleanthes | Κλεάνθης

* 332-330 BCE - † 232.230 BCE | Stoiker & verfasste Schriften über Heraklit

(In Aerios Didymus) Stoicorum Veterum Fragmenta, I, nr. 519 Ab Arnim

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(In Eusebius) Praeparatio evangelica, XV, 20, 2

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(In Plutarch) Quaestionum naturalium p. 912 A

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Mnaseas von Patara | Μνασέας ὁ Παταρεύς

* ca. 240 BCE, fl. ca. 200 BCE | Historiker & Geograph

Nikandros aus Kolophon | Νίκανδρος ὁ Κολοφώνιος

* 250-197 BCE - † 170-133 BCE, fl. 2. Jh. BCE | Arzt, Grammatiker & Dichter

Polybios | Πολύβιος

* 206-200 BCE - † 124-118 BCE | Historiker

Historiai, XII, 27, 1

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Pseudo-Aristoteles | Ψευδοαριστοτέλης

Evtl. Poseidonios (stoischer Universalgelehrter * 135 BCE - † 51 BCE) oder Nikolaos von Damaskus (Geschichtsschreiber und Peripatetiker * 64 BCE - † 4 CE) oder ein eklektischer Philosoph der nun als Pseudo-Aristoteles bezeichnet wird

Über die Welt, 5, 396b

Übersetzung Hans Strohm:

Nun hat sich freilich mancher schon darüber verwundert, wie denn die Welt, die doch aus den bekannten gegensätzlichen Prinzipien - Trocken und Feucht, Kalt und Warm - zusammengefügt ist, nicht schon längst zerstört und zugrunde gegangen sei; wie man wohl auch über eine Stadt sich verwundern mag, daß sie Bestand hat, obwohl sie aus den entgegengesetztesten Menschengruppen zusammengefügt ist, aus Arm und Reich, Jung und Alt, Schwach und Stark, Böse und Gut. Die Leute ahnen eben nicht, daß dies (immer schon) das größte Wunder der bürgerlichen Eintracht war: die Vielheit ist es, aus der sie einen einheitlichen, die Ungleichmäßigkeit, aus der sie einen gleichmäßigen Zustand schafft, der ein Fundament bietet für jegliche Wesensart und jegliche Lebenslage. Die Gegensätze sind es doch wohl, wonach die Natur strebt, aus ihnen schafft sie den Einklang, nicht aus dem Gleichartigen, wie sie ja fraglos das Männliche zum Weiblichen geführt hat und nicht jedes Geschlecht zu seinesgleichen, und also die Ursprungliche Einung durch Gegensätzliches zusammengeknüpft hat, nicht durch Gleichartiges. So scheint es auch die Kunst (Techne) zu machen, die ja die Natur nachahmt. Indem nämlich die Malerei die Eigenschaften der schwarzen und weißen, gelben und roten Farbe ineinandermengt, erreicht sie die Übereinstimmung mit der Vorlage. Die Musik mischt hohe und tiefe, lange und kurze Töne innerhalb verschiedener Stimmen und bewirkt so eine einzige Harmonie, und die Schreibkunst stellt ihren ganzen Aufbau zusammen, indem sie eine Mischung von Vokalen und Konsonanten herbeiführt. Genau dies war auch der Sinn des Ausspruchs bei dem dunklen Heraklit: "Zusammenfassungen: - Ganzes und Nichtganzes, Einträchtig-Zwieträchtiges, Einklang Mißklang - aus allem Eins und aus Einem alles."

So ordnet nun auch den Aufbau des Ganzen, des Himmels, der Erde und der gesamten Welt vermittelst der Mischung der gegensätzlichsten Prinzipien eine einzige Harmonie.

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Über die Welt, 6, 401a

Übersetzung Hans Strohm:

So muß man's sich auch bei der größeren Stadt vorstellen, ich meine bei der Welt. Denn ein Gesetz, und zwar ein gleichmäßig ausgewogenes, ist für uns Gott, ein Gesetz, das keine Verbesserung oder Veränderung annimmt, das aber, wie ich glaube, trefflicher ist und zuverlässiger als alles, was auf unseren Gesetzestafeln steht. Dadurch aber, daß er in unerschütterlicher Ruhe und Harmonie sein Führungsamt ausübt, wird der ganze aus Erde und Himmel bestehende Weltbau regiert, der gegliedert ist gemäß der Fülle von Wesenheiten, vermittelst der jeweils eigenen Keime, in Pflanzen und Tiere nach Gattung und Art. Denn Weinstocke, Dattelpalmen und Pfirsichbäume,

"Feigenbäume mit süßer Frucht, und Oliven",

wie der Dichter sagt; ferner solche, die zwar nicht Früchte tragen, aber sonstigem Gebrauch dienen, wie Platanen, Fichten, Buchsbäume, die 

"Pappelweide und Erle und düftereiche Zypresse",

dazu Bäume, die zur Erntezeit süße, aber schwer aufzubewahrende

Frucht bringen,

"Birnenbäume, Granaten und Bäume mit herrlichen Äpfeln";

dann von den Tieren die wilden und zahmen Arten, solche, die in der Luft, auf der Erde und im Wasser leben -: sie alle entstehen, reifen  und vergehen Gottes Satzungen gehorsam; wird doch "alles, was da kreucht, von seinem Geißelschlag gehütet", wie Heraklit sagt.

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Philodemos von Gadara | Φιλόδημος ὁ Γαδαρεύς

* 110 BCE - † 40-35 BCE | Dichter, Philosoph & Epikureer

Rhetorik, I, coll. 57

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Rhetorik, I, coll. 62

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Marcus Tullius Cicero

* 106 BCE - † 43 BCE | Politiker, Redner, Philosoph, Skeptiker

Briefe an Atticus, XVI, 11, 1, und mehrere andere

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Gespräche in Tusculum, V, 105

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Gottesbeweise 3, 35

Original

Sed omnia vestri, Balbe, solent ad igneam vim referre Heraclitum, ut opinor, sequentes, quem ipsum non omnes interpretantur uno modo. Quem, quoniam, quid diceret, intellegi noluit, omittamus. Vos autem ita dicitis, omnem vim esse ignem. Itaque et animantis, cum calor defecerit, tum interire. Et in omni natura rerum id vivere, id vigere, quod caleat. 


Übersetzung Rainer Nickel:

Aber eure Leute, Balbus, pflegen alles auf die Kraft des Feuers zu beziehen, indem sie sich, wie ich meine, Heraklit anschließen, den sie allerdings nicht einheitlich interpretieren. Wir wollen aber auf ihn nicht weiter eingehen, weil er nicht wollte, dass man verstand, was er sagte. Ihr sagt jedoch, alle Kraft sei Feuer. Deshalb gingen auch die Lebewesen dann zugrunde, sobald sie die Wärme verlassen habe. Und überall in der Natur lebe und wachse, was Wärme habe.

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Über die Wahrsagung 2, 132-133

Original

iam vero quo pertinent obscuritates et aenigmata somniorum? intellegi enim a nobis di velle debebant ea, quae nostra causa nos monerent. quid? poeta nemo, nemo physicus obscurus? ille vero nimis etiam obscurus Euphorion; at non Homerus. uter igitur melior? valde Heraclitus obscurus, minime Democritus. num igitur conferendi? mea causa me mones, quod non intellegam? quid me igitur mones?


Übersetzung Christoph Schäublin:

Wozu dient ferner die rätselhafte „Dunkelheit" der Träume? Die Götter wären doch verpflichtet, unser Verständnis der Dinge anzustreben, die sie unseretwegen uns zur Kenntnis bringen. Ferner: sind Dichter, sind Naturwissenschaftler nicht auch „dunkel"? In der Tat, und der Euphorion ist es sogar im Ubermaß! Nicht so indes Homer: welcher nun ist besser? Höchst „dunkel" ist Heraklit, überhaupt nicht Demokrit: wird man sie also miteinander vergleichen? Um meinetwillen bringst du mir zur Kenntnis, was ich nicht verstehe: wozu bringst du es mir dann zur Kenntnis?

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Titus Lucretius Carus

* 99-94 BCE - † 55-53 BCE | Dichter, Philosoph & Epikrureer

Areios | Ἄρειος

* 85-80 BCE - † nach 9 BCE | Lehrer von Kaiser Augustus, Stoiker & Peripatetiker

Stoicorum Veterum Fragmenta, I, nr. 519 Ab Arnim, H. Diels, Doxographi Graeci, p. 470 s.

Kommentar

Strabon | Στράβων

* 64-63 BCE - † 23-24 CE | Historiker & Geograph

Geographie, I, 1, 6

Kommentar

Geographie, XIV, 25

Kommentar

Geographie, XVI, 26

Kommentar

Pseudo-Heraklit I

* 1. Jh. BCE - † 1. Jh. AD | Hellenisierter Jude, Stoiker, Alexandria & evtl. Verfasser vom Buch der Weisheit | חכמת שלמה | Σοφία Σολομώντος | Sapientia (umstritten!)

Pseudo-Heraklitischer Brief IV

Übersetzung Jacob Bernays:

Herakleitos an Hermodoros. Grolle nicht mehr mit deinem Schicksal, Hermodoros. Auch gegen mich hat Euthykles der Sohn des Nikophon, desselben Nikophon, welcher vor zwei Jahren den Tempel der Artemis beraubte, eine Anklage auf Unfrömmigkeit eingebracht; mit seiner Unbildung gewinnt er die Oberhand über den hervorragenden Weisen, indem er angiebt, ich hätte an dem Altar, dem ich vorstehe, die Inschrift meines Namens angebracht und dadurch mich, den Menschen, für einen Gott ausgegeben. So werde ich denn auf die Anklage eines Unfrommen von unfrommen Richtern wegen Unfrömmigkeit mich richten lassen müssen. Was meinst du? werden sie mich für fromm halten, der ich das Gegentheil alles dessen denke was sie von den Göttern glauben? Wollten Leute mit erloschenen Augenlicht auch ihrerseits über den Gesichtssinn urteilen, so würden sie das Sehen für Blindheit erklären. Aber, ihr einfältigen Menschen, belehrt uns doch erst was Gott ist, damit ihr Glauben findet, wenn ihr von Unfrömmigkeit redet. Wo ist denn Gott? Etwa in den Tempelzellen eingeschlossen? Freilich, ihr seid fromm, die ihr Got im Finstern aufstellt. Ein Mensch nimmt es für ein Schimpfwort, wenn man ihn 'von Stein' nennt und für Gott soll die Bezeichnung 'er ist vom Felsen geboren' wahr sein? Ungebildete, wisst ihr denn nicht, dass Gott nicht Händewerk sein kann, dass kein Sockel für ihn ausreicht, dass es kein Gehege für ihn giebt, sondern das ganze Weltall mit seinem bunten Schmuck von lebenden Geschöpfen, Pflanzen und Gestirnen ihm zum Tempel dient? Nicht 'Herakleitos' sondern 'Herakles dem Ephesier' lautet die Inschrift, die ich an dem Altar anbrachte; ich wolte den Gott zu euerem Mitbürger erklären. Wenn ihr nicht zu lesen versteht, so kann doch euere Unbildung mir nicht als Unfrömmigkeit angerechnet werden. Lernet Weisheit und gewinnet Verständniss. Aber ihr wollt nicht? So zwinge ich euch auch gar nicht. Ergrauet in euerer Unbildung, freuet euch euerer Gebrechen. War Herakles nicht als Mensch geboren? nach Homeros' Lüge wäre er sogar ein Gastfreundsmörder gewesen. Was machte ihn denn zum Gott? seine edlen und guten Eigenschaftez und seine alles überragenden Heldenthaten, welche so viele schwere Aufgaben zu Ende führten. Bin ich nun, ihr Menschen, nicht auch gut? doch was frage ich euch? Auch wenn ihr verneinend antworten wolltet, bin ich dennoch gut. Auch ich habe ja viele der schwierigsten Aufgaben glücklich vollbracht. Ich habe die Lustbegierden besiegt, besiegt die Geldsucht, besiegt den Ehrgeiz, niedergerungen habe ich die Feigheit, niedergerungen die Schmeichelei, nicht die Furcht widersetzt sich mir und nicht der Rausch, die Trauer fürchtet mich und es fürchtet mich der Zorn. Gegen diese richtet sich mein Kampf; auch ich habe den Siegerkranz gewonnen, meinem eigenen Gebot, nicht dem des Eurystheus gehorchend. Wollet ihr denn unablässig an der Weisheit freveln und euere eigenen Fehler, euere eigenen Verschuldungen uns aufbürden? Könntet ihr nach fünfhundert Jahren durch Wiedergeburt in das Dasein zurückkehren, so würdet ihr den Herakleitos noch am Leben, von euch selbst aber nicht einmal eine Spur des Namens finden. Durch Geistesbildung werde ich Städten und Ländern gleichaltrig und stets unvergessen bleiben; auch wenn der Ephesier Stadt verödet und ihre Altäre alle zerfallen, werden die Seelen der Menschen Stätten meines Andenkens sein. Auch ich werde die Jugendgöttin als Weib heimführen, nicht die des Herakles. Er wird ewig der seinigen gesellt bleiben, uns wird eine andere zu Theil werden. Tugend ist die Mutter vieler Jugendgöttinnen; eine vermählte sie dem Homeros, eine andere dem Hesiodos, und einen Jeden, der sich als trefflich bewährt, traut der Ruhm der Geistesbildung eine solche Göttin an. Bin ich denn nun nicht fromm, Euthykles, der ich allein Gott kenne, und bist du nicht zugleich frech, da du ihn zu kennen meinst, und unfromm, da du den dafür hältst, der es nicht ist? Wenn dem wahren Gott kein Altar errichtet wird, so soll er aufhören Gott zu sein, und wenn einem Aftergott ein Altar errichtet wird, so soll er Gott werden? Dann wären ja die Steine Zeugen der Götter. Die Werke müssen zeugen, solche Werke wie die Sonne; für ihn, den wahren Gott, zeugen die Nacht und der Tag; die Jahreszeiten sind seine Zeugen, die ganze fruchttragende Erde ist Zeugin, des Mondes Kreislauf, sein Werk, ist ein himmlisches Zeugniss.

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Pseudo-Heraklitischer Brief V

Übersetzung Jacob Bernays:

Herakleitos an Amphidamas. Ich bin erkrankt, Amphidamas, an der Wassersucht. Ruft doch Uebermacht eines jeden der in uns vorhandenen Elemente eine besondere Krankheit hervor; das Uebermaass des Warmen ist Fieber, das Uebermaass des Kalten Lähmung, das Uebermaass der Luft Erstickung, das Uebermaass des Nassen meine jetzige nasse Krankheit. Aber eine göttliche Kraft ist die Seele, welche jene Elemente in Ordnung hält. Die Gesundheit ist das Ursprüngliche, die Natur ist der grösste Arzt. Denn die ursprüngliche Unerfahrenheit kann nichts unabhängig von der Natur errathen, sondern erst indem die Menschen nachträglich der Eine dies der Andere Jenes der Natur nachahmten, sind sie dahin gelangt, ihrer Unwissenheit den Namen Wissenschaft zu geben. Ich jedoch, wenn ich des Weltalls Natur erkannt habe, so erkenne ich auch die des Menschen, erkenne die Krankheiten, erkenne die Gesundheit. Ich werde mich selbst heilen, ich werde Gott nachahmen, der im Weltall die Ueberschreitungen des Maasses ins Gleiche bringt, indem er an die Sonne sein Gebot erlässt. Nicht Herakleitos wird der Krankheit unterliegen, sondern unterliegen wird die Krankheit dem Geiste des Herakleitos. Auch in dem All wird Nasses trocken, Warmes kalt. Meine Weisheit kennt die Wege der Natur, so kennt sie auch Mittel, die Krankheit zu hemmen. Sollte jedoch der lecke Körper, bevor ich helfen kann, alzu viel Wasser gezogen haben, nun so wird er in die Tiefe des Schicksals sinken. Aber nicht versinken wird die Seele, sondern, wie sie unsterblicher Art ist, wird sei aufwärts in den Himmel sich schwingen, des Aethers Wohnungen werden mich aufnehmen und dann will ich mit den Ephesiern Händel suchen. An der Verwaltung werde ich teilnehmen, nicht unter den Menschen, sondern unter den Göttern, und nicht werde ich Anderen Altäre errichten, sondern Andere mir, auch wird nicht Euthykles mich mit einer Unfrömmigkeitsklage bedrohen, sondern ich ihn mit meinem Götterzorn. Die Leute wundern sich, wie doch Herakleitos immer düster dreinschaut, nicht wundern sie sich, wie doch die Menschen immer schlecht sind. Möchtet ihr nur ein wenig in euerer Schlechtigkeit nachlassen, so solltet ihr mich bald lächeln sehen. Gleichwohl bin ich jetzt in der Krankheit milder geworden, weil ich keinem Menschen begegne, sondern in der Einsamkeit krank liege. Vielleicht ahnt auch die Seele ihre Erlösung aus diesem Gefängniss, und hervorlugend aus dem erschütterten Körper gedenkt sie ihrer Heimath, aus der sie herniederkam in die Hülle eines zerfliessenden, todten Körpers, desselben, von dem die andern Menschen wähnen, er lebe; in Schleim, Galle, Lymphe und Blut, gesteift mit Sehnen, Knochen und Fleisch. Denn wenn nicht die Leidenschaften mit ihrer Klügelei über die im Leben selbst liegende Strafe täuschten, würden wir nicht vorlängst den Körper zurückgelassen haben und aus ihm fortgegangen sein? Lebe wohl.

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Pseudo-Heraklitischer Brief VI

Übersetzung Jacob Bernays:

An denselben. Die Aerzte, Amphidamas, haben sich, und zwar recht eifrig, um meine Krankheit versammelt, sie, welche die Kunst so wenig wie die Natur kennen, nur mit dem Unterschiede, dass sie die Natur nicht einmal kennen wollten, die Kunst jedoch zu kennen wähnten, von beiden aber nichts wussten. Nichts weiter thaten sie als dass sie mit ihrem Betasten mir den Bauch schlaff wie einen Schlauch machten. Einige wollten mich auch behandeln, aber ich liess es nicht zu, sondern forderte von ihnen erst über die Krankheit Rechenschaft, und diese konnten sie nicht geben, auch bemeisterten nicht sie mich, sondern ich sie. Da sagte ich: 'Wie könntet wohl Flötenvirtuosen sein, wenn Jemand, der gar kein Flötenspieler ist, euch besiegt? ich werde mich selbst heilen; oder ihr sollt es thun, wofern ihr mich belehren könnt, wie aus Ueberschwemmung Dürre zu machen ist.' Da sie nicht einmal die Frage verstanden, so schwiegen sie, entblösst wie sie sind von jedem eigenen Wissen. So erkannte ich denn, dass auch die übrigen Kranken wohl nicht von den Aerzten, sondern vom Zufal geheilt werden mögen. Das sind die wahren Unfrommen, Amphidamas, die sich Künste anlügen, welche sie nicht besitzen, und Krankheiten behandeln, die sie nicht kennen, und unter dem Vorgeben der Kunst Menschen tödten, während sie sich zugleich an der Kunst und an der Natur versündigen. Man schämt sich, wenn man sich zur Unwissenheit bekennen muss; aber noch schamvoller ist es, sich zu einer Wissenschaft bekennen ohne sie zu besitzen. Was macht ihnen das Lügen für Vergnügen? Oderthuen sie es etwa, um durch Betrug Geld zu erwerben? Da wäre ihnen doch wohler, wenn sie bettelten. Denn dann würde man sie doch wenigstens bemitleiden. Jetzt aber werden sie gehasst, da sie zugleich schädigen und lügen. Die übrigen Künste sind von niedrigerem Werth, daher lassen sie sich schnell erproben. Je edler ein Dnig ist, desto schwieriger ist die Probe. Ich wuste gar nicht, dass es solche Leute in der Stadt giebt. Keiner von ihnen ist ein Arzt, sondern alle sind sie Betrüger und Marktschreier, welche künstliche Klügeleien für Geld verkaufen. Meinen Oheim Herakleodoros haben diese Menschen umgebracht und sich Sold dafür reichen lassen, sie, die über meine Krankheit nicht Aufschluss geben konnten, noch auch darüber, wie wohl aus Ueberschwemmung Dürre werde. Sie wissen nicht, dass Gott die grossen Körper im Weltall heilt, indem er jede Verletzung des Maasses wieder ins Gleiche bringt. Was entzwei bröckelt, macht er wieder zu Einem; was aus den Fugen gleitet, zwingt er dazwischentretend wieder zusammen; was sich zerstreut, sammelt er; Glanz giebt er dem Scheinlosen; was sich zertheilt, hält er fest; dem Enteilenden setzt er nach; in Licht lässt er das Dunkel aufleuchten und begränzt das Unbegränzte, das Gestaltlose bekleidet er mit Gestalt und das Unempfindliche erfüllt er mit Trieben. Denn durch das ganze Dasein wandelt er bildend, zusammenfügend und auflösend, starr machend und in Fluss bringend. Das Trockene schmilzt er zu Feuchtem und versetzt es in einen Zustand der Lösung, das Nass lässt er verdunsten und verdichtet die locker gewordene Luft, und unablässig treibt er das Eine von oben herab und richtet das Andere von unten in die Höhe. Dies ist die ärztliche Behandlung für das krankende Weltall; ich werde sein Vorbild an mir selbst nachahmen, und den anderen Aerzten gebe ich den Abschied.

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Pseudo-Heraklitischer Brief VII

Übersetzung Jacob Bernays:

An Hermodoros. Ich erfahre dass die Ephesier gesonnen sind, ein überaus gesetzwidriges Gesetz gegen mich einzubringen. Denn gegen einen Einzelnen giebt es nimmermehr ein Gesetz, sondern nur ein Urtheil. Die Ephesier wissen nicht, dass ein Anderes ein Gesetzgeber, ein Anderes ein Richter ist; und zwar ist jener der bessere, weil seine Unbekanntschaft mit demjenigen, welcher in Zukunft wider das Gesetz fehlen wird, ihn unbefangener sein lässt, der Richter dagegen sieht den Angeklagten, und damit tritt dann auch die Befangenheit ein. Die Ephesier wissen, dass ich dein Mitarbeiter, Hermodoros, an den Gesetzen war, so wollen sie denn mich ebenfalls vertreiben. Aber sie sollen es nicht eher, als bis ich sie überführt habe, welches Unrecht sie begingen, als sie beschlossen, dass 'wer nicht lacht und gegen Jeden sich menschenfeindlich zeigt, vor Sonnenuntergang die Stade verlasse. Ueber den Erlass dieses Gesetzes rathschlagen sie; nun ist aber, Hermodoros, Niemand vorhanden, der nicht lacht, ausser Herakleitos; mich vertreiben sie also. Ihr Menschen, wollt ihr nicht einsehen, weshalb ich immer das Lachen meide? Nicht aus Hass gegen die Menschen, sondern gegen ihre Schlechtigkeit. Schreibt euer Gesetz so: 'wenn Jemand die Schlechtigkeit hasst, so verlasse er die Stadt' und ich werde der Erste sein, der sie verlässt. Gern werde ich die Verbannung, nicht aus der Vaterstadt, sondern aus der Lasterhaftigkeit ertragen. Schreibt eueren Befehl um. Gesteht ihr aber ein, dass Ephesier und Schlechtigkeit derselbe Begriff ist und ich also euch hasse, mit wie viel grösserem Recht könnte ich dann nicht das Gesetz geben: 'die, welche durch ihre Lasterhaftigkeit den Herakleitos des Lachens entwöhnt haben, sollen das Leben verlassen oder lieber um zehntausend Drachmen gebüsst werden', da ja eine Geldstrafe euch bitterer schmerzt. Für euch liegt darin Verbannung, liegt darin Tod. Erst habt ihr mir das Leid zugefügt, mich der Gottesgabe des Lachens zu berauben und jetzt verbannt ihr mich wider alles Recht. Soll ich euch etwa zunächst deshalb lieben, weil ihr meine Milde mir ausgetrieben habt? und wollt ihr nun noch unablässig mittelst Gesetzen und Bannbefehlen den Kampf fortsetzen? Bin ich nicht, auch wenn ich in der Stadt bleibe, aus euerer Mitte verbannt? Mit wem zusammen buhle ich, morde ich, berausche ich mich, lasse ich mich verführen? ich verführe und kränke durchaus Niemand, einsam bin ich in der Stadt. Zu einer Wüste habt ihr sie durch euere Schlechtigkeit gemacht. Macht euer Markt den Herakleitos zu einem braven Mann? Wahrlich nicht; aber wohl kann Herakleitos euch zu einer wahren Stadt machen. Ihr wollt jedoch nicht. Ich, für mein Theil, bin bereit. Wirklich bin ich auch ein lebendiges Gesetz für Andere; da ich jedoch nur Einer bin, so reicht meine Kraft nicht hin, eine ganze Stadt in Zucht zu halten. Ihr wundert euch, dass ich nimmer lache, ich aber wundere mich über die Lachenden, dass sie sich ihres ungerechten Wandels freuen, da sie vielmehr ob ihres Mangels an Gerechtigkeit düster aussehen sollten. Gebt mir doch zum Lachen Gelegenheit, wenigstens in Friedenszeiten, dass ihr da nicht vor Gericht in den Krieg ziehet, euere Zungen als Waffen gebrauchend, nachdem ihr Gelder unterschlagen, Frauen verfuhrt, Verwandte vergiftet, Tempel beraubt, Kuppelei getrieben habt, auf Eidbruch ertappt worden, als Bettelpriester mit der Pauke herumgezngen seid, jeder von einem besonderen Laster erfüllt. Soll es mich zum Lachen bewegen wenn ich Menschen dergleichen thun sehe, oder wenn ich ihre Kleidung und ihre Bärte betrachte, oder wenn ich sehe welch eitle Mühe auf den Kopfputz verwendet wird, wie ferner eine Muter ihr Kind auf Giftmischerei ergreift, wie Unmündigen ihr Vermögen aufgezehrt wird, wie man einem Bürger seine Ehefrau raubt, wie ein Mädchen in frommen Nachtfeiern durch Gewalt ihre Jungfernschaft verliert, wie eine noch nicht zum Weib gereifte Dirne doch schon an allen Weiberübeln krankt, wie in seiner Lüderlichkeit ein einziger Jüngling der Liebhaber einer ganzen Stadt ist, oder wenn ich die Vergeudung des Oeles zu Salben sehe, oder die Ausgelassenheit der Weinlaune bei den unter Verpfändung der Ringe zu Stande gekommenen Gesellschaftsmahlen, oder die für 'Speisen aufgewendeten hohen Geldsummen, welche ihren Abfluss durch den Magen nehmen, oder die versammelten Stadtgemeinden, denen von den Kampfrichtern die wahrlich sehr wichtigen Rechtsentscheidungen in Sachen der Schaubühne verkündet werden? Kann ferner die Zurücksetzung der Tugend hinter das Laster meinem Antlitz gestatten dass es sich erheitere? Oder sollen etwa euere wirklichen Kriege mich zum Lachen bewegen, in denen ihr unter dem Vorwand erlittener Unbilden den gegenseitigen Mord ins Grosse treibt, wo ihr Unseligen aus Menschen zu reissenden Thieren werdet, unter dem Schall der Flöten und Drommeten durch die holde Tonkunst zu allen unholden Leidenschaften aufgestachelt; dann wird das Eisen, welches füglicher dem Pfluge und dem Ackerbau dient, zu einem Werkzeug der Metzelei und des Todes umgeschaffen; die Gottheit wird von euch gehöhnt, indem ihr sie unter dem Namen der kriegerischen Athene und des kampfeswüthigen Ares anrufet; Menschen gegen Menschen stellt ihr Schlachtreihen auf und betet Einer um die Niedermetzelung des Anderen; als Ausreisser bestraft ihr die, welche sich nicht mit Mord beflecken wollen, und als Helden ehrt ihr die von Blut Triefenden. Die Löwen waffnen sich nicht gegen einander, auch die Rosse ergreifen kein Schwert, und nie sieht man einen Adler gegen einen andern Adler sich panzern. Kein Thier hat ein äusserliches Kampfeswerkzeug, sondern jedem sind seine Glieder zugleich Waffen. Den einen dienen Hörner zu Waffen, den anderen Schnäbel, anderen Flügel, diesen Schnelligkeit, jenen Grösse, anderen Kleinheit, einigen Dicke, einigen die Fähigkeit zu schwimmen, vielen ihr [giftiger] Hauch. Nimmermehr versetzt ein Schwert unvernünftige Thiere in Freude, da sie sehen, dass unter ihnen selbst das Gesetz der Natur beobachtet wird, obwohl nicht unter den Menschen. Und doch dürfte man es von diesen viel eher erwarten. Dass doch die Uebertretung des Gesetzes sich gerade bei den edleren Geschöpfen findet! Und in Betreff des unsicheren Ausgangs der Kriege, welche Wünsche soll man da für euch hegen? glaubt ihr durch denselben mir meine Niedergeschlagenheit zu benehmen? Wie könnte das geschehen? Nichts mehr kommt doch dabei heraus als dass die Baumpflanzungen im Lande eurer Stammesverwandten verwüstet werden; und ihre Stadt wird vom Erdboden vertilgt und Greise werden in den Staub getreten und Frauen fortgeschleppt und Kinder ihnen vom Arm gerissen und Brautgemächer werden geschändet und Mädchen werden zu Kebsfrauen genommen und Knaben als Weiber missbraucht und Freie werden in Eisen geschlagen und Tempel der Götter werden niedergerissen und Heiligthümer der Halbgötter aus dem Grunde zerstört, Siegeslieder erschallen wegen vollbrachter Ruchlosigkeit und Dankopfer bringt man den Göttern wegen des gelungenen Unrechts. Um dieser Dinge willen habe ich mich des Lachens entwöhnt. Im Frieden führt ihr Krieg vermittelst der Rede, im Kriege treibt ihr Verwaltungsgeschäfte mit dem Eisen. Das Schwert in der Hand werdet ihr zu Räubern am Recht. Hermodoros wird verbannt weil er Gesetze entworfen, Herakleitos wird verbannt unter der Anklage der Unfrömmigkeit. Die Städte sind öde von allem Guten und Schönen und die Einöden sind um Böses auszuführen dicht bevölkert. Mauern sind errichtet als Wahrzeichen von der Menschen Bosheit um euere Gewaltthätigkeit abzuhalten; alle suchen den Schutz der Häuser, die ebenfalls Mauern gegen Ungebühr sind. Innen Feinde und aussen Feinde, nur mit dem Unterschiede dass jene Bürger, diese Fremde sind. Ueberall Feinde, nirgends Freunde. Vermag ich zu lachen, wenn ich Feinde in so grosser Anzahl sehe? Eueres Nächsten Reichthum glaubt ihr gehöre euch, euerer Nächsten Weiber behandelt ihr als seien sie euere eigenen, freie Männer verkauft ihr in die Knechtschaft, von noch lebenden Thieren esset ihr, die Gesetze übertretet ihr und Widergesetzlichkeiten macht ihr zum Gesetz, alles Naturwidrige sucht ihr mit Gewalt zu erzwingen. Die vermeintlich deutlichsten Zeichen der Gerechtigkeit, die Gesetze, sind vielmehr ein Beweis der vorhandenen Ungerechtigkeit. Denn wenn die Gesetze nicht wären, so würdet ihr ungescheut lasterhaft sein. Wenn ihr nun jetzt auch aus Furcht vor der gesetzlichen Strafe euch ein wenig zügelt, so seid ihr darum doch allem Bösen verfallen.

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Pseudo-Heraklitischer Brief VIII

Übersetzung Jacob Bernays:

An denselben. Lass mich wissen, Hermodoros, wann du die Reise nach Italien anzutreten beschlossen hast. Mögen die Götter und guten Geister jenes Landes dich freudig aufnehmen. Im Traum erblickte ich die Erscheinung, wie alle Königsbinden vom ganzen Erdkreis deinen Gesetzen sich nahten und nach Perserbrauch mit gebeugtem Knie, die Hand zum Munde geführt, ihnen Anbetung bezeigten, jene aber standen in sehr feierlicher Würde da. Anbeten werden dich die Ephesier, nachdem du dahingeschieden, wenn deine Gesetze allen Menschen gebieten, und alsdann werden sie dieselben nothgedrungen einführen. Denn Gott hat ihnen die Herrschaft genommen und sie selbst haben sich der Knechtschaft würdig erachtet. Das weiss ich schon von unseren Vätern her. Ganz Asia war des Grosskönigs Grundbesitz und alle Ephesier sein Beutestück. Ungeübt sind sie in der wahren Freiheit, im Herrschen. Jetzt, sollte ich meinen, werden sie dem Befehl gehorsamen, oder wenn sie nicht folgen , so wird es ihnen schlimm ergehen. Und nun klagen noch die Menschen über die Götter, dass sie ihnen nicht Reichthum alles Guten gewähren, nicht aber klagen sie über ihren eigenen thörichten Sinn. Nur Blinde können die edlen Gaben, welche die Gottheit sendet, anzunehmen unterlassen. Unter vielem Anderen hat die Sibylle auch dies verkündet, dass aus jonischem Lande den italischen Landen ein Weiser kommen werde. Vor so langer Zeit sah dich, Hermodoros, jene Sibylle und damals schon warst du; die Ephesier jedoch wollen nicht einmal jetzt dich sehen, dich, welchen die Wahrheit durch Vermittelung eines gottbegeisterten Weibes erschaute. Als Weiser bist du, Hermodoros, bezeugt worden, die Ephesier aber widersprechen dem Zeugniss Gottes; sie werden ihren Uebermuth büssen, ja sie büssen ihn jetzt schon, indem sie sich mit schlechter Gesinnung erfüllen. Nicht durch Entziehung des Reichthums straft Gott, sondern er giebt ihn vielmehr den Schlechten, damit sie, im Besitz der Mittel zu sündigen, überführt werden und im Ueberfluss schwelgend ihre Schlechtigkeit auf hoher Bühne zur Schau stellen. Die Armuth dagegen ist ein Schleier. So möge es euch denn nimmer an Glück fehlen, damit euere Bosheit den Tadel herausfordere. Doch lassen wir jene und thue du mir den Zeitpunkt deiner Abreise kund. Ich möchte jedenfalls mit dir zusammentreffen und über gar vieles Andere so wie auch über die Gesetze selbst mit dir einiges reden. Ich hätte es geschrieben, wenn mir nicht Alles daran läge, dass es geheim bleibe. Das beste Mittel aber etwas verschwiegen zu halten, ist wenn Einer zu Einem und zumal wenn Herakleitos zu Hermodoros spricht. Viele Menschen haben vollständige Aehnlichkeit mit geborstener Töpferwaare, so dass sie nichts bei sich behalten können, sondern in Folge ihrer Zungensucht durchrinnen lassen. Die Athener, wie sie Ursöhne ihres Bodens waren, erkannten auch die Natur der Menschen dass sie, weil aus Erde entstanden, zuweilen Risse in ihrem Geist haben. Solche Menschen erzogen sie daher zur Bewahrung von Geheimnissen durch die Mysterien, damit doch wenigstens Furcht, wenn auch nicht Urtheil, ihnen das Plaudern verbiete und die Seelenübung des Schweigens ihnen nicht mehr so schwer falle.

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Pseudo-Heraklitischer Brief IX

Übersetzung Jacob Bernays:

An denselben. Wie lange noch, Hermodoros, werden die Menschen schlecht sein? und zwar sind sie es nicht mehr jeder für sich in seinem Einzelleben, sondern auch ganze Städte in ihrem öffentlichen Leben. Die Ephesier verbannen dich, den besten der Männer. Aus welchem anderen Grunde als weil du in deinen Gesetzen den Freigelassenen bürgerliche Gleichheit und ihren Kindern den Zutritt zu den Aemtern gewährt hast? Gleichwohl wird der Freigeborne nicht erst Bürger nachdem er als brav erfunden worden, sondern die Geburt macht ihn zum Bürger, worauf er dann gezwungen wird brav zu sein, und oft bleibt er, trotz des Zwanges, dennoch schlecht; jene hingegen, welche man nach vorheriger Prüfung und nachdem sie durch ihr Leben ihren Anspruch auf Gleichstellung bewährt haben, der Aufnahme in die Bürgerschaft würdigt, wie viel besser sind sie, da sie wegen ihrer Tugend in die Bürgerlisten eingeschrieben werden. Wie in anderen Dingen so zeigen die Lakedämonier auch hierin ihre Trefflichkeit, dass sie nicht auf Ahnenbriefe hin, sondern auf Grund der Lebensweise zu Bürgern von Sparta erklären. Auch wenn ein Skythe oder ein Triballer oder ein Paphlagoner oder Jemand kommt der gar kein Geburtsland zu nennen weiss, sobald er der lykurgischen Lebensstrenge sich unterzieht, ist er ein Lakone. So bringt denn jedes Mitglied der Bürgerschaft in seinem eigenen Selbst zugleich sein Vaterland mit. Aus jeder Stadt aber verbannt die Schlechtigkeit, auch wenn Jemand mitten unter den Säulen [des Marktes] wohnt. Meines Erachtens ist auch Niemand ein Ephesier, ausser in demselben Sinne wie man von einem ephesischen Hund oder Rind redet; ein ephesischer Mann hingegen muss, wenn er ein braver Mann ist, ein Bürger des Weltalls sein. Denn dieses ist die allen gemeinsame Heimath, in welcher nicht der Buchstabe, sondern Gott das Gesetz ist und der Uebertreter der Ordnung zum Frevler wider Gott wird, oder vielmehr, es wird hier keinen Uebertreter geben, da ein solcher nicht hoffen darf unentdeckt zu bleiben. Zahlreich sind die Rachegeister des Rechts, die Wächter der Vergehen. Hesiodos log, wenn er dreimal Zehntausend als ihre Zahl nannte. Das sind zu wenig; die reichen nicht aus für die Schlechtigkeit der Welt. Die Menge des Bösen ist gross. Meine Mitbürger aber sind die Götter, den Göttern um meiner Tugend willen zugesellt weiss ich wie gross die Sonne ist, die Bösen aber wissen nicht einmal von ihrem eigenen Dasein. Oder fühlen sich die Ephesier dadurch beschämt, dass Sclaven brave Männer sind? Mit Recht schämen sie sich, denn sie selbst sind schlechte Freie, da sie unfreien Leidenschaften unterliegen. Mögen sie aufhören zu sein wie sie sind, dann werden sie in Gemeinsamkeit der Tugend Alle mit Liebe umfassen. Was denkt ihr euch denn, ihr Menschen? Hat Gott, der weder Hunde noch Schaafe, weder Esel noch Pferde noch Maulthiere zu Sclaven schuf, Menschen dazu geschaffen? Und wenn wirklich die Sclaverei ursprünglich bessere Naturen verschlechtert hat, müsst nicht auch hierüber ihr euch schämen, da ja die Sache sowohl wie der Name von euerer Ungerechtigkeit herrührt? Wie viel besser als die Ephesier sind die Wölfe und Löwen; sie machen einander nicht zu Sclaven, kein Adler kaufte je einen Adler, kein Löwe ist Schenke eines Löwen, kein Hund verschnitt je einen Hund, wie ihr es mit dem Megabyzos der Göttin macht, weil ihr Scheu davor hegt, dass ihrer Jungfräulichkeit ein Mann als Priester diene. Wie könnt ihr durch einen Frevel wider die Natur Frömmigkeit dem Holzbild bezeigen? Oder geschieht es etwa, damit der Priester zuerst den Göttern wegen des Verlustes seiner Mannheit fluche? Auch die Göttin verdächtigt ihr der Unkeuschheit, wenn es euch bedenklich ist, ihren Dienst von einem Manne versehen zu lassen. 'Ein Sclave soll sich nicht neben mich setzen und auch nicht mit mir speisen' so sprechen die Ephesier. Ich aber thue den gerechteren Ausspruch: 'jeder brave Mensch setze sich neben mich, speise mit mir' oder vielmehr, er nehme den besseren Platz und die höhere Ehre. Nicht der Stand ist es, dem die Gleich stellung gewährt wird, sondern die Tugend. Worin thut Hermodoros euch Unrecht wenn er die Ephesier erinnert, dass sie alle Menschen sind und Niemand wegen des Zufalls der Geburt über die Natur grossprahlerisch sich erhebe? Die Schlechtigkeit allein führt in die Knechtschaft, die Tugend allein giebt die Freiheit, nimmermehr ein Mensch, wer es auch sei. Wenn ihr auch andere, obwohl sie brave Menschen sind, wegen zufälliger Standesunterschiede euerer Botmässigkeit unterwerfet, so werdet ihr doch selbst durch euere Begierden zu Sclaven und stehet auch euererseits unter dem Befehl von Herren. Fürchtet ihr denn nicht, ihr Menschen, die Entvölkerung der Stadt? Wozu wollt ihr doch einen Haufen fremder Zuzügler aufnehmen, da ihr billiger Weise denjenigen Aufnahme gewähren solltet, die ihr selbst erzogen und ernährt, durch Drohungen und Züchtigungen und Furcht gebessert habt? Es werden Mächtigere kommen, Hermodoros, die deinen Gesetzen Folge leisten. Hege keinen Groll. Eine Ahnung der Zukunft durchzieht mein Gemüth, in welchem ja jeder Mensch seinen Dämon findet. Wahrlich, Folge leisten werden deinen Gesetzen diejenigen, welchen auch die Weltherrschaft gehören wird, weil sie die Natur nachahmen. Der Körper, der Sclave der Seele, ist zugleich ihr Mitbürger; die Vernunft ärgert es nicht, dass sie mit [den Sinnen,] ihren Dienern, zusammenwohnt; die Erde, der ungeehrteste Theil des Weltalls, ist Herrschaftsgenossin des Himmels; und der Himmel verläugnet nicht den vergänglichen Erdboden, so wenig wie das Herz, der geweihteste Theil im Körper, die unedelsten Theile, die Eingeweide, verläugnet. Gott zwar hat neidlos Allen ohne Unterschied das Augenlicht angezündet und die Ohren geöffnet, und von Geschmack und Geruch, von Gedächtniss und Hoffnung und Sonnenschein hat er die Sclaven nicht ausgeschlossen, da er alle Menschen zu Bürgern des Weltalls erkor; die Ephesier hingegen halten wohl ihre Stadt für überweltlich, da sie niemals Theilnahme an den gemeinsamen Rechten gestatten. Sehet euch vor, dass ihr nicht frevelt indem ihr den göttlichen entgegengesetzte Verwaltungsregeln befolgt. Wollt ihr denn immer von den Sclaven gehasst werden, sowohl wegen dessen worin sie früher euch zu Willen waren, wie wegen der Zurücksetzung die sie nachträglich erfahren? Weshalb gabt ihr ihnen denn die Freiheit, wenn ihr sie nicht für würdig hieltet? Etwa weil sie eueren Lüsten dienten? Da wollt ihr also ihnen zürnen, weil sie in ihrer unglücklichen Lage zu solchen Diensten sich verstanden, und nicht vielmehr euch selbst, weil ihr in euerer Schlechtigkeit dergleichen von ihnen fordertet? Jene waren bemitleidenswürdig, da sie aus Furcht sich zu dem Schlechten herbeiliessen, ihr aber wart fluchwürdig, da ihr das Verwerfliche von ihnen fordertet. Damals dientet ihr knechtisch grimmigeren Herren und noch jetzt stehet ihr unter der Knechtschaft der Furcht vor eueren früheren Untergebenen. Was wollt ihr denn nun? Sollen sie alle insgesammt aus der Stadt ziehen und eine eigene Stadt sich gründen unter Flüchen gegen euch und nachdem sie die Aufhebung jedes Verkehrs auch für Kindeskinder beschlossen? Ihr streut den Saamen zu Kriegen aus für euch selbst, Ephesier, wie in Zukunft für euere Kinder gegen die von jenen zu erwartenden Kinder. Nun, Hermodoros, die Ephesier mögen für sich selbst sorgen, du aber lebe so wohl wie du vortrefflich bist.

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Philon von Alexandria | Φίλων ὁ Ἀλεξανδρεύς | ידידיה הכהן

* 20-10 BCE - † 40-50 CE | Mittelplatoniker, Philosoph, Theologe & hellenistischer Jude

Allegorische Erklärung der Gesetze, III, 7

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Fragen zur Genesis, IV, 1

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Fragmente (edited I. Rendel Harris,  Cantabrigiae, 1886, p. 20)

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Über die Einzelgesetze, I, 208

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Über die Einzelgesetze, IV, 51

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Über den Wandel der Namen, 60

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Über Flucht und Erfindung, 179

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Über Träume, I, 6

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Über Vorsehung, II, 66 Colson

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Aristokles von Messene | Ἀριστοκλῆς ὁ Μεσσήνιος

* 1. Jh. BCE - † 1. Jh. CE | Peripatetiker

In Eusebium Praeparatio evangelica XV14, 2

Übersetzung Rainer Nickel:

Die Stoiker behaupten wie Heraklit, das Feuer sei das Element alles Seienden, und wie Platon, seine Ursprünge seien die Substanz und Gott. Aber dieser sagt, dass beide Körper seien, das Handeln und das vom Handeln Affizierte, während jener behauptet, das erste Handelnde sei eine körperlose Ursache. Dann aber verbrenne in gewissen vom Schicksal bestimmten Zeiträumen der gesamte Kosmos, darauf werde er wieder neu geordnet. Das erste Feuer sei allerdings wie ein Same, der den Bauplan für alles und die Gründe für das enthält, was war, was ist und was sein wird. Die Verknüpfungen dieser Zeitebenen und ihre Abfolge sei das Schicksal, das Wissen, die Wahrheit und das Gesetz des Seienden, dem man nicht entgegenwirken und nicht entkommen könne. Auf diese Weise werde alles im Kosmos vorzüglich geordnet wie in einem über die besten Gesetze verfügenden Staat.

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Gaius Julius Phaedrus

* 20-14 BCE - † ca. 50 CE | Fabeldichter

Lucius Annaeus Seneca

* 4 BCE- 1 CE - † 65 CE | Stoiker, Dramatiker, Satirist, Staatsmann

Briefe an Lucilius XII §6-7

Original:

'Molestum est' inquis 'mortem ante oculos habere.' Primum ista tam seni ante oculos debet esse quam iuveni (non enim citamur ex censu); deinde nemo tam senex est ut inprobe unum diem speret. Unus autem dies gradus vitae est. Tota aetas partibus constat et orbes habet circumductos maiores minoribus: est aliquis qui omnis conplectatur et cingat (hie pertinet a natali ad diem extremum); est alter qui annos adulescentiae includit; est qui totam pueritiam ambitu suo adstringit; est deinde per se annus in se omnia continens tempora, quorum multiplicatione vita componitur; mensis artiore praecingitur circulo; angustissimum habet dies gy- rum, sed et hic ab initio ad exitum venit, ab ortu ad occasum.

Ideo Heraclitus, cui cognomen fecit orationis obscuritas, 'unus' inquit 'dies par omni est.' Hoc alius aliter excepit. Dixit enim (alius) parem esse horis, nec mentitur; nam si dies est tempus viginti et quattuor horarum, necesse est omnes inter se dies pares esse, quia nox habet quod dies perdidit. Alius ait parem esse unum diem omnibus similitudine; nihil enim habet longissimi temporis spatium quod non et in uno die invenías, lucem et noctem, et in alternas mundi vices (dies) paria facit ista, non (alia) alias contractior, alias productior.


Übersetzung Gerhard Fink:

»Bedrückend«, meinst Du, »ist's, den Tod vor Augen zu haben.« Erstens: Der muß dem Alten genauso vor Augen stehen wie dem Jungen; wir werden ja nicht nach dem Geburtsregister abberufen. Zweitens: Niemand ist so alt, daß es unverschämt wäre, noch auf einen einzigen Tag zu hoffen. Ein Tag aber ist ein Schritt auf der Lebensbahn. Das ganze Leben besteht aus einzelnen Teilen und weist Kreise auf, von denen die größeren kleinere umschließen. Da gibt es einen, der alle anderen völlig umgibt. Der ist vom Geburtstag bis zur letzten Stunde gezogen. Ein anderer umspannt die Jugendjahre, ein weiterer faßt die ganze Kindheit in sein Rund. Dann gibt es noch das Jahr an sich, das alle Zeitabschnitte enthält, die, vervielfacht, das Leben ergeben. Der Monat wird von einem engeren Kreis umschlossen, den geringsten Umfang hat der Tag, doch auch der verläuft vom Ausgangspunkt zu seinem Ende, vom Aufgang bis zum Niedergang.

Daher sagte Heraklit, dem seine schwer verständliche Sprache den Beinamen »der Dunkle« eintrug: »Ein einziger Tag ist jedem gleich.« Das verstand ein jeder anders. Der eine sagte nämlich, gleich sei er an Stunden, und irrt sich nicht, denn wenn ein Tag der Zeitraum von 24 Stunden ist, dann müssen alle Tage einander gleich sein, weil die Nacht das erhält, was der helle Tag verliert. Ein anderer meint, ein Tag sei allen anderen gleich wegen der Gleichartigkeit. Nichts nämlich enthält der längste Zeitraum, was man nicht auch an einem einzigen Tag beobachten kann: Licht und Dunkel. Auch im Hinblick auf die einander ablösenden Weltperioden läßt der Tag sie gleichartig, nicht verschieden erscheinen, denn auch er ist bald kürzer, bald länger.

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Briefe an Lucilius LVIII §22-23

Original:

Quaecumque videmus aut tangimus Plato in illis non numerat quae esse proprie putat; fiuunt enim et in adsidua deminutione atque adiectione sunt. Nemo nostrum idem est in senectute qui fuit iuvenis; nemo nostrum est idem mane qui fuit pridie. Corpora nostra rapiuntur fluminum more. Quidquid vides currit cum tempore; nihil ex iis quae videmus manet; ego ipse, dum loquor mutari ista, mutatus sum. Hoc est quod ait Heraclitus: 'in idem flumen bis descendimus et non descendimus.' Manet enim idem fluminis nomen, aqua transmissa est. Hoc in amne manifestius est quam in homine; sed nos quoque non minus velox cursus praetervehit, et ideo ad- miror dementiam nostram, quod tantopere amamus rem fugacissimam, corpus, timemusque ne quando moriamur, cum omne momentum mors prioris habitus sit: vis tu non timere ne semel fiat quod cotidie fit!


Übersetzung Gerhard Fink:

Was immer wir sehen und anfassen können, zählt Platon nicht zu dem, wovon er glaubt, es existiere im eigentlichen Sinn. Das alles ist ja vergänglich und dauernder Verringerung oder Vermehrung unterworfen. Niemand von uns ist im Alter derselbe, der er als Jüngling war. Niemand von uns ist am frühen Morgen derselbe, der er am Vortag war. In unserer Körperlichkeit werden wir fortgerissen wie in einem Strom. Was immer Du siehst, enteilt mit der Zeit. Nichts von dem, was wir sehen, hat Bestand. Ich selbst habe mich, während ich sage, alles ändere sich, schon verändert. Das ist's, was Heraklit meint: »In den gleichen Fluß steigen wir zweimal und steigen wir nicht hinein.« Es bleibt nämlich nur der Name des Flusses gleich, doch das Wasser ist vorübergeströmt. Das ist bei einem Fluß offensichtlicher als bei einem Menschen; doch auch uns trägt ein ebenso rascher Strom vorüber, und deshalb wundere ich mich über unsere Narrheit, daß wir so sehr etwas ganz Vergängliches, unseren Leib, lieben und furchten, wir würden irgendwann sterben, wo doch jeder Augenblick der Tod des früheren Zustands ist. Also furchte gefälligst nicht, daß einmal geschieht, was täglich geschieht!

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Pseudo-Heraklit II

* 10-20 CE - † 65-80 CE | Stoiker, Rhetoriker

Pseudo-Heraklitischer Brief I

Übersetzung Jacob Bernays:

König Dareios entbietet dem weisen Manne Herakleitos, Bürger von Ephesos, Folgendes: Du hast Reden über die Natur schriftlich niedergelegt, die schwer zu begreifen und zu erklären sind. Wie sie mir genau nach deinen Worten verdollmetscht wurden, scheinen sie mir in einigen Theilen eine Fähigkeit zu wissenschaftlicher Betrachtung der Ordnung des gesammten Alls und der aus ihr sich ergebenden, in der göttlichsten Bewegung beruhenden Folgen mitzutheilen, bei dem Meisten jedoch bleibt man ungewiss, so dass auch die tiefer in das hellenische Schriftthum Eingeweihten und die Uebrigen, welche sich der Beobachtung und Erforschung der Naturerscheinungen widmen, der von dir muthmasslich in richtiger Einsicht niedergeschriebenen Auseinandersetzung rathlos gegenüber stehen. König Dareios, des Hystaspes Sohn, wünscht also deines Vortrags mündlichen Unterrichts zu geniessen. Verfüge dich daher schleunig in meine Gegenwart und in mein königliches Haus. Denn die Griechen, welche meist die Zierde wissenschaftlicher Männer entbehren, pflegen die schöne Anleitung derselben zu schöner Führung und Lebenseinrichtung gering zu schätzen. Bei mir jedoch darfst du auf jeglichen Vorrang rechnen, auf eine täglich sich gleich bleibende gnädige und aufrichtige Begrüssung und auf eine deinen Ermahnungen entgegenkommende Lebensweise.

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Pseudo-Heraklitischer Brief II

Übersetzung Jacob Bernays:

Herakleitos begrüsst den König Dareios, den Sohn des Hystaspes. Alle übrigen Erdbewohner, wie sie nun einmal sind, haben zwar der Wahrheit und gerechtem Wandel abgesagt und hangen der Unmässigkeit und eitlem Ruhme nach, von wegen ihrer schlimmen Unvernunft. Ich aber, der ich jedes Böse, aus meinem Denken verbanne und die Uebersättigung fliehe, welche durch Hochmuth sich den Neid eines Jeden zuzieht, bin nicht gesonnen, in das Perserland zu kommen, da ich mit Wenigem nach meinem Sinn mich zufrieden fühle. Lebe Wohl.

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Pseudo-Heraklitischer Brief III

Übersetzung Jacob Bernays:

König Dareios an die Ephesier. Ein vorzüglicher Mann ist ein grosser Vorzug für eine Stadt. Durch treffliche Reden und Gesetze bessert er die Gemüther, indem er sie auf zweckmässige Weise zum Guten hinführt. Ihr jedoch habt den Hermodoros, den Vorzüglichsten nicht nur unter euch selbst sondern unter allen Jonern, aus der Vaterstadt vertrieben unter schimpflichen Beschuldigungen, die ihr einem trefflichen Charakter anheftet. Hegt ihr nun den festen Entschluss, Krieg zu führen gegen eueren König und Herrn, so haltet euch bereit; ich werde ein Heer senden, dem die Spitze zu bieten ihr nicht vermögen werdet; schimpflich wire es ja für den Grosskönig seinen Freunden nicht beizustehen. Wollt ihr euch jedoch in kein Unternehmen dieser Art einlassen, so setzet den Hermodoros wieder in sein Bürgerrecht ein und gebet ihm sein väterliches Erbe zurück, in Erinnerung an die Wohlthaten, die ich euch aus Wohlwollen für ihn gewährte, indem ich eure Steuern herabsetzte und viel Land zu eurem früheren Gobiete hinzugab. Hierfür scheint ihr euch nicht zu Dank verpflichtet zu halten, denn sonst würdet ihr nicht den Hermodoros, den Freund des Königs, verbannt haben. Schicket nun einige Männer zu mir mit dem Auftrage, den Rechtsgrund euerer Anschuldigungen gegen ihn darzulegen, damit er, wenn ihm schlimme Absichten nachzuweisen sind, zur Strafe gezogen werde, sind sie hingegen euch nachzuweisen, ich euch eine bessere Gesinnung beibringe und euch für die Zukunft verhindere, gegen vorzügliche Männer euch zu vergehen. Denn euerem König frommt dies und auch euch.

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Lucius Annaeus Cornutus

* 10-20 CE - † 65-80 CE | Stoiker, Rhetoriker

Kleomedes | Κλεομήδης

* 1. Jh. CE - † 1. Jh. CE | Astronomischer Schriftsteller

Theiler, Willy: Poseidonios. Die Fragmente. §289

Übersetzung Rainer Nickel:

Wenn die Erde an Masse im Verhältnis zum Kosmos wie ein winziger Punkt ist, aber über eine unbeschreibliche Kraft verfügt und ihre Substanz fast bis in die Unendlichkeit verbreiten könnte, ist es nicht unmöglich, dass sie auch dem Himmel und den Sternen am Himmel Nahrung emporschickt. Sie dürfte damit auch ihre Kraft nicht erschöpfen, da sie auch teilweise etwas von der Luft und vom Himmel zurückbekommt. Der Weg führt nämlich von oben nach unten (und umgekehrt), wie Heraklit sagt, durch die ganze Substanz hindurch, die sich von Natur aus verwandeln und verändern kann, da sie in allem dem Schöpfer gehorcht im Blick auf die Gestaltung und die Dauer des Alls.

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Gaius Musonius Rufus

* 20-30 CE - † 95-101/102 CE | Stoiker

Fragment Vorlesung XVIIIa

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Lehrgespräche, 9 Dass die Verbannung kein Übel ist

Übersetzung Rainer Nickel:

Es ist aber auch durchaus nicht nötig, daß die Verbannten bei allen Menschen in schlechtem Ruf stehen, wo doch jedermann bekannt ist, daß auch viele Gerichtsentscheidungen ungerecht sind und daß viele aus ihrem Vaterlande mit Unredit verbannt werden und daß sogar schon manche ausgezeichnete Männer von ihren Mitbürgern verbannt wurden; so aus Athen Aristeides, der Gerechte, aus Ephesos Hermodoros, so daß sogar Herakleitos infolge seiner Verbannung sagte, die Ephesier sollten sich Mann für Mann aufhängen.

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Lehrgespräche, 18 Von der Ernährung

Übersetzung Rainer Nickel:

Es müsse aber der Mensch, der von allen irdischen Geschöpfen den Göttern am verwandtesten sei, sich dementsprechend auch, so weit möglich, wie die Götter ernähren. Diesen nun genügten die von der Erde und dem Wasser aufsteigenden Ausdünstungen, für uns aber müsse die leichteste und reinste Nahrung am besten sein, weil diese der Götterspeise am ähnlichsten sei. Dann werde auch unsere Seele rein und trocken sein, und in diesem Zustande sei sie wohl am besten und weisesten, wie das ja die Meinung des Herakleitos ist, der folgendermaßen spricht: «Trockene Seele die weiseste und beste.

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Dion Chrysostomos | Δίων Χρυσόστομος

* ca. 40 CE - † 115-120 CE | Rhetoriker, Schriftsteller & Philosoph

Plutarch | Πλούταρχος

* 45-50 CE - † ca. 120-127 CE | Mittelplatoniker, Schriftsteller & Biograph

Adversus Colotem, 1118 C

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Amatorius, 755 D

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An seni sit res publica gerenda, 787 C

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An virtus doceri possit, 439 D

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Camillus, 19, 1

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Coriolanus, 21, 1

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Coriolanus, 38

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De animae procreatione in Timaeo, 1026 C

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De animae procreatione in Timaeo, 1026 C

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de audit. T. II. p. 43

Original

Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς ϕησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν


Übersetzung Friedrich Schleiermacher:

Unverstand ist es besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.

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Schleiermacher, Friedrich: Herakleitos der Dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten. 1807. S. 327f.:

1) Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον. (Plut. Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644.) Die lezten Worte nemlich, wiewol sie ähnlich aus einer andern Schrift des Plutarchos (de erud. mulier.) Stobäos anführt ἀμαϑίαν, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον (Serm. XVIII. Ed. Lugd. p. 165.) halte ich nicht für Herakleitisch, sondern für eine Wendung, welche Plutarchos dem Spruche giebt seinem Zwekke geäß, wie er ihn anderwärts (de audit. T. II. p. 43. Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν) nur anführt, um ihm, in einem weiteren Sinne vielleicht, zu widersprechen. Und zwar ist diese Anführung vollständiger, wenn {S. 328}  man anders, wie ich wol möchte, dem Stobäos trauen darf, der an einer Stelle, wo mehr Herakleitisches zusammen steht, Serm. III, p. 48. den Spruch auch ionischer so anführt Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν. „Unverstand ist besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.“ — Ganz ohne Zusaz hat noch einmal Plutarchos dasselbe (quod virt. doc. poss. p. 439.) Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός φησι κϱύπτειν ἄμεινον. Allein den Vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wol dem späteren Sammler zugestehen, der grade hier aus einer guten Quelle scheint geschöpft zu haben.

Eben so wenig schikken sich ja zu einer absichtlichen Dunkelheit seine häufigen Klagen über die Unfähigkeit zu verstehen, welche sich bei den meisten Menschen finde, wenn er doch selbst gesonnen war, seine Leser nach Vermögen in den Fall des Nichtverstehens zu sezen; nicht viel besser die Aufmunterungen sich anzustrengen, und auch um kleinen Gewinns willen große Mühe zu übernehmen, am allerwenigsten aber die Drohungen gegen diejenigen, welche falsches in Umlauf sezen. Und so mögen diese gleich zu seiner Rechtfertigung hier mit einander folgen. So klagt Herakleitos, daß die Menschen mit sehenden Augen nicht sehen:

De cohibenda ira, 457 D

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De communibus notitiis adversus Stoicos 11 p. 1064a

Übersetzung Rainer Nickel:

Denn auch für Heraklit und Pherekydes wäre es angemessen, so sagen sie, Tugend und Einsicht zu opfern, wenn sie es gekonnt hätten, um Läusekrankheit und Wassersucht loszuwerden. Und wenn Kirke zwei Zaubermittel eingösse, das eine mit der Wirkung, Vernünftige in Unvernünftige zu verwandeln, das andere mit der Wirkung, Menschen in Esel zu verwandeln, dann würde Odysseus eher das Zaubermittel trinken, das ihn unvernünftig machte, als seine Gestalt in den Körper eines Esels verwandeln lassen, obwohl er seine Vernunft behielte (und mit der Vernunft natürlich auch die Glückseligkeit): Sie sagen, dass die Vernunft selbst ihm raten und nahe legen würde: »Gib mich auf und halte meinen Verlust für bedeutungslos, wenn ich verunstaltet in die Gestalt eines Esels eingehe.«

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De defectu oraculorum, 415 E

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De exilio, 604 A

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De E apud Delphos, 388 E

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De E apud Delphos, 389 C

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De facie quae in orbe lunae apparet, 943 D-E

Übersetzung Rainer Nickel:

Die Seelen aber, die nach oben gestiegen sind und einen festen Platz gefunden haben, schreiten zunächst umher wie Sieger, gekrönt mit Federkränzen, die man als »Kränze für Standfestigkeit« bezeichnet, weil sie zu Lebzeiten des Menschen den affektiven und den irrationalen Seelenteil dazu gebracht haben, der Vernunft einigermaßen gefügig und erträglich zu sein; zweitens in ihrem Aussehen dem Lichtstrahl ähnlich, in ihrem nach oben strebenden Wesen aber wie hier bei uns dem Äther in der Umgebung des Mondes gleichend, bekommen sie aus diesem ihre alte Spannung (tónos) und Kraft (dynamis) zurück, wie der Stahl seine Härte erhält; denn was (an den Seelen) noch schwach und trüb ist, wird stark, fest und durchsichtig, so dass sie sich von der sie erreichenden Ausdünstung ernähren können, und Heraklit (VS 22 Β 98) hat richtig gesagt, dass die Seelen Geruch einatmen im Hades.

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De fortuna, 98 C

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De Iside et Osiride p. 382 B

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In Plutarch On the Pythian Oracles

Original

ὕστεϱον μέντοι (Megarenses) πλῆκτϱον ἀνέϑηκαν τῷ ϑεῷ χϱυσοῦν, ἐπιστήσαντες ὡς ἔοικε Σκυϑίνῳ λέγοντι πεϱὶ τῆς λύϱας, ἣν ἁϱμόζεται

Ζηνὸς εὐειδὴς Ἀπόλλων πᾶσαν, ἀϱχὴν καὶ τέλος

συλλαβών, ἔχει δὲ λαμπϱὸν πλῆκτϱον ἡλίου ϕάος.


Translation:

However, the Megarians later dedicated a golden plectrum to the god, paying attention, as it seems, to Scythinus, who so speaks about the lyre: ...which well-shaped

Apollo, Zeus’ son, fits together as a whole, taking together beginning and end;

and he holds the sun’s light as a gleaming plectrum.


Übersetzung Frank Cole Babbitt:

Later, however, they dedicated to the god a golden plectrum, calling attention, apparently, to Scythinus, who says regarding the lyre,

Which the son of Zeus,

Fair Apollo, who embraces origin and end in one,

Sets in tune, and for his plectrum has the bright rays of the sun.”

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De Pythiae oraculis, 397 B

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De Pythiae oraculis, 404 D, et alii

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De recta ratione audiendi, 41 A

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De recta ratione audiendi, 43 D

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De superstitione, 166 C

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Quaestiones convivales, 644 F

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Quaestiones convivales, IV, 4, 3 (688 F - 669 A)

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Quaestiones Platonicae, 999 E

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Quaestiones Platonicae, 1007 E

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Quaestionum naturalium p. 912 A

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quod virt. doc. poss. p. 439

Original

Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός ϕησι κϱύπτειν ἄμεινον.


Übersetzung Friedrich Schleiermacher:

Unverstand ist es besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.

Kommentar

Schleiermacher, Friedrich: Herakleitos der Dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten. 1807. S. 327f.:

1) Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον. (Plut. Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644.) Die lezten Worte nemlich, wiewol sie ähnlich aus einer andern Schrift des Plutarchos (de erud. mulier.) Stobäos anführt ἀμαϑίαν, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον (Serm. XVIII. Ed. Lugd. p. 165.) halte ich nicht für Herakleitisch, sondern für eine Wendung, welche Plutarchos dem Spruche giebt seinem Zwekke geäß, wie er ihn anderwärts (de audit. T. II. p. 43. Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν) nur anführt, um ihm, in einem weiteren Sinne vielleicht, zu widersprechen. Und zwar ist diese Anführung vollständiger, wenn {S. 328}  man anders, wie ich wol möchte, dem Stobäos trauen darf, der an einer Stelle, wo mehr Herakleitisches zusammen steht, Serm. III, p. 48. den Spruch auch ionischer so anführt Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν. „Unverstand ist besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.“ — Ganz ohne Zusaz hat noch einmal Plutarchos dasselbe (quod virt. doc. poss. p. 439.) Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός φησι κϱύπτειν ἄμεινον. Allein den Vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wol dem späteren Sammler zugestehen, der grade hier aus einer guten Quelle scheint geschöpft zu haben.

Eben so wenig schikken sich ja zu einer absichtlichen Dunkelheit seine häufigen Klagen über die Unfähigkeit zu verstehen, welche sich bei den meisten Menschen finde, wenn er doch selbst gesonnen war, seine Leser nach Vermögen in den Fall des Nichtverstehens zu sezen; nicht viel besser die Aufmunterungen sich anzustrengen, und auch um kleinen Gewinns willen große Mühe zu übernehmen, am allerwenigsten aber die Drohungen gegen diejenigen, welche falsches in Umlauf sezen. Und so mögen diese gleich zu seiner Rechtfertigung hier mit einander folgen. So klagt Herakleitos, daß die Menschen mit sehenden Augen nicht sehen:

Quomodo adolescens poetas audire debeat, 28 D

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Romulus, 28, 7, et alii plures

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Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644

Original:

Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς ϕησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον.


Übersetzung Friedrich Schleiermacher:

Unverstand ist es besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen

Kommentar

Schleiermacher, Friedrich: Herakleitos der Dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten. 1807. S. 327f.:

1) Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον. (Plut. Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644.) Die lezten Worte nemlich, wiewol sie ähnlich aus einer andern Schrift des Plutarchos (de erud. mulier.) Stobäos anführt ἀμαϑίαν, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον (Serm. XVIII. Ed. Lugd. p. 165.) halte ich nicht für Herakleitisch, sondern für eine Wendung, welche Plutarchos dem Spruche giebt seinem Zwekke geäß, wie er ihn anderwärts (de audit. T. II. p. 43. Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν) nur anführt, um ihm, in einem weiteren Sinne vielleicht, zu widersprechen. Und zwar ist diese Anführung vollständiger, wenn {S. 328}  man anders, wie ich wol möchte, dem Stobäos trauen darf, der an einer Stelle, wo mehr Herakleitisches zusammen steht, Serm. III, p. 48. den Spruch auch ionischer so anführt Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν. „Unverstand ist besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.“ — Ganz ohne Zusaz hat noch einmal Plutarchos dasselbe (quod virt. doc. poss. p. 439.) Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός φησι κϱύπτειν ἄμεινον. Allein den Vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wol dem späteren Sammler zugestehen, der grade hier aus einer guten Quelle scheint geschöpft zu haben.

Eben so wenig schikken sich ja zu einer absichtlichen Dunkelheit seine häufigen Klagen über die Unfähigkeit zu verstehen, welche sich bei den meisten Menschen finde, wenn er doch selbst gesonnen war, seine Leser nach Vermögen in den Fall des Nichtverstehens zu sezen; nicht viel besser die Aufmunterungen sich anzustrengen, und auch um kleinen Gewinns willen große Mühe zu übernehmen, am allerwenigsten aber die Drohungen gegen diejenigen, welche falsches in Umlauf sezen. Und so mögen diese gleich zu seiner Rechtfertigung hier mit einander folgen. So klagt Herakleitos, daß die Menschen mit sehenden Augen nicht sehen:

(Pseudo) Consolatio ad Apollonium, 106 D

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(Pseudo) Aquane an ignis utilior, 957 A

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Epiktet | Ἐπίκτητος

* 50-55 CE - † 125-138 CE | Stoiker

Heraclitus Homericus | Heraclitus Grammaticus | Ἡράκλειτος

fl. 1. Jh. CE | Rhetoriker, Grammatiker & Homerkommentator

Quaestionum Homericarum c. 24

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Ailios Theon | Αἴλιος Θέων

schrieb Mitte bis Ende des 1. Jh. CE | Rhetoriker

Aëtius | Ἀέτιος

* 1. Jh. CE - †  2. Jh. CE | Doxograph & Eklektiker

I, 3 §9 On Principles, What They Are

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus and Hippasus from Metapontum (say that the) principle of all things is fire, for they state that all things originate from fire and all things terminate in fire; and when it is quenched, all things are formed into the cosmos. First its densest part is concentrated and becomes earth; then the earth is loosened by fire and naturally produces water, which (in turn) evaporates and becomes air. And then the cosmos and all the bodies (within it) are consumed again by fire in the conflagration. Principle (of the things that exist) therefore is fire, because all things (originate) from it; and it is the end as well, because all things are dissolved into it.

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I, 7 §13 Who the Deity Is

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that the deity is) the (eternally) recurrent everlasting fire, while fate is reason (logos), producer of the things that exist by turning in contrary directions.

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I, 9 §2 On Matter

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

The successors of Thales and Pythagoras, I mean those [sc.philosophers] going down to the Stoics together with Heraclitus, (say that) matter is wholly and completely changeable and alterable and mutable and fluid. 

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I, 13 §2 On Minimal Bodies

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus, as some believe, introduces little filings prior to the one (sc. element). 


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I, 23 §8 On Motion

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus removed rest and standing still from the whole of things, for this belongs to corpses; to everlasting things he assigned everlasting motion and to perishable things (he assigned) perishable (motion). 


Kommentar

I, 27 §1 On Fate

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) all things (occur) in accordance with fate, and that it (fate) and necessity are the same. Indeed he writes, ‘for it (sc. necessity) is fate in every respect’. 

Kommentar

I, 28 §1 On the Substance of Fate

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) the substance of fate is the logos that passes through the being of the All. It is the etherial body, seed of the coming-to-be of the All and measure of (its) ordered revolution. 

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II, 1 §2 On the Cosmos

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Thales Pythagoras Empedocles Ecphantus Parmenides Melissus Heraclitus Anaxagoras Plato Aristotle Zeno (say that) the cosmos is unique.

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II, 4 §1 Whether the Cosmos Is Indestructible

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Pythagoras Heraclitus (say that) the cosmos is generated in thought, but not in time.

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II, 11 §4 On Heaven, What Its Substance Is

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Parmenides Heraclitus Strato Zeno (say) that the heaven is fiery. 

Kommentar

II, 13 §8 What the Substance of the Heavenly Bodies Is, (Both) Planets and Fixed Stars

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Parmenides and Heraclitus (says that they are) condensations of fire.

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II, 17 §4 From Where the Heavenly Bodies Obtain Their Illumination

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus and the Stoics (say that) the heavenly bodies are nourished

from the earthly exhalation. 

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II, 20 §6 On the Substance of the Sun

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus Hecataeus Cleanthes (say that the sun is) an intelligent ignited mass (formed) from the sea. 

Kommentar

II, 20 §15 On the Substance of the Sun

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that it is) an ignited mass, which is kindled in the east and extinguished in the west.

Kommentar

II, 21 §4 On the Size of the Sun

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that it is) the breadth of a human foot.

Kommentar

II, 22 §2 On the Shape of the Sun

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that it is) bowl-like, somewhat convex.

Kommentar

II, 24 §4 On the Eclipse of the Sun

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that it undergoes an eclipse) in accordance with the turning of its bowl-like shape, so that the hollow aspect faces upwards and the convex aspect faces downwards in the direction of our vision.

Kommentar

II, 25 §2 On the Substance of the Moon

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Anaximenes Parmenides Heraclitus (say that) the moon is fiery.

Kommentar

II, 27 §3 On the Shape of the Moon

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that it is) bowl-like.

Kommentar

II, 28 §7 On the Illumination of the Moon

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) the sun and the moon undergo the same experience: since they are heavenly bodies that are bowl-like in their shapes and receive their radiance from the moist exhalation, they light up in their appearance (towards us), the sun doing so more brightly because it moves in air that is purer, whereas the moon moves in murkier (air) and for this reason appears dimmer. 

Kommentar

II, 29 §3 On the Eclipse of the Moon

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Alcmaeon Heraclitus Antiphon (say that it is eclipsed) in accordance with the turning of the bowl-like (shape of the moon) and its lateral motions.

Kommentar

II, 32 §8 On the Year, How Great the Time of (the Revolution of) Each of the Planets Is, and What the Great Year Is

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that the Great year consists) of 18000 solar years.

Kommentar

II, 32 §9 On the Year, How Great the Time of (the Revolution of) Each of the Planets Is, and What the Great Year Is

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Diogenes the Stoic (says that the Great year consists) of 365 years times what the (Great) year was according to Heraclitus.

Kommentar

III, 3 §9 On Thunders, Lightnings, Thunderbolts, Firewinds (Presteres) and Typhoons

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) thunder (results) from gatherings of winds and clouds and impacts of pneumata upon the clouds, lightnings when what is evaporated catches fire, and firewinds through the burnings and quenchings of clouds.

Kommentar

IV, 3 §4 Whether the Soul Is a Body and What Its Substance Is

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Parmenides and Hippasus and Heraclitus (say that) it is fire-like.

Kommentar

IV, 3 §14 Whether the Soul Is a Body and What Its Substance Is

Original:

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) the Soul of the cosmos (is) an exhalation from the moistures (that are) in it (sc. in the cosmos), and (that) the soul in living beings (derives) from the exterior exhalation as well as from that which is within them (sc. the living beings), (and is) of the same kind.

Kommentar

IV, 7 §2 On the Indestructibility of Soul

Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus (says that) on departing from the body it returns to the Soul of the universe, i.e. to what is of the same kind.

Kommentar

V, 23 §1 When and How a Human Being Commences Maturity

Übersetzung Rainer Nickel:

Heraklit und die Stoiker sagen, dass die Menschen in der zweiten Hebdomade, wenn der Samenfluss einsetzt, ihre Vernunftentwicklung abschließen. Denn auch die Bäume erreichen dann ihre volle Höhe, wenn sie beginnen, ihre Samen zu verbreiten; sie sind aber noch nicht voll ent- wickelt, solange sie noch keine Früchte tragen. Dann also ist auch der Mensch voll entwickelt. Während der zweiten Hebdomade entsteht ein Begriff von Gut und Böse und wird auch vermittelbar.


Translation Jaap Mansfeld, David T. Runia:

Heraclitus and the Stoics (say that) human beings commence their maturity around the second hebdomad [i.e. period of seven years], at the time that the seminal fluid starts to move. Trees by way of comparison attain maturity at the time that they begin to produce their seeds, whereas the immature ones are without both blooms and fruits.

Kommentar

Justin der Märtyrer | Ἰουστῖνος ὁ Μάρτυρ

* 100-114 CE - † 162-168 CE | Christ, Märtyrer, Apologet, Kirchenvater & Mittelplatoniker

Erste Apologie 46

Übersetzung Gerhard Rauschen:

Auch die Menschen vor Christus waren nicht ohne Verantwortung.

Unverständige werden, um unsere Lehren zurückweisen zu können, vielleicht einwenden: Da nach unserer Behauptung erst vor 150 Jahren Christus unter Quirinius geboren worden ist und da er das, was wir als seine Lehre ausgeben, noch später unter Pontius Pilatus gelehrt hat, so seien alle Menschen, die vorher lebten, der Verantwortung enthoben. Darum wollen wir im voraus diese Bedenken lösen. Daß Christus als der Logos, an dem das ganze Menschengeschlecht Anteil erhalten hat, Gottes Erstgeborener ist, das ist eine Lehre, die wir überkommen und euch schon vorher dargelegt haben. Die, welche mit Vernunft(153) lebten, sind Christen, wenn sie auch für gottlos gehalten wurden, wie bei den Griechen Sokrates, Heraklit und andere ihresgleichen, unter den Nichtgriechen Abraham, Ananias, Azarias, Elias und viele andere, deren Taten und Namen aufzuzählen wir jetzt als zu weitläufig unterlassen möchten. Daher waren auch die, welche vorher ohne Vernunft gelebt haben, schlechte Menschen, Feinde Christi und Mörder derer, die mit Vernunft lebten, wohingegen, wer mit Vernunft gelebt hat und noch lebt, Christ ist und ohne Furcht und Unruhe sein kann. Aus welchem Grunde er nun durch die Kraft des Logos nach dem Ratschlusse Gottes, des Allvaters und Herrn, durch eine Jungfrau als Mensch geboren und Jesus genannt wurde, dann gekreuzigt und gestorben, wieder auferstanden und in den Himmel aufgestiegen ist, das wird aus unseren früheren weitläufigen Darlegungen der Verständige sich erklären können. Wir aber wollen, da für jetzt dieser Punkt zur Beweisführung nicht notwendig ist, nunmehr zu den Beweisen übergehen, die dringlich sind.


{Fußnoten}

153 Griechisch μετὰ λόγου.

Kommentar

Zweite Apologie 7 (8) 

Übersetzung Gerhard Rauschen:

Auch solche Philosophen, welche vernunftgemäß lehrten, wie die Stoiker, wurden von den Dämonen gehaßt.

Auch von Anhängern der Stoa wissen wir, daß sie, weil sie wenigstens in ihrer Ethik vermöge des dem gesamten Menschengeschlechte eingepflanzten Logoskeimes, wie in manchen Stücken auch die Dichter, sich ordnungsliebend gezeigt haben, gehaßt und getötet worden sind; so der schon früher erwähnte (I 46) Heraklit, ferner unser Zeitgenosse Musonius und andere. Denn wie wir gezeigt haben, haben die Dämonen immer darauf hingearbeitet, daß die, welche irgendwie nach dem Logos zu leben und das Böse zu meiden suchten, gehaßt wurden. Es ist aber kein Wunder, daß die Dämonen die, welche nicht nur nach einem Teile des in Keimen ausgestreuten Logos, sondern nach der Erkenntnis und dem Schauen des gesamten Logos, d. i. Christi, leben, nach ihrer Entlarvung noch weit mehr verhaßt zu machen suchen; sie werden, in ewiges Feuer eingeschlossen, die verdiente Strafe und Pein erhalten. Denn wenn sie schon von den Menschen durch den Namen Jesu Christi überwunden werden, so ist das ein Fingerzeig für die zukünftige Bestrafung, welche ihnen und ihren Dienern im ewigen Feuer bevorsteht. Diese haben alle Propheten vorherverkündet, und auch unser Lehrer Jesus hat sie gelehrt.

Kommentar

Tatian | Tatianus | ܛܛܝܢܘܣ | Τατιανός

* 120 CE - † ca. 170-190 CE | Christ, Theologe & Gnostiker

Rede an die Bekenner des Griechentums §2-3

Übersetzung  Richard Cornelius Kukula:

(1) Und was habt ihr denn erst Erhabenes in der Philosophie hervorgebracht? Welcher von eueren ganz bedeutenden Philosophen hat Großsprecherei gemieden? (2) Diogenes, der mit seinem Faß renommierte und mit seiner Enthaltsamkeit prahlte, starb ob seiner Unmäßigkeit an einer schmerzhaften Darmverschlingung, da er einen Meerpolypen roh verschlungen hatte. (3) Aristippos, der Philosoph im Purpurmantel, war ein scheinheiliger Lüstling. (4) Platon samt seiner Weltweisheit wurde von Dionysius wegen seiner Völlerei verkauft. (5) Und Aristoteles, der in seiner Unwissenheit der Vorsehung Schranken gesetzt und die Glückseligkeit als das, woran er Behagen finde, definiert hat, (6) schmeichelte ganz unpädagogisch dem tollen Jungen Alexander, der nun echt aristotelisch seinen Freund, weil er ihn nicht anbeten wollte, in einen Käfig sperrte und wie einen Bären oder Panther mit sich herumführte. (7) Dafür befolgte Alexander allerdings die Lehren des Meisters, indem er seine Männlichkeit und Tapferkeit in Gelagen bewies, seinen Genossen und Busenfreund mit dem Speere durchbohrte und dann weinte und fastete unter dem Vorwand der Trauer, um nicht den Abscheu seiner Leute zu erregen. (8) Lachen möchte ich vollends über diejenigen, die noch heute die Lehren des Aristoteles praktizieren und für die Dinge unter dem Mond zwar keine Vorsehung anerkennen, aber trotzdem, obwohl sie der Erde näher sind als der Mond und tiefer stehen als seine Bahn, dort Vorsehung spielen, wo sie die Vorsehung leugnen: (9) denn wem Schönheit, Reichtum, Körperkraft, Adel versagt sind, für den gebe es keine Glückseligkeit, sagt Aristoteles. Und solche Leute sollen philosophieren!

3.

(1) Den Heraklit nämlich, der sich äußerte: „Ich bin mein eigener Lehrer gewesen“,lasse ich nicht gelten, weil er eben ein hoffärtiger Autodidakt war, (2) und kann nicht loben, daß er sein Werk im Tempel der Artemis verbarg, damit später die Herausgabe desselben unter dem Schimmer eines heiligen Geheimnisses erfolge. Die sich um solche Dinge kümmern, sagen zwar, der Tragödiendichter Euripides sei gekommen, habe das Buch gelesen und aus dem Gedächtnis alsbald die dunkle Lehre Heraklits eifrig propagiert. (3) Nun ist aber die Unwissenheit Heraklits durch seinen Tod erwiesen worden: er bekam die Wassersucht, und da er die Heilkunst nicht besser als die Philosophie traktierte, bestrich er sich mit Kuhfladen, der Kot aber verhärtete sich, zog den ganzen Leib zusammen, und so starb der Mann infolge von Krämpfen. (4) Auch den Zenon muß ich ablehnen, der da behauptete, nach dem Weltbrande würden dieselben Menschen wieder zu denselben Beschäftigungen auferstehen, die sie früher betrieben hätten, z. B. Anytos und Meletos, um wieder anzuklagen, Busiris, um seine Gastfreunde zu morden, und Herakles, um abermals Großtaten zu vollbringen. Bei dieser Verbrennungshypothese muß er natürlich mehr Böse als Gerechte annehmen, da es eben nur einen Sokrates, einen Herakles und etliche andere von der Art gegeben hat, seltene Ausnahmemenschen: (5) in der Tat werden nach Zenon viel mehr Menschen als Bösewichte denn als Gutgesinnte befunden werden und Gott selber wird sich als Urheber des Bösen erweisen, da er angeblich in Kloaken und Würmern und Missetätern haust. (6) Die Prahlerei des Empedokles ist durch die Feuerausbrüche auf Sizilien dargetan worden, daß er nämlich kein Gott war und das, was er zu sein vorgab, erlogen hat. (7) Ich verlache auch das Altweibergeschwätz des Pherekydes und den Pythagoras, den Erben seiner Lehre, und den Platon, der ihr Nachahmer gewesen ist, obgleich manche es nicht zugeben wollen. (8) Wer möchte denn ferner die Hundehochzeit des Krates loben und nicht vielmehr die dünkelhafte Zungendrescherei seiner Anhänger verwerfen, um sich auf die Suche nach dem wahrhaft Wertvollen zu begeben? (9) Mögen euch also die Massenaufgebote dieser „Philosophen“ - Lärmer sind sie, keine Lehrer - nicht fortreißen: denn was sie ehren, sind gegenseitige Widersprüche und jeder peroriert, wie’s ihm gerade einfällt. (10) Fortwährend gibt’s bei ihnen Zusammenstöße; denn einer haßt den anderen und Meinung stellen sie gegen Meinung, indem sie sich marktschreierisch zu den Thronen drängen. Anständig aber wäre es, just wenn sie von eines Königs Majestät so hohe Meinung hegen, nicht den Herrschern zu schmeicheln, sondern vielmehr abzuwarten, bis die Großmächtigen zu ihnen kommen.

Kommentar

Rede an die Bekenner des Griechentums §26

Übersetzung  Richard Cornelius Kukula:

(1) Hört doch auf, mit fremden Worten zu prunken und euch wie die Dohlen mit gestohlenen Federn aufzuputzen. Wann einmal jede Stadt die von ihr erborgten Ausdrücke euch abnehmen sollte, dann wird’s mit eueren Sophismen gründlich aus sein. (2) Ihr sucht zu ergründen, wer Gott sei, und kennt euer eigenes Wesen nicht; ihr gafft in den Himmel und fallt in Gruben. Labyrinthen gleichen die Widersprüche in eueren Büchern und deren Leser dem Faß der Danaiden. (3) Was teilt ihr mir die Zeit ein, indem ihr sagt, ein Teil von ihr sei die Vergangenheit, der andere die Gegenwart, der dritte die Zukunft? Denn wie kann die Zukunft herankommen, wenn die Gegenwart ist? Wie etwa Leute, die auf einem Schiffe fahren, während der Bewegung desselben in ihrer Unerfahrenheit meinen, daß die Berge laufen, so erkennet auch ihr nicht, daß ihr selbst dahinfahrt, die Zeit aber stillsteht, solang es Dem gefällt, der sie geschaffen hat. (4) Warum muß ich denn Prügelknabe sein, wenn ich meine Lehren vorbringe, und warum seid ihr erpicht, alles, was von mir ist, zu vertilgen? Seid ihr denn nicht in derselben Weise wie wir geboren worden und teilt euch mit uns in diese Welt und ihre Einrichtung? Wie könnt ihr behaupten, allein bei euch sei die Weisheit, wenn ihr weder eine andere Sonne habt noch einen anderen Aufgang der Gestirne noch eine bessere Herkunft noch im Vergleiche mit den übrigen Menschen einen auserlesenen Tod? (5) Mit dem Geschwätz bei euch haben die Schulmeister begonnen und da ihr die Wissenschaft einteiltet, habt ihr euch von der wahren Wissenschaft abgeschnitten und die Teile nach Menschen zubenannt; denn da ihr Gott nicht kennt, so bekämpft und verurteilt ihr euch untereinander. (6) Und deshalb wißt ihr alle nichts: die Ausdrücke versteht ihr euch anzueignen, redet aber miteinander wie der Blinde mit dem Tauben. (7) Was haltet ihr das Bauwerkzeug in den Händen und versteht doch nicht zu bauen? Was eignet ihr euch Worte an und seid doch fern von Taten? Aufgeblasen im Glücke, im Unglück aber verzagt, braucht ihr wider alle Vernunft euere schönen Phrasen: öffentlich prunkt ihr mit ihnen, in den Winkeln aber versteckt ihr euere Lehren(203). (8) Da wir euch von dieser Seite kennen lernten, haben wir euch verlassen und wollen nichts mehr von dem Eurigen anrühren, sondern dem Worte Gottes folgen. (9) * [Mensch, wozu schaffst du denn eigentlich einen Krieg zwischen den Buchstaben? Warum läßt du die Laute sozusagen untereinander handgemein werden, indem du sie nach attischer Manier verschluckst, während es doch auf eine natürliche Aussprache ankommen sollte? Denn wenn du attisch sprichst, ohne ein Athener zu sein, dann sage mir doch, warum du nicht dorisch sprichst? Warum erscheint dir für die Konversation der eine Dialekt barbarisch, der andere anmutig?] *


{Fußnoten}

203 *Am einfachsten erklärt sich die vielgeprüfte Stelle (s. Puech, Recherches S. 142, Anm. 3) wohl aus Kap. III 1 f., wo von Heraklit die Rede ist: „ihr macht es alle wie Heraklit“, meint Tatian, „öffentlich renommiert ihr mit eitlen Phrasen (wie: „ich bin mein eigener Lehrer gewesen“), eure Werke aber, die allein beweisen könnten, ob euer Selbstlob gerechtfertigt sei, die versteckt ihr aus Angst vor der Kritik wie Heraklit in unzugänglichen Winkeln“. Nach Athen. V 222a wurden übrigens die oben § 5 erwähnten Schulmeister, im besonderen die Aristarcheer, vom Volksmund „Winkelsummer“ (γωνοιβόμβυκες) verhöhnt. S. TsgA. S.30ff.

Kommentar

Rede an die Bekenner des Griechentums §27

Übersetzung  Richard Cornelius Kukula:

(1) Wenn aber du dich für deinen Teil an die Unterweisung jener Schulmeister hältst, warum bestreitest du dann mir das gleiche Recht, Lehrmeinungen zu wählen, die mir gefallen? Ist es denn nicht unsinnig, zwar den Räuber trotz des verdächtigen Namens, bevor noch der Tatbestand genau ermittelt ist, mit Strafe zu verschonen, uns aber auf Grund eines ungeprüften, von Schmähsucht eingegebenen Vorurteils mit Haß zu verfolgen? (2) Diagoras war ein Götterleugner: aber obwohl der Mann die atheniensischen Mysterien verhöhnte, haltet ihr ihn in Ehren, und während ihr auf seine Phrygischen Gespräche fliegt, habt ihr uns in Acht und Bann getan. (3) Ihr besitzt die Denkschrift Leons, aber Widerlegungen, die von uns kommen, wollt ihr nicht dulden. Ihr laßt die Ansichten Apions über die ägyptischen Götter bei euch gelten, aber uns verschreit ihr als die gottlosesten Menschen. (4) Ein Grab des olympischen Zeus zeigt man bei euch, mag auch mancher behaupten, die Kretenser seien Lügner. (5) Mit der Schar der vielen Götter steht’s eben windig: aber mag auch der Götterverächter Epikur hier die Fackel vorantragen, so will ich doch denen, die nichts mehr von der Gottheit besitzen, gerade meine Erkenntnis des Weltalls nicht vorenthalten. (6) Warum rätst du mir, meinen Lebenswandel zu verleugnen? Warum behauptest du, den Tod zu verachten und gibst mir trotzdem den Ratschlag, durch einen Betrug ihm zu entfliehen? Ich habe wahrhaftig nicht das Herz eines Hasen, aber euere Großsprecherei gleicht dem zügellosen Geschrei des Thersites. (7) Wie soll man einem glauben, der behauptet, die Sonne sei eine glühende Masse und der Mond ein Körper wie die Erde? Das sind strittige Hypothesen und nicht erwiesene Tatsachen. (8) Oder wie wäre es nicht abgeschmackt, den Büchern des Herodoros betreffs der Herakles Geschichte Glauben zu schenken, wenn sie von einer oberen Erde erzählen, aus welcher der Löwe herabgekommen sei, den Herakles getötet hat? (9) Was nützen wohl der attische Stil, die Häufel- und Wahrscheinlichkeitsschlüsse der Philosophen, die Untersuchungen über die Maßverhältnisse der Erde, über die Stellung der Gestirne, über den Lauf der Sonne? Nichts! Denn für derlei „wissenschaftliche“ Betätigung paßt nur einer, dem seine subjektiven Meinungen als Gesetze gelten(219).


{Fußnoten}

219 *Geffcken ZgrA. S. 110, Anm. 1 ironisiert ohne Grund diese Worte Tatians als eine „recht niedrige Selbst- einschätzung“ und übersieht dabei, daß der Apologet offenbar eine direkte oder indirekte Reminiszenz aus Aristoteles’ Nikomachischer Ehtik verallgemeinert, wo VII 5 p. 1146b, 30 (vgl. eth. magn. II 6 p. 1201 b,8) Heraklit zu denjenigen gezählt wird, denen „ihre Meinung ebenso fest stehe wie anderen die wahre Wissenschaft“; ἔνιοι πιστεύουσιν οὐδεν ἦττον οἷς δοξάζουσιν ἤ ἓτεροι οἷς ἐπίσταναι, δηλοῖ δ ́Ἡράκλειτος.

Kommentar

Marcus Aurelius Antoninus

* 121 CE - † 180 CE | Stoiker & Kaiser

II, 17 (Vgl. DK 22B12)

Übersetzung:

Die Dauer des menschlichen Lebens ist nur ein Augenblick, seine Existenz in dauerndem Fluß;

Kommentar

III, 3 (Vgl. DK 22B30)

Übersetzung:

Heraklit stellte so bedeutende Theorien über die Vernichtung der Welt durch Feuer und starb dann kotbeschmiert an Wassersucht. 

Kommentar

IV, 23 (Vgl. auf DK 22B100)

Übersetzung:

Für mich ist alles eine gute Ernte, was deine Jahreszeiten bringen, gütige Natur.

Kommentar

IV, 46 (Vgl. DK 22B76, 71 & 72)

Übersetzung:

Immer an die Worte des Heraklit denken: Es ist der Tod der Erde, Wasser zu werden, und der Tod des Wassers, Luft zu werden, und der Tod der Luft, Feuer zu werden und umgekehrt. Aber auch an den denken, der vergißt, wohin der Weg fuhrt. Daran denken, daß sie mit dem, womit sie vor allem ununterbrochen zu tun haben, mit der Vernunft, die das Weltganze durchwaltet, nicht übereinstimmen, und daß ihnen das, womit sie täglich umgehen, fremd erscheint.

Kommentar

IV, 46 (Vgl. DK 22B73 & 74)

Übersetzung:

Heraklit sagt auch: Man darf nicht handeln und reden, als ob man schlafe. Denn wir scheinen ja auch dann zu handeln und zu reden. Und wir dürfen auch nicht wie die Kinder unserer Eltern handeln, d.h. schlicht gesagt, wie wir es übernommen haben.

Kommentar

VI, 15 (Vgl. DK 22B49a & 91)

Übersetzung:

Strömungen und Veränderungen erneuern den Kosmos ununterbrochen, wie der nie versiegende Strom der Zeit die grenzenlose Ewigkeit ständig erneuert.

Kommentar

VI, 42 (Vgl. DK 22B75)

Übersetzung:

Alle wirken wir gemeinsam auf ein Ziel hin: einige mit vollem Bewußtsein, andere unwissend, wie auch Heraklit, glaube ich, die Schlafenden als aktive Mitarbeiter am Geschehen im Kosmos bezeichnet. Der eine wirkt auf diese, der andere auf jene Weise mit, zum Überfluß aber auch derjenige, der sich ständig beschwert und versucht, dem Lauf der Welt entgegenzutreten und ihn aufzuhalten. Denn auch einen solchen Menschen braucht der Kosmos. Du mußt dir nun auch noch klar werden, zu welchen Menschen du dich zählst. Jener nämlich, der das Weltganze lenkt, wird dich jedenfalls richtig verwenden und als ein wichtiges Teilchen in die Reihe seiner Mitarbeiter und Helfer aufnehmen.

Kommentar

VI, 47

Übersetzung:

Dorthin müssen wir unsere Aufmerksamkeit richten, wo soviele gewaltige Redner, soviele erhabene Philosophen, Heraklit, Pythagoras und Sokrates, soviele Heroen aus früherer Zeit und soviele Feldherrn und Tyrannen aus späterer Zeit sind.

Kommentar

VIII, 3

Übersetzung:

Was sind aber Alexander, Gaius und Pompeius im Vergleich mit Diogenes, Heraklit und Sokrates? Denn diese Männer haben die Dinge, wie sie wirklich sind, ihre Ursachen und Voraussetzungen gesehen, und das leitende Prinzip ihrer Seele war völlig unabhängig. In wievielen Dingen zeigte sich bei jenen aber Unwissenheit und Abhängigkeit?

Kommentar

XI, 1 (Vgl. Heraklits Ekpyrosis)

Übersetzung:

Darüber hinaus umkreist sie {die Seele} den ganzen Kosmos, den leeren Raum um ihn herum und seinen äußeren Rand, dehnt sich aus in die Unendlichkeit der Ewigkeit, umfaßt und reflektiert die periodische Wiederentstehung des Weltganzen und sieht, daß diejenigen, die nach uns kommen, nichts Neues erblicken werden, und diejenigen, die vor uns waren, nichts Außerordentliches erblickt haben, sondern daß der Vierzigjährige, wenn er nur ein bißchen Verstand hat, gewissermaßen schon alles, was gewesen ist und was sein wird, aufgrund seiner Gleichartigkeit, gesehen hat.

Kommentar

Lukian von Samosata | Λουκιανὸς ὁ Σαμοσατεύς

* 120-125 CE - † 180-200 CE | Satiriker

Philosopher's for Sale

Original

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: …σύ δὲ τί κλάεις, ὧ βέλιστε; πολὺ γὰρ οἶμαι κάλλιον σοὶ προσλαλεὶν.

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Ἡγέομαι γάρ, ὧ ξεῖνε, τὰ ἀνθρωπήϊα πρήγματα ὀϊζυρὰ καὶ δακρυώδεα καὶ οὐδέν αὐτέων ὅ τι μὴ ἐπικήριον· τὸ δὴ οἰκτείρω τε σφέας καὶ ὀδύρομαι, καὶ τὰ μὲν παρεόντα οὐ δοκέω μεγάλα, τὰ δὲ ὑστέρῳ χρόνῳ ἐσόμενα πάμπαν ἀνιηρά, λέγω δὲ τὰς ἐκπυρώσιας καὶ τὴν τοῦ ὅλου συμφορήν· ταῦτα ὀδύρομαι καὶ ὅτι ἔμπεδον οὐδέν, ἀλλ᾽ ὅκως ἐς κυκεῶνα τὰ πάντα συνειλέονται καὶ ἐστι τὠυτὸ τέρψις ἀτερψίη, γνῶσις ἀγνωσίη, μέγα μικρόν, ἄνω κάτω περιχωρέοντα καὶ ἀμειβόμενα ἐν τῇ τοῦ αἰῶνος παιδιῇ.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Τί γὰρ ὁ αἰών ἐστι;

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Παῖς παίζων, πεσσεύων, συνδιαφερόμενος.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Τί δὲ ἄνθρωποι;

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Θεοὶ θνητοί.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Τί δὲ θεοί;

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Ἄνθρωποι ἀθάνατοι.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Αἰνίγματα λέγεις, ὧ οὗτος, ἢ γρίγους συντύθης; ἀτεχνῶς γὰρ ὥσπερ ὁ Λοξίας οὐδὲν ἀποσαφεῖς.

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Οὐδὲν γάρ μοι μέλει ὑμέων.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Τοιγαροῦν οὐδὲ ὠνήσεταί σέ τις εὖ φρονῶν.

ΗΡΑΚΛΕΙΤΟΣ: Ἐγὼ δὲ κέλομαι πᾶσιν ἡβηδὸν οἰμώζειν, τοῖσιν ὠνεομένοισι καὶ τοῖσιν οὐκ ὠνεομένοισι.

ΑΓΟΡΑΣΤΗΣ: Τουτὶ τὸ κακὸν οὐ πόρρω μελαγχολίας ἐστίν· οὐδέτερον δὲ ὅμως αὐτῶν ἔγωγε ὠνήσομαι.


Translation Austin Morris Harmon:

BUYER: …But you, why do you cry? For I think it is much more becoming to talk with you.

HERACLITUS: Because I consider, O stranger, that the affairs of man are woeful and tearful, and there is naught in them that is not foredoomed; therefore I pity and grieve for men. And their present woes I do not consider great, but those to come in future will be wholly bitter; I speak of the great conflagrations and the collapse of the universe. It is for this that I grieve, and because nothing is fixed, but all things are in a manner stirred up into porridge, and joy and joylessness, wisdom and unwisdom, great and small are all but the same, circling about, up and down, and interchanging in the game of Eternity.

BUYER: And what is Eternity?

HERACLITUS: A child playing a game, moving counters, in discord, in concord.

BUYER: What are men?

HERACLITUS: Mortal gods.

BUYER: And the Gods?

HERACLITUS: Immortal men.

BUYER: Are you telling riddles, man, or making conundrums? You are just like Apollo, for you say nothing plainly.

HERACLITUS: Because you matter naught to me.

BUYER: Then nobody in his sense will buy you.

HERACLITUS: I bid ye go weep, one and all, buy you or buy you not.

BUYER: This fellow’s trouble is not far removed from insanity. However, I for my part will not buy either of them.

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Lucius Apuleius Madaurensis

* 123-125 CE - † 170-180 CE | Mittelplatoniker, Schriftsteller & Rhetoriker

Aulus Gellius

* 123-130 CE - † ca. 180 CE | Richter, Schriftsteller & Grammatiker

Noctes Atticae, Preafatio, 12

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Maximos von Tyros | Μάξιμος Τύριος

*  ca. 125 CE - † 180-192 CE | Mittelplatoniker & Rhetoriker

Galenos |  | Γαληνός

* 128-131 CE - † 199-216 CE | Arzt, Forscher & Universalgelehrter

De dignoscendis pulsibus, VIII, p. 773 Kuehn

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Athenagoras von Athen | Ἀθηναγόρας ὁ Ἀθηναῖος

* ca. 133 CE - † ca. 190 CE | Christ & Apologet

Bittschrift für die Christen 31

Übersetzung Anselm Eberhard:

Ferner dichten sie uns gottlose Mahlzeiten und Beilager an, einerseits um sich einzureden, daß sie uns mit Recht hassen, anderseits in der Erwartung, uns durch Einschüchterung von unserer Lebensweise abzubringen oder durch die Schwere der Anklagen die Behörden gegen uns einzunehmen und zu schonungslosem Vorgehen aufzureizen; aber das ist doch nur ein dummer Spaß Leuten gegenüber, die in dem Kampfe der Schlechtigkeit gegen die Tugend eine ganz gewöhnliche, uralte und nicht erst in der Gegenwart hervortretende Erscheinung erblicken, welche die notwendige Folge eines göttlichen Gesetzes und Planes ist. So starb Pythagoras mit dreihundert Gefährten den Feuertod; Heraklit wurde aus dem Staate der Ephesier, Demokrit aus dem der Abderiten ausgewiesen, jeder, weil man ihn für wahnsinnig erklärte; auch den Sokrates verurteilten die Athener zum Tode. So wenig aber nun die öffentliche Meinung jenen Männern in Hinsicht auf Tugend Abbruch tun konnte, so wenig wirft auch auf uns die unverständige Verleumdung, mit der gewisse Leute uns angreifen, in Hinsicht auf die Rechtlichkeit des Lebens einen Schatten, da wir bei Gott anerkannt sind. 

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Kelsos | Κέλσος

* ca. 135-140 CE - † 2. Jh. CE, fl. 170-180 | Mittelplatoniker & Epikureer

Der Wahre Logos I.4-5

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Ihre ethische Grundlehre ist gemeinsam mit den andern Philosophen; es ist keine ehrwürdige und neue Wissenschschaft. 

Sie glauben nicht an die von Händen gemachten Götter, weil es unvernünftig sei, dass die Werke und Schöpfungen der schlechtesten und sittlich liederlichste Bildner, oftmals auch ungerechter Menschen wirkliche Götter seien. Aber auch schon Heraklit hat gesprochen: ähnlich, wie wenn einer mit den Wänden plauderte, thun die, welche zu dem Leblosen hinzutreten wie zu Göttern. Auch die Perser denken so, wie Herodot erzählt.

Kommentar

Der Wahre Logos II.31

Original:

Ὡς εἴ γε ὁ λόγος ἐστὶν ὑμῖν υἱὸς τοῦ θεοῦ, καὶ ἡμεῖς ἐπαινοῦμεν.


Übersetzung Karl Theodor Keim:

Ist euch aber im Ernste "das Wort" ein Sohn Gottes, so loben auch wir das.

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

II.31(4):

Verweis auf V.14:

{…}

Und ewiges Leben einer Seele möchte er darreichen können. Leichname aber, sagt Heraklit, sind verwerflicher als Misthaufen. Fleisch also, voll von Dingen, von denen auch nicht zu reden schön, zu einem ewigen bestimmen wider Vernunft wird Gott weder wollen noch können. Denn er ist die Vernunft alles Seienden; nichts also vermag er wider Vernunft noch wider sich selbst zu thun (5,14)(4).


{Fußnoten}

4) Vgl. VI.71. Zeller, theol. Jahrb. 1852, 297 ff. Die Logoslehre haupts. bei Heraclit und bei Stoikern vgl. bes. Lassalle 1, 320 ff. Max Heinze, die Lehre vom Logos in der griech. Philos. 1872.

Der Wahre Logos IV.65

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Welches die Entstehung des Bösen, ist zwar nicht leicht zu erkennen dem, der nicht philosophirt hat; es genüft aber, wenn für die Masse gesagt ist, dass aus Gott zwar nichts Böses ist, dass es aber der Materie anhaftet und dem Sterblichen innewohnt, dass von Anfang bis zu Ende der Kreislauf des Sterblichen ähnlich ist und nach den geordneten Kreiserneuerungen dasselbe immer sowohl geworden ist als auch ist und sein wird (5).

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

IV.65:

{Fußnoten}

(5) {…}

Auch Heraklit u. Stoa s. J. Bernays, Rhein. Mus. 7, 100. 9, 242. F. Lassalle, Heracleitos 1858 II, 126 ff.

Der Wahre Logos V.14

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Einfältig aber ist es von ihnen auch zu glauben, wenn Gott einmal wie ein Koch das Feuer herbeigebracht, werde das ganze übrige Geschlecht gebraten werden; sie selber aber allein werden bleiben, nicht nur die Lebenden, sondern auch die längst einmal Gestorbenen, nachdem sie mit jenem ihrem leibhaftigen Fleisch von der Erde wieder aufgetaucht, durchaus die Hoffnung von Würmern! Denn welche Menschenseele möchte noch nach einem verfaulten Leib sich sehnen? Ist doch dieses euer Dogma nicht einmal Einigen unter den Christen genehm und sie enthüllen das sehr Schmutzige, Verabscheungswerthe zugleich und Unmögliche desselben. Denn welcher ganz vernichtete Leib vermag zu seiner anfänglichen Natur zurückzukommen und gerade zu jenem ersten Bestand, aus welchem er aufgelöst worden? Da sie nichts zu antworten haben, so nehmen sie zum unsinnigsten Rückzug ihre Zuflucht: dass Alles Gott möglich sei. Aber mit nichten doch das Schändliche kann Gott, noch will er das Widernatürliche; noch auch, wenn du nach deiner eigenen Schlechtigkeit etwas Unfläthiges begehrst, wird Gott dieses können und ziemt es sich sogleich zu glauben, dass es sein wird. Denn nicht des fehlbaren Begehrens noch der verirrten Unanständigkeit, sondern der geordneten und gerechten Natur Führer ist Gott. Und ewiges Leben einer Seele möchte er darreichen können. Leichname aber, sagt Heraklit, sind verwerflicher als Misthaufen(3). Fleisch also, voll von Dingen, von denen auch nicht zu reden schön, zu einem ewigen bestimmen wider Vernunft wird Gott weder wollen noch können. Denn er ist die Vernunft alles Seienden; nichts also vermag er wider Vernunft noch wider sich selbst thun(4).

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

V.14:

{Fußnoten}

(3) Natur IV.52. Ueber Heraclit's Wort s. Lassalle I, 270 f. 320.

(4) Vgl. VI.71. Zeller, theol. Jarhb. 1852, 297 ff. Die Logoslehre haupts. bei Heraclit und bei den Stoikern vgl. bes. Lassalle I, 320 ff. Max Heinze, die Lehre vom Logos in der griech. Philos. 1872

Der Wahre Logos VI.12

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Von der Weisheit unter Menschen sagen sie, sie sei Thorheit bei Gott. Die Ursache davon ist schon längst gesagt; sie wollen durch diese Rede allein die Ungebildeten und Einfältigen an sich ziehen. Aber auch dieses will ich aufzeigen als ihre Erdichtung und als Entlehnung von den Weisen bei den Hellenen, welche gesagt haben, eine andre sei die menschliche Weisheit, eine andre aber die göttliche. Heraklit sagt: menschliches Wesen nämlich hat keine Erkenntnisse, göttliches aber hat sie; und an andrer Stelle: ein thörichter Mann hört soviel auf einen Dämon, wie nur immer ein Knabe auf einen Mann (2). Und Sokrates redet in der Apologie Platon's so: ich nämlich, o Männer von Athen, habe wegen nichts Anderen als wegen Weisheit diesen Namen gehabt. Welchartige Weisheit aber ist das? Eine solche, welche vielleicht menschliche Weisheit ist; denn in Wahrheit riskire ich in dieser weise zu sein.

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

VI.12:

{Fußnoten}

(2) Nur bei Orig. erhaltene Fragmente. Vgl. Lassalle II, 450 f. Den Satz: ἤθος ἀνθρώπειον οὐκ ἔχει γνώμας κ.τ.λ. übersetzt Lassalle: m. Gessinung hat nicht Erk. Vgl. über Heraklit's Dämonenlehre (πάντα δαιμόνων πλήρη Diog. 9, 1, 6). Lass. a. a. O.; s. negativen Urtheile über die ἀξύνετοι ἄνθρωποι b. Ueberweg 45.

Der Wahre Logos VI.42

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Woher aber die Missverständnisse der Räthselreden in Betreff des Gegner's Gottes? Einen gewissen göttlichen Krieg deuten räthselhaft die Alten an; Heraklit seinerseits, indem er so sagt: "man muss wissen, dass der Krieg allgemein ist und Recht Streit ist und dass Alles im Weg von Streit entsteht und betrieben wird"(3). Pherekydes aber, der viel älter als Heraklit gewesen, macht den Mythos von einem Heere, welches sich gegen ein Heer aufstellt und gibt als den Führer des einen Kronos, des anderen Ophioneus (Schlangengott), erzählt ihre Herausforderungen sowohl als Wettkämpfe; eine Uebereinkunft aber komme ihnen zu Stand, dass welcher von beiden Theilen in den Ocean (Ozenos) falle, dieses die Besiegten seien, die aber, welche sie hinausgestossen und besiegt haben, den Himmel besitzen sollen. Mit dieser Absicht hängen auch zusammen die Mysterien in Betreff der Titanen und Giganten, welche Götterkrieg ankündigen, und die egyptischen Erzählungen über Typhon, Horos und Osiris. Jenes aber ist nicht ähnlich den Reden über einen Teufeldämon oder, was wahrer, einen betrügerischen menschlichen Rivalen. Auch Homer deutet Aehnliches an, wie Heraklit und Pherekydes und die Einführer der Mysterien von Titanen und Giganten, in den Worten des Hephästos zu Hera:
Denn schon einmal vordem, da zur Abwehr kühn ich genaht war,
Schwang er mich hoch, an der Ferse gefasst, von der heiligen Schwelle

und in den Worten des Zeus zu Hera so:
Denkst du nicht, wie du hcoh herschwebetest und an die Füss' ich
Zween Ambosse gehängt und ein Band um die Hände geschürzet
Golden und unzerbrechlich? Aus Aetherglanz und Gewölk her
Schwebtest du; ringsum traurten die Ewigen durch den Olympos.
Doch nicht wagte zu lösen ein Nahender: wen ich erhaschte,
Schleudert' ich, mächtig gefasst, von der Schwell' ab, dass er hinunter
Fuhr zu der Erd' ohnmächtig (1).

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

VI.42:

{Fußnoten}

(3) Nach der verbess. Lesart Schleiermacher's, welcher auch Zeller u. Lassalle folgt: εἰδέναι χρὴ . . . κ. δίκην ἔριν. Nach der gew. Lesart müsste man übersetzen: wenn es geziemend ist (εἰ δὲ χρὴ), den bestehenden gemeinsamen Krieg auch Recht zu nennen (δίκην ἐρεῖν) s. Lassalle I, 115 ff. 374. Vgl. Πόλεμος πατὴρ πάντων Plut. d. Is. 48. Aristot. Eth. Nic. 8, 2: πάντα κατά ἔριν γενέσθαι. Diog. L. 9, 1, 6 § 8: τὸ ἐπὶ τ. γένεσιν ἄγον καλεῖσθαι πόλεμον κ. ἔριν.

(1) Ilias I, 590 ff. 15, 18 ff.

Der Wahre Logos VII.45

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Wenn ihr das nicht verstehet, so schweiget und verhüllet in Schaam eure Unwissenheit und saget nicht, dass blind seien die Sehenden und lahm die Laufenden, während ihr selbst gänzlich in den Seelen gelähmt und verstümmelt seid und dem Leibe lebet, das heisst dem todten.

Kommentar

{Paraphrase von Heraklits Fragment 95 (Denn seinen Unverstand bergen ist besser)?}

Der Wahre Logos VII.62

Übersetzung Karl Theodor Keim:

Stellen wir uns aber auf eine andere Seite: sie ertragen es nicht, indem sie Tempel sehen und Altäre und Bildsäulen (1). Denn auch Skythen haben das nicht, noch die libyschen Nomaden, noch die götterlosen Serer und andere Völker, die jeweilig gottlosesten gesetzlosesten. Dass aber auch die Perser solches Herkommen haben, erzählt Herodot in Folgendem: "von den Persern aber sind mir folgende Bräuche bekannt. Götterbilder und Altäre und Tempel zu errichten, haben sie so gar nicht im Brauch, dass sie vielmehr denen, die das thun, Thorheit vorwerfen, wie mir scheint, weil sie nicht mit den Hellenen dafür hielten, dass die Götter menschenartig seien". Und fürwahr auch Heraklit spricht seine Ansicht so etwa aus: "und zu diesen Bildsäulen beten sie, wie wenn Jemand zu den Zimmerwänden schwatzte, weder Götter erkennend noch Heroen, welches Wesens sie sind(3)". Was Weiseres wenigstens also gegenüber Heraklit lehren sie uns? Er seinerseits wenigstens deutet sehr geheim an, dass es einfältig sei, zu den Bildsäulen zu beten, wenn einer nicht erkennt Götter und Heroen, welchartig sie sind. Heraklit nun so; sie aber entehren geradeaus die Bildsäulen(1). Geschieht es, weil der Stein oder das Holz oder Erz oder Gold welches der und der gearbeitet, nicht wohl Gott wäre, so ist lächerlich die Weisheit.

Kommentar

Keim, Karl Theodor: Celsus' wahres Wort. 1873:

VII.62:

{Fußnoten}

(1) VII.62: στῶμεν δ᾽ ἐκεῖθεν. Uebergang zu neuer (aber nicht etwa christlicher) Betrachtungsreihe, nachdem in VII.58 der Schluss der geschichtsphilosophischen Vergleichung gemacht ist. In VII.62 kommt Heraklit doch sehr zufällig und Scythen, Serer, Perser treten hier vor dem Philosophen auf. Die neue Betrachtungsreihe gibt neue Momente hauptsächlich der praktischen Frömmigkeit und zugleich der praktischen Staatsfragen und zeichnet sich auch durch versöhnlichere Gesinnung aus. Vgl. Einl. IV. Zur Sache vgl. Minuc. F. 8: templa ut busta despiciunt, deos despuunt, rident sacra, miserentur miseri, si fas est, sacerdotum. Just. ap. I.24 Athenag. leg. 12: μετροῦντες τὴν εὐσέβειαν θυσιῶν νόμῳ. - Ἐπικαλοῦσι τὸ μὴ τοὺς αὐτοὺς ταῖς πόλεσι θεοὶς προσιέναι κ. ἄγειν.

(3) Schon I.5. Auch bei Clem. A. protrept. c. 4, 30 vgl. Plut. d. Isid. 77. Gegen den Schleiermacher'schen Verdacht jüdischen Ursprungs dieses angeblich Heraclit'schen Satzes, indem selbst Celsus von alexandr. Juden getäuscht worden wäre, erklärt sich mit Recht Lassalle, Herakleitos I, 269 ff. Vgl. Ueberweg 45. Lassalle übersetzt: "mit den Häusern" reden. Aber vgl. schon Lact. 2, 2: ad parietes.

(1) Zu Heraklit vgl. VI.12. - VII.62: ἄντικρυς ἀτιμάζουσι. VII.36: εἵδωλα βλαςφημοῦντες. Näher VIII.38.

Numenios von Apameia | Νουμήνιος ὁ ἐξ Ἀπαμείας

* 2. Jh. CE - † 2. / 3. Jh. CE | Mittelplatoniker, Vorläufer der Neupythagoreer & Neuplatoniker

On the Dissension of the Academics towards Plato 25 (PE xiv. 5.10 - 6.14, 729b - 733d):

Translation George Boys-Stones:

'Arcesilaus and Zeno took up with Polemo – I shall mention them again at the end. I remember saying that Zeno spent time with Xenocrates, then Polemo, then Stilpo to learn Cynicism: now, then, let his association with Stilpo, and with his Heraclitean arguments, be credited to his account! For the two of them were rivals, since they were both with Polemo, and they took allies in their battle with each other. Zeno took Heraclitus and Stilpo, and Crates along with them – and Stilpo made him a warrior, Heraclitus made him austere, Crates made him a Cynic. Arcesilaus on the other hand took Theophrastus, the Platonist Crantor and Diodorus, with Pyrrho in addition. Crantor made him persuasive, Diodorus made him a sophist, and Pyrrho made him versatile, reckless, and elusive [lit.: nothing]. This is the origin of the insulting parody about him:

Plato in front and Pyrrho behind, Diodorus between them. [cf. Iliad 6.181]

Kommentar

Fragments of unknown works 30 (Porphyry, Cave of the Nymphs 10):

Translation George Boys-Stones:

Nymphs which represent the powers of the waters we call, specifically, 'Naiads', a name used by the Pythagoreans to refer in general to all souls descending into generation. For they think that the souls settle on the water which contains the breath of god, as Numenius says, adding that it is because of this that the prophet said that the spirit of god was borne over the water, and because of this that the Egyptians place all their daemons not on anything solid but, in every case, on a ship – the Sun and absolutely all of them. One is supposed to understand by them the souls floating on water as they descend to generation. This is also why Heraclitus said that ‘to become moist is pleasure, not death, for souls’: the fall to generation is a pleasure for them. Elsewhere Heraclitus says that we live their death and they live our death, which is why the poet calls those in the realm of generation 'liquid', as their souls are wet. Blood and humid seed are dear to them as well, and water nurtures plants.

Kommentar

Fragments of unknown works (Calcidius, in Tim. 297.7-301.20 Waszink):

Translation George Boys-Stones:

So the Stoics agree that matter is unformed and without quality just as Pythagoras does, but Pythagoras thinks that this is also evil, while the Stoics think that it is neither good nor evil. Further down the road, however, when the Stoics encounter evil and are asked where evil comes from, they blame it on 'aberration'. But they don’t go on to explain where 'aberration' comes from when, according to them, there are two principles, namely god and matter, and god is good to highest degree and eminence, and matter, they agree, neither good nor bad. Pythagoras is not afraid to defend the truth, even when what he says is surprising and tends to contradict common belief. For he says that, if providence exists, evil also must exist. In fact it exists because matter exists and matter is imbued with evil. And if the cosmos is made out of matter, this means that it must be made out of some existing thing that was by nature evil. This is why Numenius praises Heraclitus in his criticism of Homer, who expressed a wish for the destruction and extinction of life’s evils. He did not understand that what he was wishing for was the destruction of the cosmos, since matter, the source of evil, would be eradicated. Again, Numenius praises Plato, because he asserts the existence of two world souls, one thoroughly benevolent, the other, i.e. matter, evil. Although matter is in a state of disordered flux, nevertheless it is alive, since it moves by internal motion which is proper to it, and must be animated by a soul according to the law of all things which move with genuine motion. What is more, matter is the author and guide of the passionate parts of the soul, which have something corporeal and mortal and body-like about them – just as god and reason are author of the rational part. In any case: this world was made from god and matter.

Kommentar

Clemens von Alexandria | Κλήμης ὁ Ἀλεξανδρεύς

* ca. 150 CE - † 211-217 CE | Christ, Theologe, Philosoph, Kirchenvater & Mittelplatoniker

Paidagoges I, 21-22

Übersetzung Otto Stählin:

21. 1. Und die Weisheit ist immerblühend; sie bleibt immer sich selbst gleich und verändert sich niemals. "Ihre Kinder", so heißt es, "sollen auf den Schultern getragen und auf den Knien getröstet werden; wie wenn einen seine Mutter tröstet, so will auch ich euch trösten." (91) Die Mutter zieht die Kinder freundlich zu sich heran; und wir suchen die Mutter, die Kirche.

2. Alles Schwache und Zarte ist nun, weil es wegen seiner Schwachheit Hilfe nötig hat, gern gesehen und angenehm und erwünscht, wobei Gott einem solchen seine Hilfe nicht versagt. Denn wie die (irdischen) Väter und Mütter besonders gern ihre Sprößlinge sehen, die Pferde die Füllen, die Rinder die kleinen Kälber und der Löwe sein Junges und der Hirsch das Hirschkalb und der Mensch sein Kind, (92) so nimmt auch der Vater aller Geschöpfe die zu ihm Geflüchteten gern bei sich auf; und nachdem er sie durch den Geist zur Kindschaft wiedergeboren hat, weiß er, daß sie sanft sind, und diese allein liebt er und hilft ihnen und streitet für sie, und deswegen gibt er ihnen den Namen Kind.

3.(93) Ich rechne auch den Isaak zu den Kindern; mit Lachen wird Isaak übersetzt. Diesen sah spielen mit Rebekka, seinem Weibe und seiner Gehilfin, (94) der sich um alles kümmernde König. Der König (Abimelech war sein Name) scheint mir eine überirdische Weisheit zu sein, die das Geheimnis des kindlichen Spiels erforscht. Rebekka aber übersetzt man mit Geduld.

4. O wie verständig ist das Spiel! Das Lachen hat zur Gehilfin die Geduld, und Zuschauer ist der König. Es frohlockt der Geist der Kinder in Christus, wenn sie in Geduld ihr Leben führen, und dies ist das göttliche Spiel.

22. 1. Ein Spiel dieser Art läßt Herakleitos seinen Zeus spielen. (95) Denn welche andere Betätigung ist für den Weisen und Vollkommenen geziemend als zu spielen und sich mit der Geduld der Guten und der Verwaltung der Guten zu freuen und zusammen mit Gott Feste zu feiern?

2. Es ist aber möglich, das durch die Weissagung Angedeutete auch anders aufzufassen, indem wir uns über unser Heil freuen und darüber fröhlich sind wie Isaak. Es lachte jener aber, weil er vom Tod errettet war, und scherzte und freute sich mit der Braut, die bei unserem Heil Gehilfin ist, der Kirche; ihr ist ein dauerhafter Name gegeben, Geduld, entweder weil sie allein, immer sich freuend, in Ewigkeit bleibt oder weil sie aus der Geduld der Gläubigen (96) besteht, die wir Glieder Christi (97) sind; und das Zeugnis derer, die bis zum Ende beharren, (98) und die dankbare Freude über sie, das ist das geheimnisvolle Spiel und das Heil, das zusammen mit der heiligen Herzensfreude uns zu Hilfe kommt.

3. Der König Christus beobachtet aus der Höhe unser Lachen und betrachtet, "durch das Fenster schauend", (99) wie die Schrift sagt, die Danksagung und den Lobpreis und den Jubel und die Freude, dazu auch die mitwirkende Geduld und die Vereinigung von alledem, seine eigene Kirche, indem er nur sein Angesicht zeigt, das der Kirche fehlte, die durch das königliche Haupt zur Vollendung kommt. (100)

Kommentar

Stählin, Ott: Des Clemens von Alexandreia ausgewählte Schriften Bd. 1. 1934:

S. 14f.:

{Fußnoten}

91 Is. 66, 12 f.

92 Vgl. Plut. Mor. p. 495 AB.

93 Zum Folgenden vgl. Gen. 26, 8 und Philon, De plant. 169f.; Quaest. in Gen. IV 188. 

94 Vgl. Gen. 2, 18.

95 Vgl. Herakleitos Fr. 52 Diels.

96 Vgl. Offenb. 14, 12.

97 Vgl. 1 Kor. 6, 15; Eph. 5, 30.

98 Vgl. Matth. 10, 22; 24, 13; Mark. 13, 13. 

99 Gen. 26, 8.

100 Vgl. Eph. 1, 22; 5, 23; Kol. 1, 18.

Paidagoges II, 29-30

Übersetzung Otto Stählin:

29. 1. Mit Recht ermahnt also auch der Apostel: "Berauscht euch nicht an Wein, womit viel Liederlichkeit verbunden ist!", (677) indem er auf die Heillosigkeit (τὸ ἄσωστον) der Trunkenheit durch das Wort Liederlichkeit (ἀσωστία) hinwies. (678) Denn wenn auch der Herr bei der Hochzeit das Wasser zu Wein gemacht hat, (679) so erlaubte er doch nicht, daß man sich berauschte; vielmehr machte er die kraftlose (wörtlich: wässerige, durch Wasser verdünnte) Sinnesart, die seit Adam das Gesetz zu erfüllen strebte, lebenskräftig, indem er die ganze Welt mit dem Blute des Weinstocks erfüllte und den Trank der Wahrheit, die Mischung des alten Gesetzes und der neuen Lehre, zur Vollendung der durch die Frömmigkeit schon im voraus versöhnten Zeit darbot. Die Schrift nannte also den Wein als geheimnisvolles Sinnbild des heiligen Blutes, aber die von dem Wein zurückbleibende schale Neige rügte sie mit den Worten: "Etwas Zügelloses ist der Wein, und etwas Gewalttätiges die Trunkenheit." (680)

2. Die richtige Vernunft ist also damit einverstanden, daß man im Winter wegen der Kälte trinkt, bis man nicht mehr friert, soweit man nämlich leicht friert, zur anderen Zeit aber, um den Magen damit in Ordnung zu bringen. Denn wie man Speisen zu sich nehmen soll, um nicht zu hungern, so auch Getränke, um nicht zu dürsten, wobei man sich sorgfältig vor der damit verbundenen Gefahr hüten muß; (681) denn gar sehr gefährlich ist das heimliche Eindringen (des übermäßigen Genusses) des Weins.

3. So kann auch unsere Seele rein und trocken und lichtartig bleiben; "ein Lichtstrahl ist aber eine trockene Seele als die weiseste und beste." (682) Deshalb ist sie auch zum Schauen geschickt und ist nicht feucht, so daß sie durch die von dem Wein aufsteigenden Dämpfe einer Wolke gleich ein körperliches Wesen geworden wäre.

30. 1. Man soll sich also keine Mühe um den Chierwein machen, wenn er fehlt, oder um den Ariusier, (683) wenn er nicht da ist. Denn Durst ist das Empfinden eines Mangels und sucht zu dessen Befriedigung das geeignete Hilfsmittel, nicht einen hoffärtigen Trank. Von einer durch Zuchtlosigkeit verdorbenen Begierde stammt die Übersee-Einfuhr von Weinen, da die Seele schon vor dem Rausch in ihren Begierden von Sinnen war.

Kommentar

Stählin, Ott: Des Clemens von Alexandreia ausgewählte Schriften Bd. 1. 1934:

S. 91f.:

{Fußnoten}

677 Eph. 5. 18.

678 Vgl. Paid. II 7, 5. 

679 Vgl. Joh. 2, 1—11.

680 Sprichw. 20, 1.

681 Vgl. Just. Ep. ad Zen. et Ser. 12.

682 Vgl. Herakleitos Fr. 118 Diels; das Zitat mit den vorhergehenden Worten auch bei Muson. rell. p. 96, 6—10. 

683 In der rauhen und hafenlosen Gegend Ariusia auf der Insel Chios wuchs ein Wein, der als der beste unter allen griechischen Weinen galt; vgl. Strabon XIV p. 645; Athen. I p.32 F; Plut. Moral, p. 1099 AB; Verg. Ecl. V71u.ö.

Paidagoges II, 99

Übersetzung Otto Stählin:

99. 1. "Ehebruch wohnet bei dir und schändliche Männervermischung, Weibisch und wider das Recht, du Stadt voll Frevel und Unrat."(986)

2. Andererseits aber preist sie die Sittsamen, "Die nicht nach anderem Lager in schimpflicher Weise verlangen Noch auch nach der verhaßten und schrecklichen Schändung von Männern"(987) begehren, weil sie wider die Natur ist. Solches Tun, mit dem sie sich versündigen, hält die Menge für einen Genuß; die aber, die etwas besser sind, erkennen, daß es Sünde ist, unterliegen aber doch der Lust.

3. Und die Finsternis dient ihnen als Deckmantel für ihre Leidenschaften;(988) denn mit seiner eigenen Frau treibt Ehebruch, wer mit ihr in der Ehe wie mit einer Dirne verkehrt;(989) und dabei hört er nicht auf den Erzieher, der sagt: "Der Mensch, der auf sein Lager hinaufsteigt, der in seiner Seele spricht: Wer sieht mich? Finsternis ist rings um mich, und die Wände sind meine Decke, und niemand sieht meine Sünden. Was sollte ich scheuen? Gewiß wird der Höchste nicht (an mich) denken."

4. Ein solcher Mensch ist wirklich zu bedauern, da er "sich nur vor den Augen der Menschen fürchtet" und glaubt, vor Gott verborgen bleiben zu können. "Denn er weiß nicht, daß die Augen des Herrn, des Höchsten, zehntausendmal heller als die Sonne sind und daß sie auf alle Wege der Menschen hinblicken und bis in die verborgenen Winkel hinein (alles) wahrnehmen."(990)

5. So droht ihnen der Erzieher auch wieder durch Jesaias mit dem Wort: "Wehe denen, die im Verborgenen einen Plan ersinnen und sprechen: Wer sieht uns?"(991) Denn vor dem sinnlichen Licht wird vielleicht jemand verborgen bleiben, vor dem geistigen aber ist es unmöglich oder, wie Herakleitos sagt: "Wie könnte jemand vor dem verborgen bleiben, das niemals untergeht?"(992)

6. Wir wollen also niemals die Finsternis zum Deckmantel nehmen; denn das Licht wohnt in uns selbst. "Und die Finsternis", so heißt es, "überwältigt es nicht";(993) vielmehr wird die Nacht erleuchtet durch das sittsame Denken; und die Gedanken tugendhafter Männer hat die Schrift "nie erlöschende Lichter"(994) genannt.

Kommentar

Stählin, Ott: Des Clemens von Alexandreia ausgewählte Schriften Bd. 1. 1934:

S. 139f.:

{Fußnoten}

986 Orac. Sibyll. 5, 166—168.

987 Ebd. 4, 33 f.

988 Vgl. Plut. Moral, p. 654 D.

989 Sext. Pyth. Sent, 231; vgl. Strom. II 143, 1; Plut. Moral.p. 142 C.

990 Sir. 23, 18 f.

991 Is. 29, 15

992 Herakleitos Fr. 16 Diels

993 Joh. 1, 5.

994 Vgl. Weisheit 7, 10.

Paidagoges III, 1-2

Übersetzung Otto Stählin:

I. Kapitel. Über die wahre Schönheit.

1. 1. Es ist also, wie es scheint, die wichtigste von allen Erkenntnissen, sich selbst zu erkennen; denn wenn sich jemand selbst erkennt, dann wird er Gott erkennen. Wer aber Gott erkennt, wird Gott ähnlich werden,(1115) nicht dadurch, daß er goldenen Schmuck oder feierliche Gewänder trägt, sondern dadurch, daß er Gutes tut und so wenig Bedürfnisse als möglich hat; bedürfnislos ist aber Gott allein(1116) , und er freut sich am meisten wenn er uns durch den Schmuck der reinen Gesinnung ausgezeichnet sieht; dann aber auch, wenn unser Körper geschmückt ist, indem er das heilige Gewand, die Sittsamkeit, angelegt hat.

2.(1117) Da nun die Seele aus drei Teilen besteht, so ist die Denkkraft (τὸ νοερόν), die auch λογιστικόν genannt wird, der innere Mensch, der über den sichtbaren Menschen hier herrscht; jenen selbst aber leitet ein anderer, Gott. Die Leidenschaft (τὸ θυμικόν) aber, die etwas Tierisches ist, wohnt nahe bei der Raserei; vielgestaltig ist aber das dritte, das Begehrungsvermögen (τὸ ἐπιθυμητικόν), mehr noch als der Meergott Proteus veränderlich;1118 es nimmt bald diese, bald jene Gestalt an und macht sich für Unzucht und Wollust und Schändung bereit.(1119)

3. "Wahrlich zuerst erschien er als Löwe mit mächtigem Barte!" noch kann ich die Freude am Schmuck ertragen;(1120) das Haar am Kinn ist das Kennzeichen des Mannes; "Aber darauf als Drache, als Panther, als mächtiges Wildschwein;" zur Zuchtlosigkeit ist die Prunkliebe hinabgesunken; nicht mehr ertrage ich es; als ein Tier erscheint der Mensch.

4. "Wurde zum flüssigen Wasser und Baum mit Blättern hoch oben."(1121) Die Leidenschaften strömen dahin, die Lüste sprudeln hervor; die Schönheit verwelkt, und schneller als die Blätter des Baums fällt sie zu Boden, wenn über sie die Stürme der Liebeswut hereinbrechen; und bevor der Herbst kommt, verwelkt sie und geht zugrunde; denn zu allem wird die Begierde, und sie verstellt sich und will täuschen, um den Menschen zu verbergen.

5. Jener Mensch aber, in dem der Logos wohnt, verändert sich nicht, verstellt sich nicht, hat die Gestalt des Logos, wird Gott ähnlich, ist schön, will sich nicht künstlich schön machen; er ist die wahre Schönheit; denn auch Gott ist diese; zu Gott wird aber jener Mensch, weil er will, was Gott will.

2. 1. Richtig sagte also Herakleitos: "Menschen sind Götter, Götter sind Menschen! Denn das Denken ist das gleiche."(1122) Ein offenkundiges Geheimnis! Gott ist im Menschen, und der Mensch ist Gott, und den Willen des Vaters vollführt der Mittler;(1123) denn ein Mittler ist der Logos, der beiden gemeinsam ist: er ist Gottes Sohn und Heiland der Menschen, und er ist Gottes Diener und unser Erzieher.

2. Da aber das Fleisch zum Dienen bestimmt ist, wie auch Paulus bezeugt, wie möchte da wohl jemand vernünftigerweise die Dienerin wie ein Kuppler schmücken? Denn daß das Fleischliche Knechtsgestalt hat, das sagt der Apostel mit Bezug auf den Herrn: "Er entäußerte sich, indem er die Gestalt eines Knechtes annahm",(1124) wobei er den äußeren Menschen einen Knecht nennt, bevor der Herr Knecht wurde und das Fleisch an sich nahm.

3. Aber der bannherzige Gott selbst hat das Fleisch von dem Verderben freigemacht, es aus der todbringenden und bitteren Knechtschaft erlöst und ihm Unvergänglichkeit verliehen, indem er ihm diesen heiligen Schmuck der Ewigkeit anlegte, die Unsterblichkeit.

Kommentar

Stählin, Ott: Des Clemens von Alexandreia ausgewählte Schriften Bd. 1. 1934:

S. 159ff.:

{Fußnoten}

1115 Vgl. 1 Joh. 3, 2.

1116 Vgl. Strom. II 81, 1; Philon, De virtut. (De fort.) 9.

1117 Zu der Dreiteilung der Seele vgl. z. B. Platon, Staat IV p.

1118 Die Veränderlichkeit des Meergottes Proteus war sprichwörtlich; vgl. A. Otto, Sprichw. d. Römer S 289. 

1119 Die drei Verse Hom. Od. 4, 456—458.

1120 Es ist φέρω und dann οὐκέτι καρτερῶ· Θηρίον α.φ. mit J. Jackson zu lesen.

1121 Die drei Verse Hom. Od. 4, 456—458.

1122 Herakleitos Fr. 62, Diels.

1123 Vgl. Joh. 4, 34.

1124 Phil. 2, 7.

Protrepticus I.2 (Vgl. Fr. DK 22B15)

Übersetzung Otto Stählin:

1. Wie kommt es denn, daß ihr so nichtigen Sagen Glauben geschenkt habt und annehmt, daß durch Musik die Tiere bezaubert werden, während ihr der Wahrheit glänzendes Antlitz allein, wie es scheint, für geschminkt haltet und mit ungläubigen Augen betrachtet? Der Kithairon und der Helikon und die odrysischen und thrakischen Berge, Weihestätten des Trugs, sind wegen ihrer Mysterien für heilig gehalten und in Hymnen gefeiert.

2. Mir ist es, wenn es auch nur Sagen sind, unerträglich, daß so viele Unfälle zu Tragödien ausgestaltet werden; euch aber sind die Erzählungen von Unglücksfällen zu Dramen geworden, und die Darsteller dieser Dramen bieten euch ein herzerquickendes Schauspiel. Doch wir wollen einmal die Dramen und die schwärmenden Dichter, die bereits völlig trunkenen, mit Epheu bekränzten, die in bakchischer Raserei gänzlich von Sinnen gekommen sind, samt den Satyrn und dem rasenden Schwarm und zusammen mit der übrigen Schar der Dämonen in Helikon und Kithairon einsperren, die selbst alt geworden sind; dagegen wollen wir von oben aus dem Himmel herabführen die Wahrheit zusammen mit leuchtender Weisheit auf den heiligen Berg Gottes und dazu die heilige Schar der Propheten.

3. Die Wahrheit aber, die ein über alle Maßen glänzendes Licht ausstrahlen läßt, erleuchte allenthalben die, welche in Dunkelheit sich wälzen, und erlöse die Menschen vom Irrtum, indem sie ihnen ihre starke Rechte, d. i. die Erkenntnis, zum Heile hinstrecke! Sie aber mögen ihre Augen erheben und emporblicken und den Helikon und Kithairon verlassen und Zion bewohnen; „denn von Zion wird ausgehen das Gesetz und das Wort des Herrn von Jerusalem“, das himmlische Wort, der wahre Streiter im Wettkampf, der auf dem Theater der ganzen Welt den Siegeskranz erhält.

4. Mein Eunomos singt freilich nicht die Weise des Terpandros und nicht die des Kapion, auch keine phrygische oder lydische oder dorische Tonart, sondern der neuen Harmonie ewige Melodie, die von Gott ihren Namen hat, das neue Lied, das Lied der Leviten; ein süßes und wirksames Mittel gegen Leid, „Lindernd den Schmerz und den Groll, das vergessen macht jegliches Leiden“, ist diesem Liede beigemischt.

Kommentar

Protrepticus II.21-22.3 (Vgl. Fr. DK 22B17 & 14)

Übersetzung Otto Stählin:

21.

1. Das sind die geheimen Mysterien der Athener. Von ihnen erzählt auch Orpheus; ich will dir aber die Worte des Orpheus selbst hersetzen, damit du den Begründer der Mysterien als Zeugen der Schamlosigkeit hast: "Sprach's und raffte empor die Gewänder und zeigte die ganze Bildung des Leibs und schämte sich nicht. Und der kleine Iakchos Lachte und schlug mit der Hand der Baubo unter die Brüste. Wie nun die Göttin dies merkte, da lächelte gleich sie von Herzen, Nahm dann das blanke Gefäß, in dem ihr der Mischtrank gereicht war."

2. Und so lautet der Erkennungsspruch bei den eleusinischen Mysterien: "Ich fastete; ich trank den Mischtrank; ich nahm aus der Kiste; nachdem ich meine Aufgabe erfüllt hatte, legte ich es in den Korb und aus dem Korb in die Kiste." Wahrlich schön ist das Schauspiel und passend für eine Göttin!

22.

1. Würdig sind in der Tat diese Feiern der Nacht und des Feuers und des "großherzigen", vielmehr verblendeten Volkes der Erechthiden und ebenso der übrigen Griechen, deren "nach ihrem Tode ein Schicksal wartet, das sie nicht erwarten".

2. Wem prophezeit dies Herakleitos von Ephesos? "Nachtschwärmern, Zauberern, Bakchen, Mänaden, Mysten"; ihnen droht er Strafe nach dem Tod, ihnen weissagt er das Feuer; "denn die bei den Menschen gebräuchlichen Mysterien werden auf unheilige Weise gefeiert."

3. So sind die Mysterien ein leerer Brauch und ein inhaltsloser Wahn und ein Betrug des Drachen, der göttliche Verehrung fand, indem man sich mit falscher Frömmigkeit den in der Tat unheiligen Weihen und den gottlosen Kultgebräuchen zuwandte.

Kommentar

Protrepticus II.34.5.3-5 (Vgl. Fr. DK 22B15)

Übersetzung Otto Stählin:

3. Wie nämlich Dionysos in den Hades hinabsteigen wollte und den Weg nicht wußte, verspricht ihm jemand namens Prosymnos den Weg zu zeigen, aber nicht umsonst; der verlangte Lohn war aber nichts Schönes, aber dem Dionysos war er recht. Es war Gewährung von Liebesgenuß der Lohn, der von Dionysos verlangt wurde. Das Verlangen entsprach dem Wunsch des Gottes, und er verspricht ihm wirklich, das Verlangte nach seiner Rückkehr zu gewähren, und bekräftigt sein Versprechen mit einem Eid.

4. Er erfuhr den Weg und ging fort; dann kehrte er wieder zurück, aber den Prosymnos trifft er nicht mehr; denn er war gestorben. Voll Verlangen, seinem Liebhaber das eidliche Versprechen zu halten, eilt Dionysos zum Grabe und entbrennt von Begierde. Er schneidet nun den Ast eines Feigenbaums, der gerade zur Hand war, ab, schnitzt ihn zu, daß er einem männlichen Glied ähnlich war, und setzte sich auf den Ast, um dem Toten sein Versprechen zu halten.

5. Als ein mystisches Denkmal an dies Vorkommnis werden dem Dionysos in den Städten Phalloi aufgestellt. "Denn wenn es nicht Dionysos wäre, dem man den Festzug veranstaltet und das Phalluslied singt, dann wäre es ein ganz schamloses Tun", sagt Herakleitos. "Ein und derselbe aber ist Hades und Dionysos, zu dessen Ehre sie schwärmen und trunkene Feste feiern", nicht sowohl wegen körperlicher Betrunkenheit, wie ich meine, als wegen der schmählichen Zurschaustellung zügelloser Ausgelassenheit.

Kommentar

Protrepticus IV.50 (Vgl. Fr. DK 22B5)

Übersetzung Otto Stählin:

1. Als Lehrerin will ich euch die Prophetin Sibylla anführen, "Die nicht Orakel verkündet im Dienste des Phoibos des Lügners, Den nur törichte Menschen als Gott und als Seher erlogen, Sondern im Dienst des gewaltigen Gotts, den nicht Hände der Menschen Bildeten, ähnlich den stummen, aus Stein gehauenen Götzen."

2. Sie also nennt die Tempel Trümmerstätten, wenn sie in folgenden Worten verkündet, daß der Tempel der Artemis in Ephesos "von Erdschlünden und Erdbeben" werde verschlungen werden: "Unaufhörlich wird Ephesos jammern und weinen am Ufer, Wenn nach dem Tempel vergeblich es sucht, der nicht mehr vorhanden."

3. Und von dem Tempel der Isis und des Sarapis in Ägypten sagt sie, daß er werde niedergerissen und verbrannt werden: "Isis, du dreimal unselige Göttin, am Wasser des Niles Bleibst du allein, bist rasend und stumm an Acherons Ufer", und dann etwas später: "Du auch, Sarapis, belastet mit vielen unnützen Steinen, Liegst nach gewaltigem Sturz in Ägyptens unseligem Lande."

4. Wenn du aber auf die Prophetin nicht hören willst, so höre wenigstens, wie dein eigener Philosoph, Herakleitos von Ephesos, den Götterbildern die Gefühllosigkeit vorwirft: "Und sie beten zu diesen Bildern, wie wenn einer mit den Häusern Zwiesprache halten wollte."

5. Oder sind denn das nicht wunderliche Menschen, die sich mit Bitten an Steine wenden, ja sogar sie vor ihren Türen aufstellen, als ob sie lebendig wären, wie sie den Hermes als Gott anbeten und den Agyieus als Türhüter aufstellen? Denn wenn sie sie als gefühllos verhöhnen, warum verehren sie sie dann als Götter? Wenn sie dagegen glauben, daß sie an Empfindungen teilhaben, warum stellen sie sie als Türhüter auf?

Kommentar

Protrepticus V.64-65

Übersetzung Otto Stählin:

1. Wir wollen jetzt, wenn es dir recht ist, die Ansichten besprechen, die die Philosophen über die Götter zu haben sich rühmen. Vielleicht werden wir finden, daß auch die Philosophie selbst aus leerer Eitelkeit den Stoff zu einem Bild der Gottheit macht; oder wir können im Vorübergehen auch nachweisen, daß sie, weil sie die Wahrheit nur im Traume sieht, irgendwelche göttliche Kräfte vergöttlicht.

2. Einige von ihnen haben die Elemente als Urstoffe übrig gelassen; als einen solchen Stoff pries Thales von Milet das Wasser, und Anaximenes, der gleichfalls von Milet war, die Luft; und ihm folgte später Diogenes von Apollonia. Parmenides aber von Elea führte Feuer und Erde als Götter ein; nur das eine von diesen beiden, das Feuer, nahmen als Gottheit an Hippasos von Metapontion und Herakleitos von Ephesos; jedoch Empedokles von Akragas verfiel auf eine Mehrheit und rechnet zu diesen vier Elementen noch Streit und Liebe hinzu.

3. Gottlos waren wahrlich auch diese Männer, die infolge einer Art törichter Weisheit den Stoff verehrten, und zwar nicht Steine und Holz anbeteten, aber deren Mutter, die Erde, vergötterten, und zwar keinen Poseidon bildeten, aber das Wasser selbst anbeteten.

4. Denn was ist Poseidon denn anderes als ein flüssiges Element, benannt nach dem Wort πόσις [Trinken]? Ebenso ist ja auch der kriegerische Ares von* ἄρσις* und ἀναίρεσις [Vertilgung und Zerstörung] benannt.

5. Das ist auch, wie ich glaube, der Grund, warum viele einfach ihr Schwert in den Boden stecken und ihm opfern, als ob es der Ares wäre. Das ist z. B. Sitte der Skythen, wie Eudoxos im zweiten Buch seiner Reisebeschreibung sagt, während die Sauromaten, ein Stamm der Skythen, einen Dolch verehren, wie Hikesios in dem Buch über die Mysterien

sagt.

6. Etwas Ähnliches ist auch der Fall bei Herakleitos und seinen Anhängern, die das Feuer als Urstoff verehren; denn dieses Feuer nannten andere Hephaistos.

65.

1. Auch die Magier der Perser und viele der Bewohner Asiens haben das Feuer verehrt, ferner auch die Makedonen, wie Diogenes im ersten Buch seiner Persischen Geschichte erzählt. Was soll ich noch die Sauromaten erwähnen, von denen Nymphodoros in seinem Werk "Barbarische Sitten" berichtet, daß sie das Feuer verehren, oder die Perser und die Meder und die Magier? Von diesen sagt Dinon, daß sie unter freiem Himmel opfern, da sie nur das Feuer und das Wasser für Sinnbilder der Götter halten.

2. Auch deren Torheit wollte ich nicht verschweigen. Denn wenn sie auch ganz fest davon überzeugt sind, daß sie dem Irrwahn [des Götzendienstes] entronnen sind, so geraten sie doch in einen anderen Trug hinein: zwar haben sie nicht Holz und Steine für Bilder der Götter gehalten wie die Griechen, auch nicht den Ibis und den Ichneumon wie die Ägypter, aber Feuer und Wasser wie die Philosophen.

3. Berossos aber berichtet im dritten Buch seiner Chaldäischen Geschichte von ihnen, daß sie später, nach dem Verlauf vieler Jahre, Götterbilder in Menschengestalt verehrten, als dies Artaxerxes, der Sohn des Dareios Ochos, eingeführt hatte; dieser ließ nämlich als erster das Standbild der Aphrodite Anaïtis in Babylon und Susa und Ekbatana aufstellen und gab den Persern und Baktrern und Damaskos und Sardeis die Weisung, sie zu verehren.

4. Daher sollten die Philosophen eingestehen, daß ihre Lehrer die Perser oder die Sauromaten oder die Magier waren; von ihnen haben sie die gottlose Lehre von den ihnen verehrungswürdigen Urstoffen übernommen; daß der Schöpfer aller Dinge, der auch die Urstoffe selbst gemacht hat, der anfangslose Gott, der Uranfang ist, das wissen sie nicht; aber jene "armseligen und schwachen Elemente", wie der Apostel sagt, die zum Dienste der Menschen geschaffen sind, beten sie an.

Kommentar

Protrepticus X.92 (Vgl. Fr. DK 22B13)

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ferner finden Hunde, wenn sie sich verlaufen haben, durch die Witterung die Spur ihres Herrn; und Pferde, die ihren Reiter abgeworfen haben, gehorchen bisweilen auf einen einzigen Pfiff ihrem Herrn. "Der Ochse," so steht geschrieben, "kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber kennt mich nicht." Was tut nun der Herr? Er grollt nicht, er hat noch Mitleid, er fordert noch eure Sinnesänderung.

2. Ich will euch aber fragen, ob es euch nicht sinnlos dünkt, daß ihr Menschen, obwohl ihr Geschöpfe Gottes seid und von ihm die Seele empfangen habt und ganz ihm gehört, einem anderen Herrn dient und noch dazu dem Tyrannen statt dem Könige, dem Schlechten statt dem Guten Ehren erweist.

3. Denn, im Namen der Wahrheit, wer, der seine gesunden Sinne besitzt, verläßt das Gute und gesellt sich zum Schlechten? Wer ist wohl, der vor Gott fliehen und mit den Dämonen zusammenleben wollte? Wer ist, der Gottes Sohn sein könnte, es aber vorzieht, Sklave zu sein? Oder wer beeilt sich, in das Reich der Finsternis zu gelangen, der ein Bürger des Himmels sein könnte und dem es freistünde, das Paradies zu bebauen und im Himmel umherzuwandeln und Anteil an der lebendigen und reinen Quelle zu haben, auf der Spur jener Lichtwolke durch die Lüfte zu schreiten, wie Elias ausblickend nach dem heilbringenden Regen?

4. Jene aber wälzen sich, wie Würmer in Schlamm und Morast, in den Strömen der Lust und weiden sich an unnützen und sinnlosen Genüssen; sie sind Menschen, die Schweinen ähnlich sind. Denn Schweine, sagt man, "freuen sich am Morast" mehr als an reinem Wassers und sind, wie Demokritos sagt, "gierig auf den Misthaufen aus".

5. Nimmermehr also, nimmermehr wollen wir uns zu Sklaven machen lassen, und nimmermehr wollen wir den Schweinen ähnlich werden, sondern wie echte "Kinder des Lichts" wollen wir zum Lichte emporschauen und hinaufblicken, damit der Herr uns nicht als unecht erweise wie die Sonne die Adler.

Kommentar

Protrepticus XI.113 (Vgl. Fr. DK 22B99)

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ferner sind sonst die Ratschläge und Lehren unwichtig und beziehen sich nur auf Einzelheiten, z. B. auf die Fragen, ob man heiraten, ob man sich am öffentlichen Leben beteiligen, ob man Kinder erzeugen soll; dagegen ist die Gottesfurcht die einzige alles umfassende Lehre und bezieht sich offenbar auf das ganze Leben, indem sie zu jeder Zeit, in jeder Lage auf das oberste Ziel, das Leben, ihr Augenmerk richtet, dementsprechend, daß es überhaupt nur deswegen notwendig ist zu leben, damit wir das ewige Leben gewinnen. Die Philosophie aber ist, wie die Alten sagen, ein für lange Zeit gültiger Rat, da sie für die ewige Liebe zur Weisheit wirbt. Aber "das Gebot des Herrn ist fernhin leuchtend und gibt den Augen Licht".

2. Nimm Christus hin, nimm die Fähigkeit zu sehen hin, nimm dein Licht hin, "Daß du deutlich erkennest den Gott und den sterblichen Menschen!" "Süß" ist das Wort, das uns erleuchtete, "mehr als Gold und Edelstein; es ist ersehnt mehr als Honig und Honigwabe". Denn wie sollte nicht der ersehnt sein, der den in Finsternis begrabenen Sinn licht gemacht und die "lichttragenden Augen" der Seele geschärft hat?

3. Denn wie, "wenn die Sonne nicht wäre, soweit es von den übrigen Gestirnen abhinge, alles Nacht wäre", so würden wir uns, wenn wir das Wort nicht erkannt hätten und von ihm nicht erleuchtet worden wären, in nichts von dem Mastgeflügel unterscheiden, indem wir wie dieses in der Finsternis ernährt und für das Sterben großgezogen würden.

4. Laßt uns das Licht in uns aufnehmen, damit wir Gott in uns aufnehmen können! Laßt uns das Licht in uns aufnehmen und Jünger des Herrn werden! Dies hat er ja auch seinem Vater versprochen: "Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden; inmitten der Versammlung will ich dich preisen." Preise und verkünde mir Gott deinen Vater! Deine Verkündigung wird mich erretten, dein Lobgesang mich unterweisen. Denn bis jetzt ging ich bei meinem Suchen nach Gott in die Irre.

5. Aber seitdem du, Herr, mir auf meinem Wege leuchtest, finde ich durch dich Gott und erlange von dir den Vater; ich werde dein Miterbe, da du dich deines Bruders nicht schämtest.

Kommentar

Stromateis I.2

Übersetzung Otto Stählin:

1. Er deutet damit an, daß der ausgestreute Same des Wortes in der Seele des Lernen- den wie in Erdreich geborgen werde, und dies ist geistige Aussaat. Deshalb fügt er auch hinzu: „Und du wirst dein Herz auf Einsicht hinwenden und wirst es hinwenden auf Ermahnung für deinen Sohn.“ Denn wenn sich bei der Aussaat des Wortes eine Seele mit einer anderen Seele und ein Geist mit einem anderen Geist verbindet, so bringen sie, meine ich, den ausgestreuten Samen zum Wachstum und lassen ihn lebendig werden. Als Sohn aber gilt jeder, der sich dadurch erziehen läßt, daß er dem Erziehenden gehorcht. „Mein Sohn“, so heißt es, „vergiß meine Satzungen nicht!“

2. Wenn aber die Erkenntnis nicht aller Sache ist, so sind die Schriften für die Masse das gleiche wie für einen Esel die Laute, um mit dem Sprichwort zu reden. Die Schweine freuen sich ja mehr am Schlamm als an reinem Wasser.(14)

3. „Deshalb“, so sagt der Herr, „rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie mit sehenden Augen nicht sehen und mit hörenden Ohren nicht hören und nicht verstehen“, womit nicht gesagt ist, daß der Herr das Nichtverstehen bei ihnen herbeiführt (denn solches zu denken, wäre nicht recht), sondern daß er das bei ihnen vorhandene Nichtverstehen in prophetischer Weise aufzeigte und kundtat, daß sie das Gesagte nicht verstehen würden.


{Fußnoten}

14 Vgl. Herakleitos Fr.13 Diels; Protr. 92,4; Strom. II 68,3; 2 Petr 2,22.

Kommentar

Stromateis I.65.4

Übersetzung Otto Stählin:

4. Ferner überredete Herakleitos, der Sohn des Blyson, den Tyrannen Melankomas, seine Herrschaft niederzulegen. Dieser schlug die Einladung des Königs Dareios, nach Persien zu kommen, aus.(355)


{Fußnoten}

355 Vgl. Herakleitos A 3 Diels, Vorsokr. 5. Aufl. I 143,28.

Kommentar

Stromateis I.70

Übersetzung Otto Stählin:

1. Alexandros berichtet in seiner Schrift über die Pythagoreischen Symbole, daß Pythagoras Schüler des Assyriers Zaratos gewesen sei (diesen halten einige für Hesekiel, er ist es aber nicht, wie später gezeigt werden wird) und behauptet, daß Pythagoras außerdem noch Galater und Brahmanen gehört habe.

2. Ferner behauptet der Peripatetiker Klearchos, einen Juden gekannt zu haben, der mit Aristoteles verkehrte.

3. Weiter sagt Herakleitos, die Zukunft sei von der Sibylle nicht aus menschlichem Vermögen, sondern mit Gottes Hilfe geoffenbart worden.(379) Man erzählt ja auch, daß in Delphi neben dem Rathaus ein Felsen gezeigt werde, auf den sich die erste Sibylle gesetzt haben soll, die, von den Musen aufgezogen, vom Helikon dorthin gekommen war. Einige aber sagen, daß sie als Tochter der Lamia, der Tochter Poseidons, aus dem Lande der Malier gekommen sei.

4. Sarapion aber sagt in seinem Gedicht, die Sibylle habe auch nach ihrem Tod nicht aufgehört, die Zukunft zu verkünden, und zwar sei der Teil von ihr, der nach ihrem Tode in die Luft entwichen war, das, was in Stimmen und Rufen die Zukunft verkünde; wenn aber aus ihrem in Erde verwandelten Leib, wie es natürlich ist, Gras emporgewachsen ist und Tiere es abweiden, die gerade an jene Stelle kommen, so geben sie, wie er schreibt, durch ihre Eingeweide den Menschen eine zuverlässige Kunde von der Zukunft; ihre Seele aber ist, wie er meint, das Gesicht, das man im Monde sieht.


{Fußnoten}

379 Herakleitos Fr. 92 Diels, von Clemens aus Plut. Mor. p. 397 A entnommen.

Kommentar

Stromateis I.92-3

Übersetzung Otto Stählin:

1. „Deshalb also“, so sagt der Herr, „sandte ich dich zu den Heiden, damit du ihnen die Augen öffnest, auf daß sie sich von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott bekehren und Vergebung der Sünden und ein Erbteil unter den Geheiligten erhalten durch den Glauben an mich.“

2. Diese „geöffneten Augen der Blinden“ bedeuten die durch den Sohn vermittelte vollkommene Erkenntnis des Vaters, das klare Verständnis des von den Griechen nur in unsicheren Umrissen Erkannten. Und „sich von der Macht des Satans zu bekehren“ bedeutet die Abkehr von der Sünde, durch die die Knechtschaft entstanden war.

3. Indessen loben wir nicht jede Art von Philosophie, sondern nur jene, von der auch Sokrates bei Platon sagt: „Denn es gibt in der Tat, wie die Kenner der Weihen sagen, zwar viele Thyrsosträger, aber nur wenige, die wirklich begeistert sind“, womit er andeuten will, daß der Berufenen viele, aber der Auserwählten nur wenige sind.

4. Das wird ganz deutlich aus dem, was er hinzufügt: „Das sind aber nach meiner Meinung keine anderen als die, welche in der richtigen Weise Philosophie getrieben haben. Um einer von ihnen zu werden, ließ ich nach Kräften im Leben nichts unversucht, bemühte mich vielmehr auf alle Weise darum. Ob ich mich recht bemühte und ob wir etwas erreichten, darüber werden wir, wenn wir dorthin kommen, Gewisses erfahren, so Gott will, gar bald.“

93.

1. Meinst du nicht, daß er auf Grund der hebräischen Schriften deutlich auf die Hoffnung des Gerechten nach dem Tode hinweist? Und im Demodokos, wenn die Schrift wirklich von Platon stammt, sagt er: „Das Philosophieren besteht doch wohl nicht darin, daß man sich sein ganzes Leben lang mit den einzelnen Fächern plagt oder sich ein reiches Wissen zu erwerben sucht und sich mit allen möglichen Dingen abmüht, sondern in etwas anderem, da ich für meinen Teil jenes sogar für eine Schande halte.“

2. Er wußte nämlich, meine ich, daß nach dem Ausspruch des Herakleitos „Vielwissen nicht Verstand haben lehrt“.(491)

3. Und in dem 5. Buch des Staates sagt er: „Werden wir nun diese alle und andere, deren Wißbegierde sich auf irgendwelche Dinge dieser Art richtet, und die Freunde wertloser Künste als Philosophen ansehen? Keineswegs, sagte ich, sondern nur als solche, die Philosophen ähnlich sind. Welche aber, sagte er, hältst du für die wahren Philosophen? Diejenigen, sagte ich, die die Wahrheit zu schauen begierig sind.“

4. Denn nicht in der Geometrie, die es mit Voraussetzungen und Annahmen zu tun hat, und nicht in der Musik, die doch geschickt darin ist, das Richtige zu treffen, und nicht in der Astronomie, die von Lehren strotzt, die die Natur betreffen und schwankend und nur Vermutungen sind, besteht die Philosophie, sie ist vielmehr die Kenntnis des Guten selbst und der Wahrheit, während jene Wissenschaften zwar von dem Guten verschieden, jedoch Wege zum Guten sind.

5. Somit gibt auch Platon selbst nicht zu, daß die allgemeine Bildung zur Erfassung des Guten verhelfe, sondern nur, daß sie dazu beitrage, die Seele zu ermuntern und sie für die geistigen Dinge zu schulen.


{Fußnoten}

491 Herakleitos Fr. 40 Diels.

Kommentar

Stromateis I.129

Übersetzung Otto Stählin:

1. Zuletzt war Kleopatra 22 Jahre Königin; nach ihr kommt noch die 18 Tage dauernde Regierung der Kinder der Kleopatra.

2. Zusammengerechnet ergeben sich für die Zeiten der Makedonischen Könige 312 Jahre 18 Tage.

3. Es ist somit erwiesen, daß die Propheten, die unter Dareios, dem Sohne des Hystaspes, in dem 2. Jahre seiner Regierung wirkten, nämlich Angaios und Zacharias und der zu den Zwölf Propheten gerechnete Angelos, da sie in dem 1. Jahre der 48. Olympiade wirkten, älter sind als Pythagoras, der in die 62. Olympiade gesetzt wird, und älter als Thales, der älteste von den griechischen Weisen, der um die 50. Olympiade lebte.

4. Zeitgenossen waren aber alle die Männer, die zusammen mit Thales zu den Sieben Weisen gerechnet wurden, wie Andron in seinem Werk „Dreifuß“ sagt. Ferner lebte Herakleitos später als Pythagoras; denn er erwähnt ihn in seiner Schrift.

Kommentar

Stromateis II.2

Übersetzung Otto Stählin:

1. Die Fortsetzung dazu muß, wie ich meine, bilden, daß wir uns gegen die Angriffe der Griechen verteidigen, unter Verwendung einiger weniger Schriftstellen, und so versuchen, ob vielleicht auch der Jude, wenn er uns hört, sich allmählich von dem, was er glaubte, zu dem bekehren könnte, den er verworfen hat.

2. Sodann wird sich geeigneterweise gegen die achtenswerten unter den Philosophen ein von Liebe eingegebener Tadel richten sowohl wegen ihres Lebens als auch wegen der Erfindung der neuen Lehren. Dabei wollen wir uns nicht etwa an unseren Anklägern rächen; das liegt uns völlig fern, da wir ja gelehrt worden sind, die zu segnen, die uns fluchen, selbst wenn sie ohne Grund Lästerworte gegen uns vorbringen; vielmehr ist unser Ziel ihre Bekehrung, indem wir versuchen, ob sich die so überaus Weisen vielleicht schämen, wenn sie durch Tadelworte aus Barbarenmund zurechtgewiesen werden, so daß sie, wenn auch spät, schließlich doch einzusehen vermögen, welchen Wert eigentlich die Gelehrsamkeit hat, deretwegen sie die Reisen über das Weltmeer unternehmen.

3. Denn einerseits muß man auch gerade das aufzeigen, was sie nur als gestohlenes Gut besitzen, wodurch ihnen ihr Selbstbewußtsein genommen wird; andererseits muß man das als irrig erweisen, womit sie sich als eigener Erfindungen brüsten als Leute, „die sich selbst erforscht haben“.(969) Nebenher ist auch flüchtig über die sogenannte allgemeine Bildung zu reden, nämlich darüber, wozu sie nützlich ist, und über die Sternkunde und über die mathematische Wissenschaft und über die Weisheit der Magier und über die Zauberkunst.

4. Denn die Panhellenen rühmen sich auch dieser Dinge als gar wichtiger Wissenszweige. „Wer aber mit Freimut tadelt, stiftet Frieden.“


{Fußnoten}

969 Vgl. Herakleitos Fr.101 Diels; Plut. Moral. p. 1118 C.

Kommentar

Stromateis II.7-8

Übersetzung Otto Stählin:

1. Wie sollten aber nicht diejenigen des Lobes würdig sein, die zu lernen bereit und nach Salomons Wort fähig sind, „Weisheit und Bildung kennenzulernen, Worte der Klugheit zu begreifen, künstlich gefügte Reden richtig aufzufassen und wahre Gerechtigkeit zu verstehen“ (damit deutet er an, daß es auch eine andere, nämlich die nicht der Wahrheit gemäß von den griechischen Gesetzen und außerdem von den Philosophen gelehrte Gerechtigkeit gibt),

2. „und richtige Urteile“, so heißt es, „zu fällen“ (damit meint er nicht Gerichtsurteile, sondern deutet an, daß wir die Urteilskraft in uns gesund und unverwirrt erhalten müssen), „damit den Harmlosen Klugheit und einem jungen Kinde Verstand und Einsicht gegeben werde; denn wenn ein Weiser“ (gemeint ist damit, wer gewillt ist, den Geboten zu gehorchen) „dieses hört, wird er noch weiser werden“ in seiner Erkenntnis, „und der Verständige wird Lebensklugheit gewinnen und wird Gleichnisse und dunkle Worte und die Aussprüche von Weisen und Rätselworte verstehen.“

3. Denn die von Gott Erleuchteten bringen nicht trügerische Worte hervor, und ebensowenig diejenigen, die von ihnen abhängig sind, noch legen sie Schlingen, in welche die meisten Sophisten die jungen Leute verstricken, da sie sich in keiner Weise um die Wahrheit bemühen; vielmehr erforschen diejenigen, die den Heiligen Geist besitzen, „die Tiefen Gottes“, d.h. sie werden der in den Weissagungen verborgenen Lehren teilhaftig.

4. Das Heilige aber den Hunden mitzuteilen, ist verboten, solange sie Tiere bleiben. Denn es ziemt sich in keiner Weise, das göttliche und reine Naß, das lebendige Wasser Leuten einzuschenken, die neidischen und erregten und noch ungläubigen Wesens und dazu schamlos genug sind, die Untersuchung durch ihr Gebell zu stören.

8. 1. „Dein Wasser soll sich aus deiner Quelle nicht nach außen ergießen, sondern auf deine eigenen Straßen soll dein Wasser seinen Weg nehmen!“ „Denn die große Masse versteht das nicht, was ihr zufällig begegnet, und wird auch durch Erfahrung nicht klug; sie bildet es sich aber ein“,(1000) nach dem Wort des trefflichen Herakleites.

2. Scheint dir nicht auch er die zu tadeln, die nicht glauben wollen? „Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben“, hat der Prophet gesagt. Aber auch ein anderer Prophet sagt:

„Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr auch nicht verstehen.“

3. Denn wie könnte je eine Seele eine außergewöhnliche Anschauung von diesen Dingen in sich aufnehmen, wenn in ihrem Innern der gegen die Erfahrung gerichtete Unglaube dagegen kämpft?

4. Der Glaube aber, von dem die Griechen schlecht reden, da sie ihn für unbegründet und barbarisch halten, ist eine Annahme aus freiem Entschluß, eine zustimmende Anerkennung der Gottesfurcht, „ein zuversichtliches Vertrauen auf das, was man erhofft, ein festes Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“, nach den Worten des göttlichen Apostels. „Durch einen solchen Glauben“ vor allem „haben sich die Alten ein gutes Zeugnis erworben; ohne Glaube aber ist es unmöglich, Gott wohlzugefallen.“


{Fußnoten}

1000 Herakleitos Fr.17 Diels.

Kommentar

Stromateis II.17

Übersetzung Otto Stählin:

1. Wie könnte jemand, der keine Vorstellung von dem hat, wonach er strebt, das lernen, was er erforschen will? Wenn er es aber gelernt hat, dann erst macht er die Vorstellung zu sicherem Wissen (zu einem festen Begriff)

2. Wenn aber der Lernende nicht lernen kann, ohne daß in ihm eine Vorstellung lebt, die fähig ist, das Gesagte aufzunehmen, so muß er selbst Ohren haben, die fähig sind, die Wahrheit zu hören. „Glücklich ist, der zu Leuten spricht, deren Ohren willig sind zu hören“, wie andererseits auch er selbst (der Hörende) glücklich ist deswegen, weil er hört.

3. Deutlich hören ist gleichbedeutend mit verstehen. Wenn nun der Glaube nichts anderes ist als eine im Denken gebildete Vorstellung hinsichtlich des Gesagten und dies Gehorsam genannt ist und Verstehen und Überzeugtsein, dann wird auch niemand ohne Glauben lernen können, da er es auch nicht ohne Vorstellung (vorgefaßte Meinung) kann.

4. Demnach ist als überaus wahr das Wort des Propheten erwiesen: „Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr auch nicht verstehen.“ Dieses Wort hat auch Herakleitos von Ephesos umschrieben, wenn er sagte: „Wenn er nichts Unverhofftes erhofft, wird er es nicht auffinden, da es unaufspürbar und unzugänglich ist.(“1043)


{Fußnoten}

1043 Herakleitos Fr. 18 Diels.

Kommentar

Stromateis II.24

Übersetzung Otto Stählin:

1. Mit Recht heißt es also bei Salomon: „Weisheit im Munde des Gläubigen.“ Denn auch Xenokrates nennt in seiner Schrift „Über den Verstand ((xxx) phrnäsis)“ die Weisheit das Wissen von den ersten Ursachen und von dem geistigen Sein, wobei er eine zweifache Art von Verstand annimmt, die eine, die auf das Handeln, und die andere, die auf das wissenschaftliche Denken gerichtet ist; darin besteht, wie er meint, die menschliche Weisheit.

2. Deshalb ist zwar die Weisheit eine Äußerung des Verstandes, jedoch nicht jede Äußerung des Verstandes Weisheit. Damit ist aber bewiesen, daß die Kenntnis des Urgrundes aller Dinge auf Glauben, aber nicht auf Beweisen beruht.

3. Denn es wäre auch ungereimt, wenn zwar die Anhänger des Pythagoras von Samos bei ihren Untersuchungen Beweise ablehnen und das Wort „er selbst hat es gesagt“ für ausreichenden Beweis ((xxx) pistis) halten und sich an diesem einzigen Worte für die Bestätigung dessen, was sie gehört haben, genügen lassen, dagegen diejenigen, „die die Wahrheit zu schauen, bestrebt sind“, es wagen sollten, dem glaubwürdigen Lehrer, dem alleinigen Heiland-Gott, den Glauben zu versagen und von ihm Beweise für das Gesagte zu fordern.

4. Er sagt aber: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Und wer ist damit gemeint? Epicharmos soll es sagen: „Geist nur sieht und Geist nur höret; alles sonst ist taub und blind.“

5. Von einigen Ungläubigen sagt Herakleitos tadelnd: „Zu hören nicht fähig und nicht

zu reden“,(1096) wobei er doch offenbar von Salomon abhängig ist: „Wenn du gerne zuhörst,

wirst du es in dich aufnehmen, und wenn du dein Ohr hinneigst, so wirst du weise werden.“


{Fußnoten}

1096 Herakleitos Fr. 19 Diels.

Kommentar

Stromateis II.68

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ein anderer dagegen sagte richtiger, die erste Seligpreisung gelte von denen, die den bösen Gedanken. die von Gott abwichen, nicht folgten; die zweite von denen, die nicht „auf dem geräumigen und breiten Wege“ blieben, mögen es die sein, die unter dem Gesetze aufgewachsen waren, oder auch die, welche sich aus dem Heidentum bekehrt hatten; „Sitz der Unheilstifter“ sind aber wohl die Schauspielhäuser und die Gerichtssäle oder, was noch wahrscheinlicher ist, der Anschluß an die bösen und verderbenbringenden Mächte und die Teilnahme an ihren Werken.

2. „Aber an dem Gesetz des Herrn hat er sein Wohlgefallen.“ Petrus nannte in seiner „Predigt“ den Herrn „Gesetz und Wort,“

3. Der Gesetzgeber scheint aber auch noch auf andere Weise die Enthaltung von den drei Arten von Sünde zu lehren, von den Sünden mit Worten durch den Hinweis auf die stummen Fische; denn in der Tat ist gar manchmal Schweigen besser als Reden. „Es gibt auch des Schweigens nie Gefahr bringende Ehre.“ Von den Sünden mit Taten aber durch die Nennung der fleischfressenden Raubvögel; von den Sünden in Gedanken durch Erwähnung des Schweins; denn „das Schwein freut sich am Morast“(1321) und am Mist; und man soll nicht einmal „ein beflecktes Gewissen“ haben.


{Fußnoten}

1321 Vgl. Herakleotos Fr. 13 Diels; vgl. Protr. 92,4; Strom. I 2,2.

Kommentar

Stromateis II.130

Übersetzung Otto Stählin:

1. Wir dürfen uns aber nicht mit diesen Angaben begnügen und hier Schluß machen, sondern müssen es als eine Ehrensache ansehen, soviel wie möglich auch die Lehren der Naturphilosophen über die vorliegende Frage vorzutragen.

2. Was nun den Anaxagoras von Klazomenai betrifft, so soll er die wissenschaftliche Betrachtung und die aus ihr entspringende innere Freiheit als Ziel des Lebens angegeben haben; Herakleitos von Ephesos soll dagegen die Zufriedenheit als solches genannt haben.(1632)


{Fußnoten}

1632 Herakleitos A 21 Diels, Vorsokr. 5. Aufl. II 13,10.

Kommentar

Stromateis III.13-16

Übersetzung Otto Stählin:

1. Aber gegen diese Leute werden wir ganz ausführlich sprechen, wenn wir die Frage von den Grundursachen behandeln. Die Philosophen dagegen, die wir erwähnten, von denen die Anhänger des Marcion in gottloser Weise die Lehre, daß die Zeugung etwas Böses sei, entnahmen, eine Lehre, deren sie sich dann als einer eigenen Erfindung rühmen, meinen damit nicht, daß die Geburt von Natur etwas Böses sei, sondern nur für die Seele, die die Wahrheit durchschaut hat.

2. Sie lehren nämlich, daß die Seele, die göttlich sei, hierher in die Welt wie in ein Strafgefängnis herabgekommen sei; nach ihrer Ansicht müssen aber die Seelen, die in die Körper eingetreten sind, gereinigt werden.

3. Und diese Lehre ist nicht mehr den Anhängern Marcions zu eigen, sondern denen, die glauben, daß die Seelen in die Körper eingeschlossen werden und dieses Gefängnis wechseln und von dem einen Körper in einen anderen wie in ein anderes Gefäß umgegossen werden. Gegen sie zu reden, wird zu einer anderen Zeit möglich sein, wenn wir über die Seele sprechen.

14. 

1. Bei Herakleitos nun sehen wir, daß er die Zeugung für etwas Schlechtes hält, wenn er sagt: „Wenn sie geboren sind, wollen sie leben und dem Todeslos verfallen oder vielmehr zur Ruhe eingehen, und Kinder hinterlassen sie, daß auch sie dem Tode verfallen.“(1764)

2. Mit ihm stimmt offenbar auch Empedokles überein wenn er sagt: „Als ich den Ort sah, so seltsam und fremd, da weint’ ich und klagte.“ Und ferner: „Denn aus dem Lebenden machte er Totes, die Formen vertauschend.“ Und wiederum: „Wehe dir, elendes Menschengeschlecht, so sehr zu beklagen! Was für ein Streit, was für Seufzer sind’s doch, woraus ihr entsprossen!“

3. Und auch die Sibylle sagt: „Sterbliche Menschen seid ihr und fleischliche, die ihr ein Nichts seid“, ähnlich dem Dichter, der schreibt: „Nichts wohl bringet die Erde hervor, was so schwach wie ein Mensch ist.“

15. 

1. Und Theognis zeigt daß die Geburt böse ist, indem er etwa so sagt: „Sterblichen ist nicht geboren zu sein von allem das Beste, Und von dem Sonnengestirn niemals zu schauen den Strahl; Doch, wenn geboren, aufs schnellste die Tore des Hades zu queren.“

2. Mit ihnen stimmt auch der Tragödiendichter Euripides überein, wenn er schreibt: „Wir sollten, wenn ein Mensch geboren ist, vereint Um ihn nur klagen, weil er in dies Elend kam. Wenn aber einer sterbend sah der Leiden Ziel, Voll Freud’ bestatten ihn und preisen sein Geschick.“(1771)

3. Und wieder sagt er wohl das gleiche in dieser Form: „Wer weiß, ob nicht das Leben wahrhaft sterben ist, Das Sterben aber Leben?“

16. 

1. Das nämliche läßt offenbar auch Herodotos den Solon sagen: „O Krösus, jeder Mensch ist nur ein Spielball des Schicksals.“ Und seine ganze Erzählung von Kleobis und Biton bezweckt deutlich nichts anderes, als die Geburt herabzusetzen und den Tod zu preisen.

2. „Gleich wie die Blätter ist auch das Geschlecht der sterblichen Menschen“, sagt Homeros.

3. Und Platon legt im Kratylos dem Orpheus die Lehre bei, daß die Seele in dem Körper Strafe erleide. Er sagt aber so: „Denn einige sagen auch, daß der Körper ein Grab ((xxx) säma) der Seele sei, da diese für die jetzige Zeit gleichsam in ihm begraben sei; und weil die Seele durch diesen Körper kundtue ((xxx) sämainei), was immer sie kundtue, so werde er deshalb mit Recht (xxx) säma genannt.

4. Diesen Namen scheinen jedoch vor allem die Orphiker gegeben zu haben, da nach ihrer Ansicht die Seele Strafe erleidet für das, wofür sie eben gestraft wird.“


{Fußnoten}

1764 Herklaitos Fr. 20 Diels

1771 Euripides, Kesphontes Fr. 449.

Kommentar

Stromateis III.20-21

Übersetzung Otto Stählin:

1. Und noch deutlicher fügt er hinzu: ”Daran trägt der körperliche Bestandteil ihrer (der Welt) Zusammensetzung die Schuld, das, was mit der früheren Natur verbunden war; denn bevor es zu der jetzigen Ordnung der Welt kam, herrschte eine große Unordnung in ihr?

2. Demungeachtet beklagt er auch in den “Gesetzen” das Menschengeschlecht, indem er so spricht: “Die Götter erbarmten sich des zu Mühsal geborenen Geschlechtes der Menschen und richteten ihnen zur Erholung von ihren Mühen die regelmäßig wiederkehrenden Feste ein.”

3. Und in der Epinomis bespricht er auch die Ursachen des erbarmungswürdigen Zustandes und sagt folgendes: “Denn von Anfang an ist das Werden jedem Lebewesen beschwerlich, zuerst schon weil es den Zustand der im Mutterleibe Getragenen erleiden muß, und dann das Geborenwerden und ferner das Ernährt- und Erzogenwerden, das alles geschieht mit unendlichen Mühen, wie wir alle zugeben.”

21. 

1. Wie ferner? Nennt nicht auch Herakleitos die Geburt Tod, ähnlich wie Pythagoras und Sokrates im Gorgias, wenn er sagt: „Tod ist, was wir sehen, wenn wir wach sind; und was wir im Schlummer sehen, ist Schlaf“(1795)?

2. Aber genug hiervon! Wenn wir aber über die Grundursachen sprechen werden, dann wollen wir auch den Unterschied zwischen den Vermutungen der Philosophen und den Lehrmeinungen der Anhänger des Marcion betrachten. Einstweilen glaube ich, nicht undeutlich gezeigt zu haben, daß Marcion die Anregungen zu seinen „fremden“ Lehren undankbar und unverständig aus Platon genommen hat.


{Fußnoten}

1795 Herakleitos Fr. 21 Diels; vgl. Strom. V 105,2.

Kommentar

Stromateis IV.4

Übersetzung Otto Stählin:

1. Unsere Abhandlungen sollen aber, wie wir schon oft sagten, wegen der Leser, die hemmungslos und unvorbereitet darüber kommen, wie schon ihr Name sagt, Teppichen gleich bunt zusammengefügt sein; sie sollen in ununterbrochenem Wechsel von einem Gegenstand auf den anderen übergehen und im Laufe der Darstellung oft einen anderen Sinn in sich schließen, als die Worte zunächst kundtun.

2. „Die nämlich, die nach Gold suchen“, sagt Herakleitos, „graben viel Erde auf und finden wenig“;(2220) diejenigen aber, die in der Tat zum „goldenen Geschlecht“ gehören und nach dem ihnen Verwandten schürfen, werden in wenigem viel finden. Denn finden wird meine Schrift den einen Leser, der sie versteht.

3. Dem also, der mit Verstand zu forschen vermag, werden die „Teppiche“ meiner Abhandlungen dazu behilflich sein, daß er sich an die Wahrheit erinnert und eine klare Vorstellung von ihr bekommt.

4. Dazu müssen aber auch wir anderes hinzu erarbeiten und hinzu auffinden; denn auch bei denen, die einen ihnen unbekannten Weg gehen wollen, genügt es, wenn man ihnen nur zeigt, wo der Weg führt.


{Fußnoten}

2220 Herakleitos Fr. 22 Diels.

Kommentar

Stromateis IV.9-10

Übersetzung Otto Stählin:

1. In diesem Sinne scheint mir auch Pythagoras Gott allein weise genannt zu haben (denn auch der Apostel schreibt in dem Brief an die Römer: “... des zur Erzielung von Glaubensgehorsam unter allen Völkern Bekanntgemachten, dem allein weisen Gott durch Jesus Christus“), sich selbst aber wegen seiner Liebe zu Gott einen Philosphen (d.h. einen Freund der Weisheit).”Gott sprach mit Moses“, so heißt es daher,”wie ein Freund mit einem Freunde.”

2. Das Wahre ist also Gott offenbar; so hat denn die Wahrheit in ihm ihren Ursprung; der Gnostiker aber liebt die Wahrheit. “Gehe hin zur Ameise”, so heißt es, “du Träger, und werde ein Schüler der Biene!”, sagt Salomo.

3. Denn wenn jedes Geschöpf eine einzige seinem Wesen entsprechende Art der Betätigung hat und dies beim Rind ebenso wie bei dem Pferd und bei dem Hund der Fall ist, was sollen wir da beim Menschen als die für ihn eigentümliche Art der Betätigung angeben?

4. Er gleicht aber, wie ich meine, einem Kentauren, dem thessalischen Geschöpf, da er aus einem vernünftigen und einem unvernünftigen Teil zusammengesetzt ist, aus Seele und Leib. Der Leib aber bearbeitet die Erde und strebt zur Erde, die Seele dagegen ist auf Gott hin ausgerichtet, wenigstens soweit sie durch die wahre Philosophie erzogen wird.

5. Und sie eilt den mit ihr Verwandten droben zu, nachdem sie sich von den Begierden des Körpers und mit ihnen zugleich von Mühsal und Furcht abgekehrt hat; freilich haben wir gezeigt, daß auch das Erdulden und die Furcht zum Nutzen gereichen können.

6. Denn wenn “durch das Gesetz Erkenntnis der Sünde kommt”, wie die sagen, die das Gesetz anklagen, so werden wir ihnen entgegenhalten: “Auch schon vor dem Gesetz war Sünde in der Welt”, aber “ohne Gesetz ist die Sünde tot”.

7. Denn wenn man die Ursache der Furcht, nämlich die Sünde, wegnimmt, so hat man auch die Furcht weggenommen, noch weit mehr aber die Strafe, wenn nicht vorhanden ist, was seinem Wesen nach von Begierde erfüllt ist. “Denn für einen Gerechten ist das Gesetz nicht vorhanden”, sagt die Schrift.

10.

1. Richtig sagt also Herakleitos: „Der Dike (des Rechtes) Name würde man nicht kennen, wenn es dieses (das Unrecht) nicht gäbe.“(2247) Und Sokrates sagt, um der Guten willen wäre das Gesetz nicht entstanden.

2. Aber auch dies verstanden die Ankläger nicht, daß, wie der Apostel sagt, „wer den Nächsten liebt, nichts Böses tut“. „Denn die Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht stehlen! und wie die Gebote sonst lauten, all das wird in diesem einzigen Satze zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten wie dich selbst lieben!“

3. Dementsprechend heißt es wohl: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen lieben, und du sollst deinen Nächsten wie dich selbst lieben!“ Wenn aber der, der den Nächsten liebt, nichts Böses tut, und wenn alle Gebote in der einen Forderung der Liebe zum Nächsten zusammengefaßt werden, so wollen die Gebote, die die Furcht drohend über den Menschen schweben lassen, Liebe, nicht Haß bewirken.


{Fußnoten}

2247 Herakleitos Fr. 23 Diels.

Kommentar

Stromateis IV.15-16

Übersetzung Otto Stählin:

1. Darum ist ihre Seele auch nicht rein, wenn sie von ihnen (aus dem Körper) entlassen wird, sondern sie schleppt die Begierden wie Bleigewichte mit sich, abgesehen von einigen unter ihnen, die sich durch ihre Tugend ausgezeichnet haben.

2. Es gibt aber auch solche, die im Kriege mit Begierden sterben; dann ist es bei ihnen durchaus nicht anders, als wenn sie an einer Krankheit hinsiechten.

3. Wenn daher das Bekenntnis zu Gott ein Zeugnisablegen ist, so ist jede Seele, die in der Erkenntnis Gottes einen reinen Wandel führte und den Geboten gehorsam war, mit ihrem Leben und mit ihrem Reden eine Zeugin, wie sie auch immer vom Körper scheiden mag, da sei das ganze Leben hindurch und dazu auch beim Scheiden aus ihm durch die Darbringung ihres Glaubens gleichsam ihr Blut vergießt.

4. Dementsprechend sagt der Herr in dem Evangelium: „Wer Vater oder Mutter oder Brüder verläßt“ und die folgenden Worte: „um des Evangeliums und meines Namens willen“, der ist selig, indem er nicht das einfache Zeugnis ablegt, sondern das gnostische, da er durch die Liebe zum Herrn nach der Richtschnur des Evangeliums wandelte.

5. Denn mit der Kenntnis des Namens und dem Verständnis des Evangeliums ist wirkliche Erkenntnis gemeint und nicht, daß man nur davon redet, wie daraus klar ist, daß er die weltliche Familie verläßt, daß er ebenso sein Vermögen und seinen ganzen Besitz verläßt, um in seinem Leben nicht leidenschaftlich davon abhängig zu sein. Denn mit „Mutter“ wird allegorisch das Vaterland und die nährende Heimaterde bezeichnet und mit „Väter“ die staatlichen Gesetze.

6. Über all das muß sich der hochsinnige Gerechte mit Dankbarkeit erhaben fühlen, um Gottes Freund zu werden und den Platz zur Rechten im Heiligtum zu erlangen, wie es auch die Apostel getan haben.

16. 

1. Sodann sagt Herakleitos: „Die im Kriege Gefallenen werden von Göttern und Menschen geehrt“,(2272) und Platon schreibt im fünften Buch des Staats: „Was nun die im Felde Gefallenen betrifft, werden wir nicht den von ihnen, der ruhmvoll geendet hat, in erster Linie für einen Sprößling des goldenen Geschlechtes erklären? – Ganz gewiß.“.

2. Das goldene Geschlecht stammt aber von den Göttern, die im Himmel und in der Fixsternsphäre wohnen und vor allem mit der Leitung der über die Menschen waltenden Vorsehung betraut sind.

3. Einige von den Irrlehrern aber haben den Herrn falsch verstanden, hängen gottlos zugleich und feige am Leben und behaupten, das wahre Märtyrertum sei die Erkenntnis des wahrhaft seienden Gottes, was auch wir zugeben; wer aber sein Bekenntnis mit dem Tod besiegle, der töte sich selbst und sei ein Selbstmörder; auch andere derartige schlaue Erfindungen der Feigheit bringen sie vor. Gegen sie wird geredet werden, wenn es die Zeit erfordert; sie weichen nämlich von uns in der Lehre von den Grundursachen ab.


{Fußnoten}

2272 Herakleitos Fr. 24 Diels.

Kommentar

Stromateis IV.48-49

Übersetzung Otto Stählin:

1. „Was mit Gewalt du meinem Sinn entlocken willst, Das wist du nie erfahren, magst mit Feuersglut Mich brennen oder auch vom Scheitel bis zu Fuß Durchsägen mich, magst foltern mich auf alle Art“, sagt in der Tragödie ein Weib furchtlos mit männlichem Sinn.

2. Und Antigone verachtet das Gebot des Kreon und sagt mutig: „Nicht Zeus ja war es, der mir dies geboten hat.“

3. Gott aber ist es, der uns gebietet und dem wir gehorchen müssen. „Denn mit dem Herzen glaubt man ihm zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde bekennt man ihn zum Heil. Sagt doch die Schrift: Jeder, der auf ihn vertraut, wird nicht zuschanden werden.“

4. Mit Recht also schreibt Simonides: „Die Sage geht, es Wohne die Tugend hoch auf unersteiglichem Felsen, Und schneller Nymphen heilige Schar umsorge sie, Aber kein Sterb- licher kann sie je erblicken, Wer saueren Schweiß nicht von der Stirne rinnen läßt, Und nicht zur Höhe tapfer steigt.“2403

49. 

1. Und Pindaros sagt: „Die Sorgen der Jugend, hin und her mit Mühe gewälzt, Ernten Ruhm; die Werke leuchten mit der Zeit, Strahlend empor bis zur Himmelhöhe.“(2404)

2. An diesen Gedanken schließt sich auch Aischylos an, indem er sagt: „Dem, der sich anstrengt, dem gebührt Als Frucht der Mühe Ruhm, geschenkt von Götterhand.“(2405)

3. „Größerem Tod wird größeres Los zuteil“, wie Herakleitos sagt.(2406)

4. „Wer ist ein Knecht noch, wenn er nach dem Tod nichts fragt?“(2407)

5. „Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Knechtschaft gegeben, daß wir uns wieder fürchten müßten, sondern einen Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht davor, das Zeugnis für unseren Herrn abzulegen, und auch nicht meiner, der ich seinetwegen ein Gefangener bin“, schreibt der Apostel an Timotheus.

6. Ein solcher wird aber der sein der nach den Worten des Apostels „am Guten festhält, das Böse verabscheut, ungeheuchelte Liebe hat“. „Denn wer den anderen liebt, hat da- mit das Gesetz erfüllt.“

7. Wenn aber „der Gott der Hoffnung“ der ist, für den wir Zeugnis ablegen, wie er es in der Tat ist, so bekennen wir unsere Hoffnung, indem wir auf die Hoffnung zustreben. Aber „die von Rechtschaffenheit Erfüllten“, so heißt es, sind „mit aller Erkenntnis ausgerüstet.“


{Fußnoten}

2404 Pindar Fr. 227 Schroeder.

2405 Aischylos Fr. inc. 315.

2406 Herakleitos Fr. 25 Diels.

2407 Euripides Fr. inc. 958; vgl. Philon, Quod omn. prob. lib. 22 (II p. 448 Mang.).

Kommentar

Stromateis IV.50-51

Übersetzung Otto Stählin:

1. Die indischen Philosophen sagen zu Alexandros von Makedonien: „Unsere Körper kannst du zwar von einem Ort zu einem anderen bringen, aber unsere Seelen wirst du nicht zwingen können zu tun, was wir nicht wollen. Das Feuer ist die schlimmste Strafe für die Menschen; das verachten wir.“

2. Dementsprechend zog Herakleitos eines, den Ruhm, allem anderen vor; der Menge aber überlasse er es, erklärte er, „satt zu sein wie das Vieh“.(2414)

3.„Des Körpers wegen sind die meisten Mühen da: Für ihn erfanden wir das gutgedeckte Dach Und graben weißes Silber und besän das Feld, Tun all das andere, was nur immer uns bekannt.“

51.

1. Der Masse mag diese eitle Mühe wertvoll erscheinen; zu uns aber sagt der Apostel: „Das aber wissen wir, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde zunichte werde, auf daß wir der Sünde nicht mehr dienen.“

2. Und fügt der Apostel nicht offenbar auch jene Worte hinzu, um zu zeigen, wie der Glaube von der Masse beschimpft wird? „Denn ich glaube, Gott hat uns Apostel zu den letzten gemacht als Leute, die dem Tode verfallen sind; denn wir sind zum Schaustück geworden für die Welt und für Engel und für Menschen.

3. Bis zur gegenwärtigen Stunde leiden wir Hunger und Durst und sind schlecht gekleidet und müssen uns mißhandeln lassen und führen ein unstetes Leben und plagen uns, indem wir mit unseren Händen arbeiten. Wenn man uns schmäht, segnen wir; wenn man uns verfolgt, so halten wir still; wenn man uns lästert, so geben wir gute Worte; wir sind gleichsam zum Abschaum der Welt geworden.“


{Fußnoten}

2414 Herakleitos Fr. 29 Diels; vgl. Strom. V 59,5.

Kommentar

Stromateis IV.141

Übersetzung Otto Stählin:

1. Was man vom Schlaf sagt, das muß man sich als in gleicher Weise auch vom Tode gesagt denken. Denn beide zeigen ein Sichloslösen der Seele, der eine mehr, der andere weniger. Das kann man auch von Herakleitos lernen:

2. „Der Mensch zündet sich in der Nacht ein Licht an, wenn er für sich gestorben ist und seine Augen erloschen sind; solange er lebt, kommt er, wenn er schläft, dem Gestorbenen nahe, da seine Augen erloschen sind; und wenn er wacht, kommt er dem Schlafenden nahe.“(2754)

3. Denn selig sind diejenigen, die nach dem Wort des Apostels „die Zeit kennen, weil die Stunde da ist, daß ihr nunmehr aus dem Schlafe erwacht. Denn die Rettung ist jetzt näher, als da wir zu glauben anfingen. Die Nacht ist vorgerückt; der Tag ist herbeigekommen. So laßt uns also die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen!“

4. Mit den Worten „Tag“ und „Licht“ bezeichnet er aber sinnbildlich den Sohn, und mit den Worten „Waffen des Lichts“ in übertragenem Sinn seine Gebote. Dementsprechend verlangt man. daß man sich wasche und erst dann zu den heiligen Handlungen und zu den Gebeten komme, rein und geschmückt.


{Fußnoten}

2754 Herakleitos Fr. 26 Diels. Der Text des Bruchstückes ist verderbt; da von den vielen Heilungsversuchen keiner völlig befriedigt, habe ich den überlieferten Text übersetzt.

Kommentar

Stromateis IV.144-145

Übersetzung Otto Stählin:

1. Solcherart sind die lichtscheuen Grundsätze. Und wenn jemand auch unterläßt, Unrecht zu tun, in der Hoffnung auf die von Gott für gerechtes Handeln verheißene Belohnung, so ist auch er nicht aus freiem Willen gut. Denn wie jenen die Furcht, so macht diesen nur der Lohn gerecht, oder vielmehr er zeigt, daß jener gerecht nur scheinen will.

2. Daß aber die Guten nach dem Tode etwas Schönes zu erwarten haben, die Schlechten aber das Gegenteil, das wissen nicht nur die Anhänger der barbarischen Weisheit, sondern auch die Pythagoreer. Denn auch sie sagten, daß für die Weisheitsfreunde die gute Erwartung das Endziel sei. So sagte auch Sokrates im Phaidon, daß die guten Seelen von der Erde „mit guter Hoffnung“ scheiden; und umgekehrt sagt er im Gegensatz dazu Schlimmes über das Schicksal der Schlechten mit den Worten: „Denn sie leben mit der Erwartung von Schlimmem.“

3. Mit ihm stimmt, wie sich zeigt, auch Herakleitos in den Worten überein, die er in bezug auf die Menschen sagt: „Den Menschen steht nach dem Tode bevor, was sie nicht erwarten und was sie nicht ahnen.“(2767)

145. 

1. Göttlich ist daher, was Paulus ganz offen an die Römer schreibt: „Die Drangsal bewirkt Geduld, die Geduld aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung, die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden.“ Denn wegen der Hoffnung auf Zukünftiges ist die Geduld; das Wort „Hoffnung“ wird aber auch in der Bedeutung gebraucht „Erfüllung und Erstattung der Hoffnung“, die „nicht zuschanden werden läßt“, weil man sie nicht mehr schmähen kann.

2. Wer aber auf die bloße Berufung hört, so, wie er berufen ist, eilt weder aus Furcht noch aus Hoffnung auf Freuden auf die Erkenntnis zu. Denn er schaut sich nicht um, ob ein äußerer Gewinn oder Genuß zu seinem Vorteil in Aussicht steht, sondern er ist fromm, indem er von der Liebe zu dem wahrhaft Liebenswerten angezogen und zu dem, was geschehen muß, hingeführt wird.


{Fußnoten}

2767 Herakleitos Fr. 27 Diels; vgl. Protr. 22,1.

Kommentar

Stromateis V.9

Übersetzung Otto Stählin:

1. Und hier muß ich den Dichter von Akragas gar sehr loben, der den Glauben in dieser Form preist: „Freunde, ich weiß ja gewiß, daß die Wahrheit wohnt in den Worten, Die ich verkündigen will; doch sie zu erfassen ist schwierig, Stets für die Menschen; die Seele verschließt sich dem Willen zu glauben.“

2. Deshalb ermahnt auch der Apostel: „Unser Glaube soll nicht auf die Weisheit von Menschen“, die sich anheischig machen, zu überzeugen, „sondern auf die Kraft Gottes gegründet sein“, die allein für sich und ohne die Beweise durch den bloßen Glauben retten kann.

3. „Denn auch was der Bewährteste einsieht oder festhält, ist nur ein Meinen. Aber das Gericht wird freilich die Erfinder und Verfechter falscher Meinungen schuldig sprechen“,(2940) sagt der Weise von Ephesos.

4. Denn auch dieser kannte, belehrt durch die barbarische Philosophie, die durch Feuer erfolgende Läuterung derer, die in ihrem Leben böse waren.(2941) Die Stoiker haben sie später Ekpyrosis (Weltuntergang durch Feuer) genannt. Im Anschluß an jenen lehren sie auch, daß der so und so Beschaffene wieder auferstehen werde, indem sie gerade damit auf die Auferstehung hinweisen.

5. Und Platon sagt, daß die Erde in bestimmten Zeiträumen durch Wasser und Feuer gereinigt werde, mit etwa folgenden Worten: „Schon gar oft und in mannigfacher Weise ist Verderben über die Menschen gekommen und wird weiterhin kommen, am schlimmsten durch Feuersbrünste, Wasserfluten, aber auch auf unzählige andere Weisen mit geringerem Umfang.“

6. Und ein wenig später fügt er hinzu: „In Wahrheit handelt es sich um eine Abweichung der Körper, die sich am Himmel um die Erde bewegen, von ihrer Bahn und um eine in langen Zeiträumen sich wiederholende Vernichtung des Lebens auf der Erde durch ein gewaltiges Feuer.“

7. Sodann fügt er von der Überschwemmung noch hinzu: „Wenn aber die Götter die Erde wieder mit Wasser reinigen wollen und sie überschwemmen, dann bleiben die Leute auf den Bergen am Leben, Rinderhirten und Schäfer; die Menschen aber, die in unseren Städten wohnen, werden von den Strömen ins Meer hinabgeschwemmt.“


{Fußnoten}

2940Herakleitos Fr. 28 Diels. Ich übersetze (xxx) und (xxx),(xxx). Wilamowitz, der den Satz erklärt (Euripides, Hippolytos, S. 237 Anm. 2), will (xxx) lesen, um den Anschluß des folgenden zu erklären (nicht wahrscheinlich). Brinkmann bei K. Reinhardt, Parmenides S. 167 Anm. 1 sieht in den Worten (xxx) nicht die Worte des Herakleitos, sondern des Clemens.

2941Vgl. Herakleitos Fr. 66 Diels.

Kommentar

Stromateis V.50

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ähnliche Rätselworte verwendeten auch die Pythagoreer, wenn sie die Planeten mit einem bildlichen Ausdruck als Hunde der Persephone, das Meer als Träne des Kronos bezeichneten.

2. Und man kann unzählige Stellen finden, wo von Philosophen und Dichtern in Rätselform gesprochen worden ist; ja es gibt ganze Bücher, die den von dem Verfasser beabsichtigten Sinn nur versteckt andeuten, wie z.B. auch die Schrift des Herakleitos „Über die Natur“, der auch gerade wegen dieses Buches „der Dunkle“ genannt worden ist.

3. Diesem Buche ähnlich ist auch die Theologie des Pherekydes von Syros. Ferner stehen die Dichtungen des Euphorion und Aitia (Ursprungssagen) des Kallimachos und die Alexandra des Lykophron und die diesen ähnlichen Dichtungen als Stoffe zur Übung in der Erklärungskunst für die Zunft der Philologen bereit.

Kommentar

Stromateis V.51

Übersetzung Otto Stählin:

1. Es ist also nur natürlich, daß auch die nichtgriechische Philosophie, über die zu sprechen unsere Aufgabe ist, an manchen Stellen in versteckter Form und durch Sinnbilder ihre Weissagungen verkündet, wie wir dargelegt haben.

2. Dementsprechend sind auch die Gebote des Moses aufzufassen, wie jenes allgemein bekannte Verbot: „Ihr sollt kein Schwein und keinen Adler und keinen schnellfliegenden Raubvogel (Habicht) und keinen Raben essen!“

3. Denn das Schwein bedeutet die lüsterne und unreine Begierde nach Speisen und die gierige und unsaubere Zuchtlosigkeit im Liebesgenuß, die immer Reiz empfindet und auf irdischen Genuß bedacht ist und sich im Schlamme(3230) wälzt und für die Schlachtung und das Verderben gemästet wird.

4. Umgekehrt erlaubt er, Tiere zu essen, die gespaltene Klauen haben und wiederkäuen, womit er, wie Barnabas sagt, andeutete, „daß man sich denen eng anschließen soll, die den Herrn fürchten, und denen, die über den besonderen Sinn der Rede, der ihnen mitgeteilt wurde, in ihrem Herzen nachdenken, und denen, die die Forderungen des Herrn im Munde führen und beobachten, und denen, die wissen, daß Nachsinnen ein erfreuliches Werk ist, und die das Wort des Herrn gleichsam wiederkäuen (d.h. immer wieder darüber nachdenken)

5. Was bedeuten aber die gespaltenen Klauen? Daß der Gerechte sowohl in dieser Welt wandelt als auch die heilige Ewigkeit erwartet.“

6. Dann fügt er hinzu: „Ihr seht, wie trefflich die Gesetze sind, die Moses gegeben hat. Aber wie hätten jene dies fassen und verstehen können? Wir aber haben die Gebote richtig erfaßt und verkündigen sie so, wie der Herr es wollte. Denn deswegen hat er unsere Ohren und unsere Herzen beschnitten, damit wir dies verstehen können.“


{Fußnoten}

3230 Herakleitos Fr. 13 Diels; Protr. 92,4 mit Anm.

Kommentar

Stromateis V.59

Übersetzung Otto Stählin:

1. Aber auch der freundschaftliche Verkehr im Kreise des Pythagoras und die doppelte Form der Gemeinschaft unter seinen Anhängern, wobei man die große Menge Akusmatikoi (Zuhörer) und einige wenige andere, nämlich diejenigen, die sich mit wirklichem Eifer der Philosophie befleißigten, Mathematikoi (Schüler) nannte, deuteten daraufhin, daß vor der großen Menge „Immer nur wenig gesagt, das andre verhüllt werden müsse“.

2. Vielleicht hängt auch jene doppelte Art von Behauptungen in der Philosophenschule des Peripatos, wovon die eine das Wahrscheinliche, die andere das wissenschaftliche Gewisse hieß, zusammen mit der Scheidung zwischen Doxa (in der doppelten Bedeutung von „Ehre“ und „Meinung“) und dem wahren Berühmtsein und der Wahrheit.

3. „Und nicht sollen die herrlichen Kränze des Ruhms dich verlocken, Daß du von Menschen sie nimmst um den Preis, daß du mehr sagst, als recht ist.“

4. Die Ionischen Musen(3278) z.B. sagen ausdrücklich, daß die große Masse und die Schein- weisen den Sängern des Volks folgen und seine Bräuche mitmachen, obwohl sie wissen, daß viele schlecht und nur wenige gut sind, daß aber die Besten dem Ruhme nachjagen.(3279)

5. „Denn es ziehen“, sagt er (Herakleitos) „die Besten ein einziges allem anderen vor, unsterblichen Ruhm bei den Menschen; die Masse aber ist vollgefressen wie das Vieh“,(3280) „da sie nach dem Bauch und den Schamteilen und dem, was bei uns als das Schimpflichstegilt, das Glück bemessen“.

6. Und der große Parmenides aus Elea führt seine Lehre von den zwei verschiedenen Wegen in seiner Schrift mit folgenden Worten ein: „Erstens das ruhige Herz der leicht überzeugenden Wahrheit, Zweitens der Sterbliche Wahn, dem verlässige Wahrheit nicht einwohnt.“


{Fußnoten}

3278 „Ionische Musen“ nennt Platon, Sophistes p. 242 D, den Herakleitos. 

3279 Herakleitos Fr. 104 Diels; vgl. Strom. I 61,3.

3280 Herakleitos Fr. 29 Diels; vgl. Strom. IV 50,2.

Kommentar

Stromateis V.88

Übersetzung Otto Stählin:

1. Davon sind Pythagoras und seine Schüler abhängig, wenn sie behaupten, daß der Geist durch göttliche Fügung zu den Menschen gekommen sei, wie auch Platon und Aristoteles zugeben.

2. Wir aber behaupten, daß dem, der gläubig geworden ist, noch dazu der Heilige Geist eingehaucht werde; die Platoniker aber weisen dem Geist, der ein Ausfluß göttlichen Wesens sei, seinen Platz in der Seele, der Seele aber ihre Wohnung im Körper an.

3. Denn durch Joel, einen der zwölf Propheten, ist ganz offen gesagt: „Und darnach wird es geschehen, daß ich von meinem Geist auf alles Fleisch ausgießen werde, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen.“ Aber nicht wie ein Teil Gottes ist der Geist in jedem einzelnen von uns.

4. Wie aber diese Austeilung des Geistes vor sich geht und was denn eigentlich der Heilige Geist ist, werden wir in den Abhandlungen „Über die Weissagung“ und „Über die Seele“ näher zeigen.

5. Aber die Tiefen der Erkenntnis „zu verbergen, ist ein richtiges Mißtrauen“, wie Herakleitos sagt. Denn „infolge davon, daß man an sie (die Tiefen der Erkenntnis) nicht glaubt, entziehen sie sich dem Bekanntwerden“.(3452)


{Fußnoten}

3452 Herakleitos Fr. 86 Diels.

Kommentar

Stromateis V.104

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ohne Zweifel ist Herakleitos von Ephesos dieser Meinung, wenn er lehrt, daß die eine Welt ewig, die andere vergänglich sei, wobei er weiß, daß die letztere, was ihre Einrichtung betrifft, von jener, die irgendeine besondere Beschaffenheit hat, nicht verschieden ist.

2. Daß er aber die aus dem ganzen Stoff bestehende, irgendwie beschaffene Welt als ewig ansah, das zeigt er deutlich, wenn er so spricht: „Die Welt, die gleiche für alle, hat kein Gott und kein Mensch geschaffen, sondern sie war immerdar und ist und wird sein ewig lebendiges Feuer, nach bestimmen Maßen erglimmend und nach bestimmten Maßen verlöschend.“

3. Daß er aber auch lehrte, daß die Welt geworden und vergänglich ist, das beweist die Fortsetzung: „Die Verwandlungen des Feuers sind zuerst Meer, vom Meer aber die Hälfte Erde, die andere Hälfte Glutwind.“(3571)

4. Der Sinn dieser Worte ist nämlich, daß das Feuer von dem das Weltall regierenden Wort und von Gott durch die Luft hindurch in Wasser verwandelt wird, das gleichsam der Keim der Weltbildung ist, den er Meer nennt; daraus entstehen wiederum Erde und Himmel und das von ihnen Umschlossene.

5. Wie die Welt aber wieder in ihr ursprüngliches Element zurückverwandelt und ganz zu Feuer wird, das macht er durch folgende Worte klar: „Das Meer breitet sich aus und erhält sein Maß in dem gleichen Verhältnis, wie es früher war, ehe es zu Erde wurde.“(3572) Das gleiche gilt auch von den anderen Elementen.


{Fußnoten}

3571 Herakleitos Fr. 30.31a Diels.

3572 Herakleitos Fr. 31b Diels.

Kommentar

Stromateis V.105

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ähnliches wie er lehren auch die namenhaftesten Stoiker in ihren Darlegungen über den Weltuntergang durch Feuer und die Weltregierung und über die irgendwie besonders beschaffene Welt und über den ebenso beschaffenen Menschen und über das Weiterleben unserer Seelen.

2. Und Platon wiederum hat im siebenten Buche des Staats das, was hier auf Erden als Tag gilt, nachtartig genannt (wegen des Ausdrucks, meine ich, „die Machthaber dieser Finsternis“), und im Anschluß an Herakleitos(3576) Schlaf und Tod das Herabkommen der Seele in den Leib.

3. Und vielleicht hat der Geist dies mit Hinsicht auf den Heiland vorhergesagt, wenn er durch David spricht: „Ich legte mich nieder und schlief ein; ich erwachte; denn der Herr wird sich meiner annehmen.“

4. Denn er bezeichnet nicht nur die Auferstehung Christi sinnbildlich als ein Erwachen aus dem Schlaf, sondern auch das Herabkommen des Herrn ins Fleisch als Schlaf.


{Fußnoten}

3576 Vgl. Herakleitos Fr. 21 Diels; Strom. III 21,1.

Kommentar

Stromateis V.111

Übersetzung Otto Stählin:

1. Und derselbe mißbilligt stillschweigend den Götzendienst der Menge und fügt deshalb hinzu: „Unedel ist, wer immer eitler Meinung traut Und glaubt, daß ihm von ihr was Gutes kommen kann.“

2. Man darf sich also in seiner Auffassung von der Gottheit nicht nach der Meinung der Menge richten.

3. „Denn das glaub’ich nicht, daß Zeus Die Haltung eines Schurken heimlich nachgeahmt Und wie ein Mensch sich deinem Ehebett genaht“,(3603) sagt Amphion zu Antiope.

4. Sophokles aber schreibt gerade heraus: „Die Mutter dieses Manns hat wirklich Zeus gefreit, Nicht in Gestalt von Gold und auch nicht angetan Mit Schwanenfedern, wie er die Pleuronerin Dereinst geschwängert, sondern als leibhaft’ger Mensch.“

5. Und ein wenig später fügte er hinzu: „Und auf des Ehgemaches Schwelle trat er rasch, der Ehebrecher.“

6. Darauf erzählt er noch offener von der Zuchtlosigkeit des sagenhaften Zeus in folgender Weise: „Er ließ die Speise und das Wasser unberührt Und schritt zum Bett, vor Leidenschaft im Herzen wund, Und jene ganze Nacht bracht’ er in Wollust zu.“

7. Diese Geschichten nun wollen wir dem Unverstand der Theater überlassen. Ganz offen jedoch sagt Herakleitos: „Für diese Lehre aber, die doch ewig ist, haben die Menschen kein Verständnis, sowohl ehe sie davon hören, als auch nachdem sie davon gehört haben.“(3606)


{Fußnoten}

3603 Euripides, Antiope Fr. 210.

3606 Herakleitos Fr. 1 Diels.

Kommentar

Stromateis V.114

Übersetzung Otto Stählin:

1. Euripides aber, der auf der gleichen Bühne seine Tragödien zur Aufführung brachte, sagt: „Siehst du dort oben nicht den Äther unbegrenzt, Wie er mit feuchten Armen rings die Erd’ umschließt? Den halte du für Zeus, den halte du für Gott!“(3613)

2. Und in dem Schauspiel Peirithus bringt der gleiche Tragiker auch folgendes vor: „Der du selbererzeugt, der du alles, was lebt, In des Äthers Bezirk auf das engste umschlingst, Um den ringsum das Licht und die finstere Nacht, Um den schwingt ohne End’ die buntfarbige Schar Der Sterne ohn’ Zahl den Reigen im Tanz.“(3614)

3. Hier hat der den welterschaffenden Geist „den Selbsterzeugten“ genannt; im folgenden aber wird das Wort mit Beziehung auf die Welt gebraucht, in der auch die Gegensätze des Lichtes und der Finsternis vorhanden sind.(3615)

4. Und Aischylos, der Sohn des Euphorion, sagt von Gott außerordentlich würdig: „Zeus ist der Äther, Zeus das Land, der Himmel Zeus, Zeus ist das Weltall, und was drüber, ist er auch.“(3616)


{Fußnoten}

3613 Euripides Fr. 941; vgl. Protr. 25,3.

3614 Euripides, Peirithus Fr. 593; Kritias Fr. Diels, Vorsokr. 5. Aufl. II 384,21; vgl. Anm. zu Strom. V 36,1. 3615 Gegensatz zu Ps 138,12.

3616 Aischilos, Heliades Fr. 70; die Verse gehen vielleicht auf einen orphischen Hymnus zurück; vgl. O:Kern, Orphic. fr. S. 92; dagegen Wilamowitz, Glaube der Hellenen II 133 Anm. 1.

Kommentar

Gladigow, Burkhard: Aischylos und Heraklit. Ein Vergleich religiöser Denkformen. 1962 

S.228:

Schon in der Antike hat man bei Aischylos ein gewisses philosophisches Interesse festgestellt; so sagt Athenaios von ihm: φιλόσοφος δὲ ῆν τῶν πάνυ ὁ Αἰσχύλος(17). Auch ist in der Sp tantike bereits ein Zitat aus Aischylos mit einem Spruch Heraklits in Verbindung gebracht worden: Clemens Alexandrinus fühlt sich bei dem fr. 70 N2 (== 105M) aus den Heliaden an Heraklit fr. 32(18) erinnert. Dort heißt es(19): ὅτε Εὐφορίωνος Αἰσχύλος ἐπὶ τοῦ θεοῦ σεμνῶς σφόδρα φησίν.

Ζεύς ἐστιν αἰθήρ, Ζεὺς δὲ γῆ, Ζεὺς δ᾽ οὐρανός,
Ζεύς τοι τὰ πάντα χὥτι τῶνδε [τοι] ὑπέρτερον.

οἶδα καὶ ἐγὼ Πλάτωνα προσμαρτυροῦντα Ἡρακλείτῳ γράφοντι· ἐν τὸ σοφὸν μοῦνον λέγεσθαι οὐκ ἐθέλει καὶ ἐθέλει Ζηνὸς ὅνομα. Die Verknüpfung beider Fragmente ist allerdings sehr lose; der einzige Berührungspunkt ergibt sich aus dem Ungenügen des Namens 'Zeus'. Die Folgerungen, die daraus gezogen werden, sind hier und dort grundverschieden. Vielleicht könnte man dem Heliadenfragment eher das fr. 67 des Heraklit gegen berstellen: ὁ ϑεὸς ἡμέϱη εὐϕϱόνη, χειμὼν ϑέϱος, πόλεμος εἰϱήνη, κόϱος λιμός . . .; das läßt sich allerdings nur vertreten, wenn man αἰθήρ, γῆ, οὐρανός bei Aischylos als verschiedene Prinzipien der Welt versteht, die in Zeus zusammenfallen. Deutet man dieses Fragment dagegen ausschließlich als pantheistischen Ausdruck, so scheint sich darin orphischer Einfluß zu zeigen, wie er etwa von Pherekydes von Syros ausgeht(20).


{Fußnoten}

18 Heraklit wird nach DIELS-KRANZ» (1960) zitiert.

19 CLEMENSALEXANDRINXTS,Στρώματ.V14,114§4f.

20 Hierzu wichtig W. KIEFNER, Der religiöse Allbegriff des Aischylos, Diss. T b. 1959 mschr., S. 136f.

Stromateis V.115

Übersetzung Otto Stählin:

1. Ich weiß, daß auch Platon dem Herakleitos zustimmt, wenn dieser schreibt: „Eins, das allein Weise, will nicht und will doch auch wieder mit dem Namen Zeus benannt werden.“(3618)

2. Und wieder: „Gesetz ist es, auch dem Willen eines einzigen zu folgen.“(3619)

3. Und wenn du jenes Schriftwort:„ Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ in höherem Sinn erklären willst, so wirst du finden, daß es von dem Ephesier in folgender Weise erläutert wurde: „Unverständige gleichen, auch wenn sie etwas gehört haben, tauben Menschen; auf sie paßt das Sprichwort: Anwesend sind sie doch abwesend.“(3621)

4. Aber willst du auch von Griechen ausdrücklich die Anschauung von einem einzigen Uranfang hören? Der Lokrer Timaios ist in der Schrift über Naturwissenschaft mit folgenden Worten mein Zeuge: „Alles hat einen einzigen Anfang, der ungeworden ist; denn wenn er geworden wäre, dann wäre er nicht mehr der Anfang, sondern der Anfang wäre dann das, woraus der Anfang wurde.“

5. Diese wahre Auffassung hat ihren Ursprung in jenem Wort: „Höre, Israel“, so heißt es, „der Herr, dein Gott, ist ein einziger, und ihm allein sollst du dienen!“

6. „Siehe, er ist erfaßbar für alle und nicht zu verkennen“, wie die Sibylle sagt.


{Fußnoten}

3618 Herakleitos Fr. 32 Diels.

3619 Herakleitos Fr. 33 Diels.

3621 Herakleitos Fr. 34 Diels.

Kommentar

Stromateis V.140

Übersetzung Otto Stählin:

1. Nachdem nun, wie ich meine, deutlich gezeigt ist, in welchem Sinn es aufzufassen ist, wenn die Griechen von dem Herrn Diebe genannt worden sind, will ich gern die Lehren der Philosophen verlassen.

2. Denn wenn wir auch den Wortlaut dieser Lehren mustern wollten, so würden wir nicht damit fertig werden und müßten eine ganze Menge von wissenschaftlichen Werken verfassen, um zu zeigen, daß die ganze Weisheit bei den Griechen aus der barbarischen Philosophie stammt.

3. Trotzdem werden wir diese Frage gezwungenermaßen wieder aufnehmen, wenn wir die bei den Griechen umlaufenden Lehren über die Urgründe zusammenstellen.

4. Indessen liegt es uns auf Grund des Gesagten auch nahe, darüber nachzudenken, auf welche Weise man die griechischen Schriften lesen muß, wenn man imstande ist, dieses wogende Meer ungefährdet  zu durchschwimmen.

5. In der Tat hat, wie es scheint, Empedokles recht, wenn er sagt: “Glücklich ist, wer sich den Reichtum von göttlicher Weisheit erworben, Elend, wen noch umfängt ein finsterer Wahn von den Göttern.” Damit hat er in wahrhaft göttlicher Weise Kenntnis und Unkenntnis als die Grenzsteine von Glück und Unglück bezeichnet.

6. “Denn gar vieler Dinge kundig müssen weisheitliebende Männer sein”,(3732) wie Herakleitos sagt, und in der Tat ist es notwendig, Daß, wer wacker zu sein sich bemüht, in die Irre oft gehe”.


{Fußnoten}

3732 Herakleitos Fr. 35 Diels.

Kommentar

Stromateis VI.17

Übersetzung Otto Stählin:

1. Und nachdem Orpheus gedichtet hatte: „Form der Verwandlung der Seele ist Wasser und Tod des Gewässers; Erde entsteht aus dem Wasser und wiederum Wasser aus Erde; Und aus dem Wasser wird Seele, den ganzen Äther verändernd“,

2. fügt Herakleitos daraus seine Worte zusammen und schreibt ungefähr so: „Für die Seelen ist es Tod, zu Wasser zu werden, für das Wasser Tod, zu Erde zu werden; aus der Erde wird Wasser, aus Wasser Seele.“(3839)

3. Nachdem ferner der Pythagoreer Athamas gesagt hatte: „Demnach ist der Anfang des Alls nicht entstanden, und es gibt vier Wurzeln: Feuer, Wasser, Luft, Erde; denn daraus ist alles Gewordene entstanden“,

4. dichtete Empedokles von Akragas: „Höre zuerst von der vierfachen Wurzel, der alles entsprosen, Feuer und Wasser und Erde, der unendlichen Höhe des Luftraums; Diesen entstammet ja alles, was war und was ist und was sein wird.“

5. Und während Platon sagt: „Deshalb erlösen auch die Götter, die ja das Menschenleben kennen, diejenigen Menschen, die sie am höchsten schätzen, am frühesten vom Leben“,

6. hat Menandros gedichtet: „Den Tod erleidet jung schon, wen die Gottheit liebt.“


{Fußnoten}

3839 Herkleitos Fr. 36 Diels.

Kommentar

Stromateis VI.27

Übersetzung Otto Stählin:

1. Übergehen will ich, daß Herakleitos aus Ephesos das meiste von Orpheus genommen hat.(3926)

2. Platon aber hat auch die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele von Pythagoras übernommen, dieser aber von den Ägyptern.

3. Und viele Anhänger Platons haben Schriften verfaßt, in denen sie beweisen wollen, daß sowohl die Stoiker, wie wir schon anfangs sagten, als auch Aristoteles die meisten und wichtigsten ihrer Lehren aus Platon genommen haben.

4. Aber auch Epikuros hat seine Hauptlehren von Demokritos geraubt.

5. Soviel nun davon. Denn mein Leben würde S. b255 nicht ausreichen, wenn ich alles einzelne durchgehen und den selbstsüchtigen Diebstahl der Griechen nachweisen und zeigen wollte, daß sie als eigene Erfindung die trefflichsten ihrer Lehren ausgaben, die sie doch von uns genommen haben.


{Fußnoten}

3926 Vgl. Orpheus Fr. 226 Kern; Strom. VI 17,1.

Kommentar

Stromateis VI.165

Übersetzung Otto Stählin:

1. Und in der Apostelgeschichte wird berichtet, daß er auch in Athen die Lehre verkündet habe. Er lehrt vielmehr mit jenen Worten, daß die Erkenntnis, die die Vollendung des Glaubens ist, entsprechend der gewaltigen Lehre des Herrn und entsprechend der kirchlichen Glaubensregel noch weit über den (den Korinthern erteilten) Unterricht hinausgehe.

2. Deshalb fügt er auch hernach hinzu: „Wenn ich aber auch ein Laie im Reden bin, so bin ich es doch nicht in der Erkenntnis.“

3. Übrigens sollen uns diejenigen Griechen, die sich rühmen, die Wahrheit erfaßt zu haben, doch sagen, wer der Lehrer war, auf dessen Unterricht sie so stolz sind. Denn sie werden nicht wohl sagen können: „Gott“, sondern es zugestehen: „Menschen“.

4. Und wenn dies der Fall ist, so müssen sie die Wahrheit entweder von sich selbst gelernt haben,(4429) indem sie spät klug geworden sind, wie ja auch wirklich manche von ihnen aufgeblasen sich dessen brüsten, oder von anderen ihresgleichen.

5. Aber Menschen sind als Menschen keine zuverlässigen Lehrer, wenn es sich um Gott handelt. Denn ein Mensch ist als Mensch nicht dazu imstande, auch über Gott die Wahrheit zu sagen, der Schwache und Vergängliche über den Ungewordenen und Unvergänglichen und das Geschöpf über den Schöpfer.


{Fußnoten}

4429 Vgl. Herakleitos Fr. 101 Diels; Strom. II 2,3.

Kommentar

Stromateis VII.5

Übersetzung Otto Stählin:

1. Der erste Beweis dafür, daß man Gott kennt, ist, nachdem man zu der Lehre des Heilands Vertrauen gefaßt hat, daß man in keiner Weise Unrecht tut, in der Überzeugung, daß dies der vollen Erkenntnis Gottes angemessen ist.

2. So überragt auf der Erde alle der frömmste Mensch, überragt im Himmel alle der Engel, das Wesen, das der Gottheit räumlich näher und des ewigen und seligen Lebens bereits völliger teilhaftig ist.

3. Aber am vollkommensten und heiligsten und erhabensten und aller Herrschaft und des Königtums würdigsten und wohltätigsten ist seinem Wesen nach der Sohn, der dem allein Allmächtigen am allernächsten steht.

4. Er ist die höchste, alles überragende Macht, die alles nach dem Willen des Vaters ordnet und das All aufs beste steuert,(4453) mit unermüdlicher und unzerstörbarer Kraft alles hervorbringt, indem sie bei ihrem Wirken auf die verborgenen Gedanken Gottes achtet.

5. Denn nie verläßt der Sohn Gottes jemals seine hohe Aussichtswarte; er wird nie geteilt oder getrennt; er wandert nicht von einem Ort zum anderen, sondern ist zu aller Zeit überall und ist in keiner Weise begrenzt; er ist ganz Geist, ganz Licht vom Vater her, ganz Auge; er sieht alles, hört alles, weiß alles, erforscht mit Macht die Mächte.

6. Ihm ist das ganze Heer der Engel und Götter untertan, da er als das Wort des Vaters die heilige Weltregierung übernommen hat, „um dessen willen, der es ihm unterworfen hat“; nach seinem Willen sind auch alle Menschen sein eigen, aber die einen „mit vollem Verständnis“, die anderen noch nicht; die einen als Freunde, andere als treue Diener, wieder andere einfach als Diener.


{Fußnoten}

4453 Zum griechischen Ausdruck vgl. Herakleitos Fr. 64 Diels.

Kommentar

Iulius Pollux | Ιούλιος Πολυδεύκης

*  143-160 CE - † 238 CE, fl. 183 | Gelehrter & Rhetoriker

Quintus Septimius Florens Tertullianus

* 150-160 CE - † 220-240 CE | Christ, Kirchenschriftsteller & Theologe

An die Märtyrer §4

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Es würde zu weit führen, die einzelnen alle zu nennen, die sich aus eigenem Antriebe mit dem Schwerte umbrachten. Von Weibern fällt mir sogleich Lukretia ein, welche, gewaltsam geschändet, sich angesichts ihrer Verwandten mit dem Messer erstach, um für ihre Keuschheit Ruhm zu erlangen. Mucius verbrannte seine rechte Hand auf dem Opferaltar, damit diese seine Tat berühmt würde. Etwas Geringeres war es, was die Philosophen taten: Heraklit, der sich den Leib mit Kuhmist bestrich und sich verbrannte, ebenso Empedokles, der in die Flammen des Berges Ätna hinabsprang, und Peregrinus, der vor nicht langer Zeit sich dem Scheiterhaufen überlieferte, da ja auch schon Frauen die Feuerflammen verachtet haben, nämlich Dido, als sie, nachdem sie einen ändern geliebt, zum Heiraten gezwungen wurde, und die Gattin des Hasdrubal, welche, als Karthago schon in Flammen stand, mit ihren Kindern in das Feuermeer ihrer brennenden Vaterstadt eilte, um nicht ihren Mann vor Scipio als einen um Gnade Flehenden sehen zu müssen, Regulus, der von den Karthagern gefangene römische Feldherr, wollte nicht, er als einzelner, gegen viele kriegsgefangene Karthager ausgetauscht werden, sondern zog es vor, sich den Feinden zurückgeben zu lassen, und erduldete, in eine Art Kasten gepreßt und von außen allseitig mit Nägeln durchbohrt, ebenso viele Kreuzesqualen. Was die wilden Tiere anlangt, so hat ein Weib sehr danach begehrt und noch nach schlimmeren als Stier und wilder Bär, nämlich Nattern, welche Kleopatra sich ansetzte, um nicht in die Hände ihres Feindes zu fallen.

Kommentar

Apologetikum §46

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Das Christentum ist nicht etwa nur eine neue Art philosophischer Lehre, sondern etwas Göttliches und steht hoch über jeder Philosophie.

Hatten sie nämlich unsern Gott schlechthin gefunden, so behandelten sie die Lehre von ihm nicht, wie sie sie gefunden hatten, sondern so, daß sie auch über seine Beschaffenheit, seine Natur und seinen Wohnsitz Debatten anstellten. Die einen behaupten, er sei unkörperlich, die ändern, er sei körperlich, so einerseits die Platoniker, andererseits die Stoiker; andere, er bestehe aus Atomen, wieder andere, er bestehe aus Zahlen, so einerseits Epikur, andererseits Pythagoras. Einem anderen däuchte es, er bestehe aus Feuer, so Heraklit.

Kommentar

Die Fünf Bücher gegen Marcion I §13

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Die Schöpfung im grossen, wie im kleinen ist bewunderungswert und Gottes würdig, was schon die heidnische Philosophie und Religion beweisen.

Wenn wir einem Gott, für den keine schöpferische Eigenschaft, die Gottes so würdig und so eigentümlich ist, Zeugnis ablegt, diese Würde absprechen, so rümpfen die unverschämten Marcioniten die Nase und greifen zur Herabsetzung der Werke der Schöpfung. Freilich, spotten sie, ist die Welt ein grossartiges und Gottes würdiges Werk! Nun? ist denn euer Demiurg etwa kein Gott? — Doch er ist es. — Dann ist also auch die Welt Gottes nicht unwürdig; denn Gott hat nichts seiner Unwürdiges vollbracht, obschon er die Welt für den Menschen und nicht für sich gemacht hat und jedes Werk geringer ist als sein Urheber. Und doch, wenn es Gottes unwürdig sein sollte, etwas geschaffen zu haben, mag es sein, so gering es will, so wäre es jedenfalls Gottes noch viel unwürdiger, gar nichts geschaffen zu haben, nicht einmal etwas seiner Unwürdiges. Denn dann könnte man doch immer noch hoffen, er werde später bessere Dinge schaffen!

Um also auch etwas über das zu sagen, was an der Welt, welcher die Griechen den Namen Kosmos, d. i. Schmuck, Zierde, nicht etwa Schmutz, gegeben haben, trotzdem Unwürdiges sein soll, bemerke ich, dass die Lehrer der Weltweisheit selbst, von deren Gedanken alle Häresien zehren, die unwürdig sein sollenden Substanzen für Götter ausgegeben haben, so z. B. Thales das Wasser, Heraclit das Feuer, Anaximenes die Luft, Anaximander alle Himmelskörper, Strato den Himmel und die Erde, Zeno den Äther und die Luft, Plato aber die Gestirne, die er das feuerartige Göttergeschlecht nennt. Indem sie nämlich an der Welt die Grösse, Macht, Kraft, Herrlichkeit, Schönheit, Unerschöpflichkeit, Beständigkeit und Regelmässigkeit der einzelnen Elemente betrachteten, welche dazu beitragen, alles hervor- zubringen, zu erhalten, zu vollenden und wieder herzustellen, so fürchteten sie, wie die meisten Physiker, bei ihr einen Anfang und ein Ende zu statuieren, damit nicht etwa ihre Bestandteile, die so gross und erhaben sind, als weniger göttlich erschienen. Auch von den Magiern bei den Persern, von den Hierophanten in Ägypten und den indischen Gymnosophisten werden dieselben göttlich verehrt.

Sogar der gemeine Aberglaube des allgemeinen Götzendienstes nimmt, wenn er sich an seinen Götzenbildern der alten Namen und Geschichten von längst verstorbenen Menschen schämt, zur physikalischen Erklärungsweise seine Zuflucht, verbirgt seine Schande unter geistreichen Redensarten und deutet Jupiter in das Bild einer glühenden Substanz um, Juno stellt er sich luftartig vor, entsprechend dem Wortlaut der griechischen Bezeichnung, Vesta als das Feuer, die Camönen als die Gewässer, die Magna Mater als die des Samens beraubte, mit den Händen durchwühlte von Wasser übergossene Erde. Weil Osiris immer begraben, dann wieder unter den Lebenden gesucht und mit Freude gefunden wird, so deuteln sie, er sinnbilde die sicher immer wiederkehrenden Früchte und die Leben gebenden Elemente des wechselnden Jahres. Ähnlich philosophieren sie über die Löwen des Mithras, welche die Geheimnisse der dürren und schmachtenden Natur vorstellen sollen. In betreff der an Stellung und Rang höhern Substanzen genügt es uns, dass man sie lieber für Götter gehalten hat, als für Gottes unwürdig. Ich will aber auch zu den niedrigen Dingen hinabsteigen. Ein einziges Blümchen, ich meine nur eins von der Hecke, nicht einmal eins vom Blumenbeete, ein Häuschen einer beliebigen Schnecke vom Meer, ich sage nicht einmal vom Roten Meer, ein Federchen vom Auerhahn, vom Pfauen will ich schweigen, werden sie alle Dir predigen, der Schöpfergott sei ein Künstler gewesen, der keine Achtung verdient?

Kommentar

Die Fünf Bücher gegen Marcion II §28

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Die Antithesen, die Marcion gegen Jehova aufgestellt hat, werden umgekehrt und gegen den Gott Marcions angewendet.

Nun will auch ich meinerseits zu der sogenannten Kleinlichkeit, der Bosheit und den sonstigen tadelnden Bemerkungen Gegen-Antithesen gegen Marcion aufstellen.

Wenn meinem Gott unbekannt war, dass es noch einen andern über ihm gebe, so wusste auch der Deinige ganz und gar nicht, dass es noch einen unter ihm gebe. Denn wie der schwer verständliche Heraklit sagt, führt derselbe Weg hinauf wie hinunter. Wenn er es gewusst hätte, so wäre er ihm schon von Anbeginn an entgegen getreten.

Kommentar

Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker 7

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Die Häresien haben ihren Ursprung aus der Philosophie, indem philosophische Ansichten mit christlichen Lehren vermischt wurden. Das sind jene Lehren von Menschen und Dämonen, die da zum Kitzeln der Ohren aus der Erfindungsgabe irdischen Wissens entsprungen sind. Letzteres hat der Herr als Torheit bezeichnet, und das, was vor der Welt töricht ist, erwählt, um auch die Philosophie selbst zu beschämen. Denn sie ist eben das Feld, auf dem die Weisheit der Welt sich bewegt, sie, die voreilige Erklärerin der Natur und der Ratschlüsse Gottes. Auch die Häresien selbst empfangen durch die Philosophie ihre Ausrüstung. Von ihr stammen die Äonen und weiß Gott welche unzählige Gestaltungen, sowie die Dreiteilung der Menschen bei Valentinus - er war nämlich Platoniker gewesen; von daher stammt Marcions besserer Gott, besser infolge seiner Ruhe - Marcion war von den Stoikern herübergekommen; daß der Untergang der Seele behauptet wird - man hat es den Epikureern abgelauscht; daß die Wiederherstellung des Leibes geleugnet wird - man hat es der übereinstimmenden Lehre sämtlicher Philosophenschulen entlehnt; wenn von irgendeinem die Materie Gott gleichgestellt wird - es ist die Lehre des Zeno; wo etwas von einer feurigen Gottheit vorgebracht wird - Heraklitus steckt dahinter. Dieselben Gegenstände werden bei Häretikern und bei Philosophen behandelt, dieselben verwickelten Verhandlungen werden angestellt: Woher das Böse und warum ist es da? Woher der Mensch und wie ist er beschaffen? und Woher ist Gott? eine Frage, die kürzlich Valentinus aufgeworfen hat, um die Antwort zu geben: aus der Enthymesis und dem Ektroma. Du armer Aristoteles!

Kommentar

Über die Seele §2

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Die Philosophen haben zwar in manchen Stücken auch Richtiges gefunden, was mit den Lehren der Offenbarung übereinstimmt, doch sind die angewandten Beweise manchmal nicht stichhaltig, oder wenn die Voraussetzungen richtig, die Folgerungen falsch. So mischt sich bei ihnen Wahres mit Falschem. — Auch die Medizin bereichert unsere Kenntnisse über die Seele.

{…}

Es hat die Philosophie die Freiheit des Gedankens für sich die Medizin hinwiederum die Gebundenheit der Kunst, um den Detailforschungen über die Seele weiten Spielraum zu gestatten. Ungewisse Dinge werden lang und breit erörtert, Vermutungen noch weitläufiger besprochen. Je schwerer die Sache zu beweisen, desto grösser ist die Geschäftigkeit, uns zu beschwätzen, so dass mit Recht der bekannte Heraklit, der dunkle, die übergrossen Dunkelheiten bei den Forschern über die Seele bemerkend, aus Überdruss an ihren Untersuchungen den Ausspruch that: „Er habe, obwohl er den ganzen Weg zurückgelegt, die Grenzen der Seele keineswegs gefunden.” Der Christ aber hat zur Wissenschaft über diesen Gegenstand wenig notwendig. Denn sie ruht allezeit sicher auf wenigen Punkten, und sein Forschen darf nicht weiter gehen als bis dahin, wo ihm das Finden noch verstattet ist; denn „endlose Untersuchungen” verbietet der Apostel. Nun aber darf man nicht finden über das hinaus, was man von Gott lernt, was man aber von Gott lernt, das ist das Ganze.

Kommentar

Über die Seele §3

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Die Philosophie ist die Mutter der Häresien auch im Punkte der Seelenlehre. Über den Ursprung der Seele wird hier nicht gehandelt werden, da derselbe bereits erörtert ist.

Wenn doch die Notwendigkeit, dass es Häresien gebe, damit die Bewährten an den Tag kommen, lieber nicht vorhanden wäre! Dann hätten wir mit den Philosophen, den Patriarchen der Häretiker, um mich so auszudrücken, überhaupt gar nichts über die Seele zu verhandeln. Denn es hat der Apostel schon damals in der Philosophie eine Gefährdung der Wahrheit erblickt; er hatte nämlich an Athen die Stadt der Zungenfertigkeit kennen gelernt, und nachdem er alle die, welche dort Weisheit und Beredsamkeit auskramten, durchgekostet hatte, da beschloss er jenen bekannten Mahnruf.

Ähnlich verhält es sich nämlich auch mit der Seele infolge der philosophischen Lehren von Leuten, die dem Wein Wasser beimischen. Die einen leugnen die Unserblichkeit der Seele, die andern behaupten, sie sei mehr als unsterblich; andere streiten über ihre Substanz, andere über ihre Form, andere über jegliche Eigenschaft; diese leiten ihren Zustand anderswoher ab, jene lassen sie bei ihrem Ausgang in etwas Anderes übergehen, je nachdem entweder Platos Ehre, Zenos Kraft, des Aristoteles Konsequenz, Epikurs Eingebungen, Heraklits Tiefsinn oder des Empedokles Wahnsinn den Ausschlag gibt.

Am Ende hat die göttliche Lehre gar einen Fehler gemacht, dass sie aus Judäa und nicht vielmehr aus Griechenland gekommen ist. Auch Christus hat darin gefehlt, dass er die Fischer eher zum Predigen aussandte als den Sophisten. Wird nun in dieser Weise irgendwo das reine Himmelblau der Wahrheit durch den Nebel der Philosophie verdunkelt, so werden die Christen die Pflicht haben, es wieder aufzuhellen, indem sie einerseits die entstandenen Deduktionen, d. i. die der Philosophen, niederschlagen, andererseits ihnen die himmelentsprossenen Lehren, d. h. die des Herrn, entgegensetzen, damit alles, wodurch sich die Heiden von der Philosophie fangen lassen, zerstört, und alles, wodurch sich die Gläubigen von den Häretikern bethören lassen, abgewiesen werde.

Da nun der eine Streitpunkt, der gegen Hermogenes, wie eingangs bemerkt, bereits erledigt ist, da wir die Entstehung der Seele aus dem Hauche Gottes, nicht aus Materie behaupten und hierin durch die nicht verdunkelbare Regel einer Entscheidung Gottes geschützt sind, nämlich die: „Gott hauchte den Hauch des Lebens in das Antlitz des Menschen und es wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele”, natürlich durch den Hauch Gottes, so ist über diesen Punkt nichts weiter zu entwickeln. Er hat seinen Titel und seinen Häretiker. Hinsichtlich der übrigen Punkte will ich hier mit der Einleitung beginnen.

Kommentar

Über die Seele §5

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Ob die Seele eine gewisse Körperlichkeit habe, darüber sind die Ansichten der Philosophen geteilt.

Plato wird nun wohl einen Eubulus, Kritolaus, Xenokrates und Aristoteles, der es in diesem Punkte mit ihm hält, zu Hilfe rufen. Vielleicht würden sie noch mehr herausgestrichen, um die Körperlichkeit der Seele zu beseitigen, wenn man nicht im Gegenteil und zwar in noch grösserer Anzahl andere sähe, die einen Körper der Seele behaupten. Und ich meine nicht bloss die, welche sie aus handgreiflich körperlichen Elementen bestehen lassen, wie Hipparchus und Heraklit aus Feuer, wie Hippon und Thales aus Wasser, wie Empedokles und Kritias aus Blut, wie Epikur aus den Atomen, insofern ja auch die Atome durch ihr Zusammentreffen sich zur Körperlichkeit verdichten — wie Kritolaus und seine Peripatetiker aus einer sonst unbekannten fünften Substanz, wenn nämlich auch sie ein Körper ist, da sie Körper einschliesst —, ja sogar auch die Stoiker ziehe ich herbei, die, obwohl sie, fast wie wir, die Seele einen Geist nennen, insofern sich ja Hauch und Geist ganz nahe stehen, doch gern für die Körperlichkeit der Seele sprechen werden.

Kommentar

Über die Seele §9

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Nähere Beschreibung des Seelenkörpers. Derselbe aus einer Montanistischen Vision erwiesen.

{…}

Denn wenn die Seele ein Körper ist, so ist sie ohne Zweifel innerhalb der Dinge, die wir oben angegeben haben. Auch die Farbe als Eigenschaft hängt jeglichem Körper an. Welche Farbe also wolltest du sonst bei der Seele annehmen, als die der Luft und des Lichtes? Nicht dass die Luft selbst die Substanz der Seele wäre, obschon es dem Änesidemus und Anaximenes, nach einigen vermutlich auch Heraklit so geschienen hat, noch auch das Licht, obschon es dem Heraklides aus Pontus so gefällt. Der Keraunius hat darum keine feurige Substanz, wenn er auch in rötlicher Farbe schillert, noch der Beryll darum einen wässerigen Stoff, weil er in geläutertem Schimmer schwimmt. Wie viele andere Dinge gleichen sich in der Farbe, werden aber durch ihre Wesenheit weit auseinander gehalten! Weil alles Feine und Durchsichtige mit der Luft verwechselt werden kann, so könnte es auch die Seele, insofern sie ein Hauch und übertragener Atem ist. Läuft sie ja doch wegen ihrer Feinheit und Dünnheit Gefahr, selbst hinsichtlich ihrer Körperlichkeit verkannt zu werden.

Kommentar

Über die Seele §14

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Was die Philosophen Bestandteile der Seele genannt haben, sind nur ihre verschiedenen Kräfte und Thätigkeiten.

{…}

Betrachte das wunderbare Geschenk, das uns Archimedes gemacht hat, die Wasserorgel! Sie hat so viele Glieder, so viele Teile, Gelenke, Tonkanäle, Verstärkungen des Schalles, so viele Verbindungen der Tonarten, so viele Reihen von Pfeifen, und das alles bildet doch nur ein Instrument. Der Hauch, der dort durch den Druck des Wassers flötet, wird darum nicht in Teile zerteilt, weil er in Teilen angewendet wird, seiner Substanz nach ist er einer, den Verrichtungen nach hingegen geteilt. Dem Strato, Änesidemus und Heraklit lag dieses Beispiel nicht fern; denn auch sie halten an der Einheit der Seele fest, welche, durch den ganzen Körper verbreitet und überall sie selbst, durch die Sinne wie der Luftstrom im Rohr durch die Löcher in verschiedener Weise zum Vorschein kommt, nicht sowohl zerschnitten als vielmehr verteilt. Mit welchen Titeln man alle diese Dinge nun benennen, in welche Einteilungen man sie festbannen und durch welche Grenzlinien am Körper man sie abgrenzen soll, das mögen die Ärzte mit den Philosophen ausfechten; für uns werden ein paar Worte genügen.

Kommentar

Über die Seele §15

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Das sogenannte Hegemonikon, die höchste und vitale Region der Seele, wo sich alle Thätigkeiten konzentrieren, hat nach der Lehre vieler Philosophen und Ärzte, wie auch der hl. Schrift seinen Sitz im Herzen.

Zunächst die Frage, ob es in der Seele eine gewisse höchste Region gibt, welche die vitale und der Sitz des Denkens ist, das sogenannte Hegemonikon oder das Oberste; denn wenn dieses in Abrede gestellt wird, so ist es um die ganze Seele geschehen. Diejenigen, welche dieses Oberste leugnen, haben zuvor die Seele selbst schon für nichts erklärt. Ein gewisser Dikäarchus aus Messenien, unter den Ärzten aber Andreas und Asklepiades, haben das Oberste dadurch beseitigt, dass sie die Sinne, für welche eben ein Oberstes behauptet wird, in den animus selbst verlegen. Asklepiades reitet auch auf dem Scheinbeweise herum, dass viele Tiere noch geraume Zeit leben und selbst dann noch empfinden, wenn man sie der Teile beraubt, worin nach der gewöhnlichsten Meinung das Oberste seinen Sitz hat, wie z. B. die Fliegen, Wespen und Heuschrecken, wenn man ihnen die Köpfe abschneidet, die Ziegen, Schildkröten und Aale, wenn man ihnen die Herzen herauszieht. Daher gebe es gar kein Oberstes; denn wenn es ein solches gebe, so würde die Lebenskraft der Seele mit ihrem Sitz verloren gehen und nicht fortdauern.

Allein gegen den Dikäarchus stehen mehrere, sowohl Philosophen, wie Plato, Strato, Epikur, Demokrit, Empedokles, Sokrates, Aristoteles, als auch Ärzte gegen den Andreas und Asklepiades, nämlich Herophilus, Erasistratus, Diokles, Hippokrates und Soranus selbst, endlich auch wir Christen, die wir zahlreicher sind als sie alle, wir werden in betreff beider Punkte von Gott dahin belehrt, dass es in der Seele ein Oberstes gebe, und dass dieses zweitens in einen bestimmten Ort des Körpers gebunden sei. Denn wenn wir lesen, dass Gott der Erforscher und Beobachter des Herzens sei, wenn sein Prophet daran erprobt wird, dass er der Geheimnisse des Herzens überführt, wenn Gott selbst den Gedanken des Herzens bei seinem Volke zuvorkommt: „Warum denkt ihr in Euren Herzen Böses?”, wenn David sagt: „Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott!” und Paulus, „dass man mit dem Herzen glaube zur Gerechtigkeit”, und Johannes, „dass ein jeder von seinem eigenen Herzen zurechtgewiessen werde,” wenn schliesslich einer, „der eine Frau ansieht, um ihrer zu begehren, in seinem Herzen bereits die Ehe gebrochen hat,” — dann leuchtet zugleich beides ein, erstens, dass es in der Seele ein Prinzipales gebe, an welches die göttliche Absicht sich wendet, d. h. ein Empfindungs- und Lebensvermögen — denn was empfindet, das ist auch lebendig, — und dass es zweitens in der Schatzkammer des Körpers enthalten sei, auf welche Gott hinblickt.

Daher wird man nicht mit Heraklit annehmen, jenes Prinzipale werde von aussen her bewegt, noch mit Moschion, es sei durch den ganzen Körper verbreitet, noch mit Plato, dass es im Kopfe eingeschlossen sei, noch mit Xenokrates, es habe vielmehr im Scheitel seinen Sitz, noch mit Hippokrates, es ruhe im Gehirn, auch nicht in der Basis des Gehirns, wie Herophilus will, noch in den Häutchen desselben, wie Strato und Erasistratus sagten, noch in der Mitte zwischen den beiden Augenbrauen, wie der Physiker Strato will, noch im Brustkasten im ganzen, wie Epikur, sondern dass es das sei, was schon die Ägypter und die vermeintlichen Erklärer der Orakelsprüche als solches bezeichneten, sowie auch der bekannte Vers des Orpheus oder Empedokles: „Das das Herz umströmende Blut bildet beim Menschen die geistige Wahrnehmung.” Auch Protagoras, Apollodorus und Chrysippus denken so. Sogar von solchen Leuten zurückgewiesen, weiss Asklepiades nicht, wo er mit seinen Ziegen ohne Herzen, die doch blöken, bleiben soll; er jagt seine Mücken, die ohne Kopf fliegen, fort, und alle, welche über die Einrichtung der menschlichen Seele aus der Beschaffenheit der Tiere Schlüsse ziehen wollen, sind instand gesetzt einzusehen, dass sie selbst es sind, die leben, ohne Herz und Hirn zu haben.

Kommentar

Über die Seele §17

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Ob die Sinneswahrnehmungen zuverlässig seien?

Auch die Frage nach den bekannten fünf Sinnen, welche wir mit den Anfangsgründen der Wissenschaft kennen lernen, gehört hierher, weil die Häretiker auch sie zu Hilfe nehmen, Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl.

Die Akademiker verwerfen ihre Zulässigkeit in schroffer Weise, nach einigen Angaben auch Heraklit, Diokles und Empedokles. Plato nennt im Timäus die Sinneswahrnehmung eine unvernünftige und mit Einbildungen zusammenhängende. So wird der Sehkraft vorgeworfen, sie täusche, weil sie das Ruder im Wasser gekrümmt und gebrochen zeigt, obwohl man weiss, dass es ganz ist, weil sie einen vierkantigen Thurm von fern rund erscheinen lässt, weil sie einen überall gleich breiten Säulengang am Ende hässlich verengert, weil sie den Himmel, der so hoch über uns ist, mit dem Meere zusammenfliessen lässt. Ebenso macht sich das Gehör des Betrugs schuldig. Meinen wir, es dröhne vom Himmel her, so ist es ein Wagen; fängt der Donner an zu rollen, so halten wir es für das Getöse eines Wagens. Auch Geruch und Geschmack werden in der Art angeklagt. Denn dieselbe Salbe, derselbe Wein erscheint bei einem spätern Gebrauche geringer. Auch der Tastsinn wird getadelt. Denn die Hände halten das Getäfel des Fussbodens für rauh, die Füsse hingegen für glatt; beim Baden kündigt sich dasselbe Badewasser zuerst als sehr heiss, sodann als mässig warm an. Folglich, sagt man, werden wir durch die Sinne getäuscht, wenn wir unsere Meinungen ändern. Etwas gemässigter verfahren die Stoiker; sie beschuldigen nicht jede Sinnesempfindung der Lüge und nicht immer. Die Epikuräer dagegen verteidigen mit zu viel Hartnäckigkeit deren Gleichheit und Beständigkeit bei allen, aber nach einer andern Methode. Denn nicht der Sinn sei es, der lüge, sondern die Vorstellung. Der Sinn verhalte sich nur leidend, nicht vorstellend; die Seele aber stelle vor. Sie haben eine Trennung der Wahrnehmung vom Sinne und des Sinnes von der Seele vorgenommen. Woher denn die Wahrnehmung, wenn nicht vom Sinne? Wenn zum Beispiel das Gesicht den Turm nicht als etwas Rundes wahrnähme, so würde auch keine Wahrnehmung von der Rundheit vor

handen sein. Und woher die Sinneswahrnehmung, wenn nicht von der Seele? Darum wird ein der Seele entbehrender Körper auch ohne Sinneswahrnehmung sein. Also rührt auch die Sinneswahrnehmung von der Seele und die Vorstellung vom Sinne her, und das Ganze ist die Seele.

Kommentar

Über die Seele §57

Übersetzung Karl Adam Heinrich Kellner:

Was von den angeblichen Beschwörungen von Abgestorbenen zu halten sei.

{…}

Fern sei es von uns, zu glauben, es sei die Seele irgend eines Heiligen, geschweige denn eines Propheten, wirklich durch einen Dämon herausgeholt worden; sind wir doch belehrt, dass der Satan sich sogar in einen Engel des Lichts verwandelt, um wie viel mehr also noch in einen Menschen des Lichts; beim Weltende wird er sogar behaupten, Gott zu sein, und noch wunderbarere Zeichen sehen lassen, um, wenn es möglich wäre, sogar die Auserwählten abwendig zu machen. Vermutlich hat er damals noch Bedenken getragen, sich für einen Propheten auszugeben, zumal Saul gegenüber, in welchem er selbst bereits wohnte. Man glaube nur nicht etwa, der, welcher das Gesicht bewirkte, sei ein anderer gewesen, als der, welcher es empfahl, sondern man halte den Geist, der in der falschen Prophetin und dem Apostaten mit Leichtigkeit erlog, was er zu glauben bewirkte, für denselben, der auch bewirkt hatte, dass Sauls Schatz dort war, wo sein Herz war, nämlich da, wo Gott nicht war. Darum schaute Saul mit dessen Hilfe, durch den er zu schauen glaubte, weil er auch durch den glaubte, mit dessen Hilfe er schaute. Wenn man uns entgegenhält, man erblicke in nächtlichen Bildern häufig Verstorbene nicht ohne Nutzen —– denn auch die Nasamonen erhalten durch Verweilen bei den Gräbern ihrer Eltern besondere Orakel, wie Heraklit, Nymphodor und Herodot berichten, und die Celten bringen aus demselben Grunde bei den Grabhügeln tapferer Männer ganze Nächte zu, wie Nikander berichtet —– so ist doch die Realität, womit wir im Schlafe die Toten wahrnehmen, keine grössere als bei den Lebendigen, sondern die Art und Weise, sie zu sehen, ist dieselbe, wie wir die Lebenden und alles Sichtbare sehen. Denn die Gesichte sind nicht deshalb wahr, weil sie geschaut werden, sondern insofern sie in Erfüllung gehen. Die Zuverlässigkeit der Traumgesichte beruht auf ihrem Eintreffen, nicht auf der Wahrnehmung.

Dass die Unterwelt durchaus keiner Seele den Austritt gestatte, hat der Herr in der Person Abrahams an der Geschichte von dem Armen, der in die Ruhe einging, und dem Reichen, der stöhnte, deutlich genug durch die Bemerkung bestätigt, dass von dort kein Verkündiger der göttlichen Ratschlüsse ausgesendet werden könne, was doch wohl zu dem Zweck, damit Moses und die Propheten Glauben fänden, hätte erlaubt werden dürfen. Obwohl aber die Macht Gottes einige Seelen in ihre Körper zurückgerufen hat, um damit ihr Recht dazu zu dokumentieren, so wird sie sich darum noch nicht auf eine Stufe stellen mit dem verwegenen Wahn der Magier, der Betrügerei der Träumer und der Freiheit der Dichter. Wo die Macht Gottes hingegen bei den vorgekommenen Fällen von Auferstehung, sei es durch Propheten, sei es durch Christus oder die Apostel, einzelne Seelen ihren Körpern wiedergegeben hat, da ist durch deren materielle, greifbare und ersättigte Realität das Präjudiz gegeben, dass dies die Norm für die Wahrheit sei, und man darf jedes Erscheinen von Verstorbenen ohne Körper als Blendwerk ansehen.

Kommentar

Alexander von Aphrodisias | Ἀλέξανδρος ὁ Ἀφροδισιεύς

* 150-160 CE - † ca. 215 CE, fl. 200 CE | Peripatetiker

De anima, 2 (p. 185 Bruns)

Kommentar

De fato, 6 (p. 170 Bruns)

Kommentar

In Aristot. Meteorol., p. 72 Hayduck

Kommentar

Schüler der Apostel | ἀποστόλων γενομένος μαθητής

ca. zwischen 130 CE - 190 CE verfasst | Christ, Apologie, Vermutlich kein echter Brief & wahrscheinlich von Johanneischer Christ verfasst

Brief an Diognet §8 Erst durch den Sohn Gottes haben wir Gott kennen gelernt.

Übersetzung Gerhard Rauschen:

Denn welcher Mensch wusste überhaupt, was Gott ist, ehe er selbst erschien? Oder willst du die gehaltlosen und läppischen Erklärungen jener unfehlbaren Philosophen annehmen, von denen die einen sagen, Gott sei Feuer - wohin sie selbst wandern werden, das nennen sie Gott, die andern, er sei Wasser oder ein anderes der von Gott geschaffenen Elemente? Freilich könnte, wenn eine von diesen Behauptungen annehmbar wäre, auch ein jedes der übrigen Geschöpfe in gleicher Weise für Gott erklärt werden. Aber das ist Blendwerk und Trug von Gauklern. Von den Menschen hat keiner Gott gesehen oder erkannt, er selbst hat sich kundgetan. Er offenbarte sich aber durch den Glauben, dem allein es gegeben ist, Gott zu schauen.

Kommentar

Sextus Empiricus | Σέξτος Ἐμπειρικός

* ca. 160 CE - † ca. 210 CE | Arzt, Skeptiker & Pyrrhoneer

Adversus mathematicos, VII, 126

Kommentar

Adversus mathematicos, VII, 129

Übersetzung Rainer Nickel:

Wenn wir diese göttliche Vernunft nach Heraklit durch Atmung in uns hereinziehen, werden wir vernünftig; im Schlaf sind wir zwar vergesslich, aber wenn wir wieder wach sind, sind wir bei Sinnen. Denn wenn sich im Schlaf die Poren der Wahrnehmung geschlossen haben, wird der Geist in uns von der natürlichen Verbindung (symphyīa) mit der Außenwelt getrennt.

Kommentar

Adversus mathematicos, VII, 132

Kommentar

Adversus mathematicos, VII, 133

Kommentar

Adversus mathematicos, X, 232

Kommentar

Grundriss der pyrrhonischen Skepsis I 210-212

Übersetzung Malte Hossenfelder:

Daß die skeptische Schule sich von der Herakliteischen Philosophie unterscheidet


Daß diese sich von unserer Schule unterscheidet, ist offenbar. Denn Heraklit äußert sich dogmatisch über viele verborgene Dinge, wir dagegen, wie gesagt, nicht. Änesidem und seine Anhänger haben jedoch behauptet, die skeptische Schule sei ein Weg zur Herakliteischen Philosophie, weil dem Satz, daß das Gegensätzliche an demselben Ding wirklich existiere, der Satz, daß das Gegensätzliche an demselben Ding erscheine, vorhergehe und die Skeptiker behaupteten, daß das Gegensätzliche an demselben Ding erscheine, die Herakliteer aber von dieser Behauptung übergingen zur der Behauptung, daß es wirklich existiere.

Ihnen entgegnen wir, daß der Satz, daß das Gegensätzliche an demselben Ding erscheine, kein Dogma der Skeptiker ist, sondern eine Sache, die nicht nur den Skeptikern, sondern auch den übrigen Philosophen und allen Menschen begegnet. So wird wohl niemand zu behaupten wagen, daß der Honig für die Gesunden nicht süß oder für die Gelbsüchtigen nicht bitter schmecke, so daß die Herakliteer, ebenso wie wir und vielleicht auch die übrigen Philosophien, von einem gemeinsamen Vorbegriff der Menschen ausgehen. Wenn sie daher den Satz, daß das Gegensätzliche an demselben Ding existiere, von einem der skeptischen Sätze abnähmen, z.B. von dem »Alles ist unerkennbar« oder dem »Ich bestimme nichts« oder einem ähnlichen, wäre ihre Behauptung vielleicht folgerichtig. Da ihre Anfangsgründe aber nicht nur uns, sondern auch den übrigen Philosophen und dem alltäglichen Leben begegnen, warum sollte man da unsere Schule eher als jede der übrigen Philosophien oder auch das alltägliche Leben einen Weg zur Herakliteischen Philosophie nennen, da wir doch alle gemeinsame Stoffe verwenden?

Es besteht sogar die Gefahr, daß die skeptische Schule zur Kenntnis der Herakliteischen Philosophie nicht nur nicht beiträgt, sondern ihr sogar entgegenwirkt, wenn doch der Skeptiker alle Dogmen Heraklits als voreilige Behauptungen in Mißkredit bringt: er widersetzt sich dem Weltbrand, er widersetzt sich dem Satz, daß das Gegensätzliche an demselben Ding wirklich existiere, und er macht bei jedem Dogma Heraklits die dogmatische Voreiligkeit lächerlich und zitiert das »Ich erkenne nicht« und das »Ich bestimme nichts«, wie ich oben gesagt habe. Das aber widerstreitet den Herakliteern, und es ist unsinnig, die widerstreitende Schule einen Weg zu der Lehrmeinung zu nennen, der sie widerstreitet. Also ist es unsinnig, die skeptische Schule einen Weg zur Herakliteischen Philosophie zu nennen.

Kommentar

Breker, Christian: Einführender Kommentar zu Sextus Empiricus' "Grundriss der pyrrhonischen Skepsis". 2008:

S. 67f.:

1.22. Dass die skeptische Schule sich von der herakliteischen Philosophie unterscheidet (§ 210-2)

§§ 210f.: Die Unterscheidung von Sextus' Auffassung der Skepsis von der Philosophie des Heraklit hat im Vergleich zu den anderen Philosophien, die noch folgen werden, eine zusätzliche Brisanz: Ainesidemos soll laut Sextus die Skepsis als einen Weg zur Philosophie Heraklits bezeichnet haben. Dies rühre aus der heraklitischen Ansicht, dass das Gegensätzliche an demselben Ding existiert. In dieser Sichtweise sieht Sextus allerdings lediglich einen Gemeinplatz des alltäglichen Lebens und vieler Philosophien, und keineswegs den Weg zur skeptischen Philosophie. Sextus' Aussagen über Heraklit decken sich mit den Überlieferungen von Heraklits Gedankengut;(222) was jedoch die Aussage anbelangt, die Skepsis sei für Ainesidemos lediglich ein Vehikel zur Philosophie Heraklits gewesen, verhält es sich nicht so eindeutig. Tatsächlich hat diese Textstelle bei Sextus beständig für Schwierigkeiten bei der Erschließung der Philosophie des Ainesidemos gesorgt. Eine Rekonstruktion des Lebens Ainesidemos lässt Rist zu einem anderen Schluss kommen als Sextus. Nach Rist hat sich Ainesidemos vermutlich von der Akademie zu Zeiten Philos und Antiochos wegen der Hinwendung zum Stoizismus gelöst und sich zuerst der Philosophie Heraklits gewidmet, und zwar dem Teil, der von der Existenz von gegensätzlichen Charakteristika an einem Objekt ausgeht. Anschliessend jedoch habe sich seine skeptische Haltung dahingehend verstärkt, dass er sich gegen die dogmatische Annahme gewandt hat, man könne mit Sinneseindrücken etwas reales, also die Natur eines Dings, erfassen. Als Folge daraus gelangte er zum Pyrrhonismus, der ebenso genau dies bezweifelt.(223)

§ 212: Abgesehen von der Aussage über Aenesidemos stellt Sextus einige maßgebliche Unterschiede des Pyrrhonismus zur Philosphie Heraklits heraus, die sich alle mit unseren Überlieferungen von Herklit decken: Er stellt Heraklits Dogmen in den Vordergrund, denen {S. 68} der Skeptiker nicht zustimmen kann, so dass das Unterschiedliche am gleichen Objekt tatsächlich existiert und nicht nur erscheint, sowie die Auffassung vom Weltbrand.(224) Auf weitere Dogmen wird nicht eingegangen, dafür besteht auch keine Notwendigkeit, da der Standpunkt ausreichend dargelegt wurde. Überraschend ist, dass die Flusslehre trotz ihrer Ähnlichkeit zur vorangegangenen Aussage von Sextus über die für Dogmatiker beunruhigende Ungleichförmigkeit der Dinge keine Erwähnung findet.(225) Natürlich ist diese Ähnlichkeit vorwiegend äußerlich, da es sich bei Heraklits Flusslehre um eine dogmatische Annahme handelt, bei Sextus hingegen um eine nichtassertorische Aussage über die Erscheinung.


{Fußnoten}

222 GM Heraklit: Frg. 27, 31, 32, 34, 35

223 vgl. Rist, John M. 1970: S. 309-19; Goedeckemayer 1905: S. 228f. erklärt diese Äußerung schlicht aus der Analogie der Erscheinungen als Grundlage und dem Verständnis der herakliteischen Philospopie durch Aenesidemos S. 228f.

224 GM Heraklit: Frg. 40A/B

225 PH I 12; GM Heraklit: Frg. 53A/B


Grundriss der pyrrhonischen Skepsis II 59-63

Übersetzung Malte Hossenfelder:

Das Wodurch

{}

Zugestanden aber auch, der Verstand sei Richter über die Dinge, so werden wir nicht herausfinden, wie wir nach ihm urteilen sollen. Denn die Verschiedenheit im Verstand ist groß, da ja der Verstand des Gorgias, nach dem er sagt, daß nichts existiere, ein anderer ist als der des Heraklit, nach dem dieser sagt, daß alles existiere, und wieder ein anderer der Verstand derjenigen, die sagen, daß einiges existiere und anderes nicht. Wir wissen daher nicht, wie wir über die Verschiedenheit von Verstand zu Verstand entscheiden sollen, und können auch nicht sagen, daß man dem Verstand des einen folgen soll, dem des anderen aber nicht. Wenn wir es nämlich wagen, durch einen Verstand zu urteilen, dann stimmen wir einem Glied des Widerstreites zu und begehen damit eine Petitio principii. Tun wir es durch etwas anderes, dann wird unser Satz falsch, daß man die Dinge allein durch den Verstand beurteilen soll. Im übrigen können wir nach dem über das Kriterium Von wem Gesagten zeigen, daß wir erstens nicht den Verstand finden können, der scharfsinniger ist als die anderen; daß wir zweitens, auch wenn wir einen scharfsinnigeren Verstand als alle heutigen und früheren finden, uns doch nicht an ihn halten dürfen, weil verborgen ist, ob nicht wiederum ein noch scharfsinnigerer kommen wird als er, und daß wir schließlich drittens, auch wenn wir einen Verstand voraussetzen, verglichen mit dem es keinen gescheiteren mehr geben könnte, dem durch ihn Urteilenden doch nicht zustimmen werden, um uns davor zu bewahren, daß er ein falsches Argument vorträgt und uns wegen seines äußerst scharfen Verstandes überreden kann, daß es wahr sei. Also darf man auch nicht mit dem Verstand allein die Dinge beurteilen.

Es bleibt zu sagen, man müsse sie durch Sinne und Verstand zusammen beurteilen, was wiederum unmöglich ist. Denn nicht nur leiten die Sinne den Verstand nicht zur Erkenntnis, sondern sie stellen sich dieser sogar in den Weg. So schließt Demokrit eben daraus, daß der Honig den einen bitter, den anderen süß erscheint, daß er weder süß noch bitter sei, Heraklit dagegen, daß er beides sei. Dasselbe gilt auch für die anderen Sinne und Sinnesgegenstände. So wird der Verstand, wenn er von den Sinnen ausgeht, gezwungen, Unterschiedliches und Unverträgliches auszusagen. Das paßt jedoch nicht zu einem erkennenden Kriterium.

Kommentar

Breker, Christian: Einführender Kommentar zu Sextus Empiricus' "Grundriss der pyrrhonischen Skepsis". 2008:

S. 84f.:

2.6. Das Wodurch (§§ 48-69)

{}

§§ 57-62: (2) Wie zuvor bei den Sinnen besteht auch beim Verstand ein Widerstreit bei den Dogmatikern. Während die meisten die Existenz des Verstandes postulieren, wird er von Gorgias verworfen.(299) Da analog zum ersten Fall, bei dem nur die Sinne zur Verfügung standen, ebenfalls in zweiten Fall kein weiteres »Wodurch« verfügbar ist, als der Verstand, ist der Widerstreit nicht entscheidbar, ohne das es zu einer petitio principii kommt.

Aber selbst sofern der Skeptiker den Dogmatikern den Verstand zugestände, existiert ein unentscheidbarer Widerstreit unter den Schulen darüber, was ein Verstand sei, und nicht zuletzt das Problem, den verständigsten Verstand aller Zeiten auszumachen, analog zu der Suche nach dem klügsten Menschen im vorangegangenen »Von wem«.

§§ 63-9: (3) Auch eine Kombination aus Verstand und Sinnen scheitert, da der Verstand zur Erkenntnis eines Objekts auf Sinneseindrücke verwiesen ist, die, wie zuvor zu sehen war, immer widersprüchlich ausfallen. Sextus dient als Beispiel Heraklit, der daraus, dass der Honig dem Einen süß und dem Anderen bitter erscheint, die Einheit der Gegensätze folgert,(300) während Demokrit ihn für keines von beidem hält, da im demokritischen {S. 85} Atomismus der Geschmack, ebenso wie andere Eindrücke, von den Formen der Atome abhängig gemacht wird.(301)


{Fußnoten}

299 DK 82 B 1, am ausführlichsten aber durch Sextus selbst überliefert M VII 65-87 (= DK 82 B 3)

300 GM Heraklit 31-5, ein konkreter Bezug zum Honigbeispiel ist jedoch nicht erhalten.

301 DK 68 A 135

Grundriss der pyrrhonischen Skepsis III 115-116

Übersetzung Malte Hossenfelder:

Die Ruhe


Im Anschluß hieran weisen einige noch auf die Aporien einer in Wirklichkeit existierenden Ruhe hin. Sie führen an, daß das sich Bewegende nicht ruht, jeder Körper sich aber nach den Auffassungen der Dogmatiker fortwährend bewegt, da sie ja behaupten, die Substanz sei fließend und bewirke andauernd an sich Verflüchtigungen und Hinzufügungen, so daß Platon die Körper gar nicht »seiend«, sondern eher »werdend« nennt und Heraklit die Beweglichkeit unserer Materie mit der raschen Strömung eines Flusses vergleicht. Also ruht kein Körper. Ferner scheint das angeblich Ruhende von den Dingen, die es umgeben, festgehalten zu werden, und was festgehalten wird, erleidet. Es gibt aber nichts Erleidendes, da es ja auch keine Ursache gibt, wie ich gezeigt habe. Also ruht auch nichts.

Kommentar

Breker, Christian: Einführender Kommentar zu Sextus Empiricus' "Grundriss der pyrrhonischen Skepsis". 2008:

S. 138:

3.16. Die Ruhe (§§ 115-8)

§ 115-7: Als Entgegnung gegen die Annahme der Existenz von Ruhe (μονή) führt Sextus zwei Philosophen an, Platon, der alle Körper als werdend bezeichnen haben soll,(507) sowie Heraklits Flusslehre.(508) Hiermit ist jedem, der die Ruhe als existent setzt, der Widerspruch der Schulen aufgezeigt. Die Ruhe dennoch zu rechtfertigen, indem man sie als eine Art Festhalten von Bewegtem definiert, scheitert am Mangel einer Ursache.(509) Sextus ergänzt, dass die unkörperlichen Dinge, da sie nicht festgehalten werden können, sich demnach ebenso bewegen müssten.

Sextus' Behandlung des Unkörperlichen ist damit unvollständig, denn sie betrifft nur jene, die Ruhe als eine Einwirkung auf ein Bewegtes definieren, nicht aber jene, die Unkörperliches generell als ruhend definieren.


{Fußnoten}

507 Hiermit ist das Werden der Körper innerhalb der Welt (Platon: Timaios 50d-51a), im Gegensatz zu den ungewordenen und ewigen Ideen gemeint.

508 GM Heraklit: Frg. 53 A/B

509 PH III 13-29

Grundriss der pyrrhonischen Skepsis III 229-232

Übersetzung Malte Hossenfelder:

Ob es etwas von Natur Gutes und Übles und Indifferentes gibt


Auch den Tod halten die einen für furchtbar und meidenswert, die anderen für nicht so. So sagt Euripides:

Wer weiß, ob nicht das Leben ist Gestorbensein,

Gestorbensein jedoch als Leben unten gilt?

Und Epikur erklärt: »Der Tod geht uns nichts an. Denn das Aufgelöste ist empfindungslos, und das Empfindungslose geht uns nichts an.« Sie sagen auch: Wenn wir uns aus Seele und Körper zusammensetzen und der Tod die Auflösung von Seele und Körper ist, dann ist der Tod nicht da, solange wir da sind; denn dann lösen wir uns ja nicht auf. Wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da; denn dadurch, daß der Zusammenhalt der Seele und des Körpers nicht mehr da ist, sind auch wir nicht mehr da. Heraklit ferner sagt, daß beides, das Leben wie das Totsein, sowohl in unserem Leben als auch im Tod vorhanden sei. Solange wir nämlich lebten, seien unsere Seelen tot und in uns begraben; wenn wir aber stürben, würden die Seelen lebendig und lebten. Einige meinen sogar, daß es für uns besser sei, tot zu sein als zu leben. So sagt Euripides:

Wir sollten jeden Säugling, uns versammelnd, laut

beweinen, welchen Übeln er entgegengeht,

den Toten aber, der vom Übel ist erlöst,

mit frohem Lobgesang geleiten aus dem Haus.

Derselben Auffassung sind auch folgende Worte entsprungen:

Gar nicht geboren zu werden wär’ Erdenbewohnern das Beste,

und nicht erst den Glanz strahlender Sonne zu schaun,

einmal geboren jedoch, aufs schnellste die Pforten des Hades

zu durchquern und zu ruhn, reichlich mit Erde bedeckt.

Bekannt ist auch die Geschichte von Kleobis und Biton, die Herodot in seinem Bericht über die argivische Priesterin erzählt, und von einigen Thrakern wird berichtet, daß sie sich um den Neugeborenen herumsetzen und ihn beweinen. Also wird man auch den Tod wohl nicht zu den von natur furchtbaren Dingen zählen wie auch das Leben nicht zu den von Natur schönen. Ebenso ist von den oben genannten Dingen keines von Natur so oder so beschaffen, sondern alle sind konventionell und relativ.

Kommentar

Breker, Christian: Einführender Kommentar zu Sextus Empiricus' "Grundriss der pyrrhonischen Skepsis". 2008:

S. 152f.:

3.22. Ob es etwas von Natur Gutes und Übles und Indifferentes gibt (§§ 179-238)

{}

f) Der Tod (§§ 229-32)

§§ 229-32: Die Sichtweise des Lebensendes fällt unter den Menschen ebenfalls widersprüchlich aus. Als Zeugen ruft Sextus Euripides, Epikur, Heraklit, Herodot sowie das Volk der Thraker auf.

Euripides gibt zu bedenken, dass die Toten ihr Dasein im Hades nicht als Tod sehen könnten, sondern als ein Leben.(575) Epikur hingegen sieht den Tod nicht als Eingang in den Hades, sondern als Auflösungsprozess von Körper und Seele, der in das Empfindungslose führt und somit für den Menschen keine Relevanz mehr hat.(576) Nach Heraklit hingegen findet sich Leben im Tod und vice versa.(577) Ferner schreibt Euripides, dass das Leben das wahre Übel sei, da es die Übel enthält und der Tod ein Gut.(578) Der Verweis auf Herodot bezieht sich auf eine Stelle in den Historien und ist ohne Hinzuziehung dieser unverständlich. Dort berichtet Herdodot von einer argivischen Priesterin, die die Götter um das Beste für ihre beiden Söhne bat, welche daraufhin starben.(579) Insofern deckt sich die Auffassung mit der, die Euripides referiert; ebenso sollen auch die Thraker ihre Neugeborenen beweinen. {S. 153} In diesem Abschnitt, der eigentlich lediglich herausstellen soll, dass auch der Tod nicht von allen gleichermaßen als natürliches Gut oder Übel angesehen wird, stellt Sextus gleichsam die verschiedenen Auffassungen vom Tod heraus. Der Abschnitt erfährt damit eine tiefere Dimension, denn es geht nicht nur darum, wie der Tod zu bewerten ist, sondern gleichsam darum, was der Tod seiner Natur nach ist, sei es, um mit Euripides zu sprechen, der Übergang in den Hades oder im Sinne Epikurs ein Auflösungsprozess des Menschen. Somit findet sich in der Frage, was der Tod ist, ein Widerstreit der dogmatischen Schulen.


{Fußnoten}

575 Euripides: Frg. 638; die Nummerierung der Fragmente folgt der Zählung in Euripides. Fragmente. Der Kyklop. Rhesos. Hrsg. und übersetzt von Gustav Adolf Seeck. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1981 (=Werke, Bd. 6)

576 Epikur: Brief an Menodotos. 125f., Frg. 115

577 GM Heraklit: Frg. 34, möglicherweise auch Frg. 54

578 Euripides: Frg. 449

579 Herodot: Historien I 31

Lucius Flavius Philostratus | Φιλόστρατος

* 160-170 CE - † 244-250 CE | Sophist

Das Leben des Apollonios von Tyana, I §9

Übersetzung Vroni Mumprecht:

Der junge Mann ging also zu Apollonios und sagte: »Welchen Vorteil könnte deine Weisheit für mich haben? Asklepios befahl mir nämlich, mich an dich zu wenden.« Apollonios aber antwortete ihm: »Ich kann dir anraten, was dir unter den jetzigen Umständen sehr teuer ist. Du begehrst ja Gesundheit.« »Allerdings«, versetzte der Jüngling, »Asklepios verspricht sie mir, ohne sie mir zu geben.« »Schweig!« fuhr ihn Apollonios an. »Er schenkt sie denen, die sie wünschen. Du aber wirkst deiner Krankheit überhaupt nicht entgegen. Indem du dich dem Wohlleben ergibst, führst du ja deinen durchnäßten und zerrütteten Eingeweiden leckere Kost zu und überschüttest dabei den Schlamm noch mit Wasser.« Dies war meiner Meinung nach eine klarere Antwort als diejenige, welche Heraklit in seiner Weisheit erteilt hatte. Dieser sagte bekanntlich, als ihn das gleiche Übel heimsuchte, er brauche jemanden, der Überschwemmung in Trockenheit umwandle, was keine leicht zu verstehende und deutliche Erklärung ist. Apollonios dagegen führte den Jüngling zur Gesundheit, indem er weise Gedanken klar aussprach.

Kommentar

Athenaios von Naukratios | Ἀθήναιος Ναυκράτιος

* ca. 170 CE - † 223 CE | Philosoph, Rhetoriker & Grammatiker

V, 178 F

Kommentar

XIII, 610 B

Kommentar

Hippolyt von Rom | Ἱππόλυτος

 * ca. 170 CE - † 235 CE | Christ, Bischoff & Theologe

Refutatio omnium haeresium, I 4

Übersetzung  Konrad Preysing:

Heraklitus, der Naturphilosoph, pflegte über alles zu weinen, klagte über die Rätselhaftigkeit des ganzen Lebens und die Unwissenheit der Menschen und war voll Mitleid mit dem Leben der Sterblichen. Von sich behauptete er, daß er alles wisse; die anderen wüßten nichts. Auch lehrte er ungefähr wie Empedokles, Zwietracht und Liebe seien das Prinzip aller Dinge, das vernunftbegabte Feuer sei Gott, alles sei in ständiger Bewegung und bleibe nie in Ruhe. Heraklitus teilte auch die Ansicht des Empedokles, all der Raum um uns sei voll des Bösen; es erstrecke sich aus den Erdenräumen bis zum Mond; weiter aber dringe es nicht, da der gesamte Raum über dem Mond ziemlich rein sei. Das waren die Ansichten des Heraklitus.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, V 8 (Vgl. Fr. DK 22B25)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Das Mysterium heißt ja Eleusin und Anaktoreion. Eleusin, weil wir, die Geistigen, aus der Höhe kame S. 106 und von Adamas niederflossen. Denn* ἐλεύσεσθαι* [eleusesthai] ist gleich* ἐλθεῖν* [elthein](219), Anaktoreion heißt es wegen des Aufwärtssteigens(220). Dies nennen die Teilnehmer an den Eleusinien die großen Geheimnisse. Es besteht aber die Satzung, daß sich solche, die in die kleinen eingeweiht sind, auch in die großen einweihen lassen. Denn "größerer Tod empfängt größere Belohnung"(221).


{Fußnoten}

219 ἐλεύσομαι [eleusomai],* ἦλθον* [ēlthon] = ich werde kommen, ich kam. 220 ἄνω [anō] == aufwärts.

221 Heraklit Fr. 25 D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, V 8 (Vgl. Fr. DK 22B25)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Die kleinen Mysterien sind die der unterirdischen Persephone; von diesen Mysterien und dem Weg, der dahin führt, der breit und geräumig ist und die dem Verderben Geweihten zur Persephon bringt, [spricht der Erlöser](222) und auch der Dichter singt:

"Aber ein Pfad ist darunter, ein schauriger lehmiger Hohlweg, Dieser doch ist der beste, dich hin zum lieblichen Haine Aphroditens zu führen, der Weitverehrten(223).

Das sind die kleinen Mysterien der fleischlichen Geburt; die Menschen, die darin eingeweiht sind, sollen die kleinen aufgeben und sich in die großen, himmlischen einweihen lassen. Denn "die in diesen den Tod gefunden haben, erlangen größere Belohnung"(224). Dies ist ja "das Himmelstor" und dies "das Haus Gottes"(225), wo der gute Gott allein wohnt, in das kein Unreiner eingehen wird, kein Psychischer, kein Fleischlicher, sondern es ist einzig den Geistigen vorbehalten; wer dahingekommen ist, muß die Kleider abwerfen, und alle müssen durch den jungfräulichen Geist entmannte Bräutigame werden. Denn das ist die Jungfrau, die gesegneten Leibes ist und einen Sohn empfängt und gebiert(226), nicht einen psychischen, nicht einen leiblichen, sondern den seligen Äon der Äonen. Ausdrücklich sagt der Erlöser, daß "eng und schmal der Weg ist, der zum Leben führt, und daß eswenige sind, die ihn betreten; daß breit und weit aber der Weg ist, der zum Verderben führt, und daß es viele sind, die auf ihm gehen"(227).


{Fußnoten}

222 Ergänzung Gö.

223 Nach Meineke von Parmenides. 

224 Heraklit Fr. 25 D.

225 Gen. 28, 17.

226 Is. 7, 14.

227 Matth. 7, 13 f.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, V 16 (Vgl. Fr. DK 22B36)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Sie nennen sich selbst Peraten und nehmen an, nichts von dem, was im Werden begriffen ist, könne dem von seiner Entstehung an bestimmten Schicksal entgehen. Wenn etwas geworden ist, geht es auch völlig zugrunde, wie auch die Sibylle meint. Wir allein, so sagen sie, haben den Zwang des Entstehens erkannt und sind über die Wege, auf denen der Mensch in die Welt gekommen ist, genau unterrichtet und können allein den Untergang durchschreiten und hinübergelangen. Der Untergang ist das Wasser, und durch nichts ist die Welt schneller zugrunde gegangen als durch das Wasser; das Wasser ist aber das, was die Proastien(263) umfließt, nämlich der Kronos; er ist eine wasserfarbige Kraft, welcher keiner der im Werden Befindlichen entfliehen kann; Kronos ist nämlich der Grund dafür, daß jede Kreatur dem Untergang verfällt, und keine Kreatur mag entstehen, ohne daß Kronos hemmend im Wege steht. Hiervon reden die Dichter, und es setzt selbst die Götter in Schrecken.

„Wissen soll’s nämlich (heißt es) Gaia und Uranos oben, der weite, Und das rinnende Wasser des Styx; und das ist der größte Und der gewaltigste Schwur für alle seligen Götter“.(264)

Das sagen nicht nur die Dichter, sondern schon die Weisesten der Griechen, zu denen Heraklitus gehört, der behauptet: "Für die Seelen ist es Tod, zu Wasser zu werden"(265); so ergreift der Tod die Ägypter mit ihren Wagen(266) im Roten Meer; alle die Unwissenden aber sind Ägypter. Der Auszug aus Ägypten bedeutet den Auszug aus dem Leibe — Ägypten sei der Körper, glauben sie —, und das Rote Meer überschreiten, das bedeutet das Wasser des Untergangs, den Kronos nämlich, überschreiten und über das Rote Meer gelangen, das bedeutet über das Entstehen hinüber gelangen, und in die Wüste kommen(267), das bedeutet aus dem Werden herausgelangen, dorthin, wo alle Götter des Verderbens und der Gott der Erlösung zusammen sind. 


{Fußnoten}

263 Vorstädte.

264 Od. 5, 184.

265 Fr. 36D.

266 Exod. 14, 28.

267 Exod. 15, 22.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, VI 9

Übersetzung  Konrad Preysing:

So muß man auch Simon den Magier beurteilen, den man eher mit dem Libyer vergleichen kann als mit einem wirklichen Gott(361), der Mensch geworden ist. Wenn der Vergleich stimmt und wenn der Magier ein ähnliches Leiden durchgemacht hat wie Apsethos, so werden wir daran gehen, die Papageien des Simon umlernen zu lassen, daß Simon nicht Christus war, der steht, gestanden hat, stehen wird, sondern daß er ein Mensch war aus Samen, Frucht eines Weibes, vom Geblüte und von fleischlicher Begierde wie die übrigen gezeugt; daß sich dies so verhält, werden wir im Verlauf der Erzählung leicht erweisen. Simon deutet das Gesetz Mosis sinnlos und böswillig um: Wenn Moses sagt, daß "Gott ein verbrennendes und verzehrendes Feuer ist"(362), so behauptet Simon unter falscher Übernahme des Wortes des Moses, Feuer sei das Prinzip des Alls, und bedenkt dabei nicht, daß von Gott nicht gesagt ist, er sei Feuer, sondern ein verbrennendes und verzehrendes Feuer, und zerreißt so nicht nur das Gesetz des Moses selbst, sondern holt auch noch den dunklen Heraklitus zu sich herüber. Simon sagt weiter, das Prinzip des Alls sei eine unendliche Kraft, mit folgenden Worten: "Dies ist das Buch der Offenbarung der Stimme und des Namens aus der Erkenntnis der großen unendlichen Kraft. Deswegen wird es versiegelt, verborgen, verhüllt werden und in dem Raume liegen, wo die Wurzel des Alls sich gründet." Er sagt, der Raum sei dieser Mensch, aus Geblüt erzeugt, und in ihm wohne die unendliche Kraft, die die Wurzel des Alls ist. Diese unendliche Kraft ist das Feuer; nach Simon ist es nicht etwas Einfaches; die meisten anderen, die behaupten, die vier Elemente seien einfach, sind auch der Ansicht, das Feuer sei einfach; er aber meint, das Feuer habe gewissermaßen eine zweifache Natur, und einen Teil dieser Doppelnatur nennt er den verborgenen, den anderen den in Erscheinung tretenden; das Verborgene sei in dem, was am Feuer in Erscheinung tritt, verborgen, und das in Erscheinung Tretende des Feuers stamme aus dem Verborgenen. Es ist das, was Aristoteles Kraft (Potenz) und Wirkung (Aktualität) nennt, oder Plato das Erkennbare und das Fühlbare. Das, was vom Feuer in Erscheinung tritt, schließt alles in sich, was immer einer an sichtbaren Dingen wahrnimmt oder vielleicht übersieht; das Verborgene schließt alles in sich, was einer als geistig erkennbar und sich der sinnlichen Wahrnehmung entziehend wahrnimmt oder was er, ohne es wahrzunehmen, übersieht.


{Fußnoten}

361 Miller.

362 Deut. 4, 24; 9, 3; Exod. 24, 17.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 7

Übersetzung  Konrad Preysing:

Es trat ein Mann, namens Noetus, auf, seiner Herkunft ein Smyrner. Er führte eine den Lehren des Heraklitus nachgebildete Ketzerei ein. Sein Diener und Schüler ward ein gewisser Epigonus, der nach Rom kam und dort seine gottlose Lehre ausstreute; dessen Schüler ward Kleomenes, unkirchlich in seinem Leben wie in seiner Denkart; er festigte die Lehre zur Zeit, da Zephyrinus die Kirche zu leiten vermeinte; dieser, ein ungebildeter, nach schmutzigem Gewinn gehender Mann, ließ sich durch Geldspenden gewinnen, denjenigen, die sich an ihn wandten, zu gestatten, des Kleomenes Schüler zu werden; ja mit der Zeit fand er selbst Geschmack an dieser Lehre und gab sich mit ihr ab; Berater und Helfershelfer war ihm Kallistus, dessen Leben und dessen Irrlehre wir bald darlegen werden. In der Folgezeit blieb des Kleomenes Schule bestehen, befestigte sich und wuchs, weil Zephyrinus und Kallistus ihnen die Stange hielten; wir freilich machten den Anhängern des Kleomenes nie Konzessionen, vielmehr stellten wir uns ihnen gar oft entgegen und widerlegten sie gründlich und zwangen sie, gegen ihren Willen der Wahrheit die Ehre zu geben; eine Zeitlang gaben sie, aus Scham und von der Wahrheit bezwungen, nach, nach kurzer Zeit aber wälzten sie sich wieder in demselben Kot(596).


{Fußnoten}

596 Vgl. 2 Petr. 2, 22.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 8

Übersetzung  Konrad Preysing:

Wir haben nun ihre Abhängigkeit voneinander dargelegt. Jetzt soll die Verderbtheit ihrer Lehrsätze auseinandergesetzt und, nach Vorführung der Meinungen des dunklen Heraklit, bewiesen werden, daß ihre eigenen Lehren(597) heraklitisches Gut sind; möglicherweise wissen die derzeitigen Vorsteher der Sekte nicht, daß diese Lehren dem "Dunklen" zugehören, und bilden sich ein, es seien die Lehren Christi. Wenn sie dies lesen, werden sie sich doch schämen und von diesen gottlosen Lästerungen abstehen. Wenn wir auch schon früher die Lehre des Heraklitus in den Philosophumena auseinandergesetzt haben, so ist es doch gut, sie zum Vergleich daneben zu stellen; so werden durch einen bündigeren Beweis diejenigen, die Christi Schüler zu sein vermeinen, klar darüber unterrichtet, daß sie dies nicht sind, sondern Schüler des "Dunklen" sind.


{Fußnoten}

597 Gö.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B67)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Heraklitus sagt(598), das All sei geteilt und ungeteilt, erzeugt und unerzeugt, sterblich und unsterblich, Logos, Äon, Vater, Sohn, gerechter Gott.


{Fußnoten}

598 Vgl. Fr. 67 D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B50)

Übersetzung  Konrad Preysing:

"Diejenigen, die nicht auf mich, sondern auf das Wort hören, tun weise daran, zu erkennen, daß alles eins sei"(599), sagt Heraklitus, 


{Fußnoten}

599 Fr.50D. 

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B51)

Übersetzung  Konrad Preysing:

und weil nicht alle dies wissen und zugeben, so rügt er sie ungefähr so: "Sie verstehen nicht, wie es auseinanderstrebend ineinander geht: gegenstrebige Vereinigung, wie beim Bogen und der Leier"(600).


{Fußnoten}

600 Fr.51D. 

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B1)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Daß das Wort ewig ist, da es das All und durch das All ist, drückt er folgendermaßen aus: "Für dies Wort aber, obgleich es ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder, ehe sie es vernommen, noch sobald sie es vernommen. Alles geschieht nach diesem Wort und doch gebärden sie sich wie die Unerfahrenen, so oft sie sich versuchen in solchen Worten und Werken, wie ich sie künde, ein jegliches nach seiner Natur zerlegend und ausdeutend, wie sichs damit verhält"(601).


{Fußnoten}

601 Fr.1D. 

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B52)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Daß das All ein Knabe sei und durch die Ewigkeit ein ewiger König aller Dinge, sagt er auf folgende Weise: "Die Zeit ist ein spielender Knabe, der die Brettsteine hin und her setzt: Knabenregiment"(602).


{Fußnoten}

602 Fr.52D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B53)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Daß der Vater aller entstandenen Dinge gezeugt, ungezeugt, Schöpfung, Schöpfer sei, hören wir von ihm, wenn er sagt: "Der Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König, und er macht die einen zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien"(603),


{Fußnoten}

603 Fr.53D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B51)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Daß aber..... "Vereinigung wie beim Bogen und der Lyra"(604).


{Fußnoten}

604 Fr.51D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B54)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Daß Gott(605) verborgen, unsichtbar, den Menschen unbekannt ist, sagt er mit folgenden Worten: "Verborgene Vereinigung ist besser als offenkundige"(606).


{Fußnoten}

605 Wendland.

606 Fr.54D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B55)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Er preist und bewundert mehr als das Erkennbare das Unerkannte an ihm und das Verborgene seiner Kraft. Daß er aber für die Menschen erkennbar und nicht unerforschlich sei, sagt er mit diesen Worten: "Alles, was man sehen, hören, lernen kann, das ziehe ich vor"(607).


{Fußnoten}

607 Fr.55D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 9 (Vgl. Fr. DK 22B56)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Das ist das Sichtbare dem Unsichtbaren..... aus derartigen Äußerungen ist dies leicht abzunehmen: "Es irren die Menschen, was die Kenntnis der sichtbaren Dinge anlangt, ähnlich wie Homer, der doch der weiseste aller Griechen war. Ihn foppten nämlich Buben, die auf Läuse Jagd machten, mit den Worten: Was wir sahen und ergriffen, das lassen wir los; was wir nicht sahen und nicht ergriffen, das holen wir"(608).


{Fußnoten}

608 Fr.56D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B54)

Übersetzung  Konrad Preysing:

So setzt und schätzt Heraklit das Offenbare und das Verborgene gleich, als ob das Sichtbare und das Verborgene fraglos ein und dasselbe wäre. "Es ist nämlich", sagt er, "verborgene Vereinigung besser als offenkundige"(609),


{Fußnoten}

609 Fr.54D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B55)

Übersetzung  Konrad Preysing:

und: "Alles, was man sehen, hören, lernen kann", d. i. (durch) die Organe, "das ziehe ich vor"(610), er zieht also nicht das Unsichtbare vor.


{Fußnoten}

610 Fr.55D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B57)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Und so sagt Heraklit, daß Dunkel und Licht, Böses und Gutes nicht verschiedene Dinge, sondern ein und dasselbe seien. Er tadelt den Hesiod, daß er Tag und Nacht nicht(611) kennt; Heraklit sagt nämlich, daß Tag und Nacht ein und dasselbe seien: "Die meisten haben Hesiod zum Lehrer; sie sind überzeugt, daß er gar viel weiß, er, der Tag und Nacht nicht erkannt hat; sie sind ja doch eines"(612).


{Fußnoten}

611 Gö.

612 Fr. 57 D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B58)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Ebenso Gut und Böse: "Fordern doch die Ärzte, wenn sie schneiden, brennen und die Kranken durchweg arg quälen, noch Lohn dazu, obwohl sie keinen von den Kranken zu erhalten verdienen, da sie dasselbe, Gutes und Krankheiten, bewirken"(613).


{Fußnoten}

613 Fr.58D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B59)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Auch das Gerade und das Krumme ist dasselbe: "Der Walkerschraube Weg, gerade und krumm" — die Drehung des Instrumentes, das in der Walkerwerkstätte Schraube heißt, ist gerade und gewunden; es geht nämlich aufwärts und im Kreise — "ist ein und derselbe"(614).


{Fußnoten}

614 Fr. 59 D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B60)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Und Oben und Unten ist eins und dasselbe. "Der Weg nach oben und unten ist, ein und derselbe"(615).


{Fußnoten}

615 Fr.60D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B61)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Und das Unreine, sagt er, und das Reine ist ein und dasselbe und das Trinkbare und das Untrinkbare ein und dasselbe. "Das Meer ist das reinste und das scheußlichste Wasser, für die Fische genießbar und lebenerhaltend, für die Menschen untrinkbar und tödlich"(616).


{Fußnoten}

616 Fr.61D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B62)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Er behauptet auch, das Unsterbliche sei offenbar sterblich und das Sterbliche unsterblich. "Unsterbliche sterblich, Sterbliche unsterblich: sie leben gegenseitig ihren Tod und sterben ihr Leben"(617).


{Fußnoten}

617 Fr.62D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B63)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Er lehrt auch die Auferstehung des sichtbaren Leibes, in dem wir zur Welt kamen, und weiß, daß Gott der Urheber dieser Auferstehung ist: "Vor ihm aber, der dort ist, erhöben sie sich und wach würden die Wächter der Lebendigen und der Toten"(618).


{Fußnoten}

618 Fr.63D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B64)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Er lehrt auch, daß das Gericht der Welt und alles dessen, was in ihr ist, durch Feuer erfolge: "Alles steuert der Blitz"(619), d. h. er lenkt es; unter Blitz versteht er das ewige Feuer.


{Fußnoten}

619 Fr.64D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B65)

Übersetzung  Konrad Preysing:

Er sagt weiter, dieses Feuer sei vernunftbegabt und Ursache der Weltregierung; er nennt es aber "Mangel und Fülle"(620); 


{Fußnoten}

620 Fr.65D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B66)

Übersetzung  Konrad Preysing:

nach ihm ist die Weltbildung Mangel, der Weltbrand Fülle: "Über alles nämlich wird das Feuer kommen und es richten und verdammen"(621).


{Fußnoten}

621 Fr.66D.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, IX 10 (Vgl. Fr. DK 22B67)

Übersetzung  Konrad Preysing:

In diesem Kapitel hat er seine ganze Auffassung auseinandergesetzt, zugleich aber auch den Geist der Irrlehre des Noetus, von dem ich kurz nachgewiesen habe, daß er nicht Christi, sondern des Heraklit Schüler sei. Heraklit nennt die geschaffene Welt ihren eigenen Gestalter und Schöpfer: "Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Fülle und Hunger" — lauter Gegensätze: das ist seine Meinung — , "er wandelt sich aber wie das Feuer, das, wenn es mit Räucherwerk vermengt wird, nach eines jeglichen Wohlempfindung so oder so benannt wird"(622). Klar ist es allen, daß die tollen Nachfolger des Noetos und die Vorsteher seiner Sekte mit Annahme seiner Ansichten sich die des Heraklitus zu eigen machen, wenn sie auch, wie sie vorbringen, nicht des Heraklit Hörer waren. Dies nämlich behaupten sie: ein und derselbe Gott sei der Gestalter und Vater aller Dinge, er sei nach seinem Gutdünken den ersten Gerechten erschienen, obwohl er unsichtbar war; wenn er nämlich nicht gesehen wurde, war er unsichtbar; wenn er gesehen wurde, sichtbar; unfaßbar, wenn er nicht erfaßt sein wollte, und faßbar, wenn er erfaßt wurde: so ist er aus demselben Grunde unüberwindlich und überwindlich, unerzeugt und erzeugt, unsterblich und sterblich. Wie sollen diese Leute nicht als des Heraklit Schüler erwiesen werden? Hat nicht "der Dunkle" mit denselben Worten philosophiert?(623) Daß Noetos behauptet, ein und derselbe sei Sohn und Vater, weiß jeder. Er sagt so: "Als nämlich der Vater noch nicht erzeugt war, wurde er mit Recht Vater genannt, als er sich aber entschloß, eine Zeugung über sich ergehen zu lassen, wurde er bei der Zeugung sein eigener Sohn, nicht der eines anderen. So bildet er sich ein, die Monarchia (Einheit) zu beweisen, indem er behauptet, ein und dasselbe sei der Vater und der sogenannte Sohn, nicht ein anderer aus einem andern, sondern er selbst aus sich, dem Namen nach zwar Vater und Sohn genannt gemäß der Zeitenfolge. Dieser eine, welcher erschienen sei, der die Geburt aus der Jungfrau auf sich genommen und als Mensch unter Menschen geweilt habe, bekannte sich den Augenzeugen gegenüber als Sohn wegen der erfolgten Zeugung; denen aber, die es faßten, verbarg er es nicht, daß er der Vater sei. Ihn, der an das qualvolle Kreuz geheftet ward und sich selbst seinen Geist übergab, der starb und nicht starb, und sich selbst am dritten Tage auferweckte, der im Grabmal beigesetzt und mit der Lanze und den Nägeln durchbohrt ward, von diesem sagen Kleomenes und sein Anhang, er sei der Gott des Alls und der Vater, und bringen so das Dunkel des Heraklitus über viele.


{Fußnoten}

622 Fr. 67 D.

623 Gö.

Kommentar

Refutatio omnium haeresium, X 6

Übersetzung  Konrad Preysing:

Hippasos aus Metapontien und Herakleitos aus Ephesos nahmen den Ursprung aus Feuer an, Anaximandros aus Luft, Thales aus Wasser und Xenophanes aus Erde: "Aus Erde nämlich ist alles, und alles endigt in der Erde"(647).


{Fußnoten}

647 Fr. 27 D.

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Diogenes Laertios | Διογένης Λαέρτιος

* 180 CE - † 240 CE | Biograph, Philosophiehistoriker & Doxograph

I, 23

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I, 88

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II, 22

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VIII, 6

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IX, 1

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IX, 1

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IX, 1

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IX, 2

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IX, 2

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IX, 2

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IX, 7

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IX, 7

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IX, 9-10

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IX, 73

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Origenes von Alexandria | Ωριγένης Αδαμάντιος

* 184/185 CE - † 253/254 CE | Christ, Gelehrter, Theologe & Mittelplatoniker

Gegen Celsus I §5

Übersetzung Paul Koetschau:

Die Ansicht von der Verwerflichkeit des Götzendienstes führt Celsus als den Christen eigentümlich an und macht sich dies zurecht, indem er sagt: “Deshalb hielten sie nichts von den mit Händen gemachten Göttern, weil es nicht vernünftig sei anzunehmen, dass die von ganz schlechten und sittenlosen Künstlern, oft auch von ungerechten Menschen verfertigten Arbeiten Götter seien” Im folgenden will er dartun, dass dies die allgemeine Anschauung, und nicht zuerst von der christlichen Lehre gefunden sei, und führt deshalb einen Ausspruch des Heraklit an, welcher sagt:“Ähnlich, wie wenn jemand mit den Häusern ein Gespräch führten wollte, handelten die Leute, die zu den leblosen (Bildern) wie zu Göttern heranträten.” Also auch hierüber ist zu sagen, dass in gleicher Weise wie bei den andern Artikeln der Sittenlehre den Menschen Vorstellungen eingepflanzt worden sind, welche den Heraklit und vielleicht noch andere Griechen oder Barbaren zu solchen Feststellungen geführt haben. Celsus gibt nämlich an, dass äuch die Perser ebenso dächten“, und beruft sich dabei auf das Zeugnis ”des Herodot, der dies berichte”. Dem können wir noch beifügen, dass sich auch Zeno aus Kition in seinem Buch über den Staat so äußert: “Tempel zu bauen wird gar nicht nötig sein. Denn einen Tempel muß man für nichts achten, auch nicht für wertvoll und heilig, da er das Werk von Bauleuten und Handwerkern ist.” Also ist klar: Auch hinsichtlich dieser Lehre steht “in den Herzen” der Menschen mit der Schrift Gottes “geschrieben” , was zu tun ist.

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Gegen Celsus V §14

Übersetzung Paul Koetschau:

Die Worte des Celsus lauten also: **„ Töricht ist auch ihr Glaube, dass, wenn Gott einmal wie ein Koch das Feuer herangebracht hätte, das ganze übrige Menschengeschlecht ausgebrannt werden würde, sie dagegen allein fortbestehen würden, und zwar nicht nur die Lebenden, sondern auch die längst schon Gestorbenen; diese würden wieder aus der Erde hervorkommen, bekleidet mit dem nämlichen Fleische wie früher. Es ist das eine Hoffnung, die geradezu für Würmer passend ist. Denn welche menschliche Seele dürfte sich wohl noch nach einem verwesten Leibe sehnen? Ist doch diese Lehre nicht einmal bei einigen von euch , auch nicht bei den Christen allgemein anerkannt; und wie sie ganz abscheulich und verwerflich ist, so kann sie auch unmöglich bewiesen werden. Denn welcher völlig zerstörte Leib wäre wohl imstande, zu seiner ursprünglichen Beschaffenheit und zu eben jenem ersten Zustand, aus dem er gelöst wurde, zurückzukehren? Da sie hierauf nichts zu antworten wissen, so behelfen sie sich mit der höchst abgeschmackten Ausflucht, dass für Gott alles möglich wäre . Aber das Häßliche vermag Gott gar nicht zu tun, und das Naturwidrige will er nicht tun. Würdest du also auch in deiner Verworfenheit etwas Abscheuliches begehren, so wird Gott das nicht gewähren können, noch darf man glauben, dass der Wunsch sofort in Erfüllung gehen werde. Denn Gott ist nicht Urheber der lasterhaften Begierde, auch nicht der irreführenden Unsittlichkeit, sondern Urheber der wahren und gerechten Natur. Und für die Seele könnte er wohl ewiges Leben gewähren; ‘die Leichname aber’, sagt Heraklit, ‘sind eher wegzuwerfen als Mist’. Das Fleisch nun, voll von Dingen, die man anständigerweise nicht nennen kann, wider die Vernunft als ewig darzustellen, wird Gott weder willens noch imstande sein. Denn er selbst ist die Vernunft alles Seienden; er kann daher nichts tun, was der Vernunft oder seinem eigenen Wesen widerspricht“.

Kommentar

Gegen Celsus V §24

Übersetzung Paul Koetschau:

Wir haben bereits gesagt, dass Gott nichts wolle, was sich für ihn nicht geziemt, weil dies sein Gottsein aufheben würde; wir wollen auch betonen, dass, wenn irgendein Mensch „in seiner Verworfenheit etwas Abscheuliches will“, „Gott dies nicht wird können“. Wir bekämpfen die Behauptungen des Celsus nicht aus Streitsucht; wir prüfen sie vielmehr aus Liebe zur Wahrheit und wollen ihm darin beistimmen, dass „Gott nicht [Urheber] der lasterhaften Begierde, auch nicht der irreführenden Unsittlichkeit, sondern Urheber der wahren und gerechten Natur“, als der Urgrund alles sittlich Guten, ist. Auch in einem andern Punkte stimmen wir unserm Gegner bei, dass Gott „ein ewiges Leben der Seele gewähren kann“, und nicht nur „kann“, sondern auch tatsächlich gewährt. Wegen unserer obigen Ausführungen aber beunruhigt uns das von Celsus angeführte Wort des Heraklit durchaus nicht, dass „Leichname eher wegzuwerfen seien als Mist“. Indessen könnte man hierüber bemerken, „der Mist“ verdiene allerdings nicht mehr, als dass er „hinausgeworfen werde“; der menschliche Leichnam aber verdiene das nicht, da ihn eine Seele bewohnt habe, besonders dann nicht, wenn diese feiner gebildet gewesen sei. Denn die Gesetze einer höheren Kulturstufe verlangen, dass die Leichen mit all den Ehren, die bei solchen Gelegenheiten üblich sind, bestattet werden, damit wir nicht der Seele nach unserem Vermögen einen Schimpf zufügen, wenn wir den von ihr bewohnten menschlichen Leib, nachdem sie ihn verlassen hat, ebenso wegwerfend behandeln, wie die Leichen der Tiere. Ausgeschlossen also soll es sein, dass „Gott wider die Vernunft“ ein „Weizenkorn“ oder „das, was in Vergänglichkeit gesät wird“ als „ewig darstellen wolle“; anders aber verhält es sich wohl mit dem Schößling, der aus dem Weizenkorn hervorgeht, und anders mit „dem in Unvergänglichkeit Auferweckten“. Nach Celsus ist „Gott selbst die Vernunft alles Seienden“, nach uns aber ist es der Sohn Gottes; unsere Philosophie läßt uns von ihm sagen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ . Übrigens lehren auch wir wie Celsus, dass „Gott nichts tun kann, was der Vernunft oder seinem eigenen Wesen widerspricht“.

Kommentar

Gegen Celsus VI §12

Übersetzung Paul Koetschau:

Deshalb gehen wir zu einem anderen Vorwurf unseres Gegners übe. Celsus kennt nicht einmal unsere Schriftstellen nach dem Wortlaut, sondern behauptet infolge von Mißverständnis, **„ wir sagten, die Weisheit unter den Menschen sei Torheit bei Gott.“** Denn Paulus schreibt: „Die Weisheit der Welt ist Torheit bei Gott“ . Celsus fügt hinzu, dass „ die Ursache hiervon schon längst angegeben sei.“ „Die Ursache“ aber ist nach seiner Meinung „ unser Wunsch“ durch diesen Spruch „nur die Ungebildeten und Toren zu gewinnen.“ Wie er selber angibt, hat er dasselbe „schon oben gesagt“ und wir haben auf diesen Einwand, so gut wir konnten, geantwortet. Trotzdem wünschte Celsus nachzuweisen, dass „ wir auch diesen Satz erdichtet und von den griechischen Weisen entlehnt hätten, welche eine menschliche und eine göttliche Weisheit unterscheiden.“ Zum Beweis seiner Behauptung führt er zwei Stellen „des Heraklit“ ab; von diesen lautet die eine: „ Denn menschliches Wesen hat keine Erkenntnisse, göttliches Wesen aber hat sie“, die andere lautet so: „Ein Mann gilt als töricht bei der Gottheit, wie ein Knabe bei dem Mann.“ Er führt auch aus der von „Plato“ verfaßten „Verteidigungsrede des Sokrates“ diese Worte an: „ Denn ich habe, ihr Männer von Athen, diesen Namen aus keinem andern Grund als wegen der Weisheit erhalten. Von welcher Art aber ist diese Weisheit? Sie ist ja wohl eine menschliche Weisheit; denn in der Tat scheine ich in dieser Weise zu sein.“ Das sind nun die Stellen, die Celsus anführt. Ihnen will ich noch beifügen, was Plato in seinem Brief an Hermeias, Erastos und Koriskos schreibt. Dort heißt es:”Erastos aber und Koriskos bedürfen, wenigstens nach meinem Rate, freilich dem Rate eines alten Mannes, außer dieser schönen Weisheit von den Urbildern noch der Weisheit, die sich gegen die schlechten und ungerechten Menschen gut zu sichern weiß, und einer gewissen zur Abwehr geeigneten Fähigkeit.

Denn sie sind noch unerfahren, weil sie mit uns, die wir billig denken und frei von Schlechtigkeit sind, eine geraume Zeit ihres Lebens zugebracht haben. Deshalb also sagte ich, dass sie dieser außerdem bedürfen, um nicht gezwungen zu werden, die wahre Weisheit zu vernachlässigen und sich um die menschliche und auch notwendige Weisheit in größerem Maße, als recht ist, zu kümmern”.

Kommentar

Gegen Celsus VI §13

Übersetzung Paul Koetschau:

Danach also gibt es eine gewisse göttliche und eine menschliche Weisheit. Und die menschliche ist die nach unserem Ausdruck „Weisheit der Welt“ genannt, die „Torheit bei Gott“ ist; die göttliche aber, die eine andere ist als die menschliche, wird, wenn sie wirklich göttlich ist, durch die Gnade Gottes erworben, der sie den Menschen schenkt, die sich zu ihrer Aufnahme vorbereiten, besonders aber denjenigen, die den Unterschied der einen Weisheit von der andern kennen und deshalb in ihren Gebeten zu Gott also sprechen: „Denn wenn gleich einer unter den Menschen vollkommen wäre, so wird er doch, wenn ihm die von dir ausgehende Weisheit fehlt, für nichts geachtet werden“. Eine Ringschule der Seele nennen wir die menschliche Weisheit, ein Ziel aber die göttliche, die auch „als feste Nahrung“ der Seele von dem bezeichnet wird, der sagt: „Für Vollkommene aber ist die feste Nahrung, für diejenigen, deren Sinne durch ihr Verhalten geübt sind Gutes und Böses zu unterscheiden“

Diese Meinung ist in Wahrheit sehr alt, nicht aber wie Celsus meint, „da ihr Ursprung auf Heraklit und Plato zurückgeführt wird.“ Denn noch vor diesen haben die Propheten die beiden Arten von Weisheit unterschieden. Es genügt für jetzt, wenn wir von den Worten Davids den Ausspruch über den weisen Mann anführen, der die göttliche Weisheit besitzt: „Er wird den Tod nicht schauen“, sagt er, „wenn er Weise sterben sieht“. „Die göttliche Weisheit“ nun, verschieden von dem Glauben, ist die erste der sogenannten „Gnadengaben“ Gottes; die zweite nach jener ist für diejenigen, welche in solchen Dingen genau bewandert sind, die sogenannte „Erkenntnis“; die dritte aber ist „der Glaube“; denn es müssen auch die weniger Begabten, die sich nach Kräften der Gottesfurcht befleißigen, gerettet werden. Deshalb heißt es bei Paulus: „Dem einen nämlich wird durch den Geist verliehen das Wort der Weisheit, einem andern aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist, einem andern aber der Glaube in demselben Geist“. Deshalb eben dürfte man wohl nicht finden, dass die gewöhnlichen Leute im Besitze „der göttlichen Weisheit“ sind, sondern nur die unter allen Anhängern des Christentums hervorragenden und ausgezeichneten Männer; auch **„trägt niemand Leuten, die ganz ungebildet oder Sklaven oder ganz unwissend sind, die Lehren der göttlichen Weisheit vor“.

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Gegen Celsus VI §42

Übersetzung Paul Koetschau:

Hierauf erhebt Celsus, von einem andern Punkt ausgehend, folgende Anklage gegen uns:

„ Sie begehen aber einen ganz gottlosen Irrtum auch mit dieser großen Unkenntnis, die in gleicher Weise von göttlicher Rätselworte abirrt, indem sie für Gott einen Gegner schaffen und ebendenselben Diabolos und in hebräischer Sprache Satan benennen. Übrigens ist dies nun ein ganz menschlicher Gedanke und ein gottloser Aus- spruch, dass der höchste Gott, in der Absicht, den Menschen irgendeine Guttat zu erweisen, seinen Widersacher hat und ohnmächtig ist. Der Sohn Gottes also erliegt dem Teufel, und gestraft von ihm lehrt er auch uns, die von diesem verhängten Strafen zu verachten, indem er verkündigt, dass nun der Satan ebenfalls in gleicher Weise erscheinen und große und wunderbare Taten vollbringen und sich dabei die Herrlichkeit Gottes anmaßen werde. Durch diese Werke des Satans aber sollten wir nicht verführt werden und uns nicht jenem zuwenden, sondern müßten allein ihm Glauben schenken. Das ist nun geradezu das Verfahren eines Gauklers, der um Lohn seine Kunst betreibt und sich zum voraus sorgfältig vor solchen schützen will, die durch andere Lehren Ansehen und Anhang zu gewinnen suchen“

Celsus will im folgenden die dunklen Aussprüche [anführen], deren Mißverständnis, wie er glaubt, unsere Ansicht vom Satan verursacht hat; er sagt:„ Die Alten berichten geheimnisvoll von einem gewissen göttlichen Krieg, wie Heraklit, der so spricht: Man muß aber wissen, dass der Krieg allgemein und das Recht der Streit ist, und dass alles im Streit entsteht und getan wird,und wie Pherekydes, der lange vor Heraklit gelebt hat. Dieser erzählt eine Sage, in der ein Heer einem anderen gegenübergestellt wird, und gibt dem einen den Kronos, dem andern aber den Ophioneus zum Anführer und berichtet von ihren Herausforderungen und Kämpfen und von den Verträgen, die sie geschlossen haben. Danach sollte derjenige Teil, der in den Okeanos getrieben würde, der besiegte sein, der andere aber, der den Gegner bedrängt und besiegt hätte, sollte den Himmel besitzen. Diesen Sinn fände man auch“ sagt er, „in den geheimnisvollen Erzählungen von den Titanen und Giganten, die nach der Überlieferung mit den Göttern kämpften, und in den Erzählungen der Ägyptier von Typhon, Horos und Osiris.“

Nachdem er solche Dinge angeführt, aber nicht zum Trost angegeben hat, inwiefern sie einen höheren Sinn enthalten, während unsere Lehren nur Mißverständnis jener wären, fährt er in seinen Schmähungen wider uns fort mit den Worten: „ Jene Lehren seien nicht gleich denjenigen über einen Teufel-Dämon oder - worin sie der Wahrheit näherkommen - über einen Zauber-Menschen, der eine andere Lehre verkünden will.“ So versteht er auch „den Homer“, dass er nämlich „ die gleichen Dinge wie Heraklit und Pherekydes und die Erzähler der die Titanen und Giganten betreffenden Geheimnisse in diesen Worten des Hephaistos an Hera dunkel andeute: “Denn schon früher einmal, da zur Abwehr kühn ich genaht war, Schleudert’ er mich, an der Ferse gepackt, von der heiligen Schwelle’; und ebenso in den folgenden Worten des Zeus an die Hera: „Denkst du daran, wie hoch du mal hingst, und ich an die Füße Dir zwei Ambosse band und mit unzerbrechlicher ‘gold’ner Fessel die Hände umschlang? Du aber hingest im Äther und in den Wolken. Da zürnten die Götter im weiten Olympos. Keiner vermochtes, zu nahn, dich zu lösen; wen ich dabei traf, diesen packt ich und warf von der Schwell‘ ihn, bis er zur Erde schwach nur atmend entsank“. Celsus gibt dann eine Erklärung der Worte Homers und sagt: „ Die Worte des Zeus an die Hera seien Worte, die der Gott zu der Materie gesprochen habe. Die an die Materie gerichteten Worte aber deuteten dunkel an, dass Gott die Materie, die von Anfang an mit Fehlern behaftet war, ergriff und nach gewissen Verhältnissen zusammenband und ordnete, und dass er die Dämonen um sie herum, so viele davon Frevler waren, auf dem Wege hierher zu ihrer Bestrafung hinabstürzte. So habe“, behauptet er, „Pherekydes diese Verse des Homer verstanden und mit Rücksicht auf sie gesagt: ’Unterhalb jenes Reiches aber liegt das Reich des Tartaros; dieses bewachen die Töchter des Boreas, die Harpyien und die Thyella, und Zeus verstößt dorthin, wer von den Göttern gegen ihn frevelt.’ In einen solchen Gedankenkreis gehöre“, sagt er, „ auch das [wunderschöne] Gewand der Athene, das bei dem Panathenäenfestzug von allen geschaut würde. Denn durch dieses wird“, sagt er, „ deutlich gemacht, dass eine gewisse Gottheit, die keine Mutter und keinen Gemahl hat, die übermütigen Söhne der Erde beherrscht.“

Nachdem aber Celsus diese Erdichtungen der Griechen gebilligt hat, schließt er mit einer solchen Anklage gegen unsere Lehre: „ Dass ein Gottessohn von dem Teufel gestraft wird, lehrt auch uns, standhaft zu bleiben, wenn wir von ebendemselben gestraft werden. Und dies ist durchaus lächerlich. Denn er hätte, glaub’ ich, den Teufel bestrafen, aber nicht den von diesem betrogenen Menschen drohen sollen.“

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Gegen Celsus VI §43

Übersetzung Paul Koetschau:

Man erwäge nun, ob nicht unser Gegner, der uns vorwirft, dass wir „in den gottlosesten Irrtümern befangen seien und uns von dem wahren Verständnis göttlicher Rätselworte weit entfernt hätten“, offenbar selbst dem Irrtum verfallen ist. Denn er hat nicht bemerkt, dass in den Schriften des Moses, die weit älter sind nicht nur als die des Heraklit und Pherekydes, sondern auch älter als die Gedichte Homers, bereits dieses Bösen und seines Sturzes aus den Himmelsräumen gedacht wird. Denn „die Schlange“ , nach welcher Pherekydes seinen Ophioneus gebildet hat, deutet etwas Ähnliches dunkel an, da sie die Vertreibung des Menschen aus dem Paradiese Gottes verschuldete und durch Verheißung göttlicher Natur und höherer Güter das schwächere Geschlecht betrog, dessen Beispiel dann nach dem Berichte der Schrift auch der Mann folgte. Und „der Verderber“ im Exodus des Moses , wer ist dies anders als der Urheber des Verderbens für jene Menschen, die ihm Gehör schenken, die seiner Schlechtigkeit nicht entgegentreten und nicht dagegen ankämpfen? Ferner war auch „der Unheil abwendende“ im Leviticus, den die hebräische Sprache Azazel nennt , kein anderer. Den mußte man wegschicken und von ihm sich abwenden, da er sein Los in der Wüste hatte; denn alle, die wegen ihrer Schlechtigkeit zum Anteil des Schlechteren gehören, sind Gegner derer, die zum Los Gottes gehören und deshalb von Gott verlassen. Aber auch die Söhne Beliars im Buche der Richter, werden sie nicht ihrer Schlechtigkeit wegen seine Söhne genannt? Dementsprechend wird ferner in dem Buche Hiob, das an Alter sogar den Moses übertrifft, von dem Teufel deutlich erzählt, dass er vor Gott hintrat und Gewalt über Hiob erbat, um ihn mit dem schwersten Unglück zu schlagen, zuerst mit der Vernichtung all seines Besitzes und seiner Kinder und dann mit jener schrecklichen Krankheit, die Aussatz genannt wird und den ganzen Körper des Hiob befiel . Ich übergehe die Äußerungen der Evangelien über den Teufel, der den Heiland versuchte , damit man nicht meine, ich stützte mich in dem Streite mit Celsus auf das Zeugnis jüngerer Schriften. Gegen Ende des Buches Hiob aber, wo der Herr aus dem Wetter und den Wolken zu Hiob die Worte sprach, die in dem gleichnamigen Buch aufgezeichnet sind, kann man nicht wenig finden, was auf den Drachen Bezug hat . Ich übergehe auch die Stellen aus Ezechiel, wo der Prophet so redet, als hätte er „den Pharao“ oder „den Nabuchodonosor“ oder „den Beherrscher von Tyrus“ im Auge , ebenso die Stellen aus Jesaia, in welchen der König von Babylon beklagt wird . Hieraus könnte man gar manches über das Böse, über seinen Anfang und Ursprung lernen, und dass das Böse von einigen herrührt, die ihre Seelenschwingen verloren hatten und dem gefolgt waren, der seine Schwingen zuerst eingebüßt hatte.

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Gegen Celsus VII §62

Übersetzung Paul Koetschau:

Wir wollen aber auch das Folgende betrachten, wo Celsus sich so äußert: **”Treten wir nun auf die andere Seite! Ihre Augen können keine Tempel, Altäre und Götterbilder ertragen. Hierin sind ihnen aber die Skythen gleich und die Nomadenstämme Libyens und die Syrer, die keinen Gott verehren, und andere Völker, gerade die ruchlosesten und gesetzlosesten. Dass es auch die Perser so halten, berichtet Herodot mit folgenden Worten: ‘Von den Persern aber weiß ich, dass sie diese Bräuche haben, dass sie es für Unrecht ansehen, Götterbilder, Altäre und Tempel zu errichten; und denen, die es tun, werfen sie Torheit vor, meiner Meinung nach deshalb, weil sie nicht glaubten, dass die Götter, wie die Griechen annehmen, menschenartig seien’. Und fürwahr, auch Heraklit äußert sich ungefähr so: ‘Und zu diesen Götterbildern beten sie, wie wenn jemand mit den Häusern reden wollte, ohne Götter oder Halbgötter zu erkennen, von welcher Art sie sind.’ Was für weisere Lehren geben sie denn uns als Heraklit? Dieser deutet gar geheimnisvoll an, dass es einfältig sei, ‘zu den Götterbildern zu beten’, wenn man nicht erkenne, ‘von welcher Art Götter und Halbgötter seien’. So lehrt Heraklit. Diese dagegen mißachten geradezu die Götterbilder. Tun sie das deshalb, weil Stein, Holz, Erz oder Gold, das dieser oder jener bearbeitet hat, wohl kein Gott sein könne, so ist diese Weisheit lächerlich. Denn wer hält denn sonst - abgesehen von ganz kindischen Menschen - dies für Götter und nicht für Weihgeschenke und Bilder von Göttern? Tun sie es aber deshalb, weil man überhaupt keine Abbilder der Gottheit annehmen dürfe, denn Gott habe eine andere Gestalt, wie das auch die Perser glauben, so widerlegen sie sich selbst, ohne es zu merken. Denn sie lehren, dass ‘Gott den Menschen zu seinem eigenen Bilde gemacht habe, an Gestalt aber sich ähnlich’.

Sie werden jedoch zwar zugeben, dass diese Bilder zur Ehrung gewisser Wesen bestimmt sind, mögen sie ihnen an Gestalt ähnlich sein oder nicht, aber werden erklären, dass die Wesen, denen diese Dinge geweiht sind, keine Götter, sondern Dämonen seien, und wer Gott verehre, dürfe nicht den Dämonen dienen. ”**

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Gegen Celsus VII §65

Übersetzung Paul Koetschau:

Schon oben ist von den “Persern” gesagt worden, dass sie zwar keine “Tempel errichten”, aber “die Sonne” und die [andern] Werke Gottes “verehren”. Dies wird uns verboten, da wir belehrt werden, dass wir nicht “dem Geschöpfe statt dem Schöpfer dienen dürfen” , sondern wissen müssen, dass “die Schöpfung soll befreit werden von der Knechtschaft der Verwesung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes” , und dass “das sehnsüchtige Harren der Schöpfung auf die Offenbarung der Söhne Gottes erwartet” , ferner, dass “die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen wurde, nicht freiwillig, sondern um deswillen, der sie unterwarf, auf Hoffnung hin” . Wir glauben deshalb, dass wahrlich Dinge, die “dem Dienste der Verwesung” und “der Vergänglichkeit unterworfen” sind und “im Hinblick auf eine bessere Hoffnung” in diesem Zustand verharren, in unserer Verehrung nicht die Stelle Gottes der nichts bedarf, oder seines Sohnes, “des Erstgeborenen aller Schöpfung” , einnehmen dürfen. Es genügt also, diese Bemerkungen zu unseren früheren über “das Volk der Perser” hinzuzufügen, die “Altäre und Götterbilder” verschmähen, aber “dem Geschöpfe statt dem Schöpfer dienen” Celsus hat auch den Ausspruch “des Heraklit” angeführt, der nach seiner Erklärung das Beten zu den Götterbildernäls “einfältig” bezeichnet, “wenn man nicht erkenne, von welcher Art Götter und Halbgötter seien”. Wir haben darauf zu sagen: Es ist wohl möglich zu erkennen, dass Gott und sein eingeborener Sohn und die von Gott mit der Benennung “Gott” Geehrten, die Anteil an seiner Gottheit haben, verschieden sind von allen Göttern “der Heiden, welche Dämonen sind” ; freilich ist es nicht möglich, “Gott zu erkennen” und zugleich “den Götterbildern seine Gebete darzubringen”.

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Marcus Minucius Felix

* ≥160 CE - † 250-260 CE | Christ & Apologet

Hermias der Apologet | Ἑρμείας

* spätes 2. Jh. CE - † 3. Jh. CE | Christ & Apologet

Verspottung der nichtchristlichen Philosophen §6

Übersetzung Alfons Müller & Jakob Leitl:

Aber was soll ich machen? Denn ältere Greise als diese wirken auf meine Nerven ein: Pherekydes, der da sagt, die Prinzipien seien Zeus, Chthonia und Kronos: Zeus sei der Äther, Chthonia die Erde, Kronos die Zeit; der Äther sei das handelnde, die Erde das leidende, die Zeit das werdende Prinzip. Schon aber herrscht Eifersucht unter diesen Greisen. Dieses alles nämlich erklärt Leukippus für Geschwätz und sagt, die Grundprinzipien seien die unbegrenzten, ewig bewegten, kleinsten Atome: und zwar steigen die feinen in die Höhe und werden zu Feuer und Luft, die groben, da sie eine tiefere Lage einnehmen, zu Wasser und Erde. Wie lange noch soll ich über so vieles belehrt werden und dennoch nichts Wahres lernen? Es müßte denn Demokrit mich von dem Irrtume befreien, indem er sagt, die Grundprinzipien seien das Seiende und Nichtseiende; und das Seiende sei voll und das Nichtseiende sei leer; das Volle bringt aber im Leeren durch Drehung und Gestaltung alles hervor. Vielleicht würde ich dem guten Demokrit Glauben schenken und mit ihm lachen wollen, wenn nicht Heraklit meine Überzeugung änderte, der da in weinerlichem Tone sagt: „Das Grundprinzip des Alls ist das Feuer; zwei Eigenschaften hat es: die Leichtigkeit und die Dichtigkeit, die eine schaffend, die andere leidend, die eine verbindend, die andere auseinanderhaltend“. Aber ich habe genug und bin schon trunken durch so viele Prinzipien. Aber von dorther ruft mir Epikur, daß ich ja nicht seine schöne Lehre von den Atomen und den Leeren verachte; denn durch deren vielfältige und vielgestaltige Verbindung komme alles Entstehen und Vergehen zustande.

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Plotin | Πλωτῖνος

* 203-205 CE - † 270 CE | Neuplatoniker

IV, 8 [6], 1

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V, 1 [10]

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V, 2, 40

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V, 9 [5]

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Censorinus Grammaticus

* 190-228 CE - † 3. Jh. CE, fl. 230-268 CE | Grammatiker und Schriftsteller

De die natali, 18, 11

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Porphyrios | Πορφύριος | ܡܠܟ

* 232-234 CE - † 301-305 CE | Neuplatoiker, Astronom & Astrologe

Cave of the Nymphs 10:

Translation George Boys-Stones:

Nymphs which represent the powers of the waters we call, specifically, 'Naiads', a name used by the Pythagoreans to refer in general to all souls descending into generation. For they think that the souls settle on the water which contains the breath of god, as Numenius says, adding that it is because of this that the prophet said that the spirit of god was borne over the water, and because of this that the Egyptians place all their daemons not on anything solid but, in every case, on a ship – the Sun and absolutely all of them. One is supposed to understand by them the souls floating on water as they descend to generation. This is also why Heraclitus said that ‘to become moist is pleasure, not death, for souls’: the fall to generation is a pleasure for them. Elsewhere Heraclitus says that we live their death and they live our death, which is why the poet calls those in the realm of generation 'liquid', as their souls are wet. Blood and humid seed are dear to them as well, and water nurtures plants.

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Quastiones Homericae: ad Iliadis IV, 4 [= Scholia B et T]

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Quastiones Homericae: ad Iliadis XIV, 200 (p. 190 Schrader)

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Iamblichos von Chalkis | Ἰάμβλιχος | 𐡉𐡌𐡋𐡊𐡅

* 240-250 CE - † 320-330 CE | Neuplatoniker & Neupythagoreer

De mysteriis, I, 11

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Protrepticus, 21

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Lucius Caecilius Firmianus Lactantius

* 240-250 CE - † 320-325 CE | Christ, Apologet, Kirchenvater, Rhetoriker & Berater von Konstantin I.

Arnobius der Ältere | Arnobius Afer

* 240-255 CE - † 327-330 CE | Christ, Apologet & Rhetoriker

Gegen die Heiden II §9

Übersetzung Franz Anton von Bernhard:

Warum habt ihr unter den Dingen dieß, was ihr doch selbst aufzeichnet, oft leset, mit eigenen Augen besaht und selbst verrichtet, beobachtet, von der menschlichen Kunde ausgeschieden? glaubt nicht jeder von euch dieser oder jener Autorität? nicht was Einer sich beredet hat, daß ein Anderer als wahr ausgesagt, gleichwie durch irgend eine Glaubensversicherung geschützt? Der da sagt, der gesammten Dinge Ursprung sey Feuer oder Wasser, glaubt der nicht dem Thales oder Heraklit? Wer den Urgrund in die Zahlen setzt, glaubt der nicht dem samischen Pythagoras, dem Archytas? Wer die Seele spaltet und unkörperliche Urbilder aufstellt, glaubt der nicht dem sokratischen Platon? Wer das fünfte Element den ersten Ursachen zufügt, glaubt der nicht dem Vater der Peripatetiker, Aristoteles? Wer das Feuer die Welt bedrohen läßt, es werde mit der Zeit dieselbe verzehren, glaubt der nicht dem Panaetias, dem Chrysippos, dem Zeno? Wer durch die untheilbaren Körper die Welt entstehen und vergehen läßt, glaubt der nicht dem Epikur, dem Demokrit, dem Metrodoros? Wer annimmt, der Mensch vermöge Nichts zu erkennen und Alles sey in Finsterniß eingehüllt, glaubt der nicht dem Archesilaos, dem Karneades? nicht irgend einem Verehrer der alten und neuen Akademie?

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Gegen die Heiden II §10

Übersetzung Franz Anton von Bernhard:

Endlich die Häupter und Väter selbst der genannten Schulen, sagen sie nicht selbst das, was sie aussagen, als ihren Vermuthungen geglaubt aus? Hat nämlich Heraklid die Entstehung der Dinge durch des Feuers Wandlung, Thales die durch des Wassers Verdichtung gesehen? Hat Pythagoras derselben Hervorgehen aus den Zahlen, hat Platon die unkörperlichen Urbilder, Demokrit der untheilbaren Körper Zusammenstoßen geschaut? Oder wissen Jene, welche dafür halten, man könne Nichts durchaus begreifen, ob was sie sagen wahr sey; oder sehen sie ein, das selbst Ausgesprochene, was sie festsetzen, sey die Wahrheit? Da ihr also Nichts gewiß und zuverlässig besitzt, und Alles was ihr schreibet und in tausend Büchern zusammenfasset unter des Glaubens Führung bewahret: wie höchst ungerecht ist dann eure Aburtheilung, daß ihr unseren Glauben verlacht, den ihr doch mit uns gemeinschaftlich zu haben bemerkt? Aber ihr glaubt weisen, in allen Arten des Wissens unterrichteten Männern? denen nämlich, welche Nichts wissen und auch nicht Eins enthüllten; welche um ihrer Meinungen willen mit den Widersprechenden Streit anfangen und mit feindseliger Hartnäckigkeit immerdar fortfechten; welche, insofern Einer des Andern Sätze erschüttert, stürzt und vernichtet, Alles insgesammt ungewiß machen und durch ihre Uneinigkeit selbst darthun, daß man eigentlich nichts wissen könne.

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Gegen die Heiden V §28-29

Übersetzung Franz Anton von Bernhard:

Längst schon bekenne ich unentschlossen zu seyn, mit offenem Munde umherzuschauen, zu zaudern, tellenische Possen, wie man zu sprechen pflegt, zu verdoppeln, da mich Scham erfaßt, jene alimontischen Mysterien vorzuführen, denen zu Vater Liber Ehre Griechenland Ithyphallos aufrichtet und alle Ländereien mit Abbildungen männlicher Geschlechtstheile sich schmücken. Was dieß bedeuten soll, ist vielleicht dunkel, und aus welchem Grunde es geschieht forscht man. Wer immer solches nicht weiß, der erfahre, und verwundert ob solcher Dinge, bewahre er in immer reinerer Gesinnung sie mit scheuer Ehrfurcht. Man erzählt: als der mysaische und semelische Liber annoch unter den Menschen lebte, habe er nach der Kunde der Unterwelt und nach Erforschung dessen, was unterhalb des Tartarus sich begebe, Verlangen getragen; diese seine Begierde sey aber durch mancherlei Schwierigkeiten verhindert worden, indem er aus Unkunde des Weges, nicht wußte, wohin sich wenden. Da erschien ein gewisser Prosumnus, der schimpfliche Buhle des Gottes, zu verruchten Lüsten über die Maßen geneigt, und verhieß die Pforte des Dis und den Zugang zum Acheron ihm zu zeigen, wofern der Gott seynen Willen thun und weibliche Lust erdulden wolle. Der Gott schwur leichtfertig, er werde sich seiner Macht und seinem Willen unterwerfen, allein erst nach der Rückkehr aus der Unterwelt, wenn Wunsch und Unternehmung erfüllt seyen. Prosumnus entdeckte dienstfertig den Weg und brachte ihn auf die Schwelle der Unterwelt selbst. Unterdessen Liber nun den Styx, den Cerberus, die Furien und alle künftigen Dinge mit neugieriger Untersuchung beschaute, schied jener Wegweiser aus der Lebenden Zahl und ward nach menschlicher Sitte begraben. Evius, der Unterwelt entstiegen, erinnerte sich des verstorbenen Führers; ging den Vertrag zu erfüllen und seinen Schwur zu lösen zum Grabe hin; schnitt von einem Feigenbaum den dicksten Ast ab; behaute, hobelte, glättete und gestaltete ihn zu einem männlichen Glied; befestigte dasselbe auf dem Grabhügel; nahte sich demselben, seinen Hintern entblößt; schob sich unter und saß fest. Dann die Geilheit aber eines in Brunst Seyenden annehmend, drehte er die Hinterbacken, der Meinung; vom Holze zu erleiden, was er vorlängst in Wahrheit zu leisten versprochen hatte.

Nr.29

Damit jedoch nicht etwa einer dafür halte, diese so unfrommen Dinge seyen von uns ausgesonnen, so verlangen wir nicht, daß er dem Zeugen Heraklitos glaube, noch wollen wir, daß er aus dessen Lesung, was derselbe über derlei Mysterien geurtheilt, annehme; er frage das gesammte Griechenland, was ihm diese Phallos bedeuten, welche alte Sitte auf den Feldern, in den Städten errichtete und verehrte, und er wird die von uns angegebenen Ursachen finden; oder war es wider die Schamhaftigkeit, die Wahrheit einfältig darzulegen, was nützte dann die Verdunklung, was die Verhüllung der Ursache und des Ursprungs des Ritus, da die Sache an sich Religionslästerung ist? Was sagt ihr Völker, was ihr mit Tempelverehrung Beschäftigte, was ihr derselben geweihte Stämme? Zu diesen Diensten treibt ihr uns durch Feuer, Verbannung, Prügel und die übrigen Strafarten, sammt der Furcht und Grausamkeit? dieserlei Götter führt ihr uns zu, macht ihr uns bekannt, auferlegt ihr uns, deren Aehnlichkeit ihr weder für euch, noch für irgend einen eurer Blutverwandten und durch Familienrechte Euch verbundenen wünscht? Könnt ihr euern noch nicht mannbaren Knaben den von Liber mit seinem Buhlen abgeschlossenen Vertrag mittheilen? Könnt ihr euere Schnuren, ja euere Ehefrauen zu Baubo’s Unverschämtheit verleiten, zu den ehrbaren Ergötzungen der Ceres? Wollt ihr, daß eure Jünglinge wissen, hören, lernen, wie Jupiter selbst bei der einen und anderen Mutter sich darstellt habe? Wollt ihr, daß herangewachsene Jungfrauen und noch rüstige Väter wahrnehmen, mittelst welcher Kunst derselbe bei der Tochter sich die Zeit vertrieb? Wollt ihr, daß schon heiße Geschwister, Brüder eines Samens, eben denselben bemerken, wie er das Bett der Schwester zu beflecken nicht verschmähte? Muß man also von derlei Göttern nicht sofort weithin fliehen, und damit nicht solcher unreinen Religion Schändlichkeit in’s Gemüth sich einschleiche, ist nicht das Gehör durchaus zu verschließen? Denn welcher Sterbliche ist wohl in reinen Sitten so begründet, daß ihn der Götter Beispiele nicht zu gleichen Ausschweifungen verlockten? Oder wer ist im Stande, seine Begierden hinsichtlich verwandter und zu ehrender Personen zu unterdrücken, da er sieht, wie bei den Himmlischen im Wirren der Gelüste nichts als heilig geachtet ist? Wo nämlich fest steht, innerhalb rechtmäßigen Schranken, es könne das erste und vollkommene Wesen seine Begierde nicht bezähmen, warum soll sich da der Mensch nicht in gemeinschaftliche Begierden stürzen, sowohl durch die angeborene Gebrechlichkeit dem Fall hingegeben, als auch durch göttliche Lehre unterstützt?

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Eusebius von Caesarea | Εὐσέβιος ὁ τῆς Καισαρείας

* 260-265 CE - † 339/340 CE | Christ, Theologe, Kirchenvater & Historiker

Kirchengeschichte V § 27

Übersetzung Phillip Häuser:

Die Werke der anderen damals blühenden Schriftsteller.

Nachdem Kommodus die Herrschaft dreizehn Jahre innegehabt und Pertinax nach dessen Tode nicht ganz sechs Monate regiert hatte, wurde Severus Kaiser. Von den alten Kirchenschriftstellern der damaligen Zeit sind noch heute vielerorts zahlreiche Denkmale ihrer Tüchtigkeit und ihres Fleißes erhalten. Die Schriften, die wir in Erfahrung gebracht haben, sind etwa: die Schrift Heraklits auf den Apostel, die Schrift des Maximus über die bei den Häretikern viel besprochene Frage nach dem Ursprung des Bösen und über das Gewordensein des Stoffes, die Schrift des Kandidus über das Sechstagewerk, die des Apion über das gleiche Thema, die des Sextus über die Auferstehung, die des Arabianus über ein anderes Thema und die Schriften von unzähligen anderen, von denen wir, da uns jeder Anhaltspunkt fehlt, weder die Zeit festzulegen noch eine geschichtliche Erinnerung zu bieten vermögen. Und weiter sind von sehr vielen, von denen wir auch die Namen nicht kennen, Schriften auf uns gekommen. Es sind rechtgläubige, kirchlich gesinnte Männer, wie ihre Auslegung der göttlichen Schrift bekundet, aber wir kennen sie nicht, da die Schriften die Namen der Verfasser nicht anführen.

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Praeparatio evangelica, VIII, 14, 66

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Praeparatio evangelica XV, 14, 2

Übersetzung Rainer Nickel:

Die Stoiker behaupten wie Heraklit, das Feuer sei das Element alles Seienden, und wie Piaton, seine Ursprünge seien die Substanz und Gott. Aber dieser sagt, dass beide Körper seien, das Handeln und das vom Handeln Affizierte, während jener behauptet, das erste Handelnde sei eine körperlose Ursache. Dann aber verbrenne in gewissen vom Schicksal bestimmten Zeiträumen der gesamte Kosmos, darauf werde er wieder neu geordnet. Das erste Feuer sei allerdings wie ein Same, der den Bauplan für alles und die Gründe für das enthält, was war, was ist und was sein wird. Die Verknüpfungen dieser Zeitebenen und ihre Abfolge sei das Schicksal, das Wissen, die Wahrheit und das Gesetz des Seienden, dem man nicht entgegenwirken und nicht entkommen könne. Auf diese Weise werde alles im Kosmos vorzüglich geordnet wie in einem über die besten Gesetze verfügenden Staat.

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Praeparatio evangelica, XV, 20, 2

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Calcidius | Chalcidius

* frühes 4. Jh. CE - † vllt. noch 5. Jh. CE | Neuplatoniker & Naturphilosoph

Commentary on the Timaios 297.7-301.20 (Waszink):

Translation George Boys-Stones:

So the Stoics agree that matter is unformed and without quality just as Pythagoras does, but Pythagoras thinks that this is also evil, while the Stoics think that it is neither good nor evil. Further down the road, however, when the Stoics encounter evil and are asked where evil comes from, they blame it on 'aberration'. But they don’t go on to explain where 'aberration' comes from when, according to them, there are two principles, namely god and matter, and god is good to highest degree and eminence, and matter, they agree, neither good nor bad. Pythagoras is not afraid to defend the truth, even when what he says is surprising and tends to contradict common belief. For he says that, if providence exists, evil also must exist. In fact it exists because matter exists and matter is imbued with evil. And if the cosmos is made out of matter, this means that it must be made out of some existing thing that was by nature evil. This is why Numenius praises Heraclitus in his criticism of Homer, who expressed a wish for the destruction and extinction of life’s evils. He did not understand that what he was wishing for was the destruction of the cosmos, since matter, the source of evil, would be eradicated. Again, Numenius praises Plato, because he asserts the existence of two world souls, one thoroughly benevolent, the other, i.e. matter, evil. Although matter is in a state of disordered flux, nevertheless it is alive, since it moves by internal motion which is proper to it, and must be animated by a soul according to the law of all things which move with genuine motion. What is more, matter is the author and guide of the passionate parts of the soul, which have something corporeal and mortal and body-like about them – just as god and reason are author of the rational part. In any case: this world was made from god and matter.

Kommentar

Himerios | Ἱμέριος

* 310-320 CE - † 383-390 CE | Rhetoriker & Sophist

Epiphanius von Salamis | Επιφάνιος

* 310-320 CE - † 403 CE | Christ, Bischof & Kirchenvater

Anakephalaiosis. Häresien des ersten Abschnittes vom ersten Buche 6

Übersetzung Josef Hörmann:

6. Die Stoiker halten das All für einen Körper und die sichtbare Well für Gott. Einige suchen auch im Feuer die [letzte] Natur der Dinge; Gott ist ihnen Geist, und sie meinen, daß er gleichsam die Seele der ganzen ungeheuren Masse des Himmels und der Erde sei, dessen Leib das All, dessen Auge die Gestirne seien. Alles Fleisch gehe zugrunde, die Seele aber wandere von Körper zu Körper.


{Fußnoten}

8 τὸν . . . θεὸν νοῦν δογματίζουσιν. . . nicht in dem Sinne, in welchem wir sagen: „Gott ist ein Geist.“ Gott und Materie ist vielmehr den Stoikern eine mit sich identische Substanz, eben die Welt, deren allgemeine Vernunft Gott ist. Analog der Auffassung früherer Naturphilosophen, speziell Heraklits, dachten sich die Stoiker diese allgemeine Weltvernunft nicht rein geistig, sondern in Form der „Lebenswärme“, des Urfeuers. Gott ist darnach der vernünftige Lebensatem [πνεῦμα] der Welt oder das πῦρ τεχνικόν der Weltbildung.

Kommentar

Der Festgeankerte 104

Übersetzung Josef Hörmann:

Herakleitos aber ruft den Ägyptern(619) zu: Wenn es Götter sind, warum betrauert ihr sie?(620) Sie beklagen nämlich den Typhon und Osiris und andere unterirdische Gottheiten in lauten Trauergesängen und bejammern sie als Begrabene. Herakleitos wollte sagen: Wenn es Götter sind, warum beweint ihr sie? Wenn sie aber tot sind, dann betrauert ihr sie vergebens. Ein anderer, der Komiker Eudaimon, sagt: “Wenn es auch Götter gibt, so kann ich doch nicht von ihnen reden oder eine Vorstellung davon geben, wie sie sind. Denn vieles hindert mich daran.” Und Homer sagt: “Nichts Gutes ist die Vielherrschaft.” Der Komiker Philemon aber bemerkt: “Jene, die einen Gott anbeten, haben schöne Hoffnung auf das Heil.” 


{Fußnoten}

619 Im Texte steht Αἰγύπτος. Da aber von einem Ägypter Heraklitus, dem unser Diktum beigelegt wurde, nichts bekannt ist, so wird die Stelle mit Petavius in obiger Weise zu verbessern sein, um so mehr, als Clemens von Alexandrien, den unser Autor vor Augen hat, sagt: Ὦν ὁ μέν τις παρενγγυᾷ τοῖς Αἰγυπτίοις. Noch sei bemerkt, daß in der Note zu dieser Stelle des Clemens in der Ausgabe des Joh. Potter, Oxonii 1715, tom. 1, pag. 21 ausgeführt wird, unter diesem τίς sei Xenophanes zu verstehen, was aus dem letzten Buche περὶ δεισιδαιμονίας des Plutarch belegt wird. [W.] Vgl. dazu von Wilamowitz a. a. O., wo für das folgende gezeigt wird, “daß die Auszüge verschiedener Vorlagen roh ineinander geschoben sind”.

620 Der Ausspruch wird von den Kirchenvätern vielfach verwendet. Juliυs Firmicus Maternus sagt: “Si dii sunt quos colitis, cur eos lugetis ? cur eos annuis luctibus plangitis ? Si lacrimis ac luctu digni sunt, cur eos divino honore cumulatis ?” [De errore propan. relig. ed. C. Halmius, Vindobon. 1867 pag. 90.] Minucius Felix: Nonne ridiculum est vel lugere quod colas vel colere quod lugeas ? Octavius c. 22, ebd. 31.

Kommentar

Themistios | Θεμίστιος

* ca. 317 CE - † >388 CE | Neuplatoniker & Aristoteleskommentator

Orationes, V, 69 B

Kommentar

On Virtue §46

Translation James Wilberding, Julia Trompeter & Alberto Rigolio:

I shall tell you, then, what happened in Ephesus. The Ephesians were accustomed to pleasures and luxuries, and, when there was an attack against them, a ring of horsemen laid siege to their city. Despite this, the [Ephesians] were living luxuriously, as they had always been accustomed to do. In the city food [soon] began to be in short supply, and, when hunger prevailed over them, the citizens gathered to take counsel about what they should do lest the supplies failed. Since they ought to lessen their pleasure[s, however,] nobody dared to [come forward to]give advice. When all of them were gathered for this matter, a man, Heraclitus, took some barley flour and mixed it with water, and sat to eat it in the middle of them. This was silent teaching for the entire population. The story says that the Ephesians immediately understood this admonition and did not need any other, and they left [the gathering] having seen in actions that they had to desist from luxuries lest their provisions should fail. Their enemies, when they heard that they had learned to live with moderation and that they dined as Heraclitus had advised them, departed from the city. Although they had been victorious without a weapon, they gave way before the barley of Heraclitus.

Kommentar

Gregor von Nazianz | Γρηγόριος ὁ Ναζιανζηνός | Γρηγόριος ὁ Θεολόγος

* ca. 329 CE - † 389/390 CE | Christ, Kirchenlehrer, Theologe & Patriarch von Konstantinopel

IV. Rede §72-73

Übersetzung Philipp Haeuser:

Allzu Verwegener, Todesmutiger wenn überhaupt einer so gewesen ist, mußt du nicht vor solchen Tatsachen erschrecken? Hast du davor keine Achtung? Viel geringere Achtung verdient die unersättliche Gier des weisen Gesetzgebers Solon, den das lydische Gold des Krösus verraten hatte, oder die Schönheitsliebe des Sokrates; von seiner Päderastie zu sprechen schäme ich mich, obwohl man sie zu beschönigen sucht. Geringere Achtung verdient das Schmarotzertum, welches Plato in Sizilien trieb und dessentwegen er verkauft wurde, ohne daß er aber von einem seiner Schüler oder überhaupt von einem Griechen losgekauft worden wäre, oder die Freßlust des Xenokrates, oder die witzige Mundfertigkeit, durch welche der Faßbewohner Diogenes Fremde vor Tyrannen und gewöhnliche Brote vor Kuchen im Anschluß an ein Dichterwort ausweichen ließ, oder die Philosophie des Epikur, nach welcher das sinnliche Vergnügen das einzige Gut ist. Groß war nach eurer Meinung Krates. Allerdings ist es eines Philosophen würdig, seinen Besitz für Schafweiden herzugeben, erinnert auch an das Verhalten unserer Philosophen. Allein in einer Rede tat er mit seiner Freiheit groß, als hätte er nicht die Weisheit, sondern vielmehr den Ruhm geliebt. Für groß haltet ihr den, der, als bei stürmischer Seefahrt alles über Bord geworfen wurde, dem Schicksale Dank sagte, weil es ihn zum Tragen des Philosophenmantels verdemütigte. Groß gilt euch Antisthenes, weil er, als ein ausgelassener, frecher Mensch ihm das Gesicht zerschlagen hatte, nur den Namen des Raufboldes auf seine Stirne schrieb, gleich dem Bildhauer, der den Namen der Statue einmeißelt; es sollte wohl eine recht kräftige Anklage sein. Über einen von denen, welche nicht lange vor uns gelebt haben, weißt du lobend zu berichten, daß er den ganzen Tag dagestanden sei und zur Sonne gebetet habe. Doch vielleicht hatte er gewartet, bis die Sonne (am Abend) sich der Erde nähert, um sein Gebet kurz fassen und mit Sonnenuntergang beenden zu können. Du lobst den, der in Potidäa zur Winterszeit die ganze Nacht hindurch dagestanden sei, um angestrengt zu betrachten, ohne aber in seiner Verzückung den Frost zu spüren. Du lobst die Wißbegierde des Homer anläßlich der Frage, welche die Arkader an ihn gestellt hatten, und des Aristoteles ausdauerndes Studium über die Strömungen des Euripus, weil beide ihrem Eifer durch Tod erlegen seien. Du lobst den Brunnen des Kleanthes, den „Riemen“ des Anaxagoras, die Traurigkeit des Heraklit.

73.

Doch wie viele haben sich in solcher Weise ausgezeichnet und wie lange? Nicht bewunderst du die vielen Tausenden, welche unter uns ebenso und in noch wunderbarerer Weise wirken, und zwar während ihres ganzen Lebens und sozusagen auf dem ganzen Erdkreis, Männer wie auch Frauen, welch letztere im Wettkampf nach Männlichkeit ringen und nur in diesem Falle ihre Natur vergessen, wo es sich darum handelt, Gott durch Keuschheit und Mut zu gewinnen. Darunter sind nicht nur Leute niederen Standes, welche in Armut geboren, sich an schwere Arbeit gewöhnen mußten, sondern auch solche, die einst in sehr hohen Stellungen waren und infolge ihres Vermögens, ihrer Geburt und ihrer Macht Ansehen genossen, nun aber durch die Nachfolge Christi ungewohntes Leid übernahmen. Und wenn manche auch nicht die Kraft des Wortes besaßen, da ja die Religion nicht im Worte liegt und, wie schon einer eurer Dichter lehrte, weiser Mund kleine Erfolge bringt, so ist zu beachten, daß Vernünftigkeit und praktische Weisheit mehr Wert haben.

Kommentar

VII. Rede §20

Übersetzung Philipp Haeuser:

S. 227 Da wir die Übel kennen, von denen Cäsarius {jüngerer Bruder von Gregor von Nazianz} befreit worden ist, wollen wir nicht ihn beklagen; vielmehr uns selbst wollen wir beklagen, da wir in diesen Übeln zurückgelassen worden sind und wir deren noch viele ernten werden, wenn wir nicht in aufrichtiger Hingabe an Gott und unter Verachtung des Vergänglichen dem himmlischen Leben zustreben, wenn wir Erdenkinder nicht die Erde verlassen und allen Ernstes dem Geiste folgen, der in die Höhe führt. Solche Pflichten empfinden kleinmütige Menschen schmerzlich, starken Geistern aber erscheinen sie leicht. Doch überlegen wir nur! Cäsarius herrscht zwar nicht; aber er wird auch nicht von anderen beherrscht. Zwar flößt er niemandem Furcht ein; aber er hat auch keine strengen Gebieter zu fürchten, die oftmals gar nicht würdig sind, an der Spitze zu stehen. Zwar sammelt er keine Reichtümer; aber er braucht nicht scheel auf Neider zu schauen, und seine Seele krankt nicht an sündhafter Habgier und an dem Streben, um so mehr zu erwerben, je mehr man besitzt. Denn Reichtum ist die Krankheit, in der man unaufhörlich nach mehr verlangt und durch Trinken stets wieder neuen Durst erregt. Nicht tritt er als Redner auf; aber in Reden wird er bewundert. Nicht behandelt er die Lehren des Hippokrates und Galenos und nicht die entgegengesetzten Ansichten; aber fremdes Unglück bereitet ihm selbst kein Leid mehr, er steht nicht mehr unter dem schmerzenden Einfluß der Krankheiten. Nicht beweist er die Sätze des Euklid, des Ptolemäus, des Heron; aber er braucht sich auch nicht über den Hochmut der Ungebildeten, die alles besser wissen wollen, zu ärgern. Er schmückt sich nicht mehr mit Aussprüchen von Plato, Aristoteles, Pyrrhon, Demokrit, Heraklit, Anaxagoras, Kleanthes und Epikur und irgendwelchen Worten der ehrwürdigen Stoa und Akademie; aber er ist auch der Sorge enthoben, deren Lehren zu widerlegen. Was soll ich sonst noch erwähnen? Es fehlt ihm das, was allen wertvoll und erstrebenswert ist: er hat kein Weib, keine Kinder. Doch er braucht sie auch nicht zu beweinen und wird von ihnen nicht beweint; denn er braucht sie nicht zu verlassen und wird auch nicht als unglückliche Erinnerung verlassen. Er erbt keine Schätze; aber er wird beerbt und zwar von den besten, selbsterwählten Erben, um, alles bei sich führend, reich von hinnen zu scheiden. Welche Ehren! Ein neuer Trost! Starken Geistes sind die, welche darnach streben. Alle Ohren sollten auf diese Worte hören! In frommem, heiligem Gelübde wird einer Mutter Schmerz erstickt. Alle Güter ihres Sohnes, alles, was sie ihm schenken könnte, legt sie zu seinem Vorteil ihm ins Grab, und wer etwas erwartete, ging leer aus.

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Basilius der Große | Βασίλειος ὁ Μέγας

* 329/330 CE - † 379 CE | Christ, Bischoff & Theologe

Flavius Claudius Iulianus | Ἰουλιανὸς | Iulianus Apostata | Ἰουλιανὸς ὁ Ἀποστάτης

* 331/332 CE - † 363 CE | Kaiser, Apostat & Neuplatoniker

Orationes, VI, 185 A

Kommentar

Orationes, VI, 187 D

Kommentar

Orationes, VII, 216 C

Kommentar

Gregor von Nyssa | Γρηγόριος Νύσσης | Γρηγόριος Νυσσηνός

* 330-340 CE - † >394-400 CE | Christ, Bischof, Heiliger, Kirchenlehrer & Neuplatoniker

Ambrosius von Mailand | Aurelius Ambrosius

* 339-344 CE - † 397 CE | Christ, Kirchenvater, Bischof & Politiker

Quintus Aurelius Symmachus

* 340-345 CE - † 402/403 CE | Heidnischer römischer Senator, Konsul, Stadtpräfekt, Philologe & Herausgeber

Epistulae, IX, 115 (Monum. Germ. hist. p. 267 Seeck)

Kommentar

Nemesios von Emesa | Νεμέσιος Ἐμέσης

* ca. 350 CE - † ca. 420 CE, fl. ca. 390 CE | Christ, Bischof & Neuplatoniker

Augustinus von Hippo | Aurelius Augustinus Hipponensis

* 354 CE - † 430 CE | Christ, Bischof, Kirchenvater & Neuplatoniker

Gottesstaat VI 5

Übersetzung Rainer Nickel:

Sehen wir, was er über das zweite Gottesverständnis sagt: »Die zweite Art, die ich vorgeführt habe, ist das Thema vieler Bücher, die uns die Philosophen hinterlassen haben; hier geht es um die Frage, was die Götter sind, wo sie sind, was ihre Herkunft und was ihr Wesen ist, ferner ob sie seit einer bestimmten Zeit oder seit Ewigkeit existieren; ob sie aus dem Feuer stammen, wie Heraklit glaubt, oder aus den Zahlen, wie Pythagoras meint, oder aus Atomen bestehen, wie Epikur behauptet.

Kommentar

Martianus Minneus Felix Capella

* ca. 360 CE - † ca. 428 CE, fl. 410-420 | Neuplatoniker, Schriftsteller & Dichter

Maurus Servius Honoratus | Seruius Grammaticus

* ca. 363 CE - † 5. Jh. CE | Grammatiker & Vergilkommentator

Synesios von Kyrone | Συνέσιος

* 370-373 CE - † 412-414 CE | Christ, Neuplatoniker, Schriftsteller & Dichter

Syrianos | Συριανός

* 4. Jh. CE - † ca. 437 CE | Neuplatoniker & Leiter der platonischen Akademie

Macrobius Ambrosius Theodosius

* 370-390 CE - † >430 CE | Neuplatoniker & Grammatiker

Hierokles von Alexandria | Ἱεροκλῆς ὁ Ἀλεξανδρεύς

* 4. Jh. CE - † 5. Jh. CE, fl. 430 CE | Neuplatoniker & Neupythagoreer

Theodoret von Kyrrhos | Θεοδώρητος ο Κύρου

* 393 CE - † 457-466 CE | Christ, Theologe, Kirchenhistoriker & Bischof

Johannes Stobaios | Ἰωάννης Στοβαῖος

* frühes 5. Jh. CE - † 5./6. Jh. Jh. CE | Autor, Sammler philosophischer Lehrmeinungen

In Stobaios Ecl. 1.8.43

Original

ἐκ τοῦ Σκυϑίνου Πεϱὶ ϕύσεως. χϱόνος ἐστὶν ὕστατον καὶ πϱῶτον

πάντων καὶ ἔχει ἐν ἑαυτῷ πάντα καὶ ἔστιν εἷς ἀεὶ καὶ οὐκ ἔστιν,

ὁ παϱοιχόμενος ἐκ τοῦ ἐόντος αὐτῷ ἐναντίην ὁδὸν παϱεωνιατῶν.

τὸ γὰρ αὔϱιον ἡ μὲν τῷ ἔϱγῳ χϑὲς ἔστιν, τὸ δὲ χϑὲς αὔϱιον.


Translation:

From Scythinus’ On Nature. Time is the last and first of all things

and it contains everything and it is always one and it is not one,

since he proceeds from what is now, being present for itself in the opposite direction.

For us, in fact, tomorrow is yesterday and yesterday tomorrow.

Kommentar

III, 1, 174

Kommentar

III, 1, 175

Kommentar

III, 1, 176

Kommentar

III, 1, 177

Kommentar

III, 1, 177

Kommentar

III, 1, 180a

Kommentar

III, 5, 7

Kommentar

III, 5, 8

Kommentar

III, 17, 42

Kommentar

IV, 40, 23

Kommentar

Serm. XVIII. ed. Lugd. p. 165

Original:

ἀμαϑίαν, ὥς ϕησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον


Übersetzung Friedrich Schleiermacher:

Unverstand ist es besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.

Kommentar

Schleiermacher, Friedrich: Herakleitos der Dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten. 1807. S. 327f.:

1) Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον. (Plut. Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644.) Die lezten Worte nemlich, wiewol sie ähnlich aus einer andern Schrift des Plutarchos (de erud. mulier.) Stobäos anführt ἀμαϑίαν, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον (Serm. XVIII. Ed. Lugd. p. 165.) halte ich nicht für Herakleitisch, sondern für eine Wendung, welche Plutarchos dem Spruche giebt seinem Zwekke geäß, wie er ihn anderwärts (de audit. T. II. p. 43. Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν) nur anführt, um ihm, in einem weiteren Sinne vielleicht, zu widersprechen. Und zwar ist diese Anführung vollständiger, wenn {S. 328}  man anders, wie ich wol möchte, dem Stobäos trauen darf, der an einer Stelle, wo mehr Herakleitisches zusammen steht, Serm. III, p. 48. den Spruch auch ionischer so anführt Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν. „Unverstand ist besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.“ — Ganz ohne Zusaz hat noch einmal Plutarchos dasselbe (quod virt. doc. poss. p. 439.) Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός φησι κϱύπτειν ἄμεινον. Allein den Vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wol dem späteren Sammler zugestehen, der grade hier aus einer guten Quelle scheint geschöpft zu haben.

Eben so wenig schikken sich ja zu einer absichtlichen Dunkelheit seine häufigen Klagen über die Unfähigkeit zu verstehen, welche sich bei den meisten Menschen finde, wenn er doch selbst gesonnen war, seine Leser nach Vermögen in den Fall des Nichtverstehens zu sezen; nicht viel besser die Aufmunterungen sich anzustrengen, und auch um kleinen Gewinns willen große Mühe zu übernehmen, am allerwenigsten aber die Drohungen gegen diejenigen, welche falsches in Umlauf sezen. Und so mögen diese gleich zu seiner Rechtfertigung hier mit einander folgen. So klagt Herakleitos, daß die Menschen mit sehenden Augen nicht sehen:

Serm. XVIII. ed. Lugd. p. 165

Original:

Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν.


Übersetzung Friedrich Schleiermacher:

Unverstand ist es besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.

Kommentar

Schleiermacher, Friedrich: Herakleitos der Dunkle, von Ephesos, dargestellt aus den Trümmern seines Werkes und den Zeugnissen der Alten. 1807. S. 327f.:

1) Ἀμαϑίην γὰϱ ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, κϱὺπτειν. ἔϱγον δὲ ἐν ἀνέσει καὶ παϱ᾽ οἶνον. (Plut. Sympos. III. Ed. Frcof. T. I, p. 644.) Die lezten Worte nemlich, wiewol sie ähnlich aus einer andern Schrift des Plutarchos (de erud. mulier.) Stobäos anführt ἀμαϑίαν, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτος, καὶ ἄλλως κϱύπτειν ἔϱγον ἐϛὶν, ἐν οἴνῳ δὲ καλεπώτεϱον (Serm. XVIII. Ed. Lugd. p. 165.) halte ich nicht für Herakleitisch, sondern für eine Wendung, welche Plutarchos dem Spruche giebt seinem Zwekke geäß, wie er ihn anderwärts (de audit. T. II. p. 43. Τάχα μὲν γὰϱ οὐδὲ ἀμαϑἰαν κϱἰπτειν ἄμεινον, ὥς φησιν Ἡϱάκλειτοσ, ἀλλ᾽ εἶς μέσον τιϑέναι καὶ ϑεϱαπεύειν) nur anführt, um ihm, in einem weiteren Sinne vielleicht, zu widersprechen. Und zwar ist diese Anführung vollständiger, wenn {S. 328}  man anders, wie ich wol möchte, dem Stobäos trauen darf, der an einer Stelle, wo mehr Herakleitisches zusammen steht, Serm. III, p. 48. den Spruch auch ionischer so anführt Κϱύπτειν ἀμαϑίην κϱέσσον ἤ ἐς τὸ μέσον φέϱειν. „Unverstand ist besser zu verbergen als zur Mittheilung zu bringen.“ — Ganz ohne Zusaz hat noch einmal Plutarchos dasselbe (quod virt. doc. poss. p. 439.) Ἀμαϑίαν γὰϱ Ἡϱάκλειτός φησι κϱύπτειν ἄμεινον. Allein den Vorzug, wörtlicher angeführt zu haben, muß man doch wol dem späteren Sammler zugestehen, der grade hier aus einer guten Quelle scheint geschöpft zu haben.

Eben so wenig schikken sich ja zu einer absichtlichen Dunkelheit seine häufigen Klagen über die Unfähigkeit zu verstehen, welche sich bei den meisten Menschen finde, wenn er doch selbst gesonnen war, seine Leser nach Vermögen in den Fall des Nichtverstehens zu sezen; nicht viel besser die Aufmunterungen sich anzustrengen, und auch um kleinen Gewinns willen große Mühe zu übernehmen, am allerwenigsten aber die Drohungen gegen diejenigen, welche falsches in Umlauf sezen. Und so mögen diese gleich zu seiner Rechtfertigung hier mit einander folgen. So klagt Herakleitos, daß die Menschen mit sehenden Augen nicht sehen:

Proklos | Πρόκλος ὁ διάδοχος

* 412 CE - † 485 CE | Leiter der platonischen Akademie, Neuplatoniker & Universalgelehrter

Platonis Alcibiadem priorem, p. 255 Creuzer = p. 117 Westerink

Kommentar

Platonis rem publicam, II, p. 107 Kroll

Kommentar

Platonis Timaeum, I, p. 102 Diehl

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Platonis Timaeum, III, p. 311 Diehl

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Nonnus von Panopolis | Νόννος ὁ Πανοπολίτης

* 5. Jh. CE - † 5. Jh. CE | Dichter

Ammonios Hermeiou | Ἀμμώνιος τοῦ Ἑρμείου

* 435-450 CE - † 517-526 CE | Neuplatoniker

Aeneas von Gaza | Αινείας ο Γαζαίος

* 430-460 CE - † 518-534 CE | Christ & Neuplatoniker

Stephen bar Sudayli | ܐܣܛܦܢܐ ܒܪ ܨܘܕܗܝܠܝ

* 5. Jh. CE - † Anfang 6.Jh CE, fl. Ende 5. Jh. CE | Christ, Syrer, Mystischer Autor & verfasste wahrscheinlich im Namen von Hierotheos the Thesmothete

The Book of the Holy Hierotheos, V §3: Of Similitude:

Translation Fred Shipley Marsh:

For if any name (be) a universal name…… for the universal passes away, no longer is anything……, for if Angel let go its Angelhood, it is no longer Angel; and Cherub is not Cherub if it let go the name of Cherub.

For if the devil is always……, for that which began on account of something non-essential (?) comes to an end: for if "shapes" are altered and "bodies" remain, then "bodies" will be dissolved and "Essence" (alone) remain: and if "shape" is "shape" on account of something (non-essential?), it is evident that "body" also is "body" on account of something (non-essential?), for the name of "shape" passes and the title…… (?) of the name…… (?) the composite is made simple, and "body" is dissolved.

"All from One and One from all":(2) that which began comes also to an end, and the first shall be the last, and that which (was) originally (shall be) the end; youth shall end in old age and old age in youth; before the first Beginning God (was) not God, and, again, after (the consummation of?) All He is not God.



{Fußnoten}

2 This is a direct quotation of the saying of Herakleitos ἐκ πάντων ἕν καὶ ἐξ ἑνὸς πάντα (frag. 59: cf Ritter et Preller, Historia Philosophiae Graecae, ed. 9, p 29): the words which follow, concerning youth and old age, seem to contain a reminiscence of another saying of the same philosopher; ταὐτὸ τ᾽ ἔνι ζῶν καὶ τεθνηκὸς καὶ τὸ ἐγρηγορὸς καὶ τὸ καθεῦδον καὶ νέον καὶ γηραιόν· τάδε γὰρ μεταπεσόντα ἐκεῖνα ἐστι κἀκεῖνα πάλιν μεταπεσόντα ταῦτα (frag. 78; ib. p 38).

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Horapollon | Ὡραπόλλων

* ca. 450 CE - † ca. 510 CE | Grammatiker & Philosoph 

Damaskios | Δαμάσκιος

* 458-462 CE - † 533-550 CE | Neuplatoniker & letzter Leiter der platonischen Akademie (†529)

David der Unbesiegbare | Δαβίδ | Դավիթ Անհաղթ

* 470 Jh. CE - † 550-560 CE | Neuplatoniker

Simplikios von Kilikien | Σιμπλίκιος ὁ Κίλιξ

* 480-490 CE - † 540-560 CE | Neuplatoniker

Simplicius On Aristotle Physics I.1.15 (Vgl. Fr. DK 22B94)

Translation Stephen Menn:

Therefore also the principles of natural things – principles in the sense of causes – must certainly be demonstrated from some things which are better known. But sometimes [they will be demonstrated] from things which are also more principial by nature and have the role of causes; [such demonstration] is not appropriate to the natural scientist (for it exceeds his measure to know the causes of the appropriate principles [for his science]); rather, it belongs to the science more elevated than his, first philosophy: for this science, using self-warranting principles, demonstrates the principles of the other sciences that are taken as causes.

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Commentary On Aristotle Physics I.2.24

Translation Stephen Menn:

Hippasus of Metapontum and Heraclitus of Ephesus too said that [the principle] was one and moved and finite, but they made the principle fire, and they make the things that are come from fire by condensation and rarefaction, and they resolve them again into fire, on the grounds that this one nature is what underlies: for Heraclitus says that all things are an exchange for fire. And Heraclitus also makes a certain order and a determinate time of the change of the cosmos according to a certain fated necessity. And it is clear that these people too acquired this opinion from observing the life-generating and craftsmanly and concocting [power] of heat, pervading all things and altering all things. For we do not have [any evidence] that they set it down as infinite. Furthermore, if ‘element’ is the minimal thing out of which other things come-to-be and into which they are resolved, and fire is finest-grained of all things, this would be most of all an element. So these are the people who said that the element is one and moved and finite.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.2.36

Translation Stephen Menn:

[36,8: The monists harmonized: they all looked for similar features in their choice of principle.] And those who posited one element, like Thales and Anaximander and Heraclitus, each of them looked to its active [character] and its suitability for becoming: Thales looked to the generative and nourishing and holding-together and vivifying and easily-shaped [character] of water, Heraclitus to the life-generating and craftsmanly [character] of fire, Anaximenes to the easily-moulded [character] of air and its changing easily in both directions, both to fire and to water; so too Anaximander, if he hypothesized something intermediate on account of its being easily [qualitatively] altered.

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Commentary On Aristotle Physics I.2.50

Translation Stephen Menn:

And, Alexander says, Aristotle takes up this opinion [that of Parmenides and Melissus] first, because it rejects nature and the principles of nature; so after he has got rid of it and confirmed that nature exists and that there are principles of natural things, he will thus pass on to the other opinions which have been professed about the principles of nature.

185a5-10 To examine if it is one in this way is like disputing against any other thesis asserted for the sake of argument, like that of Heraclitus, or if someone should say that what is is one human being, or solving an eristic argument, which is what both of the arguments are, both that of Melissus and that of Parmenides. For they both start from false premises and are non-deductive.

[50,7: False theories which reject the principles of a science are not to be argued against within that science.] There are many modes of argument against which someone who disputes in a philosophical and law-abiding way should not argue. He should not argue either against modes which abolish the principles of the objects which are the subject-matter for the discussants, nor against ones which assert paradoxical and counter-intuitive things: of this kind are theses such as when Heraclitus appeared to assert that good and bad agree in the same thing in the manner of a bow or a lyre – which appeared to assert a thesis because it speaks in this way without distinction. But he was indicating the harmonious mixture of contraries in [sc. the world of] coming-to-be, which is also how Plato records Heraclitus’ doctrine in the Sophist, comparing to it that of Empedocles as well. He says: 'Afterwards certain Ionian and Sicilian Muses agreed that it is safest to interweave both and to say that what is is both many and one, and is held together by hatred and love. "For in differing it is brought together," say the stricter of the Muses' (calling Heraclitus' Muses 'stricter' and 'Ionian'); 'but the softer Muses' (for he calls Empedocles' Muses 'softer' and 'Sicilian'), these, he says, ‘relaxed on its always being in this way, but they say that the universe is in turn at one time one and loving under Aphrodite, and at another many and at war with itself on account of some strife.'And since Heraclitus' doctrine is rather obscure, Aristotle introduced a clearer and at the same time more appropriate example of paradox, saying 'if someone should say that what is is one human being': for this example of paradox is more appropriate to the matters at hand. And there is also another mode [of paradoxical argument], which does not merely assert paradoxes declaratively, but also seems to deduce them – not, however, out of true or even out of plausible premises, but out of ones that appear to be plausible: this is what sophistical paralogisms are like.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.2.51

Translation Stephen Menn:

[51,21: According to Al., the position of Heraclitus to which Ar. here alludes is a paradoxical thesis, while that of Parmenides and Melissus is an eristic argument.] However, Alexander says that Aristotle is saying these things in the following way: 'while the thesis of Heraclitus is paradoxical, and of the same kind as if someone were to say that what is is one human being, the argument of Parmenides and Melissus is "eristic", that is to say sophistical, because of the proof; but it belongs to "those which are said for the sake of argument", that is, those for which there is no evidence from the objects which they are discussing, but which are false and empty.'

[51,27: Al. is wrong: Ar. classes the views of Parmenides and Melissus as 'theses' too.] Although Alexander says these things and in these very words, I remark that he [Aristotle] thinks that it is not only Heraclitus' assertion that is a thesis similar to the one that says that what is is one human being, but he also discards these assertions too [sc. those of Parmenides and Melissus] as being theses similar to that of Heraclitus, or still more closely similar to [the thesis] that says that what is is one human being. Anyway, he [Aristotle] says 'To examine if it is one in this way is like disputing against any other thesis' and what follows, [on the grounds that] this too is a thesis. And I am surprised that Alexander, who thinks that these assertions are said merely for the sake of argument, nonetheless does not think that they are theses, but only eristic assertions, although Aristotle has in this way clearly said that theses are said only for the sake of argument, without evidence from the objects.

185a10-12 The argument of Melissus is rather vulgar and involves no aporia; but one absurdity being granted, the others follow. And this is nothing difficult.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.2.77

Translation Stephen Menn:

[77,21: S.'s response to Al. in defence of Parmenides.] Now in reply to these and their like, let the general rule be stated that, just as we call 'white' both what is tinted with white in any way, even if it is jumbled up together with more of the contrary, and we also call 'white' what is unmixed with the contrary, and likewise 'beautiful', and what is purely such is called each of these in the strict sense, but what is mixed together with the contrary [is called each of them] in a crude and loose sense, so too what is being in every respect and all together would be called 'being' in the strict sense. And what comes-to-be and passes away does not yet exist before it has come-to-be, and it no longer exists after it has passed away; and even when it seems to exist, since it has its being in coming-to-be and passing away and never 'remains in the same' even then it would not be called being in the strict sense, but rather coming-to-be and passing away on account of the continuous flow which exchanges all things. Heraclitus spoke of this in riddles with his 'not entering the same river twice', comparing coming-to-be, which has more of not-being than of being, to the continual flow of a river: for being, as Parmenides says, has different signs. And it is better to listen to the very things he [sc. Parmenides] states and demonstrates about what is in the strict sense.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.2.80

Translation Stephen Menn:

[80,15: Conclusion of S.'s rebuttal of Al.'s arguments against the Eleatics (77,9 ff.), clarifying the sense in which they hold that being is one and unmoved.] Well then, I have been compelled to draw these things out at greater length because Alexander, the most genuine interpreter of Aristotle, takes the doctrines of the ancients rather uncharitably and carelessly – doctrines in emulation of which Aristotle himself also demonstrated that the first [being] is unmoved.

185b5-25 Again, since 'one' itself also is said in many ways, just as 'being' is, we must examine in what way they [the Eleatics] say that the all is one. What is called one is either the continuous or the indivisible or things the formula of whose essence is one and the same, like liquor and drink. So then if it is continuous, the one will be many: for the continuous is divisible to infinity. (There is a difficulty about the part and the whole, perhaps not relevant here but in itself a difficulty: whether the part and the whole are one or several, and in what way they are one or several, and if they are several, how they are several, and also about non-continuous parts. And if each [part] is one with the whole as indivisible, [the difficulty arises] that they will also be one with each other.) But if [it is one] as indivisible, nothing will be quantum or quale, so that what is will neither be infinite, as Melissus says, nor finite like Parmenides. For the limit is indivisible but the limited [i.e. finite] is not. But if all the things that are are one in formula, like cape and cloak, they will turn out to be holding the Heraclitean account. For to be good and to be bad will be the same thing, indeed to be good and not to be good – so that good and not-good will be the same, and human and horse, and it won't be an account of the things that are being one but of their being nothing. And being such and being so much [i.e. having a quality and having a quantity] will be the same.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.2.82

Translation Stephen Menn:

[82,20: Refutation of the possibility that what is is one by being one in formula: completion of the trilemma at 185b7-9.] But if what is is one like liquor and drink or cape and cloak or in general many-named things (for this meaning of 'one' is still left over), then all things will be one many-namedness and quale will be the same as quantum and all things will be the same as each other, and the account of Heraclitus will be true which says that the good and the bad are the same. And contradictories will occur together: for the same thing will be good and not good, if the bad is not good. And observe that here too he passes from the affirmation of the contrary [e.g. that what is good is also bad] to the contradictory opposition [e.g. that what is good is not good], which is greater. And the same thing will be both human and horse, so it will be both human and not human, and one and not one; so that the account and the investigation will no longer be about what is being one but about its being nothing, if indeed in the case of each thing its negation and its affirmation are likewise true, or, as Porphyry infers, if indeed what is is not. For just as human and not human will be true together [i.e. will hold of the same thing], so too will being and not-being. And I think that this [i.e. Porphyry's reductio ad absurdum] would follow, if being were some one of all things, such as a human; for then all other things would be not-beings. So in sum what is is not one in this way either. Therefore if what is cannot be one according to any of the meanings of 'one', then we should not say that what is is one at all; rather, the things that are are several, just as the phenomena bear witness. So the sequence of the division and of the responses to the sections of the division would go thus.

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.3.113

Translation Pamela Huby:

In the universal words there are three separate meanings of the word 'one', that by continuity, that as undivided, and that [as having] the [same] account, and having shown that by none ofthese meanings can Being be one, and having also replied to Melissus' actual words, in my opinion he [i.e. Aristotle] brings in this common argument that in general it is not possible for being to be one in species, except in its 'from which', that is, except by its material cause. 'For by this', as Alexander explains, 'it is possible for being to be one in species, as some other of the natural philosophers also said, Thales and Hippo speaking of water, Anaximenes of air, and Heraclitus of fire. It is however absurd to say that for that reason these things are one in species. 

Kommentar

Commentary On Aristotle Physics I.4.149

Translation Christopher Charles Whiston Taylor:

So having shown that it is impossible for what is to be one in that way, he next proposes to investigate the sense in which the natural philosophers say that the primary element from which things come is one. Some ofthem say that there is one element, others that there are several. In the case of those who say that there is one, he says that they think that things come to be from it in either oftwo ways: they all assume that this one thing is something bodily, but some of them say that it is one of the three elements, Thales and Hippon that it is water, Anaximenes and Diogenes air, and Heraclitus and Hippasus fire (no-one thought it appropriate to postulate earth because it is hard to alter), while some postulated something other than the three elements, which is denser than fire and finer than air, or, as he says elsewhere, denser than air and finer than water.

Kommentar

Johannes Lydos | Ἰωάννης Λαυρέντιος ὁ Λυδός

* ca. 490 CE - † 557-565 CE | Christ, Beamter & Schriftsteller

Johannes Philoponos | Ἰωάννης ὁ Φιλόπονος

* ca. 490 CE - † 566-575 CE | Christ, Philosoph, Theologe, Philologe & Naturwissenschaftler

Johannes Malalas | Ἰωάννης Μαλάλας | ܡܰܠܳܠܰܐ

* 490/491 CE - † 570-578 CE | Christ Rhetoriker & Historiker

Olympiodoros der Jüngere | Ὀλυμπιόδωρος ὁ Νεώτερος

* 480-505 CE - † 565-570 CE | Neuplatoniker & Astrologe

In Meteorol., p. 136 Stueve

Kommentar

Commentary on Plato's Phaedo, 10 Lecture

Translation Leendert Gerrit Westerink:

2. There have been the following three false beliefs about soul: (1) the soul is destroyed with the body, as in the doctrine that soul is harmony, which was held by Simmias [85e3-86d4] and certain Pythagoreans; (2) soul, being a kind of tenuous body, like smoke, is dispersed and annihilated upon leaving the body, which was the belief of Homer

('His soul leaving the body flew away to Hades' [Il. 16.856; 22.263]; and

'Gibbering it went underground, like smoke' [Il. 23.100-101]).

It is also the opinion of Cebes, who is now raising the objection, and Socrates refutes it by showing that the soul survives for some time; (3) the ignorant soul is destroyed immediately upon leaving the body, while the soul of the wise, tempered by the virtues, survives until the universal conflagration, which was the opinion, for example, of Heraclitus.

3. The third point we must examine is the logical progress of the argument, which is called a 'story' in the text [70b6]; the word 'story' is applied to ratiocinative knowledge inasmuch as it is attained by means of a middle term and is not a direct vision of reality, just as intellection could be called knowledge from images and is only a 'story' as compared to archetypal knowiedge; and thus we see that the syllogistic method, of which the Peripatos is so proud, is called 'story-telling' by Plato. The reasoning, however, runs as follows: 'lf the living and the dead proceed from each other, it follows that our souls continue to exist in Hades; the former is true; therefore so is the latter'. That the living and the dead do proceed from each other is corroborated in the text by the testimony of the ancient poets, of Orpheus in particular, who says [frg. 224a]:

'The same inhabit the house as fathers and sons, as respected wives and cherished daughters.'

(Everywhere indeed Plato borrows from Orpheus, thus when he said above [62b2-3] 'The esoterie reason for this' and again [69c8-dl]

'Many carry the thyrsus, few become Bacchus'.) 

But Empedocles, too, says [frg. B 117]:

'At one time I was a youth and a maiden,

a bird, a shrub, a swift fish in the sea [rising from the sea].'

Proclus, however (i.e. Syrianus) presents the demonstration that the living and the dead proceed from each other in this form: 'Life and death are integration and dissociation, these two are opposites, and opposites pass into each other; therefore the living and the dead also pass into each other.'

Kommentar

Commentary on Plato' Gorgias, 19.1-2

Translation Robin Jackson, Kimon Lycos & Harold Tarrant:

19.1. {} So we are taught here not simply to believe without demonstrative proof, whether the man who testifies is a king or a general or someone of the highest rank.

19.2. We should not, then, believe the many. For if we did believe the· many we would end up advocating that the sun is a foot across, whereas it's much bigger than the earth.(398) Hence we should not believe them but rather the demonstrations of the astronomers.(399) That their demonstrations are true is manifest from their predicting eclipses and not being wrong, but predicting the outcome in every case. So we should not believe eyes that lack reason, but rather the knowledgeable and rigorous eye of the soul.

Kommentar

Jackson, Robin et al. Olympiodorus. Commentary on Plato's Gorgias. 1998:

S. 157:

{Fußnoten}

398 See Arist. De An. 428b3, Heraclitus B3DK (Aet. Plac. 2.21.4).

399 On the status of astronomy and the place of astronomic observation in late Neoplatonism see Siorvanes (1996) 262-316.

Commentary on Plato' Gorgias, 20.5-8

Translation Robin Jackson, Kimon Lycos & Harold Tarrant:

20.5. 'What's this, Polus? You're laughing?' (473e2): Polus laughed at this point. So Socrates asks 'Is laughing an alternative form of refuting and are you refuting through laughter?' Note that there is a saying of Gorgias, giving the instruction: 'If your opponent speaks seriously, laugh, and you will defeat him. If he laughs when you are speaking seriously, exert yourself in order that his laughter should not be noticed'.(421) So it was as a student of Gorgias that Polus laughed.

20.6. 'That not a single man would say' (473e5): note how he applies the testimony to mankind at large.

20.7. 'For I know how to produce just one witness' (474a5): note his 'I know', whereby he shows that it is not possible to converse in knowledgeable fashion with the many, but that one witness fol- lowing common notions is great [support]. Hence also Heraclitus (B49DK) said '[Let there be] one man for me in place of many, and I say this even in the realm of Persephone'.

20.8. 'And I think that I don't' (474b6): [Socrates] says at length to Polus 'Neither you nor anyone else wishes to commit injustice', in order that Polus, by exerting himself more, should appreciate a perfect dialectical conversation with Socrates.

Kommentar

Jackson, Robin et al. Olympiodorus. Commentary on Plato's Gorgias. 1998:

S. 163:

{Fußnoten}

421 For Gorgias on laughter and seriousness, see Arist. Rh. 3.18.7, = Gorgias B12 DK.. This parody seems an appropriately Platonic device for Ol. to have noticed.

Commentary on Plato' Gorgias, 30.2

Translation Robin Jackson, Kimon Lycos & Harold Tarrant:

30.2. Note that the soul is called a circle because it carries out investigation itself and is itself investigated, makes discoveries itself and is itself discovered. But the non-rational resembles a straight line, since it does not turn back upon itself like the circle.(555) So since the sieve is circular, it corresponds to the soul, but since it has a layer of straight lines underneath resulting from the holes, it also corresponds to the non-rational, for the parts separating the holes run in straight lines.(556) So by the sieve he signifies the rational soul with a lower layer that is non-rational. The water is the flux of nature. For as Heraclitus says, 'becoming watery is death for souls'.(557) This is the symbolism, hence we need to constitute ourselves properly.(558) He calls such myths 'not completely crazy'(559) by way of contrast with the poets, since theirs are harmful, whereas these ones benefit people of good sense.(560)

Kommentar

Jackson, Robin et al. Olympiodorus. Commentary on Plato's Gorgias. 1998:

S. 208:

{Fußnoten}

555 Perhaps Ol. has in mind Tim., which regularly contrasts the circular motions of soul with the straight motions associated with physical locomotion. Cf. Proc. In Tim. 2.244.12-245.23 on 36b.

556 There is some uncertainty over the exact nature of these straight lines, but they may be interwoven strips of leather so placed as to leave holes of the desired size.

557 See Heraclitus B36 (from Clement), and B77 (from Numenius via

Porphyry).

558 Thus the myth's message is that we should strive for the correct relation between the faculties of our souls, once again involving the virtues of justice and temperance. Hence again Ol. concludes his interpretation by showing how Socrates' words serve to undermine Callicles' position on temperance.

559 'All fairly strange' in Irwin's translation, but Ol. does not reproduce Plato's Greek exactly. The word ἄτοπος; frequently indicates logical absurdity, but 'strange' is a reasonable (if weak) translation of the word in Plato, while 'crazy' is preferred here since it has the twin associations of strangeness and harmfulness.

560 The contrast between poets' and philosophers' myths is developed at length later (46ff.). Ol.'s usual contrast is that the surface meaning of philosophical myth, while absurd, is not harmful to the uninitiated. Here he makes stronger claims, that the surface meaning of philosophical myth is less absurd, and that they are of benefit to the wise - he does not say why poetic myths, after allegorical decoding, are not also beneficial to the wise. See 46.6, below.

Commentary on Plato' Gorgias, 48.6

Translation Robin Jackson, Kimon Lycos & Harold Tarrant:

48.6. Since [Plato] says that [Zeus] instructed Prometheus to end the foreknowledge, let us deliver an interpretation of the poetic myth about Prometheus.(958) Prometheus is the overseer of the descent of rational souls. For this is the task of the rational soul, to have forethought(959) and above all to know itself. For irrational [creatures] perceive when they are struck a blow,(960) yet know nothing before they are struck, whereas the rational [soul] is able above all to ascertain the good. This is surely why Epimetheus is appointed the overseer of the irrational soul, because he understands after he is struck and not before. So Prometheus is the Power established over the descent of rational souls. This rational soul is fire, and since fire tends upwards, so too the soul pursues and clings to higher things.(961) And why is [Prometheus] said to have stolen fire? What is stolen is removed from its own sphere to a foreign one. So since the rational soul it is sent here from on high, its own sphere, virtually a foreign place, that is the reason why fire is said to have been stolen.(962) And why in a fennel-stalk?(963) The fennel is hollow. So it signifies the changeable body into which the soul is brought. And why did he steal it against the will of Zeus? The myth is again continuing as a story.(964) In fact both of them, both Prometheus and Zeus, wanted the soul to remain on high. But since it was necessary for it to be brought down, the myth presents what is appropriate to the characters, and it presents the stronger, i.e. Zeus, as unwilling (for he wanted it to remain on high) and it makes the weaker drag it down here.

Kommentar

Jackson, Robin et al. Olympiodorus. Commentary on Plato's Gorgias. 1998:

S. 308f.:

{Fußnoten}

958 Ol. characteristically seizes on a minor point as an excuse for allegorizing away these Hesiodic figures. W. cites here Proc. In Remp. 2.53.6-8, and 2.20.24-25 on the contrast with irrational animals responding to blows, but the parallels are remote; Ol. may be attempting to give a definitive rendering. On Plotinus' use of the Prometheus and Pandora story see Lamberton (1986), 103-4; the important similarity with Ol. is the absence of any unworthy motives on the part of both Zeus and Prometheus.

959 Forethought is virtually what Prometheus' name means.

960 While W. also cites Heraclitus B11, Critias 109b-c, Proc. In Remp. 2.20.24-5, Ol. In Ale. 178.17-18, for a more meaningful parallel see Proc. In Ale. 279-18.23.

961 W. cites Dam. In Phd. 1.170.19-22, In Phlb. 60; Ol. In Phd. 1.6, but parallels are hard to discern.

962 W. cites Proc. Prm. 718.27-39; schol. Hes. Op. 32.25-33.8 Pertusi. Dam. In Phd. 170.19-22 is relevant here.

963 Cf. Schol. Hes. 33.17-24 Pertusi.

964 I.e. it has to incorporate certain details within a plausible narrative, and has to allow events necessary to the story-line to be the work of whichever character is most appropriate.

Commentary on Plato' Gorgias, 49.3

Translation Robin Jackson, Kimon Lycos & Harold Tarrant:

49.3. He speaks also of the place where these judges pass judgment, and says that they sit in a meadow and judge at a crossroads.(987) What is the meadow? Note that the ancients described generation as wet (hence it is said of the soul that 'death for human souls is to become wet'),(988) because generation is in flux and moist, and because their lives come to bloom here. The place of judgment, then, is said to be in aether, after things below the moon.(989)

Kommentar

Jackson, Robin et al. Olympiodorus. Commentary on Plato's Gorgias. 1998:

S. 313:

{Fußnoten}

987 For Proclus' explanation of the meadow, again involving moisture, see In Remp. 2.157.9-158.7, and for the identity of the crossroads with the meadow see ibid. 2.132.23-133.2.

988 Heracl. B77; quoted by Proclus also, In Remp. 2.270.29-31. Ol. presumes that our coming into this world is a 'death' for souls, 29.3.

989 On the location see Proc. In Remp. 2.133.2-24.

Commentary on the Alcibiades of Plato 2.87-89

Translation Michael Griffin:

After the death of Socrates, [Plato] resorted next to Cratylus the Heraclitean as his teacher, for whom he also composed a dialogue of the same name, entitling it Cratylus, or On the Correctness of Names.(42) 

Kommentar

Griffin, Michael: Olympiodorus: Life of Plato and On Plato First Alciabiades 1-9. 2015:

S. 74:

{Fußnoten}

According to Aristotle (Metaph. 987a32–b7) Plato followed Cratylus in his youth,

and then turned from the world without to Socrates’ philosophy and the world within. But this account would contradict the story that Socrates drew Plato from poetry to philosophy, a problem which Olympiodorus solves by placing Plato’s association with Cratylus after his association with Socrates. On Aristotle’s testimony, see Riginos 48 n. 36 and H. Cherniss, ‘Aristotle, Metaphysics 987a32–b7’, AJP 76 (1955): 184–6). For the development of the later Neoplatonic reading of the Cratylus, see also van den Berg 2008.

Suda | ἡ Σοῦδα

ca. 970 CE | mittelgriechisches byzantinisches Lexikon

398: ἀγχιβατεῖν

Original:

Ἀγχιβατει̂ν:  ̓́Ιωνες τὸ ἀμφισβητει̂ν. καὶ Ἀγχισβασίην  Ἡράκλειτος.

Translation Anne Mahoney:

The [verb that] Ionians [use for] 'to dispute'. And Heraclitus [sc. has the related noun] 'wrangling'.

Kommentar

471: Ἡράκλειτος

Original:

Ἡράκλειτος: ὄνομα κύριον. ὅτι Ἡράκλειτος ἔφη, ὀλιγωρει̂ν πάντη του̂ σώματος καὶ νομίζειν αὐτὸ κοπρίων ἐκβλητότερον: ἐκ του̂ ῥᾴστου δὲ αὐτῳ̂ τὰς θεραπείας ἀποπληρου̂ν, ἕως ἂν ὁ θεὸς ὥσπερ ὀργάνῳ τῳ̂ σώματι χρη̂σθαι ἐπιτάττῃ.

Translation Catharine Roth:

Heraclitus said that he valued the body very little and considered it more to be discarded than excrement. [He said that] he fulfilled its needs as simply as possible as long as he was under the god's orders to use his body as a tool.

Kommentar

472: Ἡράκλειτος

Original:

Ἡράκλειτος, Βλόσωνος ἢ Βαύτωρος, οἱ δὲ Ἡρακι̂νος:  ̓Ἐφέσιος, φιλόσοφος φυσικός, ὃς ἐπεκλήθη Σκοτεινός. οὑ̂τος ἐμαθήτευσεν οὐδενὶ τω̂ν φιλοσόφων, φύσει δὲ καὶ ἐπιμελείᾳ ἠσκήθη. οὑ̂τος ὑδρωπιάσας οὐκ ἐνεδίδου τοι̂ς ἰατροι̂ς, ᾑ̂περ ἐβούλοντο θεραπεύειν αὐτόν: ἀλλ' αὐτὸς βολβίτῳ χρίσας ὅλον ἑαυτὸν εἴασε ξηρανθη̂ναι του̂το ὑπὸ τῳ̂ ἡλίῳ, καὶ κείμενον αὐτὸν κύνες προελθου̂σαι διέσπασαν: οἱ δὲ ἄμμῳ χωσθέντα φασὶν ἀποθανει̂ν. τινὲς δὲ αὐτὸν ἔφασαν διακου̂σαι Ξενοφά- νους καὶ  ̔Ιππάσου του̂ Πυθαγορείου. ἠ̂ν δὲ ἐπὶ τη̂ς ξθ#  ̓Ὀλυμπιάδος, ἐπὶ Δαρείου του̂ Ὑστάσπου, καὶ ἔγραψε πολλὰ ποιητικω̂ς. ζήτει ἐν τῳ̂ Δηλίου κολυμβητου̂.

Translation Catharine Roth:

Son of Bloson or Bautor, but others [say] of Herakis; from Ephesus; a naturalist philosopher, who was nicknamed "Obscure." This man was a disciple of none of the philosophers, but he trained himself by natural ability and diligence. When this man was sick with dropsy he did not allow the physicians to treat him as they wished; but he himself rubbed himself all over with cow-dung and allowed this to dry in the sun, and as he lay dogs came forward and tore him apart. But others say that he died buried in sand. Some said that he was a student of Xenophanes and Hippasus the Pythagorean. He lived in the 69th Olympiad, in the reign of Darius the son of Hystaspes, and he wrote many [things] in poetic form.

Kommentar

1762: ἀμφισβατεῖν

Original:

Ἀμφισβατει̂ν: ἔνιοι τὸ ἀμφισβητει̂ν,  Ἴωνες δὲ καὶ  Ἀγχιβατει̂ν. καὶ  Ἀγχιβασίην Ἡράκλειτος.

Translation Jennifer Benedict:

Some [spell this] ἀμφισβητει̂ν, but Ionians also [have] ἀγχιβατεῖν ["to wrangle"]. And Heraclitus [has the related noun] ἀγχιβασίη ["wrangling"].[1]

{Fußnoten}

[1] Heraclitus fr. 122 Diels-Kranz.

Kommentar

1763: ἀμφισβατεῖν

Original:

Ἀμφισβητει̂ν: μὴ συμφωνει̂ν, ἀλλ' οἱ̂ον χωρὶς βαίνειν καὶ ἀμφιβάλλειν. ὁ δὲ Πτολεμαι̂ος εἰδὼς τοὺς ἑαυτου̂ προγόνους ἐσχηκότας τὴν Κοίλην Συρίαν παρασκευὰς ἐποιει̂το μεγάλας ἀμφισβητω̂ν ταύταις: ἤλπιζε γὰρ τὴν ἀδίκῳ πολέμῳ πρότερον ἀνειμένην τότε δικαίως τοι̂ς αὐτοι̂ς νόμοις ἀνακτήσασθαι. καὶ Αἰλιανός: ἠμφισβήτουν γὰρ τοὺς ἑτέρους ἕτεροι προβαλλόμενοι. οὐκέτι οὐ̂ν ἠ̂ν ἀμφισβητήσιμα τὸ μὴ οὐ του̂τον ἐκει̂νον εἰ̂ναι τὸν τεθνηκότα.

Translation Jennifer Benedict:

[Meaning] not to be in agreement, but, in effect, to diverge and be in dispute. "Ptolemy, knowing that his own ancestors had held Coele Syria, prepared to make great disputation in support of these claims; for he hoped that the territory which had previously been lost in an unjust war he might now recover, justly, on the same terms". And Aelian [writes]: "for some were wrangling and disputing with the others". "So it was no longer a matter of dispute but that this was the man who had died."

Kommentar

1764: ἀμφισβατεῖν

Original:

Ἀμφισβητει̂ν καὶ παρακαταβάλλειν: οἱ τὸν κλη̂ρον ἐπιδικαζόμενοι ἀμφισβητει̂ν ἢ παρακαταβάλλειν λέγονται, οἱ μὲν φάσκοντες ἐπίδικον εἰ̂ναι τὸν κλη̂ρον, ὡς ὄντος παιδὸς τῳ̂ τετελευτηκότι ἢ γόνῳ ἢ ποιήσει, οἱ δὲ ὡς ἄπαιδος τελευτήσαντος δικαιότερον λέγοντες ἔχειν αὐτοὺς τὸν κλη̂ρον του̂ λαβόντος, ἢ συγγενει̂ς ὄντες ἢ κατὰ διαθήκας κληρονόμοι. οὕτως Δημοσθένης καὶ  ̔Υπερίδης περὶ του̂ καταβάλλειν διεσάφησαν.

Translation Jennifer Benedict:

[To claim] and to counter-claim. Those involved in litigation [about] the estate are said to claim or to counter-claim, with one side maintaining that the estate is [not] a matter for litigation, as there is a son of the deceased either by descent or by adoption, while the other side say that because the deceased died childless they have a better right to the estate, being either relatives or named as heirs in a will. That is how Demosthenes and Hyperides elucidated counter-claiming.

Kommentar

1765: ἀμφισβατεῖν

Original:

Ἀμφισβητει̂ν καὶ παρακαταβάλλειν: ὅταν τελευτήσας τις ἄπαις εἰ̂ναι δοκῃ̂, φάσκῃ δέ τις ἑαυτὸν ἐκείνου υἱόν, οὑ̂τος ἀμφισβητει̂ν του̂ κλήρου λέγεται. εἰ δὲ παι̂δα μὲν του̂ θανόντος ἑαυτὸν μὴ εἰσάγοι, λέγοι δὲ ἄλλως κατὰ γένος αὐτῳ̂ προσήκειν τὸν κλη̂ρον, παρακαταβάλλειν αὐτὸν οἱ νόμοι κελεύουσι. πλὴν ἀμφότερα ἐπ' ἀντιλογίας τάσσεται.

Translation Jennifer Benedict:

[To claim] and to counter-claim. Whenever someone appears to have died childless, but someone [else] claims to be his son, this man is said to be "claiming" the estate. But if he does not introduce himself as a son of the deceased, but says that the estate belongs to him by descent in another way, the laws order him to "counter-claim". In both situations, however, there is an opportunity for refutation.

Kommentar

2120: Πόστουμος

Original:

Πόστουμος,  Ῥωμαι̂ος, ἀπὸ Ναπύης, τά τε  Ἑλλήνων ἐπαιδεύθη, ἐρασθεὶς αὐτω̂ν μετὰ ἔτη λ#. τὰ δὲ πρω̂τα χρυσοχόος ἠ̂ν. ἐπεὶ δὲ ἅπαξ αὐτὸν εἰση̂λθεν ὅδε ὁ φιλόλογος ἔρως, ἐς τὰς  Ἀθήνας ὥρμησε καὶ ἐξεμουσώθη τὰ Ἑλλήνων ἐκει̂θι. καὶ ἐς γη̂ρας βαθὺ ἤλασε, πολλὰ καὶ καλὰ εἰδώς. οὔκουν ἀπεικὸς ἠ̂ν καὶ τόνδε τὸν Ποστου̂μον λέγειν λόγον ἐκει̂νον, ὅνπερ οὐ̂ν  Ἡράκλειτος εἰ̂πεν ἐφ' ἑαυτου̂: ἐμεωϋτὸν ἐδιζησάμην.

Translation David Whitehead:

A Roman, from (?)Napya,who was educated in Hellenic culture, having become enamoured of it after 50 years. He had at first been a goldsmith; but once the passion for learning had entered into him, he set off for Athens and had a full Greek education there. He lived to a ripe old age and learned many fine things. So it was not unreasonable to say, of this Postumus, that saying which once Heraclitus applied to himself: 'I went in search of myself'.

Kommentar

Georgios Kedrenos | Γεώργιος Κεδρηνός

* 11. Jh. CE - † 11. Jh. CE | Christ & Historiker

Historiae compendium, 157 C

Kommentar

Michael Psellos | Μιχαήλ Ψελλός

* 1017/1018 CE - † ca. 1078-1096 CE | Christ, Neuplatoniker, Universalgelehrter & Historiker

Michael von Ephesus | Μιχαήλ Ἐφέσιος

* 1050-1090 CE - † 1129-1155 CE | Christ & Aristoteleskommentator

Commentary on Aristotle's Nicomachean Ethics X. 570

Translation James Wilberding, Julia Trompeter & Alberto Rigolio:

And [Aristotle] said ‘and both [differ] from each other’ (1176a3) about the pleasures of intellect and rational thought. For intellect is of two kinds – contemplative and practical – and their pleasures differ. And by whatever measure contemplation transcends (hupsêlotera) practical action, [its] pleasure also [transcends the corresponding] pleasure by the same measure. And he is speaking about these things ahead of time because he is already labouring to deliver his account about the intellectual life and its respective happiness.

1176a3 And there seems to belong to each living thing a proper pleasure, just as [there belongs to each] a function.

A little above I said that some pleasures are natural to those who are experiencing them, and others are unnatural, and that the ones that come to be upon the activities that are in accordance with their nature are natural, while those that are contrary to nature are unnatural. For there belong naturally to each living creature proper activities, and the pleasures of these activities are also natural, and these are good pleasures and are true pleasures. If, then, this is correct, and if this is especially true of human beings, and if this sort [of human being] is the good [human being], then, the pleasures that especially seem and appear [to be pleasures] to the good [human being] will be pleasures that are in accordance with human nature. But there is a certain difference even among the pleasures that are in accordance with human nature because some of them are more proper to us (autois) and others are less proper. For the pleasures that come to be upon the virtuous activities are more proper – and even most proper of all – to human beings, while the [pleasures] that [come to be] upon the intercourse of men with women are less proper, except that even these are natural and not unnatural. This is the meaning of the present text.

The meaning of the quotation of my fellow citizen Heraclitus of Ephesus, namely ‘Donkeys would choose sweepings over gold’ (1176a7; DK 22B9). By ‘sweepings’ Heraclitus means hay, which is naturally pleasant to donkeys.

‘The [pleasures] of [living creatures] that are different in kind differ in kind’ (1176a8–9). Human being, horse, ox and dog are different in kind. And since they are different in kind, their natural activities also differ in kind, as was said, as well as the pleasures that come to be upon them. And it is reasonable that in the case of non- rational living creatures the [pleasures] of those that are the same in kind are also the same in kind. For the same things are pleasant to all horses, since they are the same in kind, e.g. hay and barley; and for dogs – since they, too, are all the same in kind – [it’s] bones and meat; and for oxen [it’s] vetch. In the case of non-rational living creatures, then, as was said, this thesis is true because they have only nature guiding them.

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Etymologicum Magnum | Ἐτυμολογικὸν μέγα

1100-1150 | mittelgriechisches byzantinisches Lexikon

βιός

Original:

Βιὸς, ὀξύνεται τὸ τόξον. διὰ τὴν πρὸς τὸν βίον διαστολήν. ἔοικε δὲ ὑπὸ τῶν ἀρχαίων ὁμωνύμας λέγεσθαι βιὸς, τὸ τόξον καὶ ἡ ζωή. Ἡράκλειτος οὖν ὁ σκοτεινὸς, τῷ οὖν τόξῳ ὅνομα βιός· ἔργον δὲ, θάνατος: - ἤτοι παρὰ τὴν βίαν τῆς τάσεως. τὸ ὅπλον οἵτω κεκλῆσθαι· ἐπειδὴ μετὰ βίας τείνεται. ἤ ὅτι δι᾽ αὐτοῦ τὰ πρὸς τὸν βίον οἱ ἀρχαῖοι εἶχον, ἐν ταῖς θήραις αὺτῷ χρώμενοι· τὰ πρὸς τὸν βίον ἐπορίζουτο, τοξεύοντες τὰ πτηνὰ καὶ τὰ τετράποδα.

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Theodoros Prodromos | Θεόδωρος Πρόδρομος

* ca. 1100-1115 CE - † ca. 1156-1170 CE | Christ, Byzantinischer Schriftsteller & Dichter

Epistulae, 1 (Patrologia Graeca, 133, p. 1240 A)

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Johannes Tzetzes | Ιωάννης Τζέτζης

* ca. 1110 CE - † ca. 1180 CE | Christ, Gelehrter, Dichter & Grammatiker

Commentaria in Aristophanis Plutum, v. 90a (p. 31 Massa Positano)


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Exegesis in Iliadem, p. 101 G. Hermann


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Scholia ad Exeges. in Iliadem, p. 126 Hermann


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Eustathios von Thessalonike | Ευστάθιος Θεσσαλονίκης

* 1110-1115 CE - † 1194-1198 CE | Christ, Gelehrter & Geschichtsschreiber

ad Iliadis I, 49

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Albericus Londoniensis

* 12. Jh. CE - † 12./13. Jh. CE | Christ & Mythologe

Michael Glykas | Μιχαὴλ Γλυκᾶς

* ca. 1125 CE - † ca. 1204 CE | Christ, Historiker, Theologe, Mathematiker, Astronom & Dichter

Moses Maimonides | Moses ben Maimon | משה בן מימון | Rambam

* 1135-1138 CE - † 1204 CE | Jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter, Theologe & Arzt

Michael Choniates | Michael Akominatos | Μιχαὴλ Χωνιάτης | Ἀκομινάτος

* ca. 1138 CE - † 1222 CE | Christ, Orthodoxer Metropolit von Athen & Schriftsteller

Epistulae, 170, 1

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Nikophoros Blemmydes | Νικηφόρος Βλεμμύδης

* 1197/1198 CE - † 1269-1272 CE | Christ, Universlagelehrter, Mediziner & Erzieher

Albertus Magnus | Albertus Theutonicus | Albertus Coloniensis | Albert der Große

* 1196-1206 CE - † 1280 CE | Christ, Bischof, Kirchenlehrer, Gelehrter & Aristotelismus

De vegetablibus, VI, 401 (p. 545 Meyer)

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Elias Cretensis | Elia ben Moses Abba Delmedigo | אליהו דלמדיגו

* 1458-1460 CE - † 1493-1497 CE | Jüdischer Religioinsphilosoph

In Gregorii Nazianzeni orationes, 25, 15

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Scholia A et T in Iliadis XVIII, 251

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Scholia T et B in Iliadis XXIV, 54

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H. Erbse, Theosophia, 68, 1941, p. 184

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